Ausgabe 
10.11.1910
 
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Vie Täterschaft lassen die sehr deutlichen Scheren der Nagezähne nicht den mindesten Zweifel aufkommen. Es ist leicht möglich, daß die geringe Vermehrung derjenigen Höhlenbrüter, deren Flug- lock) für das Eichhörnchen ohne weiteres passierbar rst (wie Schwarz­specht, Grünspecht, Blauracke, Hohltaube) in ferner Mordlust ihre wahre oder doch hauptsächlichste Begründung findet. Von Interesse ist es vielleicht noch, zu konstatieren, daß das Eichhörnchen anch Schädel, Knochen und abgeworfene Ge w e ihst an g e n, die es im Walde findet, benagt. Man hat dieses Benagen bald ben Mäusen, bald Mardern, bald Wüchsen zugeschrieben; allein die genaue Untersuchung wies doch nach, daß die scharfen parallelen Einschnitte nur von einem und zwar größeren Nagetier bezw. dem Hörnchen herrühren können. Auch haben dies spezielle Wahr- nehmungeii in einzelnen Fällen bestätigt. Hier und da findet man ferner eine Frucht oder einen Hutpilz an Aesten angespießt, Auch hier wird man nicht fehl gehen, wenn man das Eichhörnchen als den Urheber bezeichnet.

So lange das Eichhörnchen nicht in erheblicher Menge ^er­scheint, wird man ihm das Dasein, aller dieser Sünden ungeachtet, wohl gönnen dürfen. Bei bedeutender Vermehrung bleibt aber nichts weiter übrig als Abschuß, zumal in Samenjahren der Fichte. Derselbe ist auch wiederholt seitens der Regierungen angeordnet und durchgeführt worden. Sein Pelz ist zur Fütterung von Röcken und Ueberziehern sehr geeignet. Ferner würde die S ch o n u n g des B a u m m a r d e r s zur Verniinderung der Hörn­chen beitragen. Der Jäger würde sich allerdings mit diesen Schonung nicht einverstanden erklären.

Gießen, den 25. Oktober 1910. Professor Dr. R. H e ß.

Wilhelm und Caroline von Humboldt als Brautpaar.

Unter den zahllosen Briefsammlungen, die in jüngster Zeit aus den Archiven unsrer hervorragenden Familien der gebil­deten Leserwelt zugänglich gemacht wurden, nimmt ohne Frage der Briefwechsel zwischen Wilhelm und Caroline v. Humboldt die erste Stelle ein. Insbesondere für unsere Frauenwelt wird so leicht keine Gabe gefunden werden, die ihr reichere Schätze des Gemüts ins Haus trägt als dieBriefe aus der Braud- zeit", die den ersten Band des Humboldtschen Briefwechsels bilden. Aber nicht nur Frauen, sondern alle fein empfindenden Leser ohne Unterschied des Geschlechtes werden mit einer gewissen Rührung diese Liebesbriefe lesen, in denen sich ein so prächtiges Vertrauen auf die Persönlichkeit dessen, mit dem die Lebensreise angetretm werden soll, kundgibt. Wie innige Briefe Humboldt zu schreiben vermochte, weiß jeder Kenner der klassischen Zeit. Aber auch Caroline, als Frau seiner würdig, ist ihm ebenbürtig in der Beherrschung der Sprache, in der Tiefe des Gefühls, im Reichtum der Gedanken. Das zeigen z. B. schon die beiden Briefe, die sich das bräutliche Paar am Jahrestag seiner Verlobung ge­schrieben hat und die wir mit Erlaubnis des Verlages E. Sc Mittler u. Sohn in Berlin aus dem soeben in 6. Auslage erschienenen I. Band auszugsweise hier wiedergeben:

Humboldt an Caroline. Berlin, 16. Dez. 1790.

