Ausgabe 
11.5.1910
 
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können. Wer wer denkt an solche Dinge in diesen ersten goldenen Stunden?

Ich habe den Mut, um mein Glück An kämpfen. Und Georg wird schon einen Weg finden.

Nicht weiter denken! Nicht dem Schmetterling Glück den Staub von den Flügeln wischen!

M mein Liebster jetzt liest, was ich ihm schrieb?

München, '5. April.

- .Ich warte auf Georg, seit Stunden schon. Bei jedem Schritt auf der Treppe und jedem Schrillen der Türglocke fahre ich zusammen und /rorche. Mein Kopf brennt, als ob ich Fieber hätte.

Ich muß ihm sagen, was ich um ihn ausgestanden habe! Ich kann's nicht allein tragen!

Es wird mir heiß und kalt, wenn ich daran denke, vor Zorn, Scham, Ekel. Wie ein physischer Schmerz war mir die Szene, jedes Wort ein Schlag ins Gesicht. Vor mir auf dem Boden der zertretene Ring, ein paar dünne, goldene Stücke.

Ich habe Tilla nie so gekannt. Daß sie etwas ahnte, wurde mir schon vor dem frostigen Wschied, aus der kurzen Fahrt von Partenkirchen hierher, klar. Ich wollte mich nicht verraten, spielte förmlich Theater, sprach und lachte. Wer ich Betont nur von Lotte Antwort. Tilla sah über mich weg, als ob ich Luft toäre. Georg starrte aus dem Fenster, seine böseste Falte zwischen den Brauen, und zerbiß seine Unterlippe.

Ich war noch nicht lange hier, als sie kam. Sie hatte sich gar nicht melden lassen. Bei bent kurzen Klopfen fuhr sch her um.

Sie blieb an der Tür stehen.

Ich komme, um mich zu verabschieden. Wir reisen heute abend; du weißt wohl totmim."

Ich sah ihr Gesicht an tmb wußte sofort, daß etwas kommen mußte. Sie war fast abstoßend so, die Nasen­flügel gebläht, ein förmlicher Wellenschlag von Farbe vom Kinn bis zur Stirn.

Als ich nichts sagte, kam sie einen Schritt näher.

Ich hatte eigentlich eine Auseinandersetzung vernreiden wollen, aber ich kann es nicht hinnnterschlucken. Dir sollst Mit klaren Worten wissen, was ich von dir denke!"

Ich nahm mich Kufammen. Ruhig Blut! Um Georgs willen!

Bitte, sag, was du W sagen hast. Was willst du?"

Sie lachte scharf.

Ms ob du das nicht ebensogut wüßtest wie ich! Denkst du denn, ich bin ein Kind, daß ich nicht sehe, wie es zwischen dir und meinem Mann steht? Glaubst du, das würde ich mir so ruhig gefallen lassen? Ich hatte längst dazwischensahren sollen, ja. Ich habe es nur nicht glauben wollen, meinen eigenen Augen nicht, daß dir so schlecht sein könntest!"

Mir wurde der Kopf heiß.

'Besinn dich, was du sagst, Tilla. Ich bin mir keiner Schuld bewußt!"

Sie sah mich feindselig an.

Nein? Dann will ich sie dir klar machen. Warum habe ich dich denn damals in mein Harrs geholt? Hatte sch irgend etwas davon? Du tatest mir leid, weiter nichts! Und der Dank? Hinter rneinenr Rücken ein schamloses An- Windeln mit meinem Mann"

Tilla! Hör aus! Sofort!"

Ja, war es denn etwas anderes? In der Stadt klatschten sie ja schon darüber, meine .Häuslichkeit war der Skandal im Regiment!"

Wenn sie das war, dann hatte das andere Gründe! Was war denn das für eine Häuslichkeit? Was fand Georg denn, wenn er riach Haus kam? Schlechte Laune, Gezänk, oberflächlichen Klatsch! Wundert es dich, daß er da anders­wo suchte, was er brauchte? Ich habe mich nicht zwischen euch drängen wollen! Aber es konnte ja gar nicht anders kommen! Es ist deine eigene Schuld!"

Sie hob hochmütig das Kinn.

Was geht es dich an, wie ich mit meinem Mann stehe? Das ist meine Sache. Er ist eben mein Mann. Ich lasse mir nicht stehlen, was mir gehört!"

Was dir gehört? Das hast du längst verloren! Ich weiß, daß Georg mich lieb hat!"

Wieder das harte Lachen. Ihre Augen waren nichts Äs Haß.

