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fertig sein wird, die Zahl von.7000 Ausstellern enthalten. Das ist kolossal und kann natürlich von Deutschland nicht überboten werden, wenn eine so mächtige Industrie wie die rheinisch-westfälische Eisenindustrie ihre Beteiligung aus praktischen Gründen ablehnt. Die französische Ausstellung ist aber auch vom ästhetischen Standpunkte aus zu loben, denn sie macht einen luftigen Eindruck dadurch, daß man weniger mit dem Raum sparen mußte als bei uns. Auch die Hallen sind innen dazu angetan, die einzelnen Ausstellungsobjekte besser zur Geltung kommen zu lassen, weil sie höher sind, dafür aber fehlt ihnen der innere Zusammenhang und das, was man bei uns die persönliche Note nennt« Wer die deutsche. Abteilung besucht, merkt sofort, daß hier der Gedanke eines einzelnen Mannes durchgeführt wurde, Frankreich dagegen hat nach einem Schema, einer Tradition gearbeitet und geglaubt, daß eine Uniformierung das beste sei, was man auf einer Ausstellung bieten könne. Tie Jury wird ja recht bald begründen müssen, ob sie sich ebenfalls auf diesen Standpunkt zu stellen weiß.
Den Vogel hat Frankreich mit den Werken seiner Schneiderkunst abgeschossen; in dieser Abteilung feiert der verfeinert und kultivierte Geschmack geradezu Triumphe, und es war sicher ein glücklicher Gedanke, alle die entzückenden Frauenroben in Dioramen unterzubringen. Hierdurch war die Möglichkeit geboten, ein Milieu zu schaffen, wodurch natürlich die einzelnen .Produkte zur besseren Geltung kommen. Man findet Familienszenen, Ausschnitte aus dem Gesellschaftsleben, Reproduktionen! des alltäglichen Treibens in öffentlichen Pariser Gärten, ja sogar Ausschnitte aus dem Turfleben. Diese künstlerisch gestellten Bilder verraten den verfeinerten Geschmack der Pariser, das muß anerkannt werden, ebenso wie die Tatsache, daß auf dem Gebiete der Mode Paris immer noch in der gesamten Welt tonangebend ist. Wenn man einzelnes hcrnusgrcifen darf, dann möchte man sagen, daß das, was der weltbekannte Pariser Damenschneider Paquin geleistet hat, kaum von irgend jemandem in absehbarer Zeit wird überboten werden können. Diese Firma hat z. B. einen Gesell-! fchastsabcnd dargcstellt. Eine orientalische Tänzerin auf einer kleinen allerliebsten Bühne produziert sich und die eingeladcnen Damen bewundern ihre choreographischen Künste. Dieser Vorwand gibt natürlich Gelegenheit, alle die Raffinements zur Geltung zu bringen, die die Pariserin der großen Welt anwendet, um ihre! Person in das richtige Licht zu stellen. Hand in Hand mit der Schneiderei arbeiten natürlich auch der Eoiffeur, die Modistin, die Manicure und die Pcdicure. Und alles dieses findet man in der französischen Kleiderabteilung, die man recht treffend dadurch charakterisierte, daß man in ihr eine Statue aufgestellt hat, die auf einem hohen Sockel einen Pfau zeigt.
Wer sich über den augenblicklichen Stand der französischen Industrie orientieren will, findet vor allem die französische Gold- schmiedeknnst, die im Hauptsaal untergebracht ist. Es sind echte und unechte Schinucksachen, die gezeigt werden, deren Feinheit in der Ausarbeitung nicht angezweifelt werden kann, die aber hinsichtlich des Geschmacks ein gewisses Nachlassen offenbaren, und dadurch, daß Frankreich in allem, was es produziert, sich immer noch an die antikisierende Kunst hält, ist es, was äußere Form! anbetrifft, etwas stehen geblieben. Wenigstens nach unserem Geschmack, weil wir eben gelernt haben, uns an selbständige neux Formen zu gewöhnen. Auch Frankreich macht den Versuch zu modernisieren, aber man entdeckt unter der Oberfläche immer noch zu sehr die gute alte Zeit. Die Raumkunst-Abteilung weist dies ebenfalls auf, sie enthält nichts Großes, verliert sich außerordentlich in Details und zeigt uns Zimmerchen und • Eckchen, -aus denen wir nicht sehr viel entnehmen können. Tas echte und rechte Frankreich aber erkennen >vir nm besten in der Maschinen- abteisung, die wesentlich kleiner ist als die deutsche, die aber auch offenbar nicht dein gleichen praktischen Zweck wie die uns'rijgtz dienen soll. Es finden, sich nämlich zuviel Dekorationsstücke vor, Paraden, die auf Augenweide gemacht sind. So sehen wir einen herrlichen Kupfertriumphbogen, einen vortrefflich ausgeführten .Eisentempel und eine Aufstapelung von Fabrikaten, die man im einzelnen nicht studieren kann, die offenbar nur dazu da sind, ein gefälliges Ensemble zu schaffen. Derartige dekorative Wir- kungen haben natürlich auch ihre Vorteile, sie sind aber nicht das Wesentliche, auf das man bei der Beurteilung der Leistungs- fähigkcit eines Industriezweiges Wert legen muß.
