Ausgabe 
9.11.1910
 
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Friedel halb-süß.

Roman Vvn F e d o r v o n I o b e l t i tz.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

_Ile verpflichten mich durch Ihre Erklärung zu gro- pem Dance, gnädige Frau," entgegnete Fritz ruhig.Ich habe übrigens nicht vorausgesetzt, daß die Initiative zu jener Roheit, wie Sie gang richtig sagen, von Ihnen nusgegangen sei. Und nun bitte ich Sie, auch eine Er­klärung meinerseits anhören zu wollen. . ." unwillkürlich wurde seine Stimme wärmer und eindringlicher . . .Ich berühre damit schmerzliche Satten, aber es ist eine Rechtfertigung, die ich Ihnen und mir schuldig bin umsomehr, als man es unter dem Schutze des Talars ge­wagt hat, niich in ungeheuerlicher Weise anzugreifen.... Ich ahne nicht, ob Sie aus dem Munde Ihres Gatten etwas über den Grund unsrer Zwistigkeit gehört haben r~"

Mein," sagte sie kurz,nichts."

Es war ein Streit, tote er vorkommen kann und ein unbedachtes Wort, in der Erregung gesprochen, führte Kur Forderung."

Die von Ihnen ausging?" fragte Maud.

»Ja- gnädige Frau. Ich war in Uniform Und Knir blieb keine andere Wahl."

Ich kenne bis heute noch nicht die Ursache des Streits, Herr Friedel."

Fritz zögerte einen Augenblick und erwiderte dann: Ich bitte darüber schweigen $u dürfen, um keine neuen Werstimmungen zu erregen."

Wollen Sie mir nicht die Wahrheit sagen?"'

Er Atmete stark auf.Ihr Gatte wünschte mich Frau Helldorf vorzustellen. Das lehnte ich ab."

Weshalb?"

Wil ich der Ansicht bin, daß der Einfluß der Frau Helldorf auf meinen alten Freund ein ungünstiger ist."

Bitte werter."

Ihr Gatte stellte mich Kur Redei und so ent» wickelte sich der Streit. Daß ich geneigt war, das Duell als eine ganz äußerliche Formalität zu behandeln, werden meine Sekimdanten bezeugen können. Ich hatte die feste ckbstcht, vorbei W schießen. . . ." Nun erhob er sich.... Gnädige Frau," fuhr er in tiefstem Schmerze fort,bet der Ehre meines Namens schwöre ich Ihnen: es war so. Wie es kam, daß meine Kugel dennoch traf, weiß ich nicht sA kamt nur vermuten, daß eine unwillkürliche Bewegung Dres Gatten das Unheil verschuldet hat. . . . Werden ©ie mir Glauben schenken?"

..Die strich rasch mit der rechten Hand über jihr Ge- stcht, als wollte sie ihr Mienenspiel korrigieren. Dann stand sie gleichfalls auf.

Ja," sagte sie.Ich habe auch nie etwas anderes geglaubt denn tch kenne Sie. . ,/' Ihr Blick glitt tief

in sein Auge.....Sehen Sie b|te Farben, die sch

trage? Es sind nicht die der Trauer. Nur draußen vor der Welt bin ich die Witwe, die den Dod ihres Gatten ehrt. Mein Herz kann nicht trauern. Und wissen Sie, wer es war, der mich ins Unglück meiner Ehe hinein» getrieben hat? Wissen Sie es, Fritz? Der, der mir seine Liebe geschworen hatte und der sich schmählich von mir wandte, weil ich einmal einem Schurken gegenüber meine! Mädchenehre mit dem Messer in der Faust verteidigen mußte! Der war's!"

Fritz sah in das Gesicht der jungen Frau, sah die be­benden roten Lippen und die züngelnde Flamme im Auge. Und nun wußte er: die Gefahr war da.

Er fühlte sein Herz schwerer werden und gleichsam ein Wirbeln im Hirn. Er fühlte mit starkem Empfinden: aus der erregten Zürnerin sprach nichts als die Liebe von einst.

Seine Lider senkten sich ein wenig; er wich ihrem Mick aus und zuckte wie hilflos mit der Schulter.

Sollte ich Herkommen, um das zu hören, gnädig« Frau?" erwiderte er, und es gelang ihm, den Don kalt» Mutiger Ruhe zu finden;wollen wir nicht die Vergangen» heit Bergangenhert sein lassen? Sie schrieben mir von Ihrer Zukunft nnd meiner. Das allein hat mich zu Ihnen geführt."

Und nun geschah etwas Unerwartetes! Fritz sah Maud zum ersten Mal weinen. Ihre großen schwarzen jStngen füllten sich, und langsam perlten die Dränen über ihrs Wangen. Sie sank in die Polster zurück und drückte ihr Gesicht in die Kissen. Das stolze Geschöpf weinte. UnÄ das ergriff ihn.

Siebe Maud," sagte er sanft,können wir nicht ohne Erregung miteinander sprechen? Als ich Ihren Brief be­kam, hatte ich das instinktive Empfinden, Ihrer Auffor­derung folgen zu müssen. Gewiß, mancherlei sprach da­gegen, vor allem die Gefahr des Brißverständnisses < aber mein Verlangen war doch groß, Ihnen nach alldem, was geschehen ist, eine letzte Erklärung geben zu dürfen. Wer­fen Sie mir nicht ein Unrecht vor, das ich niemals jbe- gangen habe. Im Gegenteil: löste ich damals unser Wer- hältnis, so geschah es allein aus dem Grunde, weil ich mir sagen mußte, daß wir uns beide getäuscht hatteni daß Sie bei mir niemals das Glück finden würden, auf das Sie hofften. Ist denn Ehrlichkeit etwas Schlechtes? Wir waren noch sehr jung, Maud. Und ich sage Ihnen: ich war des festen Glaubens, Sie würden vergessen könnet^ bis ein anderer käme. Stattdessen"

Er brach ab Sie hatte sich wieder aufgerichtet Und' griff hastig nach seiner Hand.

Stattdessen heiratete ich ihn," stieß sie hervor. Es war, als schleudere sie die Worte von ihrer Zungenspitze., Ich will dir erzählen weshalb. Geh nicht fort, blech hier und laß mich aussprechen! Setz dich wieder, iFritz. Ach bin dir so dankbar, daß du gekommen hist; W wK