Ausgabe 
11.5.1910
 
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Dem schlanken jungen Manne mit dem

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Wietzen.

Logsgriph.

MitU" ist's zu finden am Donaustrand, MilI" zieht es murmelnd durch's Thüringerland; MitA" liegt es hoch zwischen Alpengeländcn, MitO" wohnl's im Schluchten an FelZhöhlcnwänden. t. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: \ DELOS ESEL LEA 0 L 8

* A »berge w ö hnli ch hohe P r e < , e wurden bet der Versteigerung der Kunstsammlung des verstorbenen Mr. Octavms E. Coove bei Christaes in London erzielt. Wahrend des zwei- tägigen Verkaufes ivurden säst 1200 000 Mark erzielt, und inan alaiibt, daß nach Beendigung der Versteigerung der Gemälde eine Summe voi> zivei Millionen Mark erreicht wird. Emc-alle chine­sische Base in der Höhe von 16 Zoll wurde mit 94 000 Mk. zu­geschlagen. Dieselbe Vase beiand sich früher in der Barnal- Sanimlung und tvurde vor 25 Jahren mit etwa 1200 Mark ver- tauft. Ein Paar chinesischer Bnsen aus der Kang Ho-Periode wurde mit 37 OCO Biark zugeschlageti unb zwei Chelsea-Vasen er- zielten 25 000 Mark. Ein Paar Champagnerkühler von Boulanger bedangen 54 000 Mark.

» Der jöefb der Lüfte. Louis Paitlhau, der mit seinem glücklichen Fluge von Loudon nach Manchester den 200 000 Mark - Preis der Daily Mail errungen hat, ist nicht durch einen glücklichen Zufall in die Zahl der berühmten Aviatiker eingeruckt: eine lange Reihe von entbehrungsvollen Jahren und zäher, ziel- bewusster Arbeit sind dem Siege voraufgegangm, der ihm nun zuteil geworden ist. Dem schlanken jungen Manne mit dem fröhlichen, fast kindlichen Wesen, in dem alle Leidenschaft durch eine herzeugewinnende Bescheidacheit und Liebenswürdigkeit ge- bäudigt erscheint, sieht man nichts an von den überwundenen entsagungsvollen Zeiten, in denen nur das hohe Ziel über die harte Arbeit des Tages den Schimmer ferner, stolzer ttofmuiigen warf Als 18 jähriger Jüngling war Paulhan Matrose geworden; zwei Jahre laug lebte er auf dem Meere, -er diente auf etnelm französischen Schiffe, das zwischen Europa und dem fernen Osten, insbesondere Japan, verkehrte. Er war 20 Jahre alt, als sein Geist sich zum erstenmal mit der Luftichissahrt befchasttgte und seine rege Phantasie erkannte sofort die großen Möglichkeiten, die hier noch unerschöpst schlummerten. .Als, em »reiimlllger trat er in die Luftschifferabteilung der französischen Armee ein und als einfacher Mechaniker nahm er Teil an der Herstellung der Militärballons und er lernte so in der Praxis, was von der Luftschiffahrt zu erlernen ist. 'Dann, int Jahre 1906, kamen die ersten Erfolge des mechanischen Fluges. Als Santos Dumont an jenem denkwürdigen Novembertage in Paris die ersten 210 Meter mit einer Flugmaschine zurücklegte, da stand unter den be- wuiidemden Zuschauern auch Louis Paulhan. Er zählte zu den wenigen, die sofort die Bedeutung dieser ersten wirklichen Lei­stung erkannten, und fortan widmete er seine ganze .Kraft nur ausschließlich der Fliegerkunst. Die äußeren Verhältnisse waren ihm kaum günstig und mehr als einmal schien das,Schick,al dem vermögenslosen jungen Mechaniker den Weg zu versperren. Mut, Ausdauer und Enthusiasmus trugen ihn über Zweifel und Sorgen hinweg Paulhan arbeitete damals als eiufacher Mechaniker mit einem Wochenlohn von 6080 Mk (?). Seine erste Sorge war, sich in der damals neugegründeteil Flugmalchiuenfabrik der Bruder Voisiu -eine Anstellmig zti verschaffen und hier arbeitete er an der Herstellung jener ersten ungefügen unsicheren Maschinen mit, die heute längst der Vergangenheit angel,ören. Als dann die Brüder Voisin einen Preis für den besteii Entwurf einer Flug- maschine auSsetzteu, war es Paulhan, der im Wettbewerb den Preis davontrug. Aber seine Mittel ivaren zu gering, um aus eigenen Kräften an den Bau einer eigenen Flugmaschine denken zir können. Schließlich fand er jedoch vertrauensvolle Freunde, die ihn unterstützten: endlich konnte er seinen ersten Flug unter­nehmen, er benutzte dabei einen Voism'schen Zweidecker und blieb sofort 15 Minuten in den Lüften. Als er dann ans der Flieger­woche von Reims auftauckte, erregten die ersten Flüge des kaum bekannten jungen Fliegers Aufsehen und ungeteilte Bewunderung. Er war -es, der sich höher in die Lüfte empor wagte als alle anderen und in den ersten zwei Tagen übertrafen seine Leistungen alle anderen Flüge. Seine Wettsiege ivurden später von den erfahreneren, älteren Meistern, von Blöriot, voit Latham und von Farman überholt, aber Paulhan war berühmt und seilt Name gemacht. Die ruhige Sicherheit und vor allem die besonnene Umsicht, mit benen er seine Wagnisse unternahm, ohne in sinn­loser Tollkühnheit Unmögliches zu versuchen, wurden von allen Fachleuten rühmend anerkannt. Die Ereignisse haben den Weis- sagungen, die damals fielen, Recht gegeben: der kleine, immer lächelnde, lebhafte Paulhan hat Sieg um Steg errungen, die Zahl seiner Flüge wuchs von Woche zu Woche, und mcht ein einziger Unfall traf den umsichtigen, besonnenen Flieger, -schon im Herbst des vergangenen Jahres war -er in England gewesen, nm die Strecke LondonMatlchester in Augenschein zu nehmen, denn von Anfang an war es sein Ehrgeiz, diesen Flug a\v§» zuführen. Wenige Wochen später verblüffen seine Leistungen in der Flngwoche in Los Angeles in Kalifornien alle Sachverstan-

