— 20
X
den letzten Einwand der Skeptiker zu brechen, der sich gegen die Fähigkeit der Flugmaschine wandte, größere Gewichte oder mehr als einen Menschen in die Luft empor zu heben. Die Brüder Wrrg h t unternahmen eine ganze Reihe von Flügen, bei denen sie Fahrgäste mitsnhrten, und während der Fliegerwoche in Rheims erregte die Leistung Farm«ns das größte Aufsehen, der gar mit zwei. Be- gleitern den weiten Flugplatz umkreiste. — So haben die Männer der Theorie, die mit gelehrten Rechtz nungen bewiesen, daß die Schwerer-als-die-Äuft-Maschine niemals zu praktischen Erfolgen Vordringen könne, bittere Zeiten durchleben müssen, und uachden Fortschritten des vergangenen Jahres tvird man damit rechnen können, daß das Jahr 1910 weitere Vervollkommnungen bringen wird. Die gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen lassen bereits in groben Umrissen den Weg erkennen, den die Zukunft dem Flieger vorzeichnet. Es ivird darauf ankommen, das Getvicht der Maschine noch weiter zu verringern, die Leistungsfähigkeit der Motoren zu steigern, damit die Trag- fähigkort der Maschinen noch weiter zu erhöhen und zugleich ein Mittel zu finden, die Flieger gegen die atmo- phärischen Einflüsse M schützen, die in Anbetracht der wachsenden Geschwindigkeit immer bedeutungsvoller werden. Denn die bisher erreichte höchste Geschwindigkeit von 60 englischen Meilen in der Stunde wird in diesem Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach noch bei weitem überboten werden; Levavasseur hat erklärt, daß Maschinen gebaut werden könnten, die eine Stundengeschwindigkeit von nicht iyeiliger als 150 englischen Meilen gewährleisten.
Interessant ist dabei auch eine Zusammenstellung, die eilten Ueberblick über die Einnahmen der Flieger gewährt. So berechnet man die Einnahmen Blöriots auf 240 000 Mk.; Delagrange konnte 160000 M. verdienen, Paul- Han 128000, Farm an 104 000, Latham 104 000, Curtiß 64 000, Stetigier 48000, de Lambert 48000, Sommer 24 000, De Caters 16 000, Gobron 8000, und Tissaudier 8000 Mk. Paul- Han ist eingeladen worden, eine Reise durch Amerika zu veranstalten, für die ihm 800000 Mk. geboten worden sind.
Vermischtes.
* Die moder ne Damenfigur. Aus Newyork wird lerichdet: Wird die Frauengestalt männlich? Das ist die interessante Frage, die ein amerikanisches Blatt aufwirft und yu der sich eine Reihe bekannter amerikanischer Bildhauer und Gelehrter ausführlich äußern. Tenn mit dem zunehmenden Interesse der modernen Amerikanerin für Sport und alle Arten anstrengender körperliche Hebung- geht eine Umformung der weib- kichen Gestalt Hand in Hand, deren Folge schon heute für das vorurteilsfreie Auge nicht zu verkennen ist, „Die amerikanisch« Fran von heute", so äußert sich der Bildhauer Potter, „ist mehr männlich als schön und dem griechischen Schönheitsideal ferner beim je. Allmählich hat sich diese Umwandlung vollzogen, aber ihren Mschluß scheint sie jetzt erreicht zu haben. Tie Mnskel- entwiMmg, ist durch stets körperliche Anstrengung auf ihren Höchst- ipunlt gesteigert, so daß der moderne Frauenkörsrer dem Athleten näher steht als der griechischen Schönheit." Der Künstler zweifelt, vb der neue Frauentypus damit ästhetischen Reiz gewonnen habe, denn die neue Gestatt mit ihren harten wulstigen Muskeln ist iveder scyön noch symmetrisch und entbehrt all der weichen fließenden Kurven, die mau früher als ein wesentliches Schönheitsele-ment der weiblichen Gestalt zu betrachten gewohnt war. „Eine solch- Mns'kel-entwickluug mag bei der männlichen Gestalt Schönheit bedeuten, das Ideal der Frauengestalt aber ist ein anderes als das der Männersigur, wo Stärke und Kraft zur Schönheit gehören Tie Schultenr der Frauen werden breiter und die dir» schmercyelnde schmale sanft abfallende Schulterliuie der älteren. Generation ist verschwunden. Tie neue sportbegeisterte Frau zeigt erneu stachen Brustkasten, außerordentlich breite muskulöse Schultern, eitle breite Taille und kleine Hüftenansätze: kiirz, alle Eigen- yettat der Mannesgestalt. Man nehme ein Naturgetreues Abbild lemeS modernen Mädchens, das eifrig Tennis oder Golf spielt «nid stelle sie neben die Gestalt eines gleichgroßen jungen Mannes Und man wird ni' den Formen nur noch unwesentliche Unterschiede iinden.' Ganz in demselben Sinne äußert sich der Präsident der Natwnalen Zeichner-Akademie, John W. Alexander. Er nennt die iibrrtriebene Muskelentivicklung bei der Frau eine Beleidigung des äfchetischeu Sinnes und sieht in dem Streben der Frau Stach dieser Richtung einen Mangel aii Kultur und zugleich chte nativ- denn die Ueberaristrengung des Körpers muß sich E Nachwuchs rachen Der Maler S. I. Woolf, der für eine Krvße Turnhalle in Ehtkago dekorative Wandgemälde schafft, hat
