Montag den April
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Ihres Vaters Tochter.
Roman von Lulu von Strauß und Torney.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsebung.)
14. September.
Warum bitt ich denn damals so außer mir gewesen, als er starb? Da hatte ich ihn ja noch. Er war noch mein Vater.
Jetzt!
Jetzt ist er für mich erst wirklich gestorben. Er ist tot, hat auf gehört. Nein, schlimmer als das. Er hat nie existiert. So wie ich ihn liebte wenigstens njcht. '
Dieses Gesicht, das mir der Inbegriff von Güte, von Kraft, von allem Schönen war, Diese A^gen, bie mich so tausendmal angesehen haben!
Ich möchte anfschreien, wenn er so vor mir stehl. Mes, alles, nur mcht ihn verlieren! Ich kann ja nicht los. Es ist wie ein physischer Schmerz, nur daran zu denken!
Mer ich beiße die Zähne zusammen. Sein Leben war «eine Lüge. Meine Liebe zu ihm ein Irrtum.
Ich hasse ihn — weil ich ihn so geliebt habe!
16. September.
Ich werde krairk darüber werden. Tag und Rächt grübele ich. Ich wende und drehe alles in meinen Gedanken, bis ich meinen Kopf mit beiden Händen halten muß.
Ich will nicht denken, ich will nicht, sage ich wir. Aber was hilft das. Es geht wie ein unsichtbares Mühlrad, ein Mühlstein, der mich zermalmt und zerreibt.
Ich will die Erinnerung an ihn ausstreichen. Ich habe die Stube verschlossen und auch die Läden vorgeschoben, daß kein Sonnenlicht hereinkommt. Ich rühre die Papiere nicht mehr an. -
Aber meine Seele tastet ttitb wandert um die verschlossene Tür. Wenn ich nachts überhaupt schlafe, bin ich int Traum in der dunklen Stsube und suche zwischen Herr Papieren, ruhelos.
Was sollte mich auch davon abziehen? Ich lebe hier in dem leeren Haus. Und meine .Hände sind so leer von Arbeit wie mein Kopf von artdern Gedanken außer dem seinen, bösen, der irmner wiederkommt.
Es ist ja nicht mehr wie zu Anfang. Diese heiße, leidenschaftliche Empörung ist tvie ausgelöscht. Wenn ich an ihn denke, ist es -mit einer kalten Feindseligkeit.
Aber ich weiß nicht mehr aus und ein. Ich lebe nur Mechanisch. Denn ich sehe kein Weiter mehr für dieses zerfahrene Leben, das keinen festen Grund mehr unter den den Füßen hach
17. September.
Wenn ich es gewußt hätte, als er noch lebte! WenM ich hätte vor ihm stehen und ihm alles Auge in Ausgs sagen können: „Ist das wahr? Kannst du dich rechte fertigen?"
Vielleicht hätte er es doch gekonnt. Ich hätte ihn nicht so ganz verloren.
Bisweilett kommt mir selbst die Frage: gibt es denn keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung? ,
Ich zergrübele mein Gehirn. Au jede leiseste §off* nung, jeden Einfall klammere ich Mich, der ihn weniges schuldig erscheinen läßt.
Aber cs hilft immer nur auf Viertelstunden. Ich phanatsiere mich in den Glauben hinein, es wäre alles wie früher, ich könnte zu ihm aufsehen, ihn lieb haben, brauchte mich nicht darum vor mir selbst zu schänten.
Und dann plötzlich drücke ich das Tuch vor den Mund, um nicht laut zu schreien. Es ist alles wieder da. Die unleugbaren häßlichen Tatsachen, die gegen ihn ausstehen und sprechen: schuldig!
18. September.
Keinen Menschen, keine Seele, die einem nah steht, an die man sich klammern kann.
Ganz allein durch alle diese Bitterkeit hindurch. Ich kann nicht mehr. Ich versinke darin . . .
19. September.
Rein, ich ertrage es so nicht länger. Dieses Chaos von Gedanken, unaufhörlich verklagend, verteidigend, richtend, sich überschreiend, macht mich wahnsinnig. Ich muß eine andere Stimme dazwischetr hören. Ich will cingns Menschen haben, der von der Sache weiß und mir Klarheit geben kann. Es kömtten da doch noch Einzelheiten! fein, die ich nicht kenne-, die alles in anderes Licht setzen. Ich will mir njcht Harre oder Voretägkeit vorwerfen müssen.
Ich habe lange nachgedacht. Wenn ich wüßte, wo Bernhardt lebt!
Aber nein, dessen Urteil kenne ich ja. Es kann nicht objektiv ruhig seit!, da er selbst beteiligt ist.
Onkel Franz Weddigen! Der mit seinem gesuudetk Menschenverstand und seiner ehrlichen Gutmütigkeit. Der muß doch alles genau wissen.
Ja, der ist der Rechte! ■
Der Gedanke schon beruhigt mich. Ich will ihm schreib beu, gleich heute!
22. September.
Es ist vorüber. Auch diese letzte Hoffnung, daß alles noch gut werden könnte, daß ich nur unter einem furchte baren Irrtum gelitten hätte. Jetzt ist eine Art dumpfe Ruhe in mir.
Ich habe Onkel Franz gesprochen. Ich hatte ihm aw schrieben, ich müßte ihn durchaus sehen, wünschte aber nicht, daß Tante Weddigen und die Kusinen es .erführen, und


