— 19 —
die, SpiegelfchMen . der Fettster. .Die MertümWe. von hohen Bäumen beschattete Plaza ist das Schmnckstnü der
Auch der Rusenthalt iu Valdivia ist nicht sonderlich angenehm. Im Winter regnet cs gewöhnlich immer (unter 4Qo >. B. gelegen, hat Valdivia jährlich 134 Regentage mit einem Jahresniederschlag von 2880 mm) und inr ^-oimncr wird die Behaglichkeit gestört durch beit starken Wrnd, der den Saud auftreibt. Sogar Wirbelstürme sind beobachtet worden, und nm 26. April 1881 suchte die Ltadt eine ^.ronibe heim, die alte Bäume entwurzelte und den achteckigen Kirch- turm herunterholte, während sie gleichzeitig das zweistöckige Jntendanzgcbäude mit all seinem Inhalt an Altem uni/ Möbeln in ein wirbelndes Chaos verwandelte, wer Ort befindet sich iroch in der Region der Erdbeben, dre mehrfach, zuletzt 1907, ernstlich gewütet haben.
Die deutsche Einwanderung iiach Valdivia begann mit dem Jahre 1845, nachdem die chilenische Regierung m der Provinz Land zur Verfügung gestellt hatte. Es kamen zunächst einige Handwerker, später zahlreiche andere, zum Teil kapitalkräftige Leute, zumeist protestaniifche .Hessen Und Württemberger. Von der Regierung erhielten sie inchr viel Unterstützung, sie schufen sich selbst eine Existenz, wer erste Eindruck, den die Ankömmlinge von der «ssven Heimat bekamen, war wenig günstig und ein biederer Schwabe ! oll ihn in die Worte gekleidet haben: „Flöhe hat's und chtinke tut's, alles ischt verlöre." So schlimm war's aber poch nicht, und der Zugang dauerte bis 1859 an.
Die Einwanderersanlilien organisierten sich dort in der Fremde oft in patriarchalischer Art: Das Familienhaupt war nicht mit Ernährer, Gatte und Vater, sondern auch Geistlicher. Wenn man den kleinen Friedhof der Familie Anwandter betritt, der schattig unter alten Bäumen, den Resten des Urwaldes, liegt, so bemerkt man einen „die Kanzel" genannten hohen Baumstumpf, er diente uamlich dem alten Carl Anwandter als Sitz, ivenn er feinen Lieben die Abschiedsworte in das Grab nachrief, die sich zur Predigt geformt haben mögen. Ihm lagen schließlich auch die Tauseu iinb Trauungen ob, denn cs gab lauge lveder einen Pastor. noch ein Standesamt; erst seit 1887 hat die starke evangelische Gemeinde einen Geistlichen. Dieser Karl Anwandter, der in der alten Heimat Bürgermeister der Stadt Kalau und Mitglied des ersten preußischen Landtages^iiNd der Nationalversammlung gewesen war, ist auch der Schöpfer der deutschen Schule in Valdivia, einer der besten ihrer Art. Sw zählt heute 400 bis 500 Schüler und Schülerinnen und ist der bedeutsamste Faktor für die Erhaltung des dortigen Deutschtums.
Der Deutsch-Valdivianer ist ein blonder, recht stattlicher Menschenschlag, die Frauen sind oft flachsblond. Man sagt ihm nach, daß er etwas derbe sei und auch' auf seinen, nun meist schon vererbten Besitz poche. Außerdem macht sich auch eine gewisse Kleinlichkeit geltend und eine ängstliche Sparsamkeit bei den Geschäftsleuten, die erst noch etwas werden wollen. Von der deutschen Arbeit in Valdivia bemerkt eine dortige deutsche Zeitung: Vor einem Halben Jahrhundert war hier kein Kulturland; Urwald bedeckte b c — ' - ' “ihr
und es
Fa- wia zu verbannen. Handel und Wandel gab es nicht, und die geringe und überaus anspruchslose Bevölkerung hatte keine Bedürfnisse. Das Land besaß schwer auszubeuteiide tzolz- schätze, sonst nichts. Ihm fehlten die Mineral- nnb Tatzlager Nordchiles, die gesegneten Fluren der Mitte, es war ein trostlos armes Jndianerlaud. Dann setzte die Arbeit ein. Mühsam, unter den bittersten Entbehrungen begannen die Einwanderer, einen Fuß llrwald nach dem anderen zu roden und spärlichem Feldsruchtbau zugängig zu machen. Feldwirtschaft, Handwerk und die verschiedensten anderen Erwerbszweige würben erst gebildet, das in armseligen Verhältnissen lebende, durch den eigeuen Tiefstand geknechtete eingeborene Volk einem wahren Menschenleben zugefuhrt und aus) dein erbärmlichen Abhängigkeitsverhältnis erlöste iil dem es so lange gestanden. Das Land bekam Wert durch die Hände der emgewanderten Kolonisten, und dadurch wurde auch der Grundbesitz der Eingeborenen gesteigert, selbst iveiut diese die Hände in den Schoß legten, lind Wie sieht der Süden auch was ist aus Valdivia geworden,
das der Regierungssgent der Kolonisation 1852 ein wertloses Schinntznest nannte? Der größte Teil des Südens steht unter dem Pflug, alles ist Nutzlaud von 20- bis lOOfach höherem Wert als vor 50 Jahren. Eine bedeutende, beit LandesverhältnisseU an gepaßte und aus ihnen entsprungene Jnbustriei hat allen Widerwärtigkeiten zum Trotz Wurzeln gefaßt. ___
Die Zugmaschine im Jahre 1909.