Fries emen Zug moderner Turnerinnen darzusteltost zmd bei der Arbeit zum ersten Male moderne sporttreibende Frauen
als Modelle benutzt. Achselzuckend wies der Künstler äuf seist Werk und bemerkte: „Diese Frauengestalten sind farmt zu unterscheiden von den Männlichen, aber sie sind absolut naturgetreu!, die Modelle kennt jeder. Ich gesteh: ehrlich, ehe ich diesen FrieS- begann, war ich aufs höchste verwundert über die Modelte, die ich in meinem Atelier empfing. Ich hatte bisher nur Frauen gemalt, die keine übertriebenen körperlichen Anstrengungen gepflügt batten imb sv jene weichen fließenden Linien boten, die meinest künstlerischen Absichten entsprachen. Aber bei diesem- Werk sollte' ich die moderne Turnerin gestalten, und so mußte ich wohl bei diesen Modellen bleiben. Ich hoffte, unter ihnen schSuentwickelte! Muskeln zu finden und erwartete auch eine gewisse herbe Streugp der Form, aber statt dessen fand ich Frammgestalten, die den jungen' Athletenfiguren der männlichen Studenten überraschend ähnelten. Die Struktur der Rücken Muskeln war männlich und die genannt’ Messungen zeigten dann auch, daß das' moderne Mädchen mir wenig von ihrem Bruder abweicht. Zu einer Psyche, einer Amazone, einer Grazie oder einer, Nymphe wird man in einigen Jahrzehnten wohl vergebens nach einem Modell suchen." Zu den Künstlers gesellt sich die. Schneiderin: der Inhaber eines der größten Londoner Schneider-Ateliers, Mr. Hitchins, stimmt in seinen BeobachtungÄst mit dem Urteil der Künstler vorbehaltlos zu. „Wir könnest keine Kleider mehr nach Modellen arbeiten lassen; die Sports- leidenschaft hat die körperliche Entwicklung der Frau in andere Richtung gedrängt. Ms ich kürzlich der Tochter einer alten New- Parker Familie erklärte, ich könne mit ihrer Taille nichts an- fangen, weil ihre Gestalt wie Marmor setz antwortete sie lachmd: „Ich reite auch täglich fünf Meilen und spiele eifrig1 Golf." Bor 10 Jahren noch konnte mau eine Frauengestalt durch die Kleidung verschönen. Heute nicht mehr. Tie Schultern sind breit, mast fanir sie nicht mehr schmäler aussehen macheir. Die Taille ist weit und kann nicht mehr eingeschnürt werden. Wenn die Hüsten wieder in Mode kommen, so werden die ntebernen Frauen sich Polster anschaffen müssen. Eine Modellvobe, die vor zehn Jahve« iwch für eine normale Durchschnittsfigur paßte, kann von der Amerikanerin von heute nicht mehr getragen werden."
* De r Küm meil t firr ke. Noch heute hört man oft als scherzhafte Bezeichnung den Namen „Kümmeltürke". Die meisten glauben wohl dabei, daß dieser Ausdruck eine Ironie auf den Türken enthalte, dem ja durch den Koran der Genuß geistiger! Getränke verboten ist, also auch der des namentlich in Deutschland sehr verbreiteten Kümmelschnapses. Abgesehen davon aber, daß auch schon früher der Türke einem berauschenden Trimfa durchaus nicht abhold war, wie dies zum Beispiel der kaiserliche Gesanl>te Buschbeck int Jahre 1663 aus Stambul berichtet, hak die seltsame Bezeichnung eine ganz andere Herkunft. Auf dest großen Gewürzmärkten nämlich, namentlich in Süddeutschland, zum Beispiel in Augsburg, wurde schon int 16. Jahrhundert der damals sehr teure Kümmel von türkischen Kaufleuten feilgebotän. Der Kümmel wird heute wie damals hauptsächlich in Nordafrika und auf Malta gebaut, bildete also für den levantinischeu Kaust nianit einen wichtigen Exportartikel. Bielfach waren freilich die Kümmeltürken gar keine richtigen Türken, sondern nur osmauisckie Untertanen und häufig Griechen und Albanesen, aber da sie nach Landessitte in türkischer Tracht mit riesigem bunten Turban neben ihren Kümmelsäcken saßen, taufte sie der Bolksmimh „Kümmeltürken".
Iin Heiratsbureau. „Ich glaube, der Herr, beit Sie 'mir Vorschlägen, ist doch etwas zu groß für mich," — „Rehmen Sie ihn nur, Sie werden ihn schon klein kriegen ■"
* I n der Iu strukt io ns stun de. Feldwebel (eilteilt Rekruten den Begriff „Tapferkeit" au einem Beispiele deuioustriereud): „Sie kennen doch die „Jungfrau von Orleans"?." Nekruh» „Persömich nicht, Herr Feldwebel!" e
Altäghptische Hieroglyphe«.
(Jedes Bild bezeichnet den Anfangsbuchstaben seines Namens, $, B. Sonne — s, Glas = g, re. Tie Vokale sind zu crganzen.j
Auslösung in nächster Nummer.
•
Uhl '
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummert Linden, Linien.
Redaktion! K. Neurath. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen UniversilälS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießern


