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Ja, ja — die Ordnung. Das ist auch so eine Sache, an die M Dich- nicht gewöhnen willst und deshalb' mich man auch immer mahnen: „Michel, wo treibt sich denn der Schulranzen wieder einmal herum?'* •— „Michel, was machen die Bleisoldaten denn da unten ans dem Fußboden?" — „Michel, was ist denn das wieder für ein Eisenbahnunglück, das Du da angerichtet hast? Da liegen ja wieder die Schienen, die Lokomotive, die Wagen, die Signalstangen und die Schaffner durcheinander — wie Mäusedreck und Koriander! Ich dächte, das räumten wir schleunigst auf, damit die Strecke wieder frei wird!"
He? Geht es immer so, mein Junge?
Und was habe ich Dir gesagt, wie man ein Herr wird? — Man wird es dadurch, daß man sich selber sagt, was man zu tun und zu lassen hat. Dadurch, daß einem' nicht immer erst ein anderer sagen mutz, was nian versäumt. Und so ist es auch mit dev Ordnung.
Du denkst, es kommt nicht darauf an, ob das nun so oder so, da oder dort siegt? Du meinst, wenn Du es brauchst, dann ktndest Du es schon.
Gewiß, das glaube ich Dir gern. Es ist auch nicht so schlimm, Wenn dies oder jenes einmal umherliegt, weil man eben keine Zeit hatte, es aufzuräumen. Das Schlimme ist, wenn man sich an die Liederlichkeit gewöhnt und den Sinn für Ordnung nicht aus- Mdet. Denn der Sinn für Ordnung, mein lieber Michel, ist das Höchste und Größte, was es aus dieser Welt gibt und geben kann.
Da siehst Du mich verdutzt an.
Ja, ja, mein Junge. Es ist das Höchste und das Größte. Ohne diesen Sinn für Ordnung gäbe cs Dich nicht und inich nicht, gäbe es kein Blümchen, keinen Strauch und Baum, kein lebendes Wesen, kein Haus, keine Bleisoldaten, Baukästen und Eisenbahnen — mit einem Worte — die ganze Welt wäre nicht vorhanden.
Und da siehst Du mich wieder an, schüttelst den kleinen! Dummkopf und meinst, das alles käme von der Ordnung?
Allerdings, mein lieber Michel. Fangen wir mal bei Dir an. Wo sitzt denn Dein Näschen? He? Hübsch' mitten im Gesichts Nicht wahr?
„Ja!"
Wie kommt es denn dahin?
„Bäh!"
Ja, so blöken die kleinen Schafe. Weil der liebe Gott auf Ordnung hält, mein lieber Michel. Der sackt nicht so herum mit den Arnleu, Beinen, Augen, Ohren, Nasen usw., wie Du mit Deinen Schulbüchern und Bleisoldaten. Der sorgt dafür, daß alles an seinem richtigen Platze ist. Denn, wenn er das nicht täte, möchte ich einmal sehen, was da wohl auf dieser Erde herum- ticfc ?
Der Schöpfer aller Welt und Dinge, mein lieber Michel, das ist der höchste Ordnungssinn, den wir zu erkennen vermögen. Deshalb denken wir uns vor der Schöpfung, wie es die alten Griechen nannten, das Chaos. Wir Berliner würden Kuddelmuddel sagen. , Erst als die ordnende Kraft sich geltend machte, trennten sich Himmel und Erde, Licht und Finsternis und' was es sonst rioch geben mochte, voneinander. Jedes kam hübsch an seinen Platz und jedes ist hübsch an feiner Stelle. Die Nacht folgt dem Tage, der Frühling dem Winter. Darauf kannst Du Dich verlassen. Wie stellst Du Dir das vor, wenn es bei uns mit einem Male acht Wochen lang Nacht bliebe, oder der Winter sich den Spaß machen wollte, ein ganzes Jahr lang bei uns zu bleiben?
Da würdest Du gleich merken, was Ordnung heißt.
9hm, und die Menschen machen es dem Schöpfer nach. Die sorgen dafür, daß auch in ihrem Leben Ordnung herrscht, denn ohne Ordnung könnten sie ebensowenig leben als das ganze Weltall.
Was meinst Du, wenn der Sommer wieder da ist und Du möchtest nach Norderney fahren und auf einmal sagten die Eisew- bähner: Wir fahren nicht mehr. Das gäbe eine schöne Geschichte! Oder Du schreibst einen Bries an Dori und die Post ließe den Brief ruhig' im Kasten stecken. Oder Du möchtest frühstücken und der Bäcker brächte keine Semmeln. Oder die Maurer bauten die Häuser quer über die Straße?
Das geht ja garnicht, würdest Du sagen.
flüchtig! Ordnung, mein Junge, regiert darum die Welt. Ohne Ordnung kann nichts bestehen und deshalb muß man aus Ordnung halten. Je besser Du aus Ordnung hülst, desto besser lebst Du. Je Mehr Du in Unordnung gerätst, um so schlimmer ist es mit Dir bestellt.
Du kannst ansehen, was Du willst, schön ist alles das, was in Ordnung ist, wo alles gehörig an seinem Platze ist. Häßlich ist alles, was verschroben ist, was nicht seine Ordnung hat. ;
Sieh einmal das Bild an der Wand! Schließlich sind es lauter Farbenflecke. Aber deshalb kommt ein Bild zustande, weil jedes Farbenfleckchen an seiner richtigen Stelle ist.
Ober, wir sprechen miteinander. Es sind nur Laute, die wir von Uns geben. Aber, weil sie geordnet sind, deshalb verstehest wir uns. , „ m ,
Oder, ich schreibe Dir einen Brief. Das sind alles nur Buchstaben. Würfle sie durcheinander, so ist der Blödsinn fertig;, Nur tzkG M tzz gMM;r Ordnung Men, kommt xtzt KsiN teiil.
auch „Bravo" sagen kann
Dein Vater Martin.
Die wunder der amerikanischen Zternwarten.
„An der Ueberlegenheit der Leistungen der amcrikansichcst Astronomie verglichen mit der deutschen ist für das letzte Jahr.., zehnt kein Zweifel. In den übrigen exakten Wissenschaften, Physik, Chemie, Mathematik, mag man die Amerikaner als zinst Teil ebenbürtig anerkennen, in der Astronomie sind sie voraus: Mit diesen Worten beginnt der Direktor des Potsdamer Astrophy-i sikalischen Observatoriums Professor Karl Schwarz,child eine Schilderung der großen Sternwarten der Vereinigten Staaten, die er aus Grund der von ihm während einer amerikanische^ Reise gewonnenen Eindrücke in der von Pros. HiMieberg bet** ausgegebenen Internationalen Wochenschrift veröffentlicht. Die großartigen Erfolge, die die amerikanische Astronomie durch die Entdeckung eines SaturuMondes, zweier Jupitermoude, der mag- netischen Kraftfelder auf der Sonne und zahlreicher Doppelsteriw sich erworben hat, sind nicht nur aus die großen Mittel zur mm zuführen, die den Sternwarten der Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen, lonbern auch auf besonders tüchtige Eigeiv« schäften der amerikanischen Gelehrten. Die fünf größten amerv kauischen Sternwarten haben zusammen einen ^ahresctat vost rund einer Million, von der 400 000 Mark allein au, die Mount Wilson-Sternwarte kommen; dieser Summe stehen allerdings nur ca. 350 000 Mark für die 10 ersten deutschen Sternwarten w sanimen gegenüber. Erstaunliches wird nun mit diesen Sumniest die bei dem höheren Arbeitspreis in Amerika Mi Vergleich mit den deutschen Verhältnissen nur die Hälfte des Wertes repräsentieren, geleistet. An der Sternwarte des H ar v ard*i College in Cambridge bei Boston herrscht em direkter „Fa^ brikbetrieb", Bei dem die Sterne als „Manenartikel photographiert! werden. Die photographischen Aufnahmen erfolgen durch fttufc reiche mechanische Apparate, und ohne einen geschulten AstroZ nomen in Anspruch zu nehmen, werden auf diese Weise fährlich etwa 4000 Himmelsaufnahmen gemacht. So ist ui den letztest 20 Jahren eine Sammlung von 200 000 Platten gewonnen worden, in denen ein unerschöpfliches Material steckt unb bia glänzende Resultate liefern. Wohl hat man zunächst mit Recht gegen mess Art der astronomischen Arbeit eingewandt, daß sie voll vost Fehlern und Flüchtigkeiten sei. Aber die Organisation ist unter- dessen erstarkt, unb die Kritik, die zu Anfang berechtigt war> muß jetzt neben dem Umfang auch die Güte der neueren Ur^ Beiten der Harvard-Sternwarte anerkennen. Zudem laßt sich auch ans minderwertigen Aufnahmen ein gewaltiges Anschauiings- material erzielen und die Ausbeute, die der Leiter und Organisator des ganzen Untrnehmens Prof. Pickering erreichte, ist großer/ als sie mit unfern deutschen Methoden Bei den gleichen Mittelst jemals zu erlangen wäre. Seine Organisation bedarf keiner weiteren Rechtfertigung, wenn man hört, baß von den 4000 bis jetzt als veränderlich bekannten Sternen 3 0 0 0 an, seiner Sternwarte entdeckt worden sind. Ein besonders großartiger Zug, ist es auch, daß nti Hilfe einer Filiale der Harvard-Sternwarte/ der Stermvarte zu Arequipa in Pern, alle Untersuchungen ist gleicher Weise über den nördlichen unb den südlichen Himmel ausgedehnt werden konnten. Pickering hat zahlreiche Mitarbeiter, barunter den Geistlichen einer benachbarten Gemeinde Reverend Metcalf, der' neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit noch Zeit gesunden hat, ein vortreffliches Objektiv vom 40 om Durchmesser und 225 cm Brennweite zu schleifen, und kürzlich art einem. Sonntag einen Kometen entdeckte, nachdem er, ehe er sein Ang« dem Himmel zuwandte, auf der Erde fischen gegangen war uiid 16 Barsche heimgebracht hatte. Treffliche Mitarbeiter, die sich aus Dilettanten zu vorzüglichen Gelehrten heraufgearbeitet haben, besitzt auch der Direktor der Aerkes-Sternwarte der in Deutschland ausgebildete und die deutsche äwadition mit' Warme festhaltende Professor Frost. Da ist Prof. Barnard. ^r fritier Mot.og.rM Mtz und M einer her schärfsten .astronomMM NLd-
Oder mit her Musik. Da hast Du lauter Töne. Mer ohne Ordnung werden sie wüstes Geschrei.
Du kannst nehmen, was Du willst, mein lieber Michel: W-st siehst, wie es nur durch Ordnung besteht und zerfallen muß, weilst die Ordnung aufhört.
Ich denke, das haft Du Begriffen.
Und nun sieh Dir mal Deine Spielkommode an!
Wie hübsch lagen die Steinchen im Baukästen, als wir ihn kauften? Wie nett die Bleisoldaten in ihrer Schachtel? Wie! ordentlich die Bilderbücher int Regal? Unb das Schaukelpferd hatte schön seinen Zaum und seinen Sattel? Und jetzt, dn lieber Gott! Ein Zustand, leie vor Erschaffung der Welt. Leer reilich nicht, aber wüst desto mehr! Der chinesisch« Gesandt« hätte den Kops geschüttelt und sich Von den Deutschen etwas anderes gedacht, als daß die Ordnung bei ihnen zu Hause wäre. Das Ganze wäre Blamiert — Deinetwegen!
Nun, er hat wo anders hiiigesehen und Angenehmeres erblickt. Schließlich hätte er sich auch gedacht, der Michel ist noch ein kleines dummes Kerlchen, der weiß noch nicht, was Ordmntg! ist. Nun aber weißt Du es, mein Junge. Und ich' denke, Dst wirst nun einmal mit der Erschaffung Deiner kleinert Welt deck Anfang machen und dann wollen wir mal sehen, ob man dazu