Heut ist der Tag, da wir unsere Vereinigung geschlossen. Heut waren wir bei Bellmonts. Noch seh ich Dich am Fenster vor mir stehen, den Arm aufs Fenster gestützt, noch höre ich Deine entzückenden Worte. Sehr glücklich, sagtest Du, würdest Du Mit mir sein! O, wie ist sie erfüllt, die Verheißung. Wie fühl ich in dem Innersten meiner Seele Dein einziges, namenloseK Glück. Wie leb ich allein in dieser Empfindung. Lang saß ich heute schweigend in meiner Stube und rief mir alles, alles zurück, jeden kleinen Umstand, jedes Wort, was Du, was ich sprach. Ich fühle noch den Kampf, der in mir war, als ich bedachte, ob ich Dich fragen, ob ich Dir anbieten sollte, ast Meiner Seite durchs Leben zu gehen. Denn ich liebte zu tief und innig Dich, um Liebe zju nennen das milde, gütige,, entrückend^ Wesen, womit Du mich immer behandeltest. Und nun solltest Du Dein Dasein an das meine knüpfen. Ich fühlte Dich so groß, so erhaben über mich. Nur zu leben mit Dir, jedes feine, schöne Gefühl zu hegen und pflegen, keine Blüte verwelken zu lassen, von allen den wunderlich reizenden, namenlos mannigfaltigen, die ich in Dir schon aufgeblüht und noch aufblühend erblickte, war mir so unendlich viel, machte schon in der Idee mich so glücklich. So kam ich nach Erfurt, so sprach ich mit Dir. Das Glück meines Lebens, mein Dasein wagt ich an die schöne Hoff­nung, Dich zu beglücken, zitternd nicht ob dem, was ich 'wagte, nein, aber ob ich's erringe, das göttliche Ziel, und errang ich's nicht, dann, das wußt ich, warf ich Dich tiefer zurück. Deine Antwort überraschte mich wunderbar. Dieser Ton, diese Gewiß­heit in mir, daß es das Wort sei Deiner heiligsten, wahrsten Gefühle, machte auf einmal mich so kühn, aber der Mut fehlte mir noch, ganz die Hoffnung zu fassen, und ich sank in Wehmut zurück. Freundlich hat es das Schicksal gelöst. Wir waren einander, was wir nicht sahen, wir werden ewig finden einer im andern alles, wonach unser Wesen sich sehnt."

Caroline an Humboldt. Erfurt, 16. Dez. 1790.

Noch einen Augenblick, mein Bill, muß ich zu Dir, wi« ich von Bellmonts zurückkomme, wo ich zur Nacht, Zlch,

welch ein unbeschreiblicher Wend wär der heutige. Ich zittertch als ich dem Bedienten, der früh die Einladung für den Abend brachte, die Antwort gab, ich würde kommen, und freute mich den ganzen Tag ach, mit solch einer wunderbaren Freude. Endlich kam die Stunde, hinzugehn. Ich blieb 'frei vom Spiel nnd konnte in den Zimmern herumgehn und mich in dasselbe Fenster stellen, wo Du mir Werst von unserer Verbindung sprachst. Noch umflüsterte mich der Ton Deiner Stimme, noch wähnt ich aus Deinem Munde die Worte zu vernehmen, daß nicht eigent­lich Liebe mir Deine Hand anböte, aber der innige Wunsch, mich glücklich zu sehen.Wirst Du es mit mir sein könnens Lina?" setztest Du hinzu. Das tiefe Gefühl der Wahrheit entriß mir das schnelleJa".So such wir von jetzt an vereint," erwidertest Du. Ach, wie entfernt waren meine Gefühle von denen, die nun meine Seele füllen! Nennt das auch eine Sprache, was Du mir bist, zu welcher Höhe der Empfindung! Du mich gehoben, welcher Reichtum, welch selige Fülle Du meinem Herzen gegeben hast? O, Du, mit welchen Namen soll ich Dich neunen, mein Geliebter, mein Bruder, mein Gemahl, das Glück, das Tn mir gibst, hat Deine Liebe einem künftigen Daseist entwandt, denn nie, o, nie umschwebte seine Ahndung ein mensch­liches Herz! Laß mich aufhören, laß mich Dich diesen Tag und die Erinnerung der Vergangenheit in schweigender Seele denken. Worte entweihen diese Gefühle, doch verzeihe, auch sr« sind so süß, und Deine Seele gibt den Einpfindungen die Gestalt wieder, die sie durch die Sprache verlieren."

Büchertisch.

Tempel-Klassiker. Die deutschen Dichterausgab'est des Tempel-Verlags! ist Leipzig sind um fünf neue Goethe- Bände, drei Bände der Heine-Ausgabe und um eine sehr verdienst liche zweibändige Ausgabe des Nibelungenliedes (Altdeutsch imti Uebertragung von Karl Simrock) bereichert worden. Die Vor­züge der Tempel-Klassiker bestehen darin, daß sie nichts enthaltest als das Wort des Dichters, daß alle erforderlichen Belehrungest und Erläuterungen jeweils in einem besonderen Ergänzungsband vorliegt. Darin sind auch die biographischen und literarischest Einzelheiten enthalten, wobei die Briefe der Autoren reichlich benutzt wordeii sind. Was ben Text ber Dichtungen anlangt, so sind nicht die Ältersfasfungen, sondern meist die lebensvolleren und frischeren Formen der ersten Niederschriften beibehalteu wor­den. Tie vornehm schlichten Leinenbände erfreuen sich eines! schönen, klaren und lesbaren Druckes. Goethe erscheint voll­ständig in 30 Bänden, von denen nunmehr die Hälfte bereits! vorliegt: 1. Die Gedichte. 2. Gedichte in antiker Form. Elegiest.- Epigramme. Hermann und Dorothea. Achilleis. Reineke Fuchs. 3. Die Sprüche und der Divan. 4. Jugend-Dramen. Farcen, Götz. Clavigo. Stella. 5. Dramen des reifen Goethe. Egmvnt, Iphigenie. Tasso. 6. Faust. 7. Werther. . Wilhelm Meister, 8. Wilhelm Meister (Schluß). 9. Wanderjahre. 10. Wahl­verwandtschaften. Erzählungen. 11. 12. Dichtung und Wahrheit, 13. Italienische Reise. 14. Campagne in Frankreich. Reisen, 15. Annalen. Biographische Einzelheiten. Auch Heines sämt­liche Werke in zehn Bänden sind schon dem Buchhandel übergebest worden: 1. Buch der Lieder. Kleine Gedichte. Romanzero I. 2. Romanzero II. Nachlese. Almansor. Ratcliff. 3. Atta Troll, Wintermärchen. Harzreise. Nordsee. Eugl. Fragmente. Polen, Berlin. 4. Bacharach. Legrand. Reise von München nach Genua. Florentinische Nächte. Lucca. 5. Schnabelewopski, Faust. Shakespeares Mädchen und Frauen. Götter ,im Exil. Tiana. Geständnisse. Memoiren. Gedanken. 6. Elementargeister, Rel. und Phil, in Deutschland. Romaut. Schule. 7. 8. Frank­reich. 9. Marcus. Börne. Rezensionen. 10, Biographie mit Briefen, ____________

Arithmogriph.

15451567 ein Geigenkünstler.

2 6 6 2 männlicher Borname.

3 5 4 1 6 Teil der Aloen.

4 5 1 6 5 6 6 Stadt in Baden.

5 1 6 7 4 eine Ziervftanze.

6 5 112 italienischer Dichter.

7 4 2 1 griechische Gottheit.

1 5 5 4 ein Fluß.

12345671 ein Philosoph.

Auflösung in nächster Nummert

Auflösung des Kveuzrätsels in voriger Nummert

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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- nnd Steindruckerei, R. Lange, Gießen«