Ausgabe 
11.4.1910
 
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IRnfteitigie Verdietlst Mess des Stabes itttb-' seiner Art 8e8 Verkehrs mit uns. Wie selbstverständlich! ging' es vvu seinem! Wesen Es." In den ersten Tagen nach' der Kriegserklärung glmebbs Prinz Friedrich Sirrt annrhinen zu müssen, daß- der Feind einen' Vorsprung in seinen Rüstungen habe und daher leicht der Offensiv« der Deutschen zuvorkom'men könne. And 19. Juli notiert er daher in scinenii Tagebuch! die Ansicht,dast der sukzessive Aufmarsch in der Pfalz, Wie er beabsichtigt wird, mit Gefahr verknüpft ist, und er zöge es vor, die Armee hart mit Mainz und zum Teil auf denn rechten Rheinuser zu konzentrieren und dann erst vorzugehen." Tn Mvltke aus den bis zum 21. Juli abends einlaufenden Nach­richten die Überzeugung! gewann, daß der Feind, ohne die Vol­lendung seiner Mobilmachung abzuwarten, einen strategischen Ueber- fall beabsichtige, so schlug auch er, ganz in Uebereinstimmung mit der Auffassung Les Prinzen, denk König! vor, die Ausladung der 2. Armee an den Rhein .zurückzuverlegen. Hierzu bemerkt der Prinz am 22. Juli:Tie Spitzen des 'Generalstabs hielten, heute früh Wie alle Morgen eine Art Beratung oder Kriegsrat, Nie Stichle' es nennt, bei Moltke. Es wurden diejenigen Bedenken toiegett des Aufmarsches der Zweiten (meiner) Armee; an den Punkten Neunkirchen (3. KorW- mid Homburg (4. Korps), die ich am 19. Juli nicoerschrieb, besprochen. Ml« Anwesenden waren ein­stimmig der Meruung', die Ausschisfungspunkte an den Rhein zurückzuverlegen, Ties schasst uns mehrere Tage mehr Zeit zur Konzentration und reizt den Feind'nicht, der selbst vielleicht noch warten will, über «^NiMeiMliRinenteteit'dnvch einen Nachtmarsch herzufallen. Nachteilige Rückzugsgefecht, deren Zweck unser ge­meiner Soldat nicht einsehen würde, und die fvanzösischerseits Siegen gldjchgeachtet würden, werden vermieden, undunsere Ope- rativnen habest mehr Chance, mit einem allgemeinen Vormarsch zN beginnen. Nur leine entscheidende Schlacht, ehe wir nicht» alle Chancen, und das ist jedenfalls die immerische lleberlegenheit, für uns haben!" Am Nachmittage des 28. Juli traf der Prinz in seinem ersten Hauptquartier in Mainz ein. Tie Befürchtung einer feiMichm Invasion trat von Tag yn Tag mehr in dem Hintergrund.Mein Glaube an die Absicht des Feindes zu einer Offensive wird, täglich! schwacher. Heute glaube ich kaum mehr daran," heißt es am 28. Juli int Tagebuch-. Seine Sieges- Zuversicht stand jetzt unerschütterlich fest.Welchen Verlauf der Krieg nimmt und den Ausgang der Schlachten kann man ja vorher nicht wissen; meine Zuversicht auf Gott, die gerechte Sache und die Armee ist groß, und wie die Armee mit mehr Zuversicht in den Krieg geht als 1866, so jauch ich. Ich glaube, daß. big Franzosen mehr als zwei verlorene Schlachten nicht überslehenj werden. Wir sind nachhaltiger, Teutschland einig wie ein Mann. Es ist -erlaubt zu glauben, daß auch dieser Krieg-, wenn wir siegen, von sehr kurzer Tauer sein wird." Von besonderem Interesse in den nun folgenden Auszeichnungen sind die Anschauungen über die Ber'w-endung der Reiterei, die gleich in den ersten Tagen hervortratm. Tie erste Maßnahme d-es Prinzen galt der Ver­wendung seiner selbständigen Kavalleriedivisionen vor der Front seiner Armee. Am 27. Juli hatte er beschlossen, die 14 -Kavallerie­regimenter sofort an die Grenze vorzusenden,nm zu beobachten, kleine Gefechte zu machen (Relais zum Melden), Schleier zu ziehen." Ter Prinz war, der erste und einzige unter allen deutschen und französischen Heerführern, der. so von vvrnhevein seine Kavallerie- divifmnen v!or die ArmM zog, um! sie zur Deckung und Ber- schil-eicrung des Aufmarsches! und für den Ausrlärungsdienst Nutzbar zu machen. Er hatte sich im Gegensatz zu den Oberkommandos der Ersten und Tritten Armee von dem' Begriff der 1866 nicht bewährten ,,Reservckavttllerie" frei gemacht und arbeitete mit dieser selbständig getroffenen Maßnahme in verständnisv-oller Weise Molt- kcs Absichten vor, der gleichfalls in seinen Anschauungen über die' strategischen Ausgaben der Kavallerie seiner Zeit voraus war. 'Freilich nach unseren modernen' Begriffen von Kavallerieverwen­dung wird man an beit Befetzl für das Bettenden der Kavallerie- divifmnen den offensiven Gedanken der Aufklärung im großen Mahstabe bis in die Tiefe der feindlichen Ausstellung hinein per-' missen. Er gipfelte in der Forderung! der Berschleiernng, und darunk wurde aneM'pfvhlen,weniger in großen Massen anfzutreten, als überall mit der Kavallerie zu fein", fe. h. die Kräfte sollten auf der ganzen Länge der. zu verschleiernden Frvnt verteilt werden. -Dm offensive Aufklärung, großen Stils wird- erst nach' Beginn der Feindseligkeiten in den Befehlen des Prinzen betont. Daß die Waffe dann den an fick gestellten Anforderungen, besonders zu -Beginn des Feldzuges, nicht völlig entsprach, sondern häufig in der Aufklärung sowohl wie in der Borfolgung versagte, lag an form, itadji allgemein mangelnden Verständnis ftir die neue, un­gewohnte Verwendungsart. 1 ,

3n -er Ljiegerschule von Lhälons.

Tas große Flugfeld von Chalöns, auf dem die französischen! Flieger ihre Kunst üben und ihre Schüler unterrichten, ist durch die jüngsten Aeußernng'en französischer Spionenfurcht zum Gegen­stand der allgemeinen Aufmerksamkeit geworden; dein Drängen äugstuch-er Gemüter folgend, hat die französische Regierung Maß- nahmen ergriffen, die .auf eine strengera Ueberwachung der Nicht- franzofeit abzielen, die hier' in der ersten Fliegerschule der Welt rhrcn Dtttdieit und Versuchen obliegen. Hinter dem kleinen Bahn-- Hvf Mvurmrly!t-le-Petit dehnt sich der lvdite grüne Exerzierplatz;

seins Grenzen verlieren sich; fern im! Horizont. Seil einem Jahr ist hier eine neue Stadt entstanden und wv sonst friedliche Stille! herrschte, knattern heute Kraftwagen, sausen die Motore. Vor Mi Jahren baute Henry Furman an dieser Stelle seinen ersten! Weinen Schuppen, in dem.' er mit seinem Mechaniker in der.Still«! arbeitete, um seine Flugmaschine zu vervollkommnen. Heute be­sitzt er eine große Fabrik, am Runda des Feldes dehnen sich mächtig« Schuppen; andere sind seinem Beispiel gefolgt, so daß die westliche Grenze des großen lbebungsplatzes eine ganze Schuppen- und! Jabrikstgdt geworden ist. Tie Antoinette-Eindeckergesellschaft hat ein Mächtiges Bauwerk aufgkführt, in dem 20 Maschinen unter-- gebrächt sind, die Brüder Voisin besitzen mehrere große Schuppen, und jetzt hat sich auch die Bltzriot-Schul« hier niedergelassen. Aber der große Mann von Mourmelion ist doch Henry Farman; seine Schule ist tfirt besuchtesten unb die Zahl seiner Schüler die! größte. Tie Torfalten segnen den Namen dieses Mannes, der ihrer Weinen Gemeinde Hunderte von reichen Männern aller Nationen Angeführt hat. Wer bei Farman fliegen will, hat verhältnismäßigt Wenig Erfordernisse zu erfüllen. Er geht in Paris zu Tick Farman, deut Bruder des Fliegers, und meldet sich! an. Die Lehrzeit schließt ab, sobald der Schüler 10 Kilometer allein fliegen kann. Tas Lehrgeld beträgt 2000 Mark, zugleich muß. der Schüler einen! FärManschcn Eindecker kaufen, der 22 400 Mark kostet. Tann fährt man nach Mouttnebon-le-Petit. Tas kleine Dorf selbst liegt still und Wie ausgestürbcn, so erzählt G. Valentine Williams in einem! englischen Blatte nach einem Besuche in der Fliegerschule; alle Leute sind draußen auf dem Felde. Die ztoei Gasthäuser sind! von den Fliegern besetzt, aber die Nebenbuhlerschaft der einzelnen Schulen und G-ru!ppen ist sie» groß, dvjßs die Gegensätze sich selbst in den Hotels spiegeln. T-as Hauptquartier der Farm'anschule ist das Hotel de l'Europe, in dem auch die BoisinschenZweidecker" hausen. DieEindecker" der Antolnetteschule dagegen tagen iml Hotel Marillier. Dia Reicheren, die eigene Wagen haben, per- schmähen die bescheidene Unterkunft im Torfe und wvhnen in Reims intGoldenen Löwen". Wenn man sich klar macht, daß in dcM kleinen Torfe nicht weniger als 600 Menschen wvhnen, die sich ausschließlich mit der Fliegekunst beschäftigen, so wird man leicht verstehen, daß die Wohnungspreise hoch sind ; wer im Hotel keinen Platz findet, sucht in kleinen Bürgerhäusern Unterkunft, einige schlafen sogar im Militärkrankenhaus. Aber abends zum! Essen vereinigen sich alle Mitglieder einer Schule in ihren ver­schiedenen Hotels zur gemeinsamen Tafel. Der Tatendrang' des jungen Schülers muß sich in der ersten Woche auf das Zusehen! beschränken; in den Werkstätten lernt er die Flug maschine zevq legen und zusamMensetzen, in der freien Zeit steht er am »Flug­plätze, wb immer einige Flugmaschinen in Tätigkeit sind. Dann Werden die Schüler der Farmanschule den beiden Hauptlehvernl Henry FarMan, Maurice Herbster oder van den Born, überwiesen, die sie bei ihren Flügen, mitnehmen, wenn der Schüler nicht das Gluck hat, den Meister selbst vei einem' Fluge begleiten zu dürfen. So. lernt er nach und nach die Handhabung der Maschine »kennen. Das Leben in der Fkugstadt ist einsam', nur drei kleine ärmlichs Kaffeehäuser mit um so hochtönenderen Namen gibt es, wo man Kaffee, Brok, Käse und einige starke Getränke bekommt; aber! damit ist Küche und Keller erschöpft. Alle Schüler und auch die Damen denn auch die Schülerinnen der Fliegekunst fehlen; nicht tragen eine Art einfacher Khakiuniforrn. Ihm' Abend, wenn sich die Schulen dann zum Essen vereinen, lernt man bell- internationalen Eharakter der Fliegestpdt kennen. Farman hat die-- Schwierigkeiten der sprachlichen Verständigung damit über­wunden, daß er Esperanto gelernt hat; mit Hilfe des Esperantioi lehrte er auch Effintoff, den jungen Russen, die Kunst des Fliegens. Die Farmanschmle ißt nm 9 Uhr, der rotbärtige Meister sitzt am! vbeven Ende der Tafel, Alle Sprachen kann hier der Neuling hören, englisch, französisch, deutsch, russisch, italienisch; zugleich vernimmt man alle Arten von Dialekten, beim die Sitten sind sehr demokratisch und Männer aller Stände treffen hier zu­sammen. Ein paar Namen der erfolgreichsten Schüler FarmanS mögen die Jnternationalität der Fliegerschule andeuten; da ist der englische Hauptmann Dickson, der Engländer Rawlinfon, der junge verwegene Russe Efsimoff, der Deutsche Frey, der Holländer Kühlen, der Amerikaner Hayden Sauds nsw. Ein Nachtleben bietet Monrmelon-le-Prtit nicht; man ist auch herzlich müde von beit Anstrengungen des Tages und geht ftüh schlafen, hin und wieder finden sich ein paar Unternehmungslustige zu­sammen, die nach Reims fahren, nm einmal ein Konzert zu hören oder in einem Singhanse Zerstreuung zu suchen

Vermischtes.

"Tas alte Lied. Tir. James Greig, der bekannte Kunstkritiker, gibt in einem Brieie an dieMorning Post" feinem Zweifel über d i e Echtheit des Rokeby Velasguez Ausdruck, dessen Ankauf für die National Gallery vor einiger Zeit großes Aufsehen erregte. Er sagt, daß er in der linken unteren Ecke, zwölf Zoll unter dem linken' Fuß der Venns dicht am Nahmen ein Zeichen gefunden hat, das in der Morning Post wiedergegeben wird.Mir scheint das erste Zeichen I. B. und das zweite D. M. zu bedeuten", sagt Mr. Greig,was man zusammen als die An­fangsbuchstaben von Juan Bautista Del Mazo, dem Schwiegersohn des Velasguez und feinem Nachfolger als Hofmaler des Königs