Ganz Vortreffliches aber hat Frankreich in seiner separaten Lebensmittelausstellung geleistet. Dieselbe bildet eine Abteilung für sich und zeigt uns alle Gebiete des Ernährungszweiges, vom Wein, Kognak, Champagner bis zu den verzuckerten Früchten und den einzelnen Bodenprodukten. Auch die sranzösische Automobü- ausstcllung ist außerordentlich sehenswert, nicht minder die Ab- tcilung für Aeroplane. Wir finden da nicht nur , alle H-lug- apparate, die uns von der Ileberlegcnheit der Franzosen auf dem Gebiete der Aviatik ohne weiteres überzeugen, sondern auch eine geschichtliche Darstellung der Entwicklung der Luftschifsahrt. Von dem Primitiven Montgolsierballon an bis zu den Ein- und Zwei- deckern, mit denen der Franzose jetzt bequem den Kanal überstiegen kann, ist alles geschichtlich geordnet, so daß eigentlich viele räumlich kleinere Spezialausstellung der Flugtechnik mehr zeigt als die große Lustschisfahrtaussteklung, die Frankfurt a, M. i.m vorigen Jahre veranstaltet hat.,
Besonderes leistet auch die sranzösische Textilindustrie, sowie die Ausstellung französischer Seidenwaren; beide Abteilungen sinh reichlich bedacht und beweisen namentlich, welchen Fortschritt Lyon in den letzten Jahren machte, das gemusterte Seidenwaren ausstellt, die hinsichtlich der Farbenwirkungen wirklich als unübertrefflich bezeichnet werden müssen. Auch Rohseide findet man! in allen Variationen vor, gcnan wie man beispielsweise französisches Leder antrifft, das offenbar zum speziellen Zweck ausgestellt wurde, um die möglichen Farbenvariationen zu zeigen. Eine Spezialabteilung hat man der französischen Karikatur gewidmet/ die nennenswert ist. Auch eine sranzösische Unterrichtsabteilung ist vorhanden, allerdings nicht in der methodischen Anordnung wie unsere deutsche. Man findet einige ganz nette Ausschnitte aus dem Unterrichtswescn, wie beispielsweise Handarbeiten und Hebungen in einer Kultivierung des Geschmacks, wie wir sie ist Deutschland nicht kennen. Nach dieser Richtung können wir aus. der französischen Untcrrichtsabtcilung Nutzen ziehen. Auch der Moralunterricht, der in den neutralen Schulen gelehrt wird, wird uns erläutert, und es ist erfreulich zu beobachten, wie gründlich die französische Schule aus diesem Gebiete vorgeht. Das' französische Universitätswcsen ist ebenfalls vertreten, aber leider nur durch den toten Buchstaben. Man findet nur Abhandlungen! vor, ohne daß es einem möglich ist, in den Geist der Materie näher einzudriugen. Daß das moderne Frankreich auch religiöse Reliquien ausstellte, darf Verwunderung Hervorrufen.
