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Donnerstag den P. Mrz
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Droestgl.
Vornan von Georg Freiherrn von Ompteda.
(Nachdruck verboten.) ttpTiiCbuug.
Agathe begann, möglichst unbefangen, Pt berichten, baß die Kanalhochleitung für die elektrische Kraft, die Jahre tadellos gehalten, plötzlich Wasser durchließe und das ganze Bett wahrscheinlich ausgemauert werden müsse. Das nahm der alte Herr wie alles Technische mit Interesse entgegen. Da er aber zu befürchten schien, Fräulein Lüttge» könne sie unterbrechen, so schickte er Agathe hinaus, ihr zu sagen, sie möchte jetzt nicht hereinkommen. Sie fürchtete das Fräulein verletzt, vielleicht gar hi Tränen zu finden, aber die meinte nur:
— Ach Gott, gnädige Fran, das kenne ich seit zwanzig Jahren.
Und sie drehte dabei unablässig über dem Zeigefinger der linken Hand ihren Schlüsselbund.
Als Agatha wieder eintrat, lag der Geheimrat mit geschlossenen Augen im Stuhl. Sie erschrak, doch er streckte ihr seine breite, sommersprossige Hand, auf der ein dickes Adergeflecht schwoll, entgegen. Es schien ihn zu beruhigen, daß er ihre Anwesenheit fühlte.
Nun, wo er den Groll über seine Ehe von der Seele 'herunter hatte, begann er ho» '.wich zu werben, daß die junge Fran eine seltsame Ahnung beschlich, es ginge bald mit ihm zu Ende. In den Zügen dieses eisernen Ärbeits- rnenbyen lag etwas Verklärtes, als sü der wilde Trieb zur Tätigteit, der ihn in die Höhe gebracht und sein ganzes Leben hindurch beherrscht, erloschen' Er sagte stolze Worte. Er freue sich über vas, was er hinterlassen würde. Ein leiser Schalk klang daraus, als wollte er sagen: „Ihr werdet euch wundern! Ihr ahnt ja gar nicht, nuie viel es ist!" Dann, sprach er von seinen Enkeln, endlich über seinen Sohn, Er schien manchen Zusammenstoß mit ihm zu bedauern, aber sie seien doch zu verschiedene Naturen. Und ein wenig deutete er an, vieles, das ihm an seinem Sohne nicht grsrel, sei ein Erbteil der Mutter. Die fünfzig Unterröcke kehrten ivieder, gleichsam in Verbindung mit Ludwigs Sinn für Aeußerliehkeiten. Als nun der sonst so rücksichtslose Mann sah, daß Agathe die. Augen senkte, legte er auch noch die rechte Hand auf den Rücken ihrer Finger, die er mit der Linken umschlossen hielt, und sprach immer weicher werdend :
Ich will dich nicht kränken. Ich weiß, du hast Louis .lieb, und ich danke dir dafür. Man .soll vor einer Fra.» nichts Böses über ihren Mann sagen. In meiner Natur licgt's nun mal, das Schlechte zu finden, weil man's eben verbessern möchte, und das Gute nicht weiter zu besprechen, weil's einem selbstverständlich scheint. Da werde ich mich jetzt acht Tage vor meinem Tode, jawohl acht Tage, nicht
mehr ändern. Dazu Ws nun zu spät. Und nun will ich dir mal was sagen, ganz leise ins Ohr. Komm her.
Er blickte sich um, immer als fürchte er, die mit dein Schlüsselbund könne eintreten. Dann sprach er beinahe zärtlich und preßte immer die Hand, die er in seinen beiden hielt:
— Nie soll man einen ins Gesicht loben. Ich habe meinen Sohn nie gelobt. Deswegen sind wir auch wohl aneinander geraten wie Erde und Blitz. Aber dir will ich eine Freude machen, sieben Tage vor meinem Tode —> siehst du, jetzt hast du's auch schon eiugesehen und reddst nicht dagegen, nun sage ich: es können auch sechs seist. —• Ich habe mich mit Louis in meinem Innern versöhnst Seine Wege sind meine nicht. Ihr denkt übrigens, ich sähe nur hinter den Kontobüchern und hätte keine Phantasie^ Weißt du, daß einer, der Verbindungen schafft, Werte scheidet und eint, Phantasie haben muß? Ein Dichter bin ich nicht —- unnützes Gelichter — aber geträumt hab ich immer. Von was? Vom Vorwärtskommen. Ich bin vor- wärts gekommen. Je weiter meine Frau rückwärts zum Teufel fuhr, desto mehr ich vorwärts. Als ich eines Tages aicfwachte und hatte die ganzen Kohlensritzen unter einem Hut, da habe ich selbst erstaunt die Äugen aufgerissen. Aber ich tvar nicht etwa zur Welt gekommen mit dem Gedanken: du mußt der deutsche Oberkohlenmohr werden! Ich bin zur Welt gekommen mit dein Gedanken, du. mußt schuften'. Aber eines Tages war ich eben der Obermohr. Geld habe ich gemacht. Geld ist Macht! Die Macht, seine Absichten den andern Schweinepriesiern nnfzuzwingeu. Ich habe die Grundlage geschaffen. Louis kann weiterbauen. Ich hoffte, V er würde es einmal auf iWinenWegen tun, aber es ging' nicht, — jeder nach seinen Gaben. Ich rechne nicht mitcktn- möglichkeiten. Wenn ich sehe, etwas geht nicht: keinaLeichen- reden halten, Strich drunter. Heute freue ich mich, daß mein Sohn sich auf seine Weise ne Stellung gemacht hat. Ich-werde mal vergessen sei». In fünf Tagen, nein, sechs hab ich vorhin gesagt, Ws vielleicht aus.' Daun kommt ihr drau. Dann meine Enkel. Kind, es ist doch niemand, hier?
Agathe schüttelte den Kopf. Und er fuhr fort, schwerer sprechend, immer leiser, als dürfe es niemand hören:
— Mir ist mal ne Namensverlängerung angeboten worden. Verstehst du? Ich habe höflich dankend abgelehnt. Würde wohl nicht die passende Figur dazu sein! Bin immer fürs innere Und äußere Gleichgewicht gewesen. Ernst Drve- sigt als Baron wäre mir genau so lächerlich vorgekomiuen wie ’n verhungerter .Graf, der nichts aufs trockene Brot zu schmieren hat als feine siebenzackige Krone - ach so — du machst 'n Gesicht also wohl neun. Nee, ich will als Ernst Droestgl sterben. Was später kommt, werden wir sehen. Louis weiß- nichts davon. Ich sage dir's hier, weil ich dich von Herzen liebgewonneu habe. Ist schwer bei mir! Meine Frau hat. mal gesagt, ich kann feinen, Mensche» auf her Welt lieben. Also: merk dir's, daß du'G


