Ausgabe 
9.7.1910
 
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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Biebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Heiser klangen die Stimmen der Treiber, müde ge­schrien, Zwischen dem Lärmen der Hasenktappern und dem Knallen der Schüsse. Ein Höllenspektakel war's, der die Hafen schreckte, daß sie aufsprangen aus ihren Lagern und davon rannten, blindlings rannten, immer der Schützen­linie entgegen.

Ein Blitz ein Knall- jeder Schuß ein Treffer! .Allenthalben ballen sich kleine Ranchwölkchen, Mr kurze Augenblicke über den Furchen schwebend, und verschwinden dann jählings, zerrissen von der harten Luft.

Hallo! huch, hassa hoho het, hetz!"

Neues Geschrei, ohrenbetäubendes Klatschen. Klap­pern, Knarren, Knattern, Krachen, Kreischen, Tuten, Pfeifen, Trommeln, Deckelschlaaen. Wütend bellen die Upporteure, hinter der Schützenlmte von den Jagdgehilfen am Strick gehalten. Schaunr v.orm Maul, die Leiber lang gezerrt, gieren sie nach etwaigen Durchbrennern. Ein Apport", ein Loslassen vom Strick und schnapp Mit gebrochenem Genick liegt das angeschossene und doch noch flüchtige Häschen in der Ackerfurche.

Auch hinter den Treibern in den Kusseln am Wald- tattb haben sich noch einige Schützen aufgestellt. Oft Macht das gehetzte Wild in der Todesangst Kehrt und sucht auszubrechen; zwischen den Beirren der Treiber durch springt es verzweifelt zurück ins Versteck des Buschwerks.

Hinter einer Kiefer, gut gedeckt, stand Doleschal. Es Machte ihm mehr Spaß, auf einzelne Entkommene gut gezielte Schüsse abzugeben, als blindlings hinein zu feuern in die ganze.getriebene Herde. Er hatte Feinschrot ge­laden.

Ferner uird ferner klang schon das Geschrei der Trei­ber, fast ruhig ward's im dämmernden Wald. Da ein Sichrühren im dürren Reisig!

Gewehr an die Backe, Finger an den Hahn knall! Der Rammler schnellt heftig in die Höhe und überschlagt sich dabei. Aus ein Kopfschuß.

Und da dort in der Dickung noch ein zweiter! Jetzt sieht man ihn deutlicher; ein kranker ist's, er schweißt schon stark, sein zerschossener Lauf schleudert auf der Flucht hin und her. Auch der andere Laus ist verletzt. Jetzt scheint der kranke Hase nur mehr über die Erde zu rutschen jetzt verschwindet er ganz rasch, auch ohne genauen

Zielpunkt den erlösenden Schuß! Ein Blitz em Knallt He, was ist das?! ..

Doleschal steht noch immer, das Gewehr an der Backe.

Eine Weiherstirnnre ist laut geworben, gellend hat sie aus­geschrien. Run ist alles still.

Wer wo ist da jemand getroffen?! Ein Treiber vielleicht?! Ach was! Und doch doch

Vor Doleschals Augen flimmerte es. Er stand wie angewurzelt. Da hörte er den Förster Frelikowski laut! schelten. ,Psia krew, kann sie den Hintersten nicht ein­ziehen, muß sie ihn hinstrecken, wo er nichts zu suchen hat?! Dämliches Luder!"

Es war jemand getroffen! Da ja da!

Aus seiner Erstarrung auffahrend, stürzte der Schütze hinter die Dickung. Da lag eine Gestalt.

He, Ciotka! Auf! Psia krew!" Frelikowski zerrte an der Liegenden.

Ist sie getroffen? Um Gottes ivillen!"

Der Herr Baron brauchen sich nicht zu ängstigen, das hat gar nichts zu sagen! Schmeißt Euch nicht hin! Wollt Ihr wohl?! He, Ciotka!"

Ist sie getroffen habe ich sie getroffen?!"

Doleschal war totenblaß geworden, auf dem durch­löcherten Rock des Weibes sah er Blut.

Beim Klang dieser zitternden Stimme erhob die Ge­troffene ein lautes Lamento. Eben hatte der Förster sie auf die Füße gebracht, mit einem gewaltigen Plumps ließ sie sich nun wieder niedersallen: nein, sie konnte nicht gehen, sie war tot, mausetot! Furchtbar stieg ihr Heulen in die dämmernde Winterluft.

Der Förster fluchte. Doleschal war zur Ciotka hin- gekniet wo, wo war sie denn getroffen? Gefährlich?! Seine bebenden Finger befühlten die zerlumpten Röcke, ein Grausen schüttelte ihn: Blut! Reichlicher begannen die Tropfen zu sickern, er hatte das klebrige Naß au den Hän­den.Um Himmels willen, rasch zum Doktor! Schicken Sie nach Miasteczko! Zu Doktor Wolinski, schnell!"

Ach, Herr Baron" Frelikowski blieb ganz ruhig das ist ja alles nur Anstellerei! Willst du jetzt wohl gleich still sein, alte Vettel?" Er schnauzte sie gewaltig an.Diebsgesindel! Dem gnädigen Herrn die Hasen stehlem hinter 'nem angeschosseneu dreinlaufen, dem eins ins Genick geben und ihn dann unter den Rock verstecken, das ist so die Manier! Das kommt jetzt davon seht ihr wohl?!" Er wendete sich drohend zu den Treibern, deren einige herbei­gelaufen waren und mit aufgerissenen Augen glotzten.Daß ihr euch nicht untersteht, auch nur einen einzigen Hasen zu mausen! Nicht ein Löffel kommt mir fort, hört ihr? Diebs- bande, ihr!" Und bann fuhr er bie Verwundete an:Halt's Maul jetzt! Der gnädige Herr Baron wird dir ein Trink­geld geben."

Ja, natürlich, ja, ja!" Doleschal fühlte eine un­geheure Erleichterung: wenn das mit Geld gut zu machen wäre! Er zog seine Börse und schüttete sie in des Försters Hand aus:Geben Sie ihr das, bitte, geben Sie ihr das!"

Ein Schmerzensgeld! Was Angenehmeres kann der ja gar nicht passieren," sagte irgend jemand.

Das Geheul der Ciotka hatte auch Schutzen herber- gelockt; sie standen nun im Kreise herum und zeigten