Eine Gruppe von besonderer Bedeutung sindet sich in dem! Pavillon von Paris vor, der mit einem vortrefflichen Panorama! der Lichtstadt versehen ist. Hier hat namentlich die Munizipalverwaltung von Paris ihre gesamten Vcrwaltungszweige zur Demonstration gebracht. Wenn auch unsere großen deutschen Städte vielleicht in bezug auf Kanalisation, Wasserversorgung und auf dem Gebiete der öffentlichen Reinlichkeit schon weiter voran find, was die verkehrstechnische Frage anbetrisft, können wir unzweifelhaft aus der Ausstellung Nutzen ziehen, ganz abgesehen davonz daß wir uns auch davon überzeugen können, in welch wirksamer und breiter Weise die Selbstverwaltung in der Millionenstadt? durchgksührt ist. I. W-
Die Tagesberichte über sensationelle Vorgänge.
Bon Prof. Wilhelm Förste r (Charlottenburg-Westend).
Schon seit längerer Zeit ging ich mit dem Gedanken um, dick deutschen Zeitungen um die Veröffentlichung einer Mitteilung zst bitten über einen tiefen Schmerz, der mich und viele mir nahestehende Leute, überhaupt, wie ich glaube, sehr viele ernste Seelen sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Kulturwelt erfüllt.. Ich meine den Schmerz über die gegenwärtige Entwicklungs- richtnng der Publizistik, von der wir glauben, daß sie trotz des! besten Willens, welcher die Leiter der vornehmsten Organe der Publizistik beseelt, und trotz der bedeutenden Intelligenz, welche! auch in diesen menschlichen Einrichtungen sich betätigt, zu einem! immer stärkeren Verfall der Kultur ftihrcn muß.
Diese Entwicklnngsrichtnng besteht in dem Ucberwuchern der scniationellen, insbesondere der kriminalistischen Nachrichten and überhaupt aller Nachrichten von sittlichen Nöten und Konflikten/ von Unfällen und Uebeln der verschiedensten.Art. Die übermäßigck Ausführlichkeit, in der gerade die skandalösesten Gerichtsverhandlungen und die peinlichsten Uuglücksfälle wiedergegeben werde»/ ferner die in Einzelheiten förmlich schwelgende Schilderung schwer belasteter und mindestens zweifelhafter oder gar direkt verbrecherischer und abnormer Persönlichkeiten mit Abbildungen und weitestgehenden biographischen Ausblicken, usw. -— baS alles beginnt oder droht auf die Phantasie der Leserwelt, und zwar in allen Schichten der Bevölkerung, geradezu psychopathisch zu wirken, und es ist bei bedeutenden Psychiatern und Kriminalisten gar keine Frage mehr, daß ein sehr großer Teil von Untaten, besonders in den unteren und den jugendlichen Volksschichten, durch diese unablässige Lektüre von Niedrigkeiten, Verrücktheiten, Gemeinheiten! und Böswilligkeiten hervorgerusen wird teils unter der Mitwirkung instinktiver Nachahmungstriebe, teils sogar in hcrostra- tischcnl Drange nach publizistischer Berühmtheit.
Am schlimmsten ist dieser Zustand in der nordamerikanischen! Publizistik, aber in Frankreich, England und.Deutschland beginnen die Zeitungen immer mehr diesem üblen Beispiel zu folgen.
Es ist die besondere Pflicht und die Aufgabe der Tagespresse/ uns von den neuesten Geschehnissen in der Welt stets so zuverlässige und so vollständige Kenntnis zu verschaffen, daß wir unsere Er- wägungen und Entschließungen für die nahe und die weitere Zukunft mit gehöriger Sicherheit daran knüpfen können.
.Gewiß sollte neben der Tagesgeschichte auch das Wissen von den älteren Vergangenheiten bei unseren Entschließungen mitbc- stimmend sein. Aber da dieses Wissen neben uranck;er höheren Weisheit die Gefahr mit sich bringt, daß durch das rwithalten an Vorurteilen und Einbildungen aus der Vergangenheit her Hemmnisse auch gegen gesunde Angenblicksentschließnugen kultiviert werden, so wird dem tagesgeschichtlichen Nachrichtenwesen sehr oft ein überwiegender und übertriebener Einfluß ohne weiteres eingeräumt«
Es kann jedoch keine dauernd erfolgreiche Erkenntnis uns Lenkung der Weltcntwicklung auf irgendeinem Gebiete menschlichen Wirkens geben, so lange nicht überhaupt.eine zutreffende Kenntnis, des Geschehens hinreichend, gesichert wird.


