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Wie sollen denn die richtigen Entschlüsse und Betätigungen der Menschheit zustande kommen, wenn die Seelen ganz über­wiegend durch Mitteilungen über das Abnorme, das doch bei genauer Betrachtung einen ganz geringfügigen Teil des wirklich in der Welt Geschehenden bildet, angefüllt werden, und die Ent­schlußkräfte sich danach überwiegend zu unrichtigen und vielfach so abnormen Verallgemeinerungen zuspitzcu, wie wir es ja unter anderem besonders deutlich bei den politisch-militärischen Ver­hetzungen ganzer Völker in den elendesten Verkrüppelungen des sittlichen Urteils entstehen sehen.

Man wird von meinen Deklamationen zunächst den Eindruck haben, daß es gar leicht ist, über diese Dinge mit Scheltworten zu reden, aber unsäglich schwer, eine Abhilfe auch nur zu erdenken, geschweige denn irgendwie Milderungen und Verbesserungen zu­stande zu bringen.

Und doch, nachdem das Uebel so groß geworden ist, scheint endlich auch die entsprechende Größe sittlicher Energie in weiten Kreisen der Menschheit gegen jenen unsäglichen Unfug zu er­wachen, und man darf das sichere Vertrauen zu den hervorragenden Geistes- und Willenskräften der vielen in der Publizistik tätigen Männer und Frauen haben, daß sie sich dieser steigenden Bewegung nicht bloß anschließen, sondern mit ihrer großen Sachkenntnis schließlich die Führung zum Rechten übernehmen werden.Aller Anfang ist schwer", und es ist daher kaum möglich, sofort zu sagen, was zunächst geschehen müßte. Nur das eine darf mit Sicherheit gesagt werden, daß diejenigen, denen die Not besonders vor die Augen getreten ist, die Pflicht haben, unablässig auf allen Wegen, die ihren Aeußerungen zugänglich sind, den Ruf erschallen zu lassen, daß ein Halt zu unachen sei mit den allzu ausführlichen, allzu sensationellen, allzu unablässigen Berichten über mensch­liches Elend sittlicher und natürlicher Art, und zwar etwa in solcher Weise, daß einige der bedeutendsten Organe der Publizistik sich zusammentun und jene Berichte auf das geringste Maß des Tatsächlichen und nur in längeren Perioden zu Veröffentlichenden! zusammendrängen und dabei auf die Ueberfülle des Räsonnements, welches daran geknüpft wird, und welches meistens nur sehr un­vollkommene Grundlagen hat, verzichten, dagegen von Zeit zu Zeit wahrhaft urteilsfähigen Männern aus der ärztlichen, gericht­lichen und pädagogischen Praxis zu allgemeineren Betrachtungen das Wort geben.

Man kann hiergegen einwenden, daß die sofortige und möglichst eingehende Veröffentlichung der näheren Umstände von Verbrechen mitunter eine entscheidende Hilfe bei der Auffindung der Uebel- täter bildet. Diesem nicht unerheblichen Einwande kann man jedoch die Spitze abbrechen durch die Erwägung, daß es schließlich gerade mit Hilfe gehöriger Selbstbeschränkung der Publizistik auf diesem Gebiete gelingen wird, die Anzahl der Uebeltaten und Nöte überhaupt entscheidend einzufchränken, und sicherlich in viel stär­kerem Maße, als es durch die Mithilfe an der Entdeckung der Verbrecher geschieht. Es tritt doch immer mehr zutage fitr den Kriininalisten wie für den Psychiater, daß die Bestrafungen der Verbrecher durch ihre Einschließung zwar zeitlich begrenzte Siche- .rungen des Gemeinwesens, aber nur die allergeringsten und un­erheblichsten Gegenwirkungen gegen Entstehen und Fortdauer des Verbrechertums bilden, oftmals sogar nach dem Ende der Strafzeit Steigerungen des Verbrechertums verursachen.

Eine andere und bisher gänzlich fehlende Tat der Publizistik im Kampfe gegen das Verbrechertum und gegen die Unvollkommen- heiten unserer Kriminaljustiz wäre vielleicht eine allmonatliche Zahlenstatistik des immer wieder völlig frei auf die Menschheit los­gelassenen Verbrechertums.

Jedenfalls darf man es aussprechen, daß in obigem Sinnü die Vergiftung der Einbildungskraft und die Verbreitung verderb­licher Suggestionen durch das Uebermaß der gekennzeichneten! publizistischen Mitteilungen zu einer der größten Nöte der Kultur­menschheit anzuwachsen droht.

Den vorstehenden Erörterungen darf wohl der Hinweis hinzu- gesügt werden, daß auch auf dem Gebiete gewisser Gefahren und Ausschreitungen der Volks- und Jugendliteratur sich bereits organi­sierte Gegenwirkungen zu entwickeln beginnen, und zwar durch ein Zusammengehen hervorragender publizistischer Kräfte mit weiten Kreisen von Menschenfreunden.

