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Eine SpchartwanderMg.
Eins Wanderung durch den gepriesenen Spessart lag uns schon lange im Sinn und ungeduldig warteten wir darauf, daß her Wettermacher ein Einsehen habe und endlich die Sonn« wieder pnzünde. Es regnete aber lustig fort, und wir fassen mit betrübten Mienen über unseren Büchern. Dein Wettermacher müssen die Ohren unaufhörlich geklungen haben, wenn er für die mehr oder weniger heftigen Aeutzerungen des Unmutes unzufriedener Erdenpassagiere überhaupt noch empfänglich ist.
Aber endlich heiterte sich der Himmel wieder auf wie das Gesicht eines sorgenvollen Vaters, wenn fern teurer Sprößling versetzt wurde. In Eile wurden die Vorbereitungen zur Wanderfahrt getroffen und es konnte losgehen. Am frühen Morgen brach die lustige Schar nach Aschaffenburg, dem eigentlichen Ausgangspunkte ihrer Wanderung auf. Mit leichtem Herzen und schwerbepacktem Rucksack.gings über Schweinheim, Bad-Soden nach Volkersbrunn- wo nach einem angenehmen Marsche durch schattige Wälder Einkehr gehalten wurde. Bald. nach dem Mittagsmahl ging es jedoch schon weiter. Unter Liederklang verflogen den Wandernden die Stunden des mittäglichen Marsches rasch und angenehm. Früher, als man erwartet hatte, kam man in Eschau, dem Ziele des ersten Tages an.
Nach fröhlichem Mahle und lebhaftem Gespräch über die ziemlich belanglosen Ereignisse des Tages wurde zeitig das Lager ausgesucht, denn schon früh sollte am arideren Morgen aufgebrochen werden. Das erste Ziel war die alte, verwitterte Bergfeste Wildenstein, die in ihrem Verfall einen tiefen Eindruck auf den Besucher macht. Von der Burgruine aus geht der Waldweg ungefähr 4—5 Kilometer in nord-östlicher Richtung auf die Geishöhe, einen der höchsten Punkte des Spessarts. Dann führte der Weg über Neu- hammer (Schnitzerschule, in der arme Waisenknaben beschäftigt werden) nach Volkersbrunn, wo auch diesen Tages zu Mittag gegessen wurde. Am Nachmittag kam man nach Messelbrunn, dem schönsten Punkte, den unser Ausflug berührte. Es ist das Schloß, das 1419 von Haman Echter erbaut wurde. 1493 erweitertes Peter Echter I. das Schloß hedeutend, und als 1665 der Mannesstamm der Echter erlosch, verschönerten es die Grafen von Ingelheim, denen das Schloß zufiel, im Geschmaicke des Mittelalters.
Lange standen wir in den Anblick des nrärchenhaften Bildes versunken, bis ein lustiges Postillionslied uns aus unseren Träumen riß. Also „an" die Wirklichkeit versetzt, wurde beschlossen/ in der Poststelle Halt zu machen. Dutzendweise schleuderte man die Postkarten in die Welt, denn man wollte sich nicht allein an all deni Herrlichen ergötzen, sondern; auch Freunden und Bekannten Teil daran geben. Beine Abmarsch schmetterte der Postillion noch ein Lied in den herrlichen Tag, und so einfach diese Musik auch war, so überkam doch den Städter, der nichts kennt, als das Rassehnj der Wagen und das wüste Geschrei der Fuhrleute, eine süße Ruhe und ein tiefer Friede.
Mit frohem Mute kamen wir in Rothenbuch an. Rothenbuch war sowohl für diesen Tag, als auch für den dritten und fünften zum Nachtquartier erwählt.
Der dritte Tag brachte die ausgelassene Gesellschaft über das Schlachtfeld von Laufach, wo am 13. Juli 1866 General Wrangel mit der Vorhut der hessischen Division Perglas zusammenstieß. Man.nahm diesmal das Mittagessen in Jakobstal ein, von wo aus der Weg fast ausschließlich durch herrliche Waldungen nach Rothenbuch zurückführte.
Ebenso marschierte man den vierten Tag fast nur durch Waldungen, die um so angenehmer waren, als die Waldwege fast durchgängig gut gezeichnet sind. In dem idyllisch gelegenen Ruppertshütten wurde zu Mittag gegessen. Das Ziel des Tages war Lohr, das wir gerade noch rechtzeitig erreichten, um nicht von einem kalten Regen durchnäßt zu werden. Dieser Regen konnte uns jedoch nicht abhalten, int Maine zu baden. Leider änderte sich das Wetter über Nacht nicht, und so mußten wir den ganzen Tag im strömenden Regen marschieren. Wenn auch das Gehen dadurch äußerst erschwert wurde, so tat das der guten Laune keineswegs Einbuße. Im Gasthaus „Zum Hochspessart" setzten wir uns zu Tisch, und da wir am Nachmittag nur einen kurzen Marsch vorhatten, so wurde beschlossen, der Wildschwein- .fütterung beizuwohnen. Als man die Kleider einigermaßen getrocknet hatte, brach man um 4 Uhr nach Rothenbuch auf. Leider sollten sie aber nicht lange trocken bleiben, denn kaum waren wir ins Freie getreten, als wir auch schon wieder gerade so naß waren lute vorher. Gegen sechs Uhr kamen wir in Rothenbuch an. Die Güte der Bauersleute gestattete den meisten, sich der durchnäßten Kleider zu entledigen. Unter den Klängen Hines frohen Wandermarsch.es schieden wir am folgenden Tage von dem Dörfchen und bestiegen inj Laufach dis Bahn, die uns über AschaffM- dnrg zurückbrachte,
vöLmrsehtes.
chDer Bessere, Du, verehrlicher Leser, kennst ihn so M wie ich. Früher trüg er einen Haby-Bart, aber dieses Merkmal W. >,wch weniger zuverlässig, seit Seine Majestät keinen mehr trägt. Er ist L. d. R., alber das sind vernünftige Leute auch.
Er kleidet fick elegant, dibev däs tun andere Herven iticht minder« Er hat gewöhnlich einen Schmiß! als Antlitzschmuck, aber auch diesen haben ja andere gleichfalls. Er trägt mitunter ein Monokel/ um anzudeuten, daß er die Welt nur mit einem Auge sieht, aber! ich kenne auch welche mit Klemmer. Er betont meist, daß hr „Arier" sei, ist's aber nicht immer. Was schon mehr zu seiner! Chstyakteristik leitet: er bleibt außerordentlich ernsthaft auch/ wenn was wirklich Komisches passiert oder etwa ein Kind sich ihm aus Versehen zutraulich nähert. Nämlich: das Ernsthaftbleibest erfaßt er als Sache der Würde. Als Ausdruck seiner Wichtigkeit. Mitunter sieht er nur beschränkt aus, mitunter zum Erbarmest dumm. Aber der Ausdruck hoher, höchster, gar nicht zu überschätzender Wichtigkeit durchleuchtet ihn immer, wie das direkt nicht wahrnehmbare innere Licht eine Birne aus Milchglas« Was nicht mindestens nach d. R. aussieht, ist Luft für ihn« zumal falls es „Röllchen" trägt. Die niedere Menschheit gar mit ihren „Angestellten" irgendwelcher Art ist ihm Weltäther, ich meine: ttoch wesentlich Dünneres als.Luft. Es ist nicht wahr, daß dieser Typus, wie manche behaupten, nur in den Witzblättern vorkäme. Wer viel reist, wird kaum ein Paar Stunden int O-Zug sitzen, ohne datz einer der Besseren mit der Miene Platz! nähme, daß etwas Bedeutsames geschieht. Bevor er sich erhebt, prüft er sich int Taschenspiegel mit einem Blick, der von seinem! Bewußtsein zeugt, der Welt für seine Erscheinung verantwortlich zu sein, während er mit der Strenge des Vorgesetzten seinen Schnurrbart sträubt. Läuft der Zug ein, ruft er „Jepäckträjer!" mit einer Stimme, in der die Entrüstmtg der bloßen Vorstellung! bebt, ein Mann wie er müsse einmal seine Tasche selbst tragen« Ich kenne Leute, denen der Bessere das Reisen in der zweiten! Klasse verleidet hat. In der dritten fehlt er ja meist. In der ersten ist er aus denselben Gründen seltener, aus denen unten den Generälen weniger komische-Figuren zu finden sind als unter den Leutnants. Der Bessere ist das Kind der Ehe zwischen Mangel an Intelligenz mit Hochmut, aufgezogen vom Lehrer Vorurteil und vom Diener Servilismus. Der Bessere ist vor allem übrigen auf alles das stolz, was er besitzt, ohne daß er sich's verdienk hätte: auf seinen Namen, sein Erbe, seine Stellung. Diesem Typus, werter Leser, bin ich jetzt nur unter uns Deutschen mehr als ganz ausnahmsweise begegnet. Du auch in einem anderen! Lande? Ohne daß. sein Träger von uns aus dorthin gekommen wäre? Kennst du Engländer, Franzosen, Italiener, Russen, Skandinavier aus den gebildeten Ständen, die ihm entsprächen? Nicht nur Vereinzelte, sondern so viele, daß sie gelegentlich trupp- weis kommen? Auch ich habe über diese Pöbclmenschen, die sich für vornehm halten, früher wie über eine besonders großgewachsenü Narrensorte nur gelacht. Bis ich im Jnlande beobachtete, wieviel sie beitragen, einerseits Haß, anderseits ekle Bedientenhaftigkeit zu fördern. Und bis ich int Auslande sah und Hörte, daß mau nach diesen „Besseren" die Besseren unserer Nation beurteilte.! Letzteres kommt daher: sie laufen als leine Art negativer Reklame! in der Welt herum, weil sie sich int Bewußtsein ihrer grüßest Bortrefflichkeit als ganz besonders geeignet und daher verpflichtet zur nationalen Repräsentation fühlen. Und manches bei uns züchtet sie. Denn während sie früher eine norddeutsche Spezialität waren, wachsen sie jetzt, wenn schon seltener, auch in unserem Süden. A.
* Ach so! Tochter: „Ach, Mutter, wenn wir es doch nun Pin einziges Mal so weit brächten, daß bei uns gepfändet würde!" — Mutter: „Aber Kind, wie kommst du nur darauf!" — Tochter: „Ja, Msttter, Her neue Gerichtsvollzieher ist nämlich ein so bildschöner jünger Mann."
. AreuMsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a ----- aeeee'eeefgg'iiii _______iiiill mmmnnsssa ttttuuuuwwz z der- - — arf ewzmragen, daß die wage-
------------ rechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben!
1. Ein Metall.
2. Futterstoff. ----------- 3. Alkoholische Süssigkeit.
Auflösung in nächster Nummer.'
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wir kömten die Kinder nach unserm Sinne nicht formen; So wie Gott sie uns gab, so mnß man sie haben unb lieben, Sie erziehen auf's Beste, und jeglichen lassen gewähren; Denn der eine hat die, der andre andere Gaben;
Jeder braucht sie, und jeder ist doch nur auf eigne Weise ®ut und glücklich. Goethe.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießem


