Samstag ven (0. Dezember
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1910 — Kr. 193
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Muffig
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Friedel halb-süß.
Roman von Fedorvon Zobeltitz.
fFortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Fritz lauschte Andrses ruhigen Atemzügen. Sie schlum- werte sehr saust, und er hosfte, sie würde nicht aufwachen, wenn er seine Lage ein klein wenig veränderte.
Vorsichtig umfaßte er sie und hob sie sacht empor. Da aber schrak sie zusammen, stieß einen leisen Ruf pus Und richtete sich etwas aus.
„Was ist?" fragte sie.
„Nichts," antwortete er, „gar nichts. Müde Kinder sollen schlafen. Leg dich wieder hin — ich halte dich. . . ."
Da erschrak er vor sich selbst. In seiner glücklichen Stimmung hatte er sie unbewußt „du" genannt. Sie antwortete nicht. Sie legte sich auch nicht wieder hin. Trotz der Dunkelheit konnte er in ihre Augen sehen, und sah etwas Beseligendes. Diese Augen suchten Die seinen, und es lag ein Ausdruck in ihnen, der sein Herz stürmischer pochen ließ. Und nun spürte er ihren Atem auf seiner Wange Und sühlte, daß sich ihre Arme um seinen Hals legten. Und dann hörte er sie flüstern —, ein süßes Flüstern: „Hast du mich lieb?"
Es war Nacht ringsum, aber er fand ihre Lippen.
,Hch habe dich lieb," sagte er. Das sagte er ganz! leise, und es war doch keiner da, der sie hätte belauschen können.
Sie erschauerte. Sie sprach auch nichts weiter. Eine Art Trunkenheit hatte sich ihrer bemächtigt. Sie blieb an seiner Brust. Seine Arme hielten ihren Kopf fest; der lag an seinem Herzen. So schlummerte sie wieder ein.
Er aber wollte wach bleiben, und fühlte doch, wie er nur noch gewaltsam gegen die zunehmende Müdigkeit an- kämpste. Er blinkte mit den Augen, die ihm zufallen wollten. Er sah schattenhafte Gestalten um sich.
Immer stärker wirkte der Kellerdunst. Ein dumpfer Druck ringte sich um seine Stirn. Sein Kopf sank langsam vornüber. Derweilen plauderte der gärende Wein weiter: zuweilen rhythmisch, dann in grobem Glucksen, dann unter hellem Pochpoch. . . .
Mit aller Willenskraft riß Fritz die Augen noch einmal auf. Da drang eine blendende Lichtflut auf ihn ein. Träumte er denn? — Nein, er war wach — und er sah: der Keller war taghell erleuchtet •— die elektrischen Flammen brannten. 1
„Andree," rief er, „es ist Licht geworden'. Schau her — schau her!"
Sie richtete sich in seinen Armen auf. „Licht? — Wahrhaftig! . . ." Ein rasches Purpurn zog über ihre Wangen. „Jst's denn schon Morgens fragte sie. DaS schämige Erröten hielt an. Ihr Bück Haschte nach Dem
seinen, wie in scheuem Fragen und doch in liebendem
Da hob er sie auf und trug sie jauchzend umher. Un* gebändigt durchströmte ihn das Glück der Stunde. „An- dröe, Andrse, hast du mich lieb? — Andräe, höre — da- war deine Frage um Mitternacht! Aber da toaxft bu müde und hast meine Antwort vielleicht gar nicht gehört. Nun sollst du sie zahllos haben — so oft du willst. Ich habe dich lieb! Ich habe dich lieb!"
Und dann küßten sie sich. Es war eine große Selig> keit. In das Plappern und Glucksen der gärenden Weine tönte ihr Jubel hinein.
Aber auch die Vernunft meldete sich wieder. Der elektrische Strom funktionierte: es mußte also am Morgen sein. Doch die Uhr belehrte Fritz anders. Es war erst zwischen eins und zwei in der Nacht.
Zwei Möglichkeiten lagen vor. Entweder war die Stromstörung nur durch eine vorübergehende Ursache erfolgt, ober man hatte sich draußen bewogen gefühlt, nach Den Verschwundenen auch in den Kellern zu suchen.
„Horch!" rief Andree, „so ist es!" — Sie wies zur Decke. „Da hör ich Menschenstimmen! — Herrgott, Fritz, wie siehst du aus! Zieh deinen Rock wieder an!"
Das ging nun eilig. Eine Ueberraschung in diesem Kostüm wäre unangenehm gewesen. Der Rock war ungeheuer beschmutzt. Auch Andree betrachtete den ihren mit Mißsallen. ,^O Eitelkeit, fahr hin!" sagte sie. Aber sie strich doch glättend über das zerzauste Haar. Jetzt wurde Die Fahrbarkeit des Aufzugs probiert. Leicht glitt er in die Höhe. Ein Menschenschrei empfing die beiden in der Halle Lafontaine. Herr Migneau stürzte ihnen mit erhobenen Armen entgegen. „Gottseidank! Gottseidank! Gottseidank!" schrie er. Mehr brachte er in seiner Aufregung nicht heraus.
Und nun füllte es sich unter der Kreuzwölbung des großen Kellers. Von allen Seiten, ans allen Schachten, Gassen und Nebenkellem stürmten Leute herbei: Arbeiter, Werkmeister, Handwerker, Bureaubeamte — das ganze Personal von Miquelon et fils war auf den Beinen.
Es war wirklich so. Madame Bailloud hatte gewaltig gelärmt, als das Verschwinden der Komteß und des Herrn Friedel bekannt geworden war. Und wahrhaftig: sie hatte anfänglich an eine Entführung gedacht. Aber auf dem Bahnhofe wußte man von nichts; die Automobile standen in bet Garage, tue Kutschen in ber Remise, die Pferde im Stall. Und es ließ sich nicht annehmen, daß die beiden zu Fuß nach Deutschland laufen wollten. Jetzt ging die Jagd nach ihnen los. Was Beine hatte, wurde zusammengetrommelt. Um fünf Uhr nachmittags wußte ganz Epernay von dem seltsamen Geschehnis. Um sieben war alles durchsucht worden, was sich auf die Möglichkeit einer Entdeckung hin überhaupt durchsuchen ließ; sogar in der Marne war nach* Äworden. An die Seilereien dachte niemand. Es erlag, und da waren sie geschlossen. Erffh «egen


