Ausgabe 
11.5.1910
 
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.und bie Repräsentation an ihn stellten. DiÄ S^me, Tortur,, die es für ihn gebe, so erklärte er öfters stus- bestände^ m lenen großen Hofempfängen, da müsse er stets huldvoll lächeln und freundliche Worte sprechen, auch wenn ihm gar nicht danach zu Mute sei. Einmal sei er won dem wütendsten Zahnschmerz geplagt ivorden, aber er habe doch kein mürrisches Ge­sicht macheil dürfen, weil sonst all die Empfangenen die Wwesen- heit der königlichen Gnade auf das Schmerzlichste empfunden hätten. Wenigstens zweimal tn der Woche erhielt der König von jedem Minister, mündlichen Bericht über alle wichtigen Vorgänge Da der König stets eine große Anzahl von Fragen an die Minister! zu richten hatte und, sich über die kleinsteil Einzelheiten informierte, jo dauerten die Audienzen oft sehr lange. Dazu kamen noch all die andereii Empfange und Zeremonien; den ganzen Tag und oft noch bis spat in die Nacht _ liefen in ununterbrochener Reihenfolge Briefe und Telegramme für ihn ein, die ihn über wichtige iwlitischs Ereignisse unterrichteten und ihm sogleich mitgeteilt werden mußten. Esast also ern gewaltiges Stück Arbeit, das König Eduard in den neun Zähren seiner Regierung vollbracht hat.

Ulnstigen König, täglicheingcpaukt". Dadurch würde ihm dieser Unterrichtsgeaenstand höchst unsympathisch und eines Tages er- Karte er, resolut:Ich will nicht mehr die Verfassung aufsagen. Dies ewige Auswendiglernen basse ich, cs ist so langweilig und trocken.Aber es ist von höchster Notwendigkeit, erwiderte der erschreckte Hofmeister,daß Sie genau alles wissen, was sich auf die Konstitution des dereinst von Ihnen regierten Landes bezieht; es ist unbedingt notwendig!"Ja, Sir", entgegnete der Pnnz traurig,ich !veiß, die englische Konstitution ist höchst wichtig. Aber was wird dabei aus meiner Konstitution?"

K ö n i g Eduards Werb u n g.

Schon als Schüler war der Prinz von Wales nach Deütsch- land gekommen und hatte zwei herrliche Monate in Wnigswinter am Rhein verbracht. Auf seiner Reise war er nach dem Wunsch der Königin voll einigen gleichaltrigen Schülern von Eaton aus bft vornehmsten Familien des Landes begleitet, die man ohne Rücklicht auf ihre politische Parteistellung ausgewählt hatte. Als dann 1858 seine älteste Schwester den Prinzen Friedrich Wil­helm von Preußen heiratete, weilte er öfters bei seinen Ber- wandten und kehrte entzückt von solchen Ausflügen zurück. Im Jahre 1860 hat er bei einem solchen Besuch in deutschen Landen zum erstenmal die junge Prinzessin Alexandra, die Tochter des damaligen Herzog Christian IX. von Schleswig-Holstein-Sonder- durg, des späteren Königs von Dänemark, gefehen. Bon der mißeren Persönlichkeit des Prinzen besitzen Wir ein anziehendes! Bild in der Schilderung der Gräfin Bernstorfs:Der Prinz von Wales hat feinere und regelmäßigere Züge als seine älteste Schwester, aber er sieht noch etwas kindlich und zart aus; man njödjte ihm wünschen, daß er noch wachse und sich kräftige. Sein Ausdruck ist sanft und freundlich, sein Lächeln besonders hübsch es erinnert an das seiner Mutter. Die Königin selbst be­dauert sehr, daß er so klein ist."

