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Höhk gestentpelt. Aller Anse» richteten' sich in rührender Hebet# Einstimmung nach dem „Lnmpenküppel" zu, ivv in einigen ge# b rechlichen altersschivachcn Hänschen das geringe Volk wohnte Allein zur unaussprechlichen Berwunderimg der Menge machte Argus jetzt Linksmir und bog in die Silbergasse ein, Ein rrn-- gläubimS, verächtliches Lächeln zeigte sich auf allen Gesichtern.' Im Unterdarf, ny die Höfe der reichsten Leute find, der Ge-> meinberiite, der Feldgerichtsschöffe», der Kirchenvorsteher? — Ein sauberer Polizeihund das!
„Toat kann oiir Karo nach!"
„Et mär mir leed, wann mei Oskar fit diuu.iv wär!" „Ter soll sich begroawe lasse samt feint Bolizeihund!" Urrd was der abfälligen Redensarten mehr waren.
Indessen trabte der Geschmähte mit weit vorgestreckter sttasö zmentwegt auf der angenommenen Fährte weiter.
Was, zu Pittersch Ho freite hinein? Ausgerechnet in des alten Pittersch Haus? Mau war nah« daran, in lautes Lachen ttuszubrechen.
„Ta aäl Pittersch hett uaut nirrig enzebveche, dä hett mieh toiii genunk," bemerkte einer, „nnn sei Fraa auch tret," ein zweiter.
„Daun hetts dä Jörg getoan."
Tie Umstchmdeir vermochten bei der Lächerlichkeit dieser Bor- stellmrg rticht mit ihrer Heiterkeit zurückzuhalteu.
„Ruhig da," herrschte sie der Wachtmeister an, „R>the bitt ich mir aus!"
Eine Bewegung ging durch die Versammlung. Wütend bahnte sich von rückwärts her ein Grau tropf seinen Weg.
„E' Kreuzgewitter soll drin schloan!" schrie der alte Pittersch, „nid? sein feen Spitzbouwe net und «ach keeuS von meine Lcure, mit auerm schlaichte Hund do!"
Einen Knüppel aufrassend, wollte er ihn Argus auf den Kopf schmeißen. Doch rechtzeitig fiel ihm der Bürgernreister in den Arm.
„Pittersch Vetter, macht auch net unglücklich, de Bolizei ver# Weht feen Spaß, Hai heißttS: Snpernatiion."
„Jawohl, Supernatiou," wiederholte Haungotisried, der Adjutant.
(Schluß folgt-)
Ein Besuch beim krauten Menelik.
Im vorigen Jahr hat Friedrich I. Bieber eins Reise durch Süduttzi-opieu zum Ml unternommen, auf der er von König Menelik empfangen wurde. Sein im „Globus" veröffentlichbev Bericht gewarnt besonderes Interesse durch die beunruhigenden Nachrichten, die immer wieder über die schwere Krankheit und den nahenden Tod des Negus zu uns gelangen. Schon beim Be- treten der französischen Hafenstadt Dschibuti, von der die Reise ausging, wurden dem Reisenden die abenteuerlichsten Gerüchte über die Krankheit des Kaisers und die politische Lage des Landes zugctragen. Man erzählte, der Negus liege im Sterben, zahl-
• reiche Kronprätendenten kämpften gegeneinander, Revolution und ■ Anfstand herrsche im Innern. Diese aufregenden Nachrichten traten immer bestimmter und in immer wirreren Formen auf, je weiter Bieber in das Land hineinkam. Auch in dem taufend# jährigen Harar, der Metropole des moslimischen Ostgal lala »des, die durch eine Fernsprechlinie mit der Hauptstadt Adis Ababa verbunden ist, wußte man nichts gewisser über die Entwicklung der Dinge in der Hauptstadt, und besorgt blickten die Kaufleime! in die nächste Zukunft. In der Residenz selbst aber ivar nichts besonders Aufregendes zu bemerken, sondern ein friedlich bewegtes