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Das schlafende Heer.
Roman von Clara Viebig.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
8.
Es wäre Doleskhäl eine Wohltat gewesen, nach Hause fahren zu können, anstatt beim Diner sitzen bleiben zu Müssen. Das Geschwirr um ihn her quälte ihn. Durch das Klirren der Gläser und das Klappern des Silbers, im Durcheinanderwirren der lebhaften Tischunterhaltung hörte er immer den einen Ton: er hatte einmal einen alten räudigen Hund totgeschossen hinter der Scheune, der hatte gerade so aufgeheult.
Wenn das Weib nur nicht ernsthaft verletzt war! Was gäbe, er darum, wäre ihm das heute nicht passiert. Wäre er doch gar nicht zu der verwünschten Jagd gefahren! @6 hatte ihm nicht umsonst so widerstrebt. Aber er hatte sich gezwungen: war es denn nicht klug, mitzumachen?
Fast die ganze Kommission war da und der Landrat und alle großen Besitzer der Umgegend. Man sprach davon, daß Boguszynski auf Groß-Wirschowitz sein Mandat nieder- legen würde; Differenzen waren aufgekommen zwischen ihm und seinen Wählern, man war nicht zufrieden mit seiner Haltung im Reichstag. Ja, es war so, der alte Herr hatte ihm neulich selber Andeutungen gemacht! Wenn er nun daran dächte, sich aufstellen zu lassen für die nächste Reichs- tagswahl?! Er war noch jung, er würde ihnen schon entschieden genug sein. Und warum sollten sie ihn eigentlich nicht wählen? War er nicht aus gutem altem Haus — sein Wappenschild zeigte keinen Flecken —, lebte er nicht in geordneten Verhältnissen, förderte er nicht die Kolonisation nach besten Kräften, in jeder Weise? Tie Leute hatten Zutrauen zu ihm, vielleicht fast mehr als zu dem eigens dazu bestellten Vertrauensmann, dem Gutsverwalter. Der Bräuer zum Beispiel hatte sich lieber bei ihm die Zug- vchsen gekauft und die Kühe, anstatt durch Vermittlung der Kommission; und auf sein Saatgetreide setzten sie auch mehr Hoffnungen als auf das gelieferte. Und vor allen Dingen, war sein .Deutschau nicht der innerste Kernpunkt des hiesigen Deutschtums? Und war das auch stets gewesen, mitten im Polentum, schon von Vaters, von Großvaters Zetten her? Wer konnte sich desgleichen rühmen?!
Stolz hob- er d,en Kopf und ließ seinen Blick die Tafel hinunterschweifen. Wer konnte wider ihn sein? Höchstens hoch der Pole!
Aber da —i halt! Er sti,eß auf düs Gesicht von Kestner, inib seine Brauen schoben sich zusammen. Leider verknüpfte sucht alle Deutschen miteinander das gleiche starke Band! Da waren manche, denen es schwer wurde, die eignen kleinlichen Interessen dem großen allgemeinen Interesse unter- zuordneu. Pah, aber nur keine Sorge, die
„So in Ged guten ?"
Doleschal fuhr zusammen. Die Hausfrau, die neben ihm saß, hatte für einen Augenblick die Hand auf den. Aermel seines Jagdfracks gelegt.
„Haben Sie mich denn ganz vergessen? "
„Verzeihung, Gnädigste!" Er errötete: sie hätte recht, er hatte sie schmählich vernachlässigt! Ihre Fingerspitzen ergreifend, führte er sie leicht an die Lippen; sein Schnurre bart kitzelte die schöne Hand.
Frau Jrdwiga lächelte ihn an; den entblößten Nacken näher zu ihm neigend, wollte sie ihm eben eine ihrer amüsanten Bemerkungen zuflüstern, die sie machte, wenn sie in Laune war, als gegenüber der Landrat an sein WM schlug.
Ah, ein Toast! Das Stimmengewirr verstummte nur allmählich, wie widerwillig; die Herren waren schon äußerst animiert. Es war scharf getrunken worden. Ueherall erhitzte Gesichter. Kestner am linken Flügel, in einer Gruppe von Landwirten, hatte bereits ganz kleine müde Augen, aber er beteiligte sich doch noch interessiert an der Unterhaltung. In der eintretenden Slille hörte man ihn gerade noch grämeln: „Das sagen Sie so: hochnehmen, hochnehmen l Natürlich, höheren Zoll verlangen wir — müssen wir verlangen! Ganz meine Meinung. Herunterhandeln wird uns. der Staat doch schon wieder was! Ae, der —"
„St —!"
Der Landrat klopfte noch einmal energischer ans Was, „Gnädigste Frau! Meine Herren!"
Mas würde nun kommen?! Doleschal sah ernstaufmerksam drein. Der Landrat war nie ein hervorragender Redner, heute schien er es noch weniger zu sein; sein Kopf war sehr rot, die Zunge gehorchte nur schwerfällig.
Himmel, was redete der denn da von Deutschtum, immer von Deutschtum?! Das war doch kein Thema zwischen Eis und Käse! Und gerade hier in diesem Hause! Man war doch bei einem Polen zu Gäst! Peinlich berührt biß sich Doleschal auf die Lippen.
Einen raschen Blick warf er die Tafel hinunter: Lauter Deutsche! Kestner und seine beiden Söhne — hier: Rittergutsbesitzer von Klinkor mtf Ustaszewo — da: Amtmann Rittner aus Paulsbvrn bei Miasteczko — dort: Müller aus Wilhelmshöh und Riedemann aus Bismarcksan — drüben: Baron Bobrau auf Bobrowa — dann der Laskowoer, der Zajezierzer und Herr von Libau auf Michalcza — unken am Tisch ein paar Gutsverwalter, frühere Offiziere — links und rechts vom Hausherrn die Herren der Kommission! Garczynski war der einzige von der andern Nationalität, Wahrhaftig, dieses starke Betonen des deutschen Ueber- gewichts war in dieser Situation nicht am Platze!
Doleschal rücktte unruhig mit seinem Stuhl, das Blut stieg ihm zu Kopf: nselche Verlegenheit! Der Gastgeber mußte sich ja verletzt fühlen. Er, der ein so außerordentlich liebenswürdiger Wirt war, mußte sich im eignen Hause sagen lassen/ daß nur dort, wo Deutsche zusammensitzen, ein einiger Geist, eine harmlose Fröhlichkeit zu finden seien-