Bei einem Besuch des Domes von Morins sah der Prinz von Wales zum erstenmal zufällig seine spätere Gattin. Das Mädcyen siel ihm auf. Er lernte sie kennen. Der Zufall, beii den ersten Schritt ihrer Liebe begünstigt, zeigte sich ihnen weiter geneigt, sie begegneten einander öfters bei der Schwester des Prinzen, die damals mit ihrem Gemahl in Heidelberg weilte, dann auf Schloß Lacken bei König Leopold von Belgien. Am 10. März 1863 wurde in. der St. Georgskapelle von Windsor i die Hochzeit gefeiert. i

Der Prinz von Wales.

Ein reicher Kranz von Legenden .hatte sich um die Gestalt I Eduards gewoben, da er so lange Zeit als Prinz von Wales die Augen der Welt aus sich gerichtet sah. Als ein echter Eng­länder fand er wohl sein höchstes Vergnügen an Pferde- I rennen.Ich bin am glücklichsten," schrieb er einmal,wenn I ich als ein einfacher Mr. Johns zum Remien gehen kann, ohne I daß es dann gleich am nächsten Tage in den Zeitungen heißt, I der Prinz von Wales habe sehr hoch gesetzt und mehr verloren, I als er je bezahlen könne." . c

Auch als führende Erscheinung auf.dem Gebiet der Mode | hatte der Prinz einen lang anhaltenden Ruhm gewonnen. Seit I den Tagen der großen Dandys gvar er der erste, dessen Kleidung in den Steifen der Lebewelt maßgebend wurde. Jede Kleinigkeit j in seiner Kleidung wurde beachtet und sand allgemeine Nach- I ahmnng, selbst Wenn er gar.feine bestimmte Absicht damit verband. I Als er einmal mehrere Tage hintereinander in Marienbad mit I einer roten Kiawatte erschien, erregte das in Schueiderkreiseüj I eine gewisse Revolution; sogleich wurden rote Krawatten aus I den Markt gebracht und Eduard erfuhr erst nachher zu seiner Ber- I Wanderung, daß er der Schöpfer dieser Mode gewesen. Ernst- ! Hafter war eine andere Neuerung, als der Prinz bei einem Hock;- | zeitsfeste nicht in dem klassischen langen Gehrock, sondern in I einem kürzeren einreihigen Rock mit Schößen erschien und damit I das Mißfallen der englischen Schneider erregte. Besonders im ! Reich der Hüte hat Eduard oft seinen persönlichen Geschmack I betont, als er an die Stelle des Zyliirders den steifen, rnnbeii ! Hut, dann an dessen Stelle den weichen Hut, ja sogar eine kurze 1 Zeit lang den Tyroler Hut treten ließ. Jedenfalls war in seiner I Kleidung ein höchst vornehmer Geschmack ausgedrückt, der sich I auch in seiner Lektüre und in seinen Sammlungen äußerte. I Er nannte viele Kostbarkeiten sein eigen, deren Bereicherung I ihn erfreute. Die von seiner.Mutter ererbte Spazierstocksannnlung vermehrte er, freute sich an einer Sammlung von goldenen | Schlüsseln, die ihm bei der Einweihung öffentlicher Gebäude I überreicht worden waren; seine Sammlung von Kupferstichen belief | sich auf 21 000 Stück. Neben der großen B ü ch erei von 125 000 | Bänden im Windsorpalast, die fein liBater zusammengebracht hatte, j verfügte er noch über eine von ihm selbst gesammelte Bibliothek I von 10 000 Bänden. Groß wat seine Liebe fürs T h e a t e r, das er I gern möglichst ungeniert und unauffällig besuchte. In London I bestand noch bei seinem Regierungsälitritt die Sitte, daß der I Theaterdirektor den König am Fuß der Freitreppe begrüßte und I wit zwei Fackeln in der Hand zu seiner Loge begleitete. Eduard I schaffte diese Zeremonie schleunigst ab. i I

