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Ich kann nicht schlafen, ich muß mit dir reden, diese stanze Nackt — dir sagen, daß ich dich lieb' habe, daß ich selig bin, oah ich nichts denke als dich!
Kann es denn wahr sein, was ich erlebt habe? Was wir erlebt haben?
Es ist ein Wunder geschehen! Die ganze Welt ist neu geworden! Heute erst geschaffen!
Liebster, wie ist es denn möglich, daß Ivir fo blind Waren, daß ivir nickt tvußten, diese stanzen langen, öden Monate schon, was doch kommen mußte?
Ich hab dich ja lieb, seit ich dich kenne! Ich hab dich lieb, seit ich denken kann! Was vor dir war, ist ansgelöscht. Ich lebe erst seit heute!
Dir, dir, dir gehört dieses Leben, das du gestern gerettet hast, Liebster! Run weiß ich, warum ich leben wollte Nnd mußte, nichts als leben!
Gestern Tod und Eis und weißer Schnee! Und heute 'alles nur Leben, Sonne, rote, blühende Heide!
Wenn ick die Augen zumache, sehe ich nichts als diese rosenrote, blühende Bergheide, tausenvmal tausend Glocken 1
O dieses goldgesegnete Stück Tannenwald unr den Badersee, wo die Wege im