Leben regte sich überall. Adis Ababa war früher nur ein großes Dorf, hat sich aber in den letzten vier Jahren "zu einer förmb lichen afrikanischen Großstadt entwickelt. Zwikchen den Tausenden .von Rundhütten mit Kegeldach erheben sich schon zahllose stockhohe .Häuser im indischen und europäischen Stil. Nur der Gibt, d. i. die Pfalz des Kaisers, die auf einem Hügel inmitten dey Stadt liegt, besteht, bis auf die alte GeriMshalie mit dem llftr# türm, ausschließlich aus Bauttm in einem halb indischen, halb arabischen ober europäischen Stil, ebenso die Pfalzen der Lehns' fürsten und der Minister. Die iveitbin ausgedehnte Stadt wirb von breiten Fahrstraßen, deren Bart Kaiser Menelik selbst geleitet hat, nach allen Richtungen hin durchzogen. Die Hauptstadt des Negus, deren Name „Neue Blume" bedeutet, erhält einen lieblichen Rahmen durch die unzähligen Haine und Gärten, in di« die Häuser eingebettet sind. Die bemerkenSNKrtesten Bauten sind außer der Billa des Kaisers und der 1OOOO Personen fassenden! Thron halle die neue Gcorgstirche auf dem Marktplätze, das weitläufige Zollamt, der Palast der Bank von Abessinien und der von der Kaiserin erbaute neue Gasthof, daS Postamt mit Fernst sprechzentrale, das kaiserliche Gymnasium, ein großes, nach dem • Pävillvnshstem angelegtes Krankenhaus und der' Palast der beut* .scheu Gesandtschaft, der wie die übrigen Gesandtschaften im Norden, außerhalb der Stadt, jenseits des Rennplatzes mit seinen .Klub' W» liegt. Im Straßenbild von Adis Ababa mischen sich in ' mtjflmer, Meise modernste Neuer»nigen mit uralter Tradition, j Neben Maultiertaramaucn und laugeil Zügen von Kamels» trifft! nkan aus Straßenlvkmwtiven und Automobile. Auch int täg- llchcn Leben des Aethiopiers finden Fernsprecher und RepctieW
Redaktion: K. Neurath. — Notationsdruck und Benag der Br
geivehr neben deut Krväterhausrat Bettvenditng'. Das Erfreu-- lichstc dabei ist, daß die Abessinier von Europa nur das nehmen, was sie brauchen, und dabei nichts iwt ihren, in einer nahezu 3000 jährigen nationalen Vergangenheit erprobten Sitten auf-- geben. Ateneliks Residenz ist heute der Stapelplatz und Mittelpunkt, des Handels für das unermeßliche Gebiet zwischen dem! Hawasch und dem Sobat. Alle Erzeugnisse Südäthivpiens strömen hier zusamnren und die .Einfuhr der ganzen Welt wirb von hier mts durch etwa 50 000 Wander Händler in die fernsten Täler getragen. Obgleich der Kaiser seit Mouaten keine dludi-enzen mehr abgehälteu hatte, wurde Bieber doch bei ihm Vorgvlassen. Er befand sich verhältnismäßig wohl und zeigte durch sein ganzes Auftreten, wie übertrieben die auch in Europa verbreiteten Gerüchte über seine Krankheit waren. Menelik leidet an progressiver Paralyse, die aber nur langsame Fortschritte macht, so daß er vielleicht noch lange rticht die Krone feinem Nachfolger übech geben dürfte. Er erkannte den Reisenden, den er vier Jahr« nicht gesehen hatte, sogleich bei der Begrüß trug wieder und wandt« sich an den ihm zunächst sitzenden Ras Wolde Giorg's. den Statthalter von Kassa, mit den Worten: „Das ist ja Musse Bi-Bi- Bicber." Lebhaftes Interesse zeigte er für das ihm überbrachte Geschenk, einem tragbaren Fernsprecher, fragte den Wiener u-ach der