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Valdivia und sein Deutschtum.
Man schreibt uns: Die sudchilenische ^tadt Valdiviaist von einem furchtbaren Brande heimgesiicht worden, dem auch viel deutsches Gut zum Opfer gefallen ist, bemt Valdivia ist mit seinen 10 000 Einwohnern rm wesentlichen eine deutsche Stadt, die Hochburg des Deutschtnins m Echic^ wie auch in der ganzen Provinz, gleichen Namem'Unsere Landsleute einen erheblichen Prozentsatz der Bevölkerung QiiSntncI)cii tutb iuirt|d)üft(icf) ö'oxljcrifcijcn.^
Valdivia hat eine für den Verkehr gunstrge Lage am Rio Callecalle, dessen breites Bett auch L-eescuiife aufnehmen kann. Schon bevor — so erzählt Professor Otto Burger in seinem lesenswerten Buche „Acht Lehr- und Wander^ahre rn Clale" — der mit dem Dampfer ankommende Zrenid^ ^al- divia betritt, steht er unter dem Eindruck, daß au dem dieser Stadt gespendeten Lobe „etwas sein" müsse, wenn der im Vorhafen Eorral anlegende Dampfer wird nrcht nur vorn Postboot aus Valdivia, sondern auch von mehreren, reichen Valdivnner Industriellen, ausnahmslos Deutschen, gehörenden kleinen Dampfbooten empfangen. Dann geht es den Rio Callecalle auswärts, "»d nach, E Stunden siebt man ihn aus beiden Seiten von Fabrrken und L-chcr- Häusern eingefaßt, deren Schilder deutsche Firmen zeigen. 8 der Ka de Tejas, einer.Flußinsel gegenüber der Stadt erheben sich dann die riesigcil Gebäude der An- wandterschen Brauerei, deren Biere bis ui den aslkersten kabriten Kieüei-eien uilm Die .utbufttlC in er Ivie tlt der
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Worte zusammenfassen: Bier, Sohlleder iiitb Alkohol. Das waren jedenfalls die Produkte, die die meiste Verbreitung fanden, und von denen das Valdivialeder auch nach Europa ausgeführt wurde. Heute ist die Gerberei infolge von Regierungsmaßnahmen zurückgegangen, und dre Alohoibrcn- nereien, die früher glänzende Geschäfte machten, sind durch bflR Steuergesetz von 1902 völlig lahmgelegt worden.
Eine schöne Stadt ist Valdivia nicht. Dre Hauser sind meist ein- oder zweistöckige, mit einem Giebel gekrönte graue Holzbauten init Zinkbedachung, von denen das eine wie das andere anssieht. Das Straßenpfläster besteht vielfach aus! roh behauenen Baustämmen, die der Quere nach nebeneinander liegen. Die viel höher sich hmziehenden Fuß' gängersteige, zu. denen voll der Straße oft Treppen empor- führen, sind häufig nur aus Brettern züsammengefugt. drängen sich aber doch schon hier und da massive Bauten in das graue Einerlei der Holzhäuser hinein, und dre vielen Brände fördern diese Entlvicklung. Daß indessen auch.die Bewohner der Holzhäuser vermögende Leute find, beweisen
zu ihneil." ,,,
Sie schnitt von beit Rosen lange, schlanke Zweige mit der süßen, nickenden, schweren Blume ani zarten Ende.
„Wir auf dem einsamen Horn kennen Ihre tiefsten Gedanken, Ihr Leiden und Ihr ganzes Herz —, — Ist das ein Glück oder etwas Schreckliches, daß jeder Mensch, wer es auch sei, Sie so kennen darf? Uns hier konnten Sie ^hr Geheimnis ruhig geben. Wir halten es heilig.h .
Erstaunt schaute er auf sie. — „Da habe ich aus dem ^infamen Horn, im kleinen Haus eine Heimat, ohne es zu
ahnen — Und die Menschen im kleinen Haus hüten mein Geheimnis so still und verschwiegen. — Wie ist das wunder-
In ' ihren Augen standen Tränen. —„Ich. verstehe es nicht, koke es geschehen konnte, daß Sie hier zu uru
sein," antwortete er bewegt. „Wie konnte ich bemt an meiner stillen Heimat vorubergehen f Welcher Mensch könnte das? Wir leben ja nicht nur,tn unserem kleinen Bewußtsein. Wir leben über uns selbst
©ie schnitt einen ganzen Arm voll Zentifolienroscu^ die keine Rose auf Erden an Schönheit, Zartheit und Farbe erreicht. Und sie tat es mit einer Hingabe, einer Versunken- heit, daß er nicht wagte, sie zu stören. In ihrer Haltung, in ihrem Blick stand deutlich, da.ß sie ein seliges Opfer
Goethe Alma: „Nun zeigen Sie mir auch noch Ehren Garten, in dein die guten Beeren gewachsen smd.
Sie führte ihn durch das Hans, hinter welchem der Garteil lag, und die anderen kamen nach. So wandelten s zwischen den regenfrischen Beeten hm und her, an den Gc- mit]eit und Blumen vorüber. , „ <
Das kleine Anwesen der Pfarrerin bekam Wrrl und Bedeutung. Der Blick, vom Garten ans das ^lmtal uno das alte Städtchen konnte nicht genug gerühmt werden.
„Man sollte meinen, daß wir einen Jan-raren schätz besäßen," sagte die Pfarrerin, „wenn dre Stadter von unten einmal heranfkommen. Der Garten kvicl aber bestellt sein, wenn er etwas tragen soll, und wir Frauenzimmer haben
.Ms ift bc.
«idit ernst. Nicht um die Welt würde sie tauschen. Die Arbeit ist auch so gut eingeteilt; für das Gröbste kommt ein Bauer aus Süßenborn, und mit dem übrigen werden mir
t,Ui^,$3cnn es zu viel ist, tragen Sie die Rosen, bis Sie unten an der Ilm vorüberkommen. Da können Sie davon hineiiiwerfen oder alle — aber nicht früher! Negmen «ie sie so in den Arm. — Sehen Sie — so, dann macht ey 1lUf)t„Unb % am Herzen," meinte er, „solch einen Busch Zentifolien Heimtragen, ist auch ein größeres Glück, als es uns stumpfen Menschen erscheint." Seine Blicke hielten ihre Gestalt, zärtlich yingenommen, umfangen.
(Fortsetzung folgt.)
ßlit E'Menschen lieben es, sich ihres Glückes nicht bewußt zu werden, Jungfer Alma, und es ist ihnen Nicht zu ^^Io'groß wird Ihnen das Glück hier oben nicht erscheinen," meinte Alma ruhig.
, Doch, lvenii ich diese wundervollen Somtuerblumen hier sehe und denke, wie die Linden vor dem Hause blühen üild von Bienenschwärmen brausen, so ist das em Stuck Paradies, um das ein König Sie beneiden konnte, denn ich weiß wohl, solche Blumenlüsche und solche Gentifolien wollen in Muhe gedeihen, die kann feine plötzliche Laune sich Herstellen, die brauchen viele Winter und Sommer und viel Mühe und Sorge."
„Ja," sagte Alma, „es sind alte Stöcke Wenn man hinter diesen Rittersporn tritt, ist man verborgen m den $laU©ie bUckt" ihn eine Weile stumm an. „Darf ich Ihnen von den Blumen geben?"
„Gewiß, liebe Jungfer."
„Aber," sagte sie, „sie sind alle gar so voll und mächtig, wollen Sie mit solchem Blütenbusch nach Hanse gehen?
Ja, glauben Sie, ich wäre lischt imstande, Sommer- sreude zu tragen?" Er lachte frisch aus.
Sie nahm ein kleines Messer aus der Tasche, klappte es ans und schnitt vom.Rittersporn eine Mve. Die Tropsen standen wie Diamanten darauf. Sie hielt die Mite vm. sich hin ntid meinte: „Ist das nicht ein königliches Geschellt. Wenn wir die Blume nicht so gewöhnt waren und ey die einige ihrer Art wäre, dann könnte man sie entern großen '**&•£ ..»■ Dich,-- WbU
Dinge ungewohnt, immer neu, immer Zum erstenmal. Das ist die große Wonne und die tiefe Pein."
Eben kam Ulrikchen vorüber in Begleitung des älteren Stollberg, blieb stehen und sagte ans ihre schnippische, mutwillige Art: „Ta ist sie wieder zwischen ihren Blumen Wissen Sie, Herr Goethe, daß meine Schwester Alma, ehe sie Pfarrers Alma wurde, ein blühender Rosenstrauch 'gewesen ist? Das glaubt sie nämlich."
Alma erglühte tief, und des jungen Mannes . umfingen sie wie betroffen. Sie war nicht verlegen. hen Scherz ihrer Schwester. Laust nachdenklich stau, als zöge mancherlei an ihrer Seele vorüber. „Das ver meine Schwester nicht," sagte sie, weil sie die Blumen, die Sonne und den warmen Wind nicht so lieb hat tote ich. — Ich liebe das alles!" Sie blickte mit Innigkeit über ihr kleines Reich. „Wer so vom Frühjahr an das Knospen und dann endlich das Blühen sieht nnd viele, titele stille Stunden dabei verbringt--" ,
,O, ich verstehe," sagte er, „der totrb eins mit diesen lieben Dingen - der gehört zu ihnen '/
„Ja," sagte sie auf ihre lebendige Art, „der gehört