*

.Ich kenne meinen Mann. Er weiß, was er mir und' fernem Sohn schuldig ist. Es kümmert mich nicht Wetter, mit wem er sich nebenher amüsiert. Wenn sich ein Mäd­chen dazu hergibt"

Sie zuckte die Schultern. Es kochte siedeheiß in mir auf, rch wollte auffahren. Wer im gleichen Augenblick sah rch die verzerrte Lächerlichkeit der Situation.

Der Kampf um den Manu! Wie häßlich! Wie niedrig! Ern plötzlicher Ekel quoll irr mir apf; ich riß mich mit Ge­walt zusammen.

/,Wir wollen hier keine Dheaterszene aufführen, Tilla. Du brst wohl fertig mit dem, was bit zu sagen hattest."

Ich konnte ganz kalt sprechet,. Das reizte sie wohl.

Ja. Und fertig mit bir, ganz und für immer!"

Sie riß sich auf einmal den Handschuh herunter rind den schmalen Ring vom Finger, den Freundschaftsring aus unserer Backfischzeit.

Es war eine Albernheit, baß ich bas Ting noch trug, ^etzt wäre es eine Lüge. Da!"

Sie warf ihn mir vor bie .Füße und setzte hart den Wsatz darauf. Das Ding zerbrach ihr knirschend unter dem Fuß.

Biel länger hätten «teilte Kräfte nicht gereicht. Ms st.e aus der Tür war, hab ich mich aus mein Bett geworfen! und in die Decken gebissen, um nicht zu schreien.

Das mußte ich mir sagen lassen! Nm deinetwillen, Georg! '

Pfui, wie das ekelhaft ist! Wie das in den Schmutz zieht!

Komin, Liebster, komm! Deine Liebe soll mich wieder rein waschen!

Für jedes häßliche Wort will ich ein liebes von dir haben, hörst dn? Einen Kuß, der es auslöscht!

Warum kommst du denn nicht? Du darfst mich nicht allein lassen!

Ach, auf dem Papier rede ich mit ihm, was hilft das? Ich verhungere dabei nach Antwort, nach seiner lieben Stimme, nach ihm selbst!

Wie viele Stunden ivarte ich nun schon? Es wird dämmerig, die Laterne nuten im Hof zeichnet mein Fenster- Viereck scharf an die Stubendecke. Ach habe meine Tür zugeschlossen und Lotte klopfen lassen, äls es zu Tisch läutete:Ich komme nicht!"

Was sagte Tilla von Abreise? Heute abend? Und .wir', sagte sie. Mso Georg auch.

Es kann ja nicht sein, er muß kommen! Ich weiß ja nicht, was werden soll, heute und morgen und später. Es ist alles Dunkelheit und Wirrnis. Wenn er kommt, wird es hell werden.

Ich kann nichts denken als das eine. Es ist mir, als ob mein Wille ihn herzwingen müßte!

Liebster! Liebster! Warum läßt du mich warten? Ich bin. . ..

(Fortsetzung folgt.)

persönliches von Aönig Eduard.

Aus König Eduards Jugend.

Unser kleiner Junge ist ein wundervoll starkes und großes Kind, mit sehr großen, dunkelblauen Augen, einer hübsch ge­formten, wenn auch etwas großen Nase, und einem niedlichen kleinen Mund. Ich hoffe und bete, daß er Ivie der liebe Papa werden möchte. Er soll Albert genannt werden, und Edward soll sein zweiter Name sein." Mit diesen Worten meldet Königin! Viktoria ihrem Oheim, dem König der Belgier, die Geburt ihres elften Sohnes und Thronerben. Ter kleineBerti", wie ihn die Königin liebkosend nannte, wurde ein von Gesundheit und Lebensfreude strahlendes Kind, das seine Würde als 18. Prinz von Wales nicht im mindesten drückte. Ter alte Herzog von Wellington, der große Kriegsheld, hatte seine Freude an deut ungezogenen neuen Sprossen des erlauchten Herrschergeschlechts. Als ihm einst bie Lady Seymour fragte, wie es dem Printzeni ginge, antwortete er lachend:Wenn es wahr ist, Ivie man be­hauptet, daß die Kinder, die tüchtig schreien und energisch mit ihren Füßen strantpcln, am gesündesten sind, dann kann ich Sie versichern, daß bie Gesundheit des Prinzen von Wales mehr als vollkommen ist." ; \

_, Ernst des Lebens trat an den Knaben heran, als bie Schulstunden anfingen. Seine Lehrer, der Red. Henry Mildred. Birchs der Gelehrte Fredöric W. Gibbs und seine Hofmeister waren mit ihm auch ganz zufrieden, aber manchmal rebellierte das junge, ungeduldige Blut recht drollig gegen den Zwang des Lernens. Tie Gesetze der englischen Verfassung wurden ihm, dein