Gesundheit des Kaisers von Oesterreich und nach der Art dtp Thronfolge in Oesterreich. Zu seinem Nachfolger hat Menelik seinen Enkel Jahasu oder Jesus, eilten Sohn seiner Tochter Schvareka und des Ras Mikael, des Fürsten der Wollo, bestimmt und durch Heroldruf feierlich vstiMttden lassen. Mit Jahasu gelangt nicht mir ein Nachkomme des Ras Mikael, des möckst- ttgsten der Lehnsfürsten, sondern auch ein Abkömmling der Galla zur Herrschaft, die damit an politischer Macht gewinnen werden. Dies ist für die wirtschaftliche Zukunft Aethivpiens von Bedeutung, denn die mehr als zehn Millionen zählenden hamitischen Galla sind die einzigen produktiv tätigen Elemente, während die semi- tischen Amhara, soweit sie nicht als Beamte und Soldaten dienen, mehr ein Händlervolk sind. Die Lehnsfürsten haben Jahasu. anerkannt. Vormund des minderjährigen Thronfolgers ist der Ober- befehlshaber des Heeres, Fitaurari Aste Giorgis; als Mitvornnmd werden ihm beigegeben sein Bater Ras Mikael und der jetzige Regent Ras Tessama. Da diese vier Fürsten ihre Macht Menelik verdanken und sie ihrer Lehen nach äthiopischem Reckst mit benti Tode des Kaisers verlustig gehen, haben sie das größte Interesse daran, dem rechtmäßigen Herrscher die. Statute anfzusetzen. Di« Thronprätendenten haben wenig zu hoffen und auch die Macht der Kaiserin, die gewöhnlich überschätzt wird, endet mit dem Tode ihres Gemahls. Prinz Jahasu wurde kürz nach der Abreise Biebers pro forma mit einer Enkelin des Kaisers Johannes IV. verheiratet, um auch die Tigre für ihn zu gewinnen. Vorläufig! muß aber der junge Ehemann noch fleißig lernen; er hat das Gymnasium besucht, soll fließend Deutsch und Französisch sprechen und ist.von einem deutschen Erzieher ausgebildet. Der Einfluß der Deutschen und des Deutschen Reiches steht heute in. Aethiopien noch immer an erster.Stolle. Daneben' versuchten Frankreich durch seinen Eisenbahttbatt von Direh Dana nach Adis Ababa und Großbritannien wieder stärkeren Einfluß zu gewinnen.
Vücherüsch.
— Das literarische Ech o. Halbt'.iouatSscbrtft il'tr Ltte- raturirennbe fHerausgeber: Dr. Josoi Ettlinger, Verlag: Egon Fletsche! u. Co., Berlin W 9). Das 1. Märzhei! ist soeben mit folgeitbetn Jnbalt erschienen : H. Hilbert Honben : Eine jntigdettlsche Eptiode. — Ed. Platzhoff-Lejetme: Edouard Rod. — Jakob Scheret: Biblische und Glaubensdramen. — Richard Sexau: UleNspiegel. — Emil Horner: Gi illparzer-Literalnr. — Echo der Zeitungen und Zeitschriften. — Echo des Auslandes (Französticher, Italienischer Ungariichcr Brici). — Echo bet Bülmen. — Kurze LlnzeiAen. — Nachrichten. — Zuschriften. — Der Büchermarkt.
Krenzriitsel»
In die Felder iiebenstehender Figur sind die Buchstaben a aa ------------ a a a a a, b, c c, e e, h h h h _________1. - h h, 1 1 1 1, m m m m, nnn u n | n, ö ö, s s, 11, nun u, w w der-
j ' j art einzutragen, daß die wage-
—----—----rechten und senkrechten Reihen
I— —— gleichlautend folgendes ergeben:
______ 1. Eine Zierpflanze.
2 Bedeutenden Mediziner.
—3. Poetische Sammlung.
Auftchnng . in nächster Nummer.
Auflösung des Kapsel-Rätsels in voriger Nunimer: Was man mit nicht, das glaubt man gern.
hl'scheu Universitäts-Buch- und Sleiudruckerei, R. Lange, Gietzew


