Ausgabe 
10.3.1910
 
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Weißt, oder wenn ihr's mal für die Jungen wollt. Ich habe abgelehnt für meine Person. Wenn ihr's rcchttg Nnsangt vielleicht wird man den ollen Droesigl nicht ganz vergessen und der Eltern Segen baut den Kindern Häuser. Und nun Schicht, fertig mit dein Unsmn. Ich wollte dir nur sagen, das soll me,in Erbteil sein. Behalte das für dich. Nun wollen wir uns adien sagen. Konnte sonst auch ural grob gegen dich sein, und das täte mir leid. Reise ab, mein liebes Kind. Wenn mir's ganz schlecht geht, werde ich dir telegraphieren. Es wäre mir recht, wenn du da wärst und nicht nur die mit dem Schlüsselring. Grüß mir Louis und gib den Kindern einen Kuß.

Agathe erhob sich. Sie wollte sagen, es wurde bei,er werden, sie bliebe noch hier, aber sie wußte, das alles war diesem unerbittlichen Mann gegenüber Unsinn, der ihn nur reizte. Er hatte auch schon geklingelt. Fräulein Lüttgen erschien.

Sie wollte dein alten Mann wt Stuhl wieder auf- helfen, denn er war während der Unterhaltung nach vorn gerutscht. Doch als sie den unvermeidlichen Schlüsselbund dazu aus der Hand legte und die Schlüssel leise klirrten, gewann der Kranke mit einem Mal seine ganze Kraft wieder und rief: ,

Zum Donnerwetter noch mal, warum kommt das Abendessen nicht?

Er klingelte wütend dreimal. Alle weiche Stinnnung war dahin/ er achtete kaum auf seine Schwiegertochter, nur von bem einen Gedanken beherrscht: sein Abendessen. Ein älteres Mädchen ini schwarzen Kleid und leise ergrau­ten Haar brachte die Suppe. Er herrschte sie an:

> Sie wissen, ich will zur rechten Zeit essen! Keinen Übend und keinen Tag geschieht's.

Die beiden Frauen bemühten sich um ihn, und Agathe ging langsam hinaus.

Der Polizeihund.

Eine ländliche Kriminalgeschichte von G. Zitzer^ Nieder-Eisenhausen.

(Fortsetzung.)

Jörg beachtete ihren Befehl nicht, entschlossen, die bisher errungene Position auf dstm unteren Bettende unter allen Um­ständen zu behaupten.

Wann aich noch c bische miss rücke," wurde er immer kühner, dann kann aich bei Hand fasse."

Schon hatte er ihre Finger ergriffen, die sie ihm nach schwachem! Widerstreben auch wirklich überließ. Eine weiche Stimmung hatte sie überkommen, sie fühlte sich mit einenÄnale matt und schläfrig. Und Jörg, das für Schwäche und Nachgiebigkeit auslegeud, faßte! darauf fester zu und wollte sie zu sich herüber ziehen.

Hui, da sprang sie aber auf, flüchtete in die Zimmerecke, und ein Schüreisen ergreifend, rief sie ihm mit ^orubebender StimMS zu:Sn wäi de alleiveil nach een Schpitt näher kimmst, darrt» fchwan aich dir dos Ding uff de Kopp, daß de durzeM, haste dann gvar koen Respekt in dir?" /

Kampfbereit stand sie dein heft st atmenden Bursche!: gegen-- über. Mit seltsam stückelndem Wick maß er sie. ,

Aber er zwang sein kochendes Mut mit Gewalt zur Ruhe.

brauen dicht unb Mrk. Seine Mutter wiederholte vor!-' wurfsvoll?

Nun, ist das nicht traurig? Der arme Großpapa!

Der Knabe regte sich nicht. Agathe nahm seine Hand. Widerstrebend nur überließ er sie ihr. Erschrocken fragte sie:

Bist du denn nicht traurig, Egorl?

Der schüttelte den Kopf, während Erich seinem Bruder! den erziehlich mißbilligenden Blick des Aelteren zu warf. Als seine Mutter ihm weiter zuredete, meinte der kleine Mann, immer mit gerunzelten Brauen, kurz und scharf:

-- Mama, warum soll ich traurig sein?

Wenn Großpapa gestorben ist?

Er hat mir nie was geschenkt.

Die Mütter zog ihn auf den Schpß und fragte, ob es ihm denn zum Beispiel gleich sein würde, inenn Mutti stürbe? Da wandte der Knabe seinen harten Schädel der Mutter zu uird verbarg ihn an ihrem Halst

Agathe dachte an ihren Mann und ließ Egon sanft vom Schoß herab:

Nicht wahr, mein liebes Kind, das nrachst du nicht wieder! So ivas sagst du nicht vor Papa, wenn er dir von Großpapa spricht!