Lassen Sie uns hoffen, daß demnächst auch die vornehmsten Kreise und Persönlichkeiten der Tagespresse sich zu einem Vor­gehen, wie der oben vorgeschlagenen Selbstbeschränkung, vereinigen werden. ______

vermischter.

-* Bären a u f der B e e r e n s u ch e. Meister Petz', der braune Bär, den die fortschreitende Kultur aus Deutschland völlig vertrieben hat, führt noch- in dem fernen Goldlande Alaska ein weniger getrübtes Dasein. Es gibt ja dort .noch viel Land ünd wenig Menschen, und Alaska ist ein Gebiet, in dem er eine seiner Lieblingsspeisen in Hülle und Fülle vorfindet. Der braune Bär schlügt ja mitunter Tiere und Menschen, um sie zu fresse», aber das tut er in der Regel nur in Hungersnot. Sonst neigt er weit mehr der Pflanzenkost zu. Fettes Gras, Baum- und Buschknospen, Obst, Schwämme bilden seine Haupt­

nahrung und er verachtet auch die Beeren nicht, die der Wald bietet, sie sind ihm ein Leckerbissen. Und Alaska ist das Dorado der Beeren wie der Bären. Dort gedeiht üppig die Berghimbeere, die der gelben Himbeere täuschend ähnlich sieht und an kleinem Stengel die große, ziemlich harte, aber äußerst wohlschmeckende Frucht trügt; dort wächst wild die Stachelbeere und dort ent­fallet sich auch die Johannisbeere zu einer außerotBejntlicheni Vollkommenheit. Auf dem besten, Waldboden, wo alte Baumstämme üermobern, prangen die Sträucher der Johannisbeere mit großen roten Früchte!? so reich beladen, daß man ähnliches in unseren besten Kunstgärten kaum sehen kann. Unten am Boden aber stehen Blau­beeren und Preißelbeeren in schier unermeßlicher Fülle. In diesem Beerenparadiese schwelgt nun der braune Bär, ein gut­mütiger Gesell, wie er von einem Alaskaforscher genannt wurde, der nie zum Angriff übergeht, so'lange man nicht auf ihn schießt oder ihn in einer anderen Weise schwer reizt. Im Spätsommer sitzt er mitten in den vollen Blaubeersträuchern und weidet in Ruhe die Beeren ab, wobei ihm die Vordertatzen dazu dienen, die vollen Büsche mundgerecht heranzuholen. Im naben Kam­tschatka gehen die Bären derselben Liebhaberei nach. Ursprüng­lich ivaren sie dort in unglaublichen Mengen vorhanden und der Reisende Steller sagt: ohne Zweifel würden sie längst ganz Kamtschatka aufgerieben haben, wären sie nicht so zahm und friedfertig und leutseliger als irgendwo in der Welt. Auf Kam­tschatka konnte man das seltsame Bild schauen, daß int Torf­lande Frauen und Bären gemeinsam Beeren sammelten. Die Frauen fürchteten den Meister Petz nicht, denn ging er auf sie zu, so geschah cs nur um der Beeren willen, die er ihnen ab­nahm und verzehrte.

* D i e kleinen Zoologen. In Liverpool ist eine Viehzucht-Ausstellung, die wie jede solche Veranstaltung von den Besuchern mehr oder minder sachverständig kritisiert wird. Auch die kleinen und kleinsten Liverpooler haben sich in Schul­aufsätzen über das, was sie dort gesehen haben, in allerlei bemerkenswerten Urteilen ausgelassen, aus denen derStandard' eine Reihe interessanter zoologischer Mitteilungen zum Besten gibt: Das Pferd besteht aus den Gelenken, den Rippen, dem Oberschenkel, den Fesseln und dem Hufe. Ohne diese könnte das graziöse Tier nicht leben."

Das Werd hat die Größe eines Mannes von mittlerem

Wenn wir in Irland umherstreifen, finden wir, daß dort die Schweine als Mitglieder der Familie behandelt werden. Sie sitzen beim Feuer, gehen aus und ein und haben die wenigen. Stühle, die dort zu finden sind, in Besitz."

Die St. Bernhard-Hunde sind sehr intelligent. Sie haben vielen Reisenden das Leben gerettet, indem sie den Patienten Branntwein in die Kehle gossen."

In den Schlächterläden sieht man riesige Stücke Ochsen-! fleisch, die einst das Eigentum einer Kuh waren."

Eine Kuh sieht einem Stier sehr ähnlich, aber ein Stieb tut mehr weh als eine Kuh."

* S u f f r a g e 11 e:Wir verlangen, daß die Frauen die Löhne der Männer bekommen." Ehemann:Nun, nach meinen eigenen Erfahrungen zu urteilen, ist das mich der Fall,"

Rösselsprung.

Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Logogryphs in voriger Lummer: Hafer, Hofer.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindrnckereß R. Lange, Gieße».