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>Der Schatten sind' zu viele und' zu tiefe, die von den Sonder- klassen und Sonderschulen, noch bevor sie bestehen, geworfen! werden. Diese Sonderklassen der Hochbegabten stellen sich als Experimente dar, deren Urteile säst nur problematisch sind, die aber nicht einen einzigen sicheren Erfolg oder soliden Nutzen für den jungen Menschen versprechen, der diesen Experimenten unterworfen wird. Oder sollte denn wirklich die entfernte Möglichkeit, einmal ein vereinzeltes menschliches Wesen einige Jahre früher an seine! Fachstudien zu bringen, als seine normalen Mitmenschen, ivirklich alle die Gefahren anfwiegen, die das Experiment für viele junge Menschen im Gefolge hat? Der Gedanke Sonderklassen oder Sonderschulen für Ausnahmemenschen einzurichten, ist freute noch ebenso unreif, tote er vor mehreren Jahrzehnten war, als er zuerst auftaucht«. ______________
Veem??chts-.
* Der Ahnherr derKönigin von Spanien. Die Königin Ena von Spanten denkt wohl nur selten daratt, daß ihr Ahnherr ein sttnpler sächsischer Gutssekretär, ein Mittelding zwischen Verwalter und Bedienter war. In den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts lebte au? dein Gnte Seriertsdors ein gewisser Haugk als Verwalter, dem, weil er als „brauchbares Subjekt" bekunden ivnrde, die Ehre zutetl wurde, als „Gouverner" des kleinen Sohnes des adeligen Guts- besthers zu fungieren. Dafür stand dieser bei dent ersten Jungen Haugks Gevatter. Der Verwalterssohn trat in die polnische Armee em zetcgnete sich aus, und die Zaren beförderten ihn rasch. 1809 heiratete er dte Tochter eines wohlhabenden Petersburger Zuckerbäckers, ein Fräulein Lafontaine. 1825 wurde er als Gcneral- teutnant und Kgl. Polnischer Kriegsminister in den polnischen Adel aufgenommen, 1829 zum Grafen erhoben. 1830 siel er durch
2It«$ dem Ghmgebiet.
Vom Klima im O h in g e b i e k.
In der sogenannten Eiszeit, der Quartärperiode angehörig, drangen ungeheure Eismassen von Skandiitavien nach Rußland! und Deutschland vor. Das Alpengebiet und manche deutsche Mittelgebirge vereisten. In Hessen find unzweifelhafte Spuren einer Vergletscherung nicht nachgewiesen. Durch Schmelzung der Gletscher entstand nach der Eiszeit die Diluvialflut. Gegen Ende der Diluvialzeit war es ztoar noch kalt, aber trocken, so daß die Steppen- Fauna in unser Land zog. Mit Beginn der Allnvial- epoche wurde das Klima allmählich milder und feuchter. An die Stelle der Steppe trat zuerst die Weide, dann der Wal d. Wie schon erwähnt, ist die ungeheure Fläche des Woldes „Wer- ftofr" in fruchtbare Wiesen und ergiebiges Ackerland umgewandelt towtet. Wohl eüt Neberbleibsel desselben ist der Brückerwald, der Stadttoald von A m ö n e b u r g. Bei Cölbe stürzte gelegentlich einer Jagd im Oktober 1493 der Landgraf Wilhelm III. von Oberhessen (1483—1500) vom Pferde und brach den Arm, so daß er drei Tage trotz der Fürsorge der Aerzte in großen Gefahr schwebte. Sieben Jahre später starb derselbe bekanntlich infolge eines auf der Hirschjagd erlittenen Unfalles auf dem Schlosse zu Rauschenberg. Die unwiderstehliche Macht und die Heilstätten des Waides kannten schon unsere Altvordern; war doch auch der Baum, vor allem die Eiche, der Gottheit geweiht, und Ms den Bäumen sind nach der Edda, dem Sammeliverk der altnordischen Literatur, die Stammeseltern entstanden. Hier sanden Bruchleidende Genesung: in die Bäume, den ursprünglichen Mutterschoß, kehrte der Kranke zurück und