ültöste, Prinz Eduard, der heutige Thronfolger, dessen ent­schiedenes, klares und zieWelvußtes Wesen schon tn den Knahenjcchren der Umgebung aufsiel, erduldete gern die mütterliche Streug-e, mit der seine kleinere Smivc-ster sich seiner annahin".

vermischtes.

digen. Paulhast erhebt sich bis zu einer Höhe von 4000 Fuß und beweist dabei eine Sicherheit in der Handhabung seiness Apparates, die ihn an die Spitze der bekannten Flieger stellt. Erst vor einigen Tagen überraschte er die Welt noch mit einem ueueit Wettsieg: er flog von Chulons nach Nogent-sur-Seine, ein Ueberlandflug von mehr als 180 englischen Meilen. Und nut welcher Kühnheit er seine Maschine bei Blackpool durch einen heftigen Sturm steuerte, ist noch in frischer Erinnerung aus beit aufregenden Schilderungen, die Augenzeugen von diesem ver­wegenen Kampfe mit dem Sturme gegeben haben.

* Geraldine Farrar, die befunnte Sängerin, gab, wie aus New-York berichtet wird, den Gefangenen im Gefängnis von A llanta ein Konzert. In dem Gefängnis war bekannt ge* worven, daß Mist Farrar mit Caruso, Scotti und Madame Gadski in. der Hauptstadt des Staates eine Woche lang auftreten ivurden, und sie forderten daher 'Mist Farrar auf im Gefängnis zu fingen. Mist Farrar erklärte sich ohne Zögern bereit tund fuhr nach dein Gefängnis, wo sie ein regelrechte Ksouzert gab.

