Ausgabe 
9.6.1910
 
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Noch anderes fiel mir in Homburg auf. Vor allem eine ge­wisse Unsicherheit der Steuerung bei der LanduUg des y. Iff fe recht weit von der bezeichneten Stelle niederging. Wer die verblüffende Sicherheit des Landens gerade der Z.-Schiffe z. B. in Frankfurt zu beobachten Gelegenheit hatte, den mußte dieses La­vieren befremden. Und Nach der Landung die Einstellung der Höhensteuer, die von der, wie ich sie in Frankfurt beobachtet hatte, und die entschieden als die günstigste einlenaften muß, weit abwich.

Aus diesem allem und besonders aus den Feststellungen die über die Handhabung des Schiffes in Weilburg von berufener Seite gemacht wurden, ergibt sich als unumstößliche Tatsache, daß Z. II nicht sachgemäß oder wenigstens nicht im Sinne und nach den Vorschriften seines genialen Erbauers geführt wurde Und daß die Katastrophe demnach nicht dein System zur Last gelegt werden kann.

Es ist verständlich und war gerechtfertigt, daß zur Zeit, als leine blinde Begeisterung Neben Zeppelin nichts gelten lassen wollte, energisch auf die Verdienste anderer Konstrukteure und die Vor­züge anderer Systeme hingewiesen wurde. Tses ist nun aber allmählich soweit gegangen, daß fast nur noch von den Vorzügen Und Erfolgen der andern und den Nachteilen und Unfällen des starren Systems gesprochen wird. Und es dürste sich verlohnen, wieder einmal klar abzuwägen, wie sich die Systeme gegeneinander verhalten. Es ist dies umso leichter, als die Motorluftschifsahrt, wie bereits oben gesagt, tatsächlich gegenwärtig der Grenze des auf diesem Gebiet Erreichbaren nahegekommen ist und' Ueber- vaschungen, wie sie im vergangenen Jahre, Schlag auf Schlag einander folgten, kaum mehr zu erwarten sind. Veränderungen Und Verbesserungen werden sich hauptsächlich auf technische Einzel­heiten erstrcchen, wie Antrieb und Durchbildung der Schrauben, Festigkeit und Leichtigkeit des Ballonstoffs sowie vor allem beim starrdn System des zum Bau des Gerüstes notwendigen Ma­terials, Zuverlässigkeit der Motoren usw. Die Lösungen dieser Aufgaben werden gleicherweise allen Konstruktionen zugute kom­men und lassen die Prinzipien der einzelnen Systeme unberührt.

Das System des Grafen Zeppelin hat durch seine in jeder Beziehung hervorragenden Leistungen alles gehalten, was sein Erfinder von ihm verheißen hatte, und die Einwände, die gegen les erhoben wurden, einen nach dem andern durch die Tat wider­legt. So steht heute unleugbar fest, daß der Z.-Typ alle andern bisherigen Systeme an absoluter Tragsähigkeit, an Wetterfestigieit, Steuerbarkeit, relativer Geschwindigkeit und vor allem an Fähig­keit^ sehr lange in der Lust zu bleiben, weit übertrifft.,

Das starre Gerüst, das dem System diese Ueberlegenheit gibt, bedingt auch wieder verschiedene Nachteile. Bei der verhältnisi- Mäßig geringen Geschwindigkeit, die unsere gegenwärtigen Motoren einem Ballon zu gebtn vermögen, ist es noch! nicht möglich), gegen jeden Sturm aufzNkommen. Die Ballortetlustschiffe können in diesem Fall entleert und mit der Bahn befördert werden, während ein starres Fahrzeug daraus angewiesen ist, auf freiem Felde oder in der Lust das Abflauen des Sturmes zu erwarten. Dies kann zwar ohne Gefahr für Schiff und Bemannung ge­schehen, bereitet aber ost erhebliche Schwierigkeiten und erfordert Umfangreiche Maßregeln.

Der Vorwurf der durch das MekallgeriMe bedingten Ver­minderung der relativen Tragfähigkeit kann nicht in Anschlag gebracht werden, da die Z.-Schiffe in einer Größe gebaut werden, daß sie in Bezug auf absolute Tragkraft stets den unstarren Fahrzeugen überlegen bleiben. Dagegen haben die Ballonetlust- schisfe die verhältnismäßige Billigkeit voraus, ferner den Um­stand, daß sie bei der Landung sowie überhaupt auf festem Bodett weniger einer so völlig vernichtenden Katastrophe ausgesetzt sind als ein starres Fahrzeug.