kam gesund und neugeboren wieder aus demselben hervor. Noch steht bei Specks winkel Lin hohler Eichbaum, im Bolksmunde das „Nadelöhr" genannt, durch dessen Oeffnung der Kranke frühmorgens, vor Sonnenausgang, schweigend und ohne angeredet zu werden, kroch, um von der Krankheit befreit zu werden. Bon dem Klima ist das Fortkommen der Pflanzen, aber auch der Tiere und Menschen, abhängig. Hitze und Kälte werden durch die Wälder gemäßigt und die Stürme durch sie gebrochen: und als Schützlinge der Quellen schirmen sie den Boden vor Austrocknung und locken den Regen an. Aus unseren Höhen beträgt die Dauer des Winters 2—21/2 Monate, in den hochgelegenen Tälern IVa—2 Monate, auf dem Vogelsberg drei, auf den Gipfeln der Rhön vier, auf denen des Thüringer Waldes 4y2, des Brockens fünf Monate im Durchschnitt. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt nach den Beobachtungen von 1893 bis 1902 bei 208 Meter Höhe über dem Meeresspiegel in Kirchhain 564 kcm. Bon dem Pilatus, einem Berge in der Schweiz, sagt der Volksmund: „Hat der Pilatus einen Hut, dann wird das Wetter gut: hat er einen Kragen, dann kannst du's wagen (das Reisen); hat er aber einen Degen, so gibts Regen." In ähnlicher Weise gilt auch die Amöneburg den Umwohnenden als Wetterprophet, deren es bekanntlich gar viele gibt; wenigstens wurde hier der erste Teil obiger Regel schon gehört. An der nördlichen Seite von Amöneburg weht, auch wenn int Tale die entgegengesetzte Luftrichtung Nu bemerken ist, beständig ein scharfer Ostwind: daher ist das Klima oben rauh und kalt, wohingegen dasselbe im Tale als Mild oder gemäßigt bezeichnet werden kann.
meuternbe Truppen in W irschau. Seine Tochter Julie, 1825 geboren, wurde im Lästerlichen Katharinenstift erzogen und Hofdame der Kaiserin Maria. Als solche heiratete sie 1851 in morganatischer Ehe den Bruder der Kaiserin, PrinzenAlexandervon Hessen und bei Rhein untr> erhielt den hessischen Fürstentitel von Battenberg. Ihre Nachkommen sind die Prinzen und Prinzessinnen Battenberg mit dein Titel Durchlaucht, und eine dieser Prinzessinnen, eine Enkelin von ihr, eine Urenkelin des Verwaltersohnes ist die jetzige Königin Ena von Svanien.
* unschontich. Landschaftlich wird von Beamten das Wort „unschonlich" gebraucht, etwa in solchen Sätzen wie „Das Material hat keinerlei unschonliche Behandlung erlitten". Sollen wir das tadeln? oder sollen wir es nicht vielmehr freudig begrüßen, sintemalen der Mangel der deutschen Sprache an Eigen-, schafts'wörtern beklagenswert ist? Das Wort ist ebenso wie „schonsam", mit dem sich auch mancher Deutsche erst nicht recht befreunden wollte, durchaus „daseinsberechtigt". Zwar Heyne sagt im Grimmschen Wörterbuch von „schonlich" nur, daß es in „ver- schonlich" vorkomme und dasselbe bedeute wie „sckwubar", also „geschont werden könnend": aber bei Sanders findet man „Geht mir schonlich um mit Absalow" aus Hebel, „Der magere Raum! nötigte zu schonlichem Betrieb" aus Dahn, und „Glimpfliche Wendungen und schonliche Ausdrücke" aus Stolz. Wie wir er-. baulich, erfreulich, nützlich, tröstlich usw. sagen, so können wir auch schonlich sagen, und natürlich auch unschonlich ebenso wie unerbaulich, Unerfreulich usw. — Eine andere Frage aber ist die, !ob' nicht jener Satz als übles Kanzleideutsch zu bezeichnen! taäre. Weshalb so schwerfällig „Das Material hat keinerlei uü- schouliche Behandlung erlitten", statt einfach „Die Geräte (Baustoffe? Waren?) sind durchaus schonlich behandelt worden"?
* AusderWelt des Spleens, lieber merkwüidige Welt- siego, die in neuerer Zeit bekannt geworden sind, weiß ein französisches Blatt zu berichten. Da ist in London ein Dr. ClookS, der seinen Stolz darein setzte, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele — Kartoffeln zu schälen; es gelang ihm, in 7 Minuten 11 Kilo zu bc- wältgc«. Nicht geringeren Anspruch auf Unsterblichkeit hat sich ein Herr Joy? Bollaert in Brüssel erworben, der es fertig brachte, an einer Zigarre zwei Stunden lang zu rauchen. Umgekehrt machte es ein Herr W o l z i n g in Berlin, der innerhalb der gleichen Zeit 19 Zigarren in Dampf anfgehen ließ. Aehnliche Leistlingen vollbrachten ein Amerikaner namens Lowney, der in 4 Minuten 104 Austern öffnete, eine Madame Düble, die in 19 Stunden 20 -7 belegte Brote bereitete und ein Herr Dupont, der in einer Stunde 2844 Nüsse öffnete und somit als der bedeutendste Nußknacker der Welt dasteht. .... Unsinn, du siegst I
* Schusterin ngenfr Nrnvr. Meister (zu feinem Lehrbuben) : „Sage mir nur, Natzl, du bist heute so müde und faul, wie kommt denn dös?" — Natzl: „Ja, Meister, denken Sie sich nur, mir hat die ganze Nacht geträumt, ich bin einem Omnibus! nachgelaufen — darum 'bin ich so müdes"
Viicherüsch.
— DidKunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. Verlag Bruckmanu, München. Aus dem Inhalt des Juniheftes: Max Osborn über Friedrich Kallmorgen, mit einer Anzahl prächtiger, z. T. farbiger Abbildungen. Illustrierte Aufsätze über die Wiener Secession, über moderne Bauten in Bremen, über Exlibris und Radierungen von Marens Behmer, E. Kalk- schmidt empfiehlt an Stelle des Sammelns zweifelhafter Altertümer das Kaufen guter Erzeugnisse des neuzeitlichen Kunstgewerbes, A. Rößler über Fälscherkünste u. a. 'Der bildliche Schmuck ist wie immer sehr reichhaltig und auch technisch sehr gu.t ausgesührt.
Logogrrph.
Afrika ist meine Heimat, als Schwarzer bekämpf' ich die Weißen Schenke statt „r" mir ein „e”, werd' ich ein schmackhaft Getränk.
Auflösung in nächster Nummer:
Vorderhand erhielt
M. PZ
tt8 carD car8
M.
H.
H.
Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c = Coeur, ear — Carreau, trB — Tress-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. s. f.
'' ' trB, pB, cB, trA, trZ, trK, trD, tr9, tr7, und carA; Hinterhand hat die übrigen.
H. carB.
H. cA = 11.
V. carZ = 13.
V. trA — 11.
V. trZ — 21.
H» I>A --- -----
In den nächsten drei Stichen erhält Mittelhand noch 17 Augen, während Vorhand die beiden letzten mit trB und pB nehmen muß; Hinterhand hat keinen Stich bekommen. Hätte Mittelhand statt car9 die car7 ansgespielt und Hinterhand statt carD vorher eine andere Karte mitgegeben, so konnte Mittelhand mit ihrer car9 nach Ausfpielen von car8 doch wieder an's Spiel gebracht werden.
carZ, im Skat liegen cZ Spielgang:
1. V. cB
2. V. tr7
3. M. e7
4. M. car9
5. M. car7
^Edaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckeretz“nn^“ffliefcib