Der Kleine schüttelte den Kopf:

Papa spricht nicht vorn Großpapa, nur dp, Mutti!

Weil Herr Holzner dabei stand, schämte sich Agathe über das Wort ans den: Kinderinuud und ging schnell hinaus.

Ludwig trat blaß und ernst in das Zinnner seiner Frau: Mein Vater ist gestorben.

Woher...

Du weinst! Was soll es daun anders fein?

Er ging im Zinnner auf uird nieder, trat ans Fenster und blickte hinaus. Agathe griff schmeichelnd nach feiner Hand. Aber er machte sich sanft los. Mit einem Mal stürzte er apf sie zu, umschlang sie, küßte ihre Wange, ihrer: Mund, zog ihre Hand an die Lippen und sagte, indein Tränen ihm über die Wangen perlten:

Jetzt habe ich auf der ganzen Welt nur dich!

Und unsere Kinder!

Er schloß sie noch einmal heftig in die Arme und rannte spornstreichs hinaus. Er ging zu einem der Fremdenzimmer im andern Flügel, klopfte, und als der PriitzHerein" rief, streckte er seinen: Schwager die Hand entgegen: ,

Mein Vater ist gestorben, ich muß gleny abreiseiu Unter diesen Umständen können hier natürlich keine Jagden mehr sein. Sage es bitte den Herren. Und bitte, jedem ein paar entschuldigende Worte von mir.

Der Prinz wollte ein Wort des Beileides aubringen, doch Ludwig fuhr hastig fort:

Aber natürlich: wer bleiben will, bleibt. Drange niemand fort! Ich bin allerdings nicht imstande, mit jemand zu sprechen. Es werden.jetzt so bebentenbe Aende- rungen in meinem Leben. . . das wollte ich nicht sagen . . /ich meine nur, ich muß eben fort.

Dann setzte sich Ludwig in einen Stuhl, und der kor­rekte, sonst so steinerne Mann schluchzte laut.

(Fortsetzung folgt.)

Als hätte der Geheimrat eine Ahnung von seinen» Tode gehabt, indem er scherzend die ihm noch gegönnte Frist herab setzte, kam unerwartet am fünften Tage nach Kem Besuch ein Telegramm an Agathe:

Geheimrat neun früh Herzschlag."

Es war der bündige Stil des alten Herrn, seine Haus­hälterin war also offenbar nicht so ungelehrig, ivie er wegen des Schlüsselringes behauptet.

Es gab keine Jagd heute. Ludwig ivar zum Kanal gegangen, um nach den Maurerarbeiten an der Elektrizi­täts-Anlage zu sehen. Agathe schickte Oskar in den Park, ihren Mann zu holen. Er sollte schonend ein paar Worte sagen, der Geheimrat wäre kränker geworden. Inzwischen ging sie hinüber zu ihren Söhnen. Der Nachfolger des Herrn von Fstrow erhob sich und machte eine Verbeugung, wie sie Ludwigs Wünschen entsprach.

.Sie wollte Erich die Nachricht mitt eiten, doch der hatte schon die Tränen in: Auge der Mutter bemerkt, sprang auf, schlang den Arm um sie, und wie er sie mit ritter­licher Artigkeit tröstete, die Absätze geschlossen in einer Art strammer Haltung, war er das Ebenbild seines Vaters:

Was hast du denn, Mutti?

Sie strich ihm über den blonden Kopf:

Ich mutz euch was erzählen. Komn:, Egon.

Egon sah sie an mit scharfen Augen, die ihm die Groß­väter gegeben zu haben schienen. Der kleine Mann hatte etwas Sicheres, als er aufstand, sein Buch zuklappte und zu der Mutter schritt. Während nun Erich schmeichelnd ihren Aermel glatt strich, denn er hatte einen auffallenden Sinn für Ordnung, begann Agathe ihren beiden Söhnen, indem ein Schleier sich über ihre Augen senkte, zu erzählen, der Großvater sei gestorben. Die Jungen.'schwiegen. Egon Machte ein ernstes Gesicht und say vor sich hin, Erich küßte seine Mutter und tröstete sie in förmlich wohlgesetzter Rede:

Mutti, du darfst nicht weinen, das mag Papa nicht gern. Nicht wahr, Herr Holzner, Mutti soll nicht weinen?

Dann sagte er altklug:

Der arme Papa!

Er schien nur traurig zu sein für seine Mütter und! für seinen Vater. Sie kannten ja ben Großpapa beinahe nicht. Egon aber sagte fein Wort, so daß Agathe ihn fragte:

Nun, Egon, ist das nicht traurig?

Er blieb vor sich hiustarrend stehen, jetzt, wo er bie Wiru in krause Falten legte, die zart geschwungenen Augen­