Die beiden unstarren Luftschiffe unserer Armee, derGroß" UndParseval", geben einander in ihren Leistungen kaum etwas nach. Beide haben durch Dauerfahrten bewiesen, daß sie auch itt dieser Hinsicht alle ihre Konkurrenten (außer demZeppelin") Übertreffen, und in bezug auf Zuverlässigkeit und Betriebssicher­heit stehen sie unter den unstarren Fahrzeugen au der Spitze. Das neueste Militärlustschiff SystemGroß-Basenach" ist gegen­wärtig das schnellste der Welt, da es mit feinen vier Motoren mit zusammen 300 PS. eine Geschwindigkeit Von über 16 SekundeN- Metern erreicht hat. Eine so starke Mvtorkrast für ein verhältnis­mäßig kleines Luftschiff war natürlich nur auf, Kosten der Fahrt­dauer zu erreichen, da infolge des Höhen Gewichtes der MotoreN die Aufnahmesähigkeit fiir Betriebsmaterial und Ballast erheblich beschränkt wird.

Der gangbarste Typ von Motorlustschiffen ist wohl gegeUI- wärtig derParseval", und zwar verdankt er dies,vor allem seinen geradezu genialen technischen Durchbildung, sowie seiner Fähig­keit, sich allen Aufgaben anzupassen. Als kleines Sportlustschisf für 23 Personen, als schneller AusklärnUgslnftkreiyer,, als Passagwrschiff füN-Vergnügungsfahrten in jeder Größe, zu jeuein Zweck läßt er sich bauen und erweist sich für lebe Aufgabe durchs äus zuverlässig Und brauchbar.

Von anderen deutschen Luftschiffen wären noch derClouth , detRutheuberg" und das Luftschiff der Rheinischi-Westfälischen! Motorluftschiffgesellschaft zu erwähnen, die alle drei gute Fahrten,

aber keine bedeutenderen LeistnÜgeU zU verzeichnen haben und auch sämtlich nur für Sportzwecke gebaut sind.

Viel erwartet man von den im Bau befindlichen bezw. zum Aufftieg in nächster Zeit bereiten Luftschiffen von Siemens u. Halske und!Professor Schütte, das im Auftrag des Großindustriellen Und eifrigen Förderers der Luftschisiahrt Lanz in Mannheim gebaut wird. Das ersterwähnte Fahrzeug ist im größten Stil nach dem Halbstarren Prinzip gebaut und soll hauptsächlich als Transportschiff Verwendung finden, das Luftschiff von Schütte ist starr, und zwar ist sein Gerüst nicht aus Metall wie bei Zeppelin, sondern aus Holz gebaut. Tas Schiff hat einen Raum­inhalt von 19 000 Kubikmeter, und seine Motore sollen ihm eine Geschwindigkeit bis zu 18 Meter in der Sekunde verleihen.

Die Aufstiege dieser beiden interessanten Luftschiffe sind aller­dings schon sehr lange ungesagt; hoffen wir, daß nun endlich den Versprechungen die Tat folgt.

Im Ausland hat die Motorluftschifsahrt, mit Ausnahme! Italiens, wenig Fortschritte gemacht. Frankreich hat seine ur­sprünglichen Erfolge nicht zu überbieten vermocht. Die besten Leistungen hat noch immer der Julliot'sche Halbstarre Typ ge­boten, nach dem diePatrie" und dieRepubligne" gebaut waren.. Daß diese beiden ausgezeichneten Schiffe zerstört wurden) hat das Ansehen dieses Typs ungerechtfertigter Weise herabgesetzt zu guusten des vom Ingenieur Clement geschaffenen TypsClement- Bajard", der allerdings bisher mehr versprochen, als gehalten hat. Das erste Schiff dieser Bauart, dieVille de, Paris", besitzt eine zu geringe Eigengefchwindigkeit, nm als Kriegsluftschiff in Betracht zu kommen, und das neueste hat die schon lange und etwas laut oder vorlaut angekündigte Fahrt ParisLondon noch nicht angetreten. Einige gut verlaufene Fahrten von 23 Stunden Wollen gegen die Leistungen der deutschen Luftschiffe und auch des Julliot-Typs noch nicht viel heißen. Auch derZodmc Les Grafen de la Vaulx kann keine besondere Bedeutung für M in Anspruch nehmen. Was aus dem starren Fahrzeug nach derecht französischen Idee" inach hem Ausspruch des obengenannten Grafem des Herrn Spieß (wirklich auch ein echt stanzösischer Name) wird, der dem Grafen Zeppelin die Priorität der Erfindung streitig zu machen versucht, das Entzieht sich vorläufig noch der Bcur-