Als einfacher Gutsherr, als Verwalter seines Landbesitzes hat I M der verstorbene König am wohlsten gestthlt; die beschwerlichste I ««st, die ihm die Kstvne brachte, waren die Anforderungen, die I

vom Familienleben des neuen englischen Aönkgspaarer

I uitb, der liebevollen Strenge, mit der König Georg und I Königin Mary die Erziehung ihrer Kinder überwacht haben, j weiß ein Kenner der Verhältnisse allerlei Interessantes I 8U erzählen. Die sechs fröhlichen, gesunden Linder, die das I Glück der Eltern bedeuten und bereit jüngstes erst wenige | Jähre alt ist, wurden alle in derselben einfachen und strenget» I Weise erzogen, wie Prinz Georg und Prinzessin.Mary in I ihrer Fugend. Die Eltern wachten eifersüchtig darüber, I daß von ihren Kindern alle Standesvorurteile fern blieben, einfach und schlicht ist die Umgebung, in der sie herau- wachsen, einfach und schlicht ihre Nahrung und auch ihr« Kleidung. Manche Bürgerfamilie des Mittelstandes würde über die anspruchslose Sparsamkeit staunen, die in der | Kinderstube von Sandringhant oder von Porkhouse den l Grundsatz der Erziehung bildet. Nur hin und .wieder, wenn die Kinder mit den Eltern in London weilen, müssen sie bei festlichen Gelegenheiten die lästige Arbeit einer i» stündlichen Staatstracht über sich ergehen lassen: die kleinen Prinzen und die Prurzessin Mary, die im April freilich bereits ihr 13. Fahr vollendet, haben nie.für diese Pflichten eine große Vorliebe gezeigt; als fröhliche, gesunde Kinder fühlten sie sich Wohler, wenn sie in den Gärten von Sand­ringham oder in Osborne sich ungestört im Freien tummeln konnten und nach der Spielzeit zur großen Bekümmernis der Kinderfrauen herzhaft schmutzig und zerzaust in die Stube zurückkehrten. Mit einem Ueberfluß an Spielfachen hat man die englischen Prinzen nie verwöhnt; in regel­mäßigen Zwischenräumen unternahm die Mutter eine strenge Uebersicht über die vorhandenen Spielgeräte; die Kleinen ivurden dann dazu angeyalten, zugunsten der armen Kinder in den Krankenhäusern auf liebgewonitene Spielsachen zu verzichten, und so zieht man in den Kindern das Gefühl für die Pflichten groß, die sie gegen die Mitwelt und die Armen haben. Fn dem Erziehungsplan hat die Erlernung fremder Sprachen stets eine bedeutende Rolle gespielt. Die drei ältesten Kinder sprechen Französisch und Deutsch so fließend wie ihre Btuttersprache. Insbesondere dem Deutschen ist von Anfang an die größte Sorgfalt zugewandt worden. Eine Zeitlang sprachen die Kinder bei Tisch französisch, weil eine der Kinderfrauen Französin war; auf besonderen Wunsch der Urgroßmutter, der verstorbenen Königin Viktoria, wurde dann nur noch Deutsch gesprochen, selbst dasDankeschön" bei Tische mußte deutsch gesagt werden. Geschichte und Geographie waren .den fa ngen Prinzen'stets das liebste Lehrfach. Die bei der Mutter stark ausgeprägte Vorliebe für Musik scheint dagegen nur auf den kleinen Henry über­gegangen zu sein. Er war es auch, der bei der Taufe feines jüngeren Bruders in der St. Georgskirche sich öffent­lich auszeichnete: als er feinen Großvater, König Eduard, erblickte, rief er mit seiner Hellen Kinderstimme laut und fröhlich in die andächtig schweigende Versammlung:Ich sehe dich, ich sehe dich!" König Eduard lächelte herzlich und es kostete viele Mühe, bis man den kleinen Prinzen so weit beruhigt hatte, daß er die Festlichkeit nicht iveitev störte. Von der Prinzessin Mary erzählt man, daß sie in ber Kinderstube das Szepter führt und dafür sorgt, daß ihre Brüderschar im' kindlichen Uebermnt nicht zu viel Unruhe stifte. Und die Brüder lassen sich diese schwesterliche Be­vormundung, von Keilten Widerspenstigkeiten abgesehen, .als etwas Naturnotwendiges gern gefallen. Selbst der