Mit dem tödlichen Sturz D e la g ran g e s ist im Kampf um die Eroberung der Lüste wieder ein Streiter — her vierte in wenigen Monden ■— gefallen, aber sein Opfertod wird den Siegeszug der Flugmaschine nicht aufhalten, die im! vergangenen Jahre mit Riesenschritten den Weg von ein ent belächelten „Spielzeug" bis zu einem neuen Verkehrsmittel, dessen Vervollkommnung die Welt mit leidenschaftlicher Spaimung verfolgt, durchmessen hat. Denn in der bw» schichte der Menschheit wird das Jahr 1909 als das ^ahv des Fluges fortleben. Wenn auch im Jahre vorher die Brüder Wright bereits Flüge von einstündiger Taner aus- äeführt haben: erst im Jahre 1909 ward aus dem kühnen Sport der erfolgreichen Amerikaner ein neuer Beruf, dessen Pioniere bei der großen Woche in Rheims vor den Augen der Welt die Feuerprobe bestanden. Noch zu Begum des Jahres lächelten die -Skeptiker, wenn von der Möglichkeit die Rede war, mit einem von diesen „Spielwerken" einen! Flug von 100 englischen Meilen ausznführen. Mit den vollbrachten Taten sind die Zweifler jetzt widerlegt. Am! 25. August legte Pankhan mit seiner Flugmaschine tu Rheims in zwei Stunden 43 Minuten 83’/s englische Meilen zurück, schon am Tage darauf Latham in zwei stunden 13 Minuten 9ßi/2 Meilen, am 27. Farm an iu drei Stunden vier Minuten 112 Meilen und dann am 3. November bei CHLlons in einem Fluge von vier Stunden und 17 Minuten Dauer 150 englische Meilen. Nun bestätigen diese Leistungen zwar das Stehvermögen der Flngmaschme, aber noch nicht ihre Fähigkeit, größere Reisen über weile Landstrecken auszusühren, wozu die Ueberwinbnng größeren Höhen gehört. Welche Fortschritte das Jahr 1909 in dieser Richtung gebracht hat, mag folgende Zusammenstellung zeigen: am 18. Juli erklomm Paulhan in Douai eine Höhe von 487V» Fuß. Am 29. August folgt Latham in Rheims und erreicht 503 Fuß. Am 17. September schwingt sich Or ville Wright in Berlin bis zu 564'Fuß Höhe empor und drei Tage später erreicht Rougier in Brescia eine Höhe von 650 Fuß. Doch die Erfolge sind selbst mit diesem Ergebnis noch nicht abgeschlossen: am 6. November erhebt sich Paulhan in Sandowu bis zu einer Höhe von 977 Fuß, während Orvillo Wright in Berlin am 3. Oktober bereits 1100 Fuß erreicht. Wiederum ist es Paulhan , der in Chalons am 19. November mit 1150 Fuß. Hoho die Führung übernimmt, aber noch am selben Tage wird er von Latham, der 1330 Fuß erreicht, überboten. Ami folgende-!! Tage gelingt es Paulhan schließlich, sich den Wettjieg für das Jahr 1909 entgültig zu sicherii: er ^erreicht eine Höhe Yon nicht weniger als 1950 Fuß. ynu zwistben hat der Graf de Lambert in Paris die Un- glänbigen widerlegt, die au der Möglichkeit zweifelten, mit einer Flugmaschine über eine Großstadt aufzustelgen. M Herzen von Paris erhebt er sich Mit seiner Flngmaschme, umkreist und überfliegt den Eiffelturm', erreicht eine Hohe von 1200 Fuß und landet glücklich ohne Zwischenfall. Die Frage nach der Möglichkeit, mit der Flngmaschme größere Ueberlandflüge zu leisten, beantworteten inzwischen andere mit der Tat: Farm an legt 47 englische Merlen zurück, Latham 40, Codi 40, und Paulhan puhrt einen Weitflug, der 36 Minuten dauert und bei dem er gegen 60 englische Meilen zurücklegt, aus. „
Aber noch harrten andere Ernwaude der Zweifler der Beantwortung. 'Man machte geltend, daß die Flugnmsclmw von den günstigen Witterungsverhältnissen abhange und der Gewalt der Windsbraut nie zu trotzen wissen wurde. Le- vavasseur, der Schöpfer der Antornette-Motore, war der erste, der prophezeite, daß Maschinen gebaut werden könnten, die selbst starkem Sturme gegenüber sich behaupten könnten. Der Behauptung folgte der Beweis ans dem Fuße. Ans einer von Levavasseur gebauten Maschine erhob sich Latham in stürmischem Wetter und blieb völlig Herr seines Apparates; dieses Wagestück wiederholte er mehrmals bei starkem Sturme mit dem gleichen günstigen Ergebnis. Dann Me.ruaKmen es die Piloten der Lus,,