nischem Gebiet an hervorragender Stelle steht, noch fern einziges taugliches Luftschiff gebaut hat. Alle Versuche sind so gut Ww gescheitert, so daß sich die englische Regierung an französische Firmen, vor allem dieAstra"-Ge,ellschaft (Typ ClÄnent-Barard) gewandt hat, und nult wartet man auf den oben erwähnten großen Flug von Paris' nach London. Außerdem baut man e,n! starres Schiff nach dem Vorbild des Zeppelinschen

Auch Rußland' Und Oesterreich beziehen ihre Luftschiffe vom Ausland, und zwar von Deutschland (Parseval) und Frankreich (Cläment-Bajard). Für kurze Zeit herrschte in Oesterreich große Bemusterung für dasLuftschiff" der sog. Rennerbstben, bis mau dahinterkam, daß dieserLenkbare" noch weniger als ern schönes! Spielzeug, daß er geradezu ein UnsinN war, und man sah ein, däß man sich mit seiner Begeisterung für dieses gänKliH unbraUch- bare Unding gründlich blamiert hatte., .

Rur Italien hat noch auf dem Gebiete der Lustsanffahrt große! Erfolge errungen, und die Leistungen des durchaus originellen italienischen Militärlustschiffes stehen keineswegs hinter denen dep deutschen zurück. Seine kühne Form mit der weit vorn unter) der fast kugeligen Spitze aufgehängten Gondel und deM west ausladenden Schwanz gewährleistet eine außerordentlich leichte; Steuerbarkeit besonders in der Horizontalen, und, auch zur Er­zielung einer hohen Geschwindigkeit ist die Form äußerst günstig, K. b.

^^Unbegreiflich ist es, daß .England, das doch, sonst aus tech­nischem Gebiet an hervorragender Stelle steht. Noch kern einziges

wie Christine Hebbel ihren Gatten fand.

Christine Hebbel, die ehrwürdige schwererkrankte Witwe des Dichters, hat die Geschichte ihrer Bekanntschaft Mit Friedrich Hebbel selbst geschildert. Nach ihren Briesen an Ennl, Kuh, der im Verlage von Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig, eins Biographie des Dichters veröffentlicht hat, wird die Geschichte! dieser Bekanntschaft folgendermaßen erzählt: , ,

. Zuerst schildere ich Ihnen mein Vorgesuhl sur Hebbel beim Lesen der Werke, die ich früher als ihn selbst kennen lernte!; es waren Judith und Maria Magdalena. Judith sollte in Ham­burg zur Aussühruug kommen .... Ich ließ nur das Stuck schicken. Ich las cs, mich packte Gramm und Bewunderung dabei, Grauen vor dem Dichter, der dies geschrieben, Bewunderung vor der Dichtung selbst, besonders vor der Gestalt der ^udith, die mich wahrhaft- begeisterte . . . Erst naa; einigen -nähren und vielen Schicksalsschlägen, die mich darin getroffen,, fiel mir Maria Magdalena in die Hände mein eigenes härtestes Schick­sal stand mir in Klara vor Augen; ich war, nachdem ich tzs zu Ende gelesen, zerschmettert! Ich sah in Meister Anton und in Hebbel meine Richter letzterem wünschte ich nie zu be­gegnen. ---Ta trat eines Tages Otto Prechtler zu mir ins

Zimmer mit den Worten: Hebbel ist in Wien! Wolken Sw ihn kennest lernen, ich bring' ihn her. Nein, nein, rief ich, ich fürchte ihn! Er ist nicht so fürchterlich, wie Sw glauben, gab xp mir, zur Sateijrt, fx möchte Sie gerne persönlich sprechxn, Ä