* A chtzi g Jahre n u r Zylinder h ü t e g e t r n g e n Hai ein dieser Tage in Surfleet verstorbener Schuhmacher. Im Alter von 10 Jahren schickte ihn feine Tlutter mit einem Seidenhut in die weite Welt, und empfahl ihm an, niemals andere Hnte zu tragen. Er ist diesem mütterlichen 'Rate genau nachgekomnien und hat bis an sein Lebensende nur den Seidenhut getragen. Er war in seiner Heiniatstadt Surfleet eine bekannte Persönlichkeit. .

* Der erste Gegner des Frühschoppens. Seitdem Windthorst den Kämpf gegen den Frühschoppen aufnahm, ist die scheinbar so festgewurzelte Sitte in der Tat m Abnahme ge- kommen. Aber Windthorst ist, wenn auch der erfolgreichste, so doch nicht der erste Bekämpfer des Frühschoppens gewesen. Schon im dritten Jahrhundert läßt sich Novatian, ein Presbyter, n>te folgt vernehmen:Es gibt Christen, die das Beispiel ber list- enthaltsamkeit geben und so lasterhaft geworden sind, daß sie gleich frühmorgens nüchtern trinken, während doch Christen erst nach der Mahlzeit einen Trunk zu sich nehmen sollten. <n die noch leeren Adern gießen sie, kaum, daß sie sich vom Schlafs erhoben haben, den Wein. Vor dem Essen sind sie bereits be- trimfcn; sie besuchen nicht bloß Kneipen, sondern sie tragest eine Kneipe mit sich herum und ihr Gruß besteht tm Zutrinken. - Wie modern war doch, um mit Mommsen zu reden, das alt« Rom!

* Ein gescheiter Doktor.Sixt, unser Viehdoktor is do a g'scheiter Kerl. Wie ich ihn zii meiner -kranken Kuh g holt hab', hat er mir a Mittel verschrieb'n und g'sagt:Wenn dos nit hilft, nachher hilft gar nix mehr." Und richtig, am änderest Tag war die Kuh hiu." - .

* Falsch verstanden. Arzt:Ihr Aussehen ist nicht besonders: fitzen Sie viel?" Patient:Es geht; das (letztemal! bin ich mit sechs Wochen davongekommen."

Vüchertisch.

Unterrichtsbriefe für das Selbst-Studium der altgriechischen Sprache strpi Prof. Dr. E. Koch. Zweite durchgesehene Auflage. Der III. Kursus fortgeführt von Oberlehrer Dr. Ehr. R o e s e. XXXII und 800 Setten 8°, Ver­lag von E. Haberland in Leipzig-R. Es wird immer Verhältnisse geben, die strebsame Menschen zwingen, sich durch eigenes Stu­dium, ohne die bequeme Hilfe des Lehrers, Wisse,i aiizueigneU. Diesem Zwecke dienen die hier vorliegenden lliiterrichtsbriefe.- Wer diese 48 Briefe durchgearbeitet hat, hat das Wissen eines! Primaners erreicht. ...,

Das literarische -E ch o. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde. (Herausgeber: Dr. Josef Ettlinger, Verlag: Egon Fleischei u. Co., Berlin W. 9). Das 1. Machest ist so­eben mit folgendem Inhalt erschienen: Anna Brunnemann: Dw französische Frauenliteratur; -Engelbert Pernerstorfer: Edith Salburg (mit Porträt); Rudolf Fürst: FrauemRoinane; Lulu v Strauß ii. Torney: Die arme Margareth; dldalberl Meinhardt: -Ein Frauenschicksal; Bertha Badt: Neue uud alte Briefe; Echo der Zeitungen und Zeitschriften; -Echo des Auslands (Französischer, Italienischer, Spanischer Brief); Echo der Bühnen; Kurzs Anzeigen; Nachrichten; Vorlesungs-Chronik; Zuschriften; Dep Büchermarkt.