Ausgabe 
9.11.1910
 
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jffttgütig stattfindet, Tann diese Tätigkeit des Eichhörnchens lokal verhängnisvoll werden.

Auch die meisten Laubholzsämereien lverdcn von rhnr ange- itommen imd oft in großartiger Weise vernichtet, so %. B. Bucheln, Eicheln, Haselnüsse, Ahorn-- und Hainbnchensamen. In Parks stellt es auch den Samen des Tnlpenbanmes und in Gärten mit Vorliebe den Walnüssen unb Obstsorten (Birnen) nach. Im Herbst 1894 plünderten %. B. die Eichhörnchen die Nußbäume fm der Bergstraße derart, daß ein dortiger Gutsbesitzer seine Nuß­bäume umhauen lassen wollte, weil er keine Nüsse, mehr von ihnen bekam!. In Jahren, in denen sich die Eichhörnchen in einer be­stimmten Gegend zusammenziehen, wird eine erhebliche Schmä­lerung bet' Fruchternte bemerkbar.

Noch empfindlicher als die Fruchtentnahme vom Baume ist der Schaden, den das Eichhörnchen durch Herausscharren von Samen und Kotyledonen der Buche, Eiche und Tanna aus dem Boden verursacht. Der alte Pfeil beobachtete diesen Schaden bereits 1852 im Neustädter Forst garten. In der Oberförster« Eggesin vernichteten die Eichhörnchen 1871 einen Buchenkamp vollständig. Im Forstdepartement Sonneberg (Thüringen) wurden 1872 Buchen- und Tannensaaten, die mit einem Aufwande von 600 Gulden ausgeführt worden waren, zu % von den Hörnchen vernichtet. Die Vertilgung wurde daher von Amtswegen angeordnet und in 2Vs Jahren wurden nicht weniger als 1143 Stück abgeschossen. Unzweifelhaft Halle die gute Aesung günstig auf die Vermehrung gewirkt, oder es war Zuzug von aus­wärts erfolgt?

ad. 2. Von fruchtähnlichen Gegenständen, die dem Eichhörnchen genehm sind, sollen genannt werden: Eichen­blattgallen (durch Cynips scutellaris u. G. quercus folii), Pappel­stielgallen (durch Pemphigus bursarius veranlaßt), Chermes-Gatleir (an Fichten) und andere ähnliche Gebilde. Man könnte vielleicht deren Entnahme durch die Eichhörnchen eher als nützlich be­zeichnen, weil die betreffenden Gallentiere und Rinderläuse f o r st- schädlich sind. Allein um zu den Gallen zu gelangen, müssen doch die jungen Triebe und Blätter, bezw. Blattstiele, die mit Gallen besetzt sind, abgebissen werden. Der hierdurch entstehende Schaden ist aber offenbar größer als der durch die Vertilgung! der Galleninsassen sich ergebende Nutzen. Auch männliche Blüten der Eichen oder der Nadelhölzer werten zeitweise nicht verschmäht, wie denn überhaupt bezüglich der Surrogatnahrung seitens des .Eichhörnchens stets etwas Gesetzloses und Launenhaftes stattfindet. Richt alle Individuen nehmen aber derartige Nahrung an, sondern nur einzelne, vielleicht nur ein einziges, und selbst dieses nicht allenthalben, auch nicht zu jeder Seit, sondern bald hier, bald dort. Der Verdacht der Täterschaft lenkt sich daher um so weniger auf das Eichhörnchen, als man sich mit dessen Lebensgewohnheiten völlig vertraut wähnt.

ad. 3. Der Kno sp enfraß des Eichhörnchens erstreckt sich auf Trieb- und Blütenknospen; letztere werden ivegen ihres Proteingehaltes vorgezogen. Vorzugsweise werden Nadel­hölzer angenommen, und zwar vor allem die Fichte in schnee- reichen Wintern, in denen es an Sämereien mangelt. Besonders heimgesucht werden zu diesem Behufe die Verjüngungen und Dickungen bis zu 20 jährigem Alter. Da sich in so jungen Orten Blütenknospen noch nicht angesetzt haben, bleibt der Fraß auf Triebknospen beschränkt. Um nun diese bequem äsen zu können, werden an Fichten, Kiefern und Tannen nicht selten die Gipfel­triebe etwa 510 Zentimeter unterhalb der Gipfelknospe ab- gebisseu. Diese Triebe sehen dann aus wie mit dem Messer abge- tonitten und überziehen sich mit einer Harzkruste. Daß durch diese Verunstalttingen das Wachstum beeinträchtigt wird, bedarf wohl keines Beweises. Bei der Weißtanne entsteht hierdurch leicht Zwieselbildung. Ausnahmsweise werden auch Laichhölzer in ähn­licher Weise verunstaltet. So wurden z. B. in einer Roßkastanien- Nllee nahe an der Münsterkirche in Chur (Schweiz) zahlreiche obere Jahresschosse von einem einzigen Eichhörnchen so angebissen, daß sie wie welk herabhingen. Die weiche, grüne Schale war nach der Spitze zu aufgeschlitzt und hing in schmalen Fetzen herab. Nach demi Abschüsse des betreffenden Uebeltäters hörten dies« Beschädigungen sofort auf.

(Schluß folgt.)

VereinNaturschutzpark".

Schrankenlos, in der Fülle unübersehbarer Gewalten, steht Beginn des Jahrhunderts die Herrschaft des Menschen über die Natur aufgerichtet. Wer während er in gigantischem Ringen von Sieg zu Sieg, von Triumph zu Triumph fortstürmte, hat er in seiner unersättlichen Gier nach Macht und Genuß die Welt ringsum verwüstet, die Natur ärmer und immer ärmer gemacht. Ium Schutz der Naturschönheiten unserer Heimat ist nun eine Reihe Männer und Frauen aus Deutschland und Oester­reich zusammengetreten, um durch Schaffung von Natur­schutzparken der to eiteren sinnlosen Verwüstung des vater­ländischen Bodens und der Vernichtung seiner Tier- und Pflanzen­welt Einhalt zu tun. Große, dazu besonders geeignete Gebiete den Alpen, im Mittelgebirge, in der norddeutschen Tiefebene

sollen jedem Verkelfr, jeder Einwirkung des Menschen entzogen und einzig und allein dem Walten und Schaffen der Natur Überla fest werden. Kein Axthieb soll da erschallen, kein Schuß fallen dürfen. Schutz der Natur .im weitesten Sinne ist da unbedingtes Gesetz« das in gleicher Weise den Hirsch und Wler, den verwitterndem! Felsblock und die ihn umkleidende Flechte schirmen soll.

Dem Auftuf, den uns die Vereinigung übersendet, entnehmet^ wir folgendes:

Schon find Tausende deutscher und österreichischer Volksgenossen! neben jene ersten Vorkämpfer getreten und haben sich zu einem! Verein Naturschutzpark zusammengeschlossen, der seinen Sitz in Stuttgart hat. Seine Tätigkeit, so kurz, er sie erst entfalten konnte, ist von Erfolgen begleitet, die alle Erwartungen übertroffen, alle Zweifel an der Möglichkeit der Durchführung seiner! Idee mit der Wucht der Tatsachen niedergeschlagen haben. Schon ist inmitten derAlpen ein zusammenhängendes, in stiller Einsam­keit für sich abgeschlossenes und doch leicht erreichbares Gebiet! von 150 Quadratkilometern Umfang mit prachtvollen Laub- und Nadeliväldern, mit mächtigen Felswänden, mit Seen und Wasser­fällen, erfüllt von reichem, interessantem Tier- und Pflanzenleben, dem Verein in Erbpacht zur Verfügung gestellt, schon sind Unter­handlungen dem Abschluß nahegebracht, die die Erwerbung deS schönsten, in ganz naher Frist mit dem völligen Untergang be­drohten Teiles der Lüneburger Heide und damit die Er­haltung dieses vom Schimmer träumerischer Poesie verklärten wundervollen Landschaftsbildes zum Ziele haben. Und zur Heber» nähme und Verwaltung dieser Gebiete sind verhältnismäßig mir! geringe Mittel erforderlich.

An dir, deutsches Volk, ist es nun, Hand in Hand mit beut österreichischen Bruderstamme, die Mittel aufzubringen und so beit großen Gedanken des Schutzes der heimischen Natur zu verwirk­lichen. Volk der Denker und Dichter, Volk der Heimatliebe und finniger Natnrfteude, solltest du dich von dem praktischen Amerika, dem volksarmen Schweden, der kleinen Schweiz an Idealismus übertreffen lassen? Sollte, was dort die Opferwilligkeit der Nation geschaffen, nicht auch deiner Hingebung an das Vaterland möglich fein? Auf, zeige, daß noch immer die Liebe znm heimischen Boden und zu allen seinen Kindern tief im deutschen Gemütes wohnt! Herbei zum Schutze der Natur!

Vermißtes.

* Der Haarsammler. Falsche Haare und Haarunter- lägen gehören nun einmal zur modernen Toilette. Die Mode ordnet sie an, die Damen gehorchen, und noch niemals sind so viel künstliche Locken unter den Riesenhüten verborgen gewesen wie dies Jahr. Aber diese kokett ängesteckten Locken, diese ge­schickt, doch lose aufs eigene Haar gelegten künstlichen Flechten hasten natürlich nicht fest, da gerade in ihrem lockern Umspielen des Kopfes der höchste Reiz liegt. Es ist daher nicht erstaunlich, daß viele Damen ihre Locken verlieren wie die Vögel ihre Federn. Wenigstens behauptet eine französische Zeitschrift, daß in Paris auf diese freundliche Eigenschaft der modernen HaarträgerinneN hin sich ein ganz neuer einlläglicher Beruf entwickelt hat, der der H aarsammler. Während die Zigarrenstummelsammler über den Niedergang ihres Geschäftes klagen, blüht das der auf­merksamen und eifrigen Jäger, die sich die seltenen und teuerem Schätze vom Kops der Dame zur Beute ausersehen haben. Der Haarsammler ist überall; er heftet den Blick auf das Pflaster des Boulevards, bad so vieles verrät, streicht in den großen Ma­gazinen umher, besonders in der Abteilung für Damenhüte, steht mit den Zimmerkellnern der großen Hotels in Verbindung, denn dort lassen die Frauen am häufigsten ihre Locken zurück. Glaubt man ihren Berichten und Erfolgen, dann ist die Pariser Luft van falschen Haaren erfüllt. Eine Dame wird niemals ihre ver­lorenen falschen Haare wieder zu erlangen suchen, weil sie sich schämt. So blüht das Geschäft der Haarsammler und trägt goldene Früchte.

NreuzrStsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aas a c o c c eee e hhkkkk k k 11111111 ooooo p p i r ssstttt u derart einzutragen, daß die wage­rechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Königin des Altertums.

2. Deutschen Dichter.

3. Dient zur Auibewahrung von Geld und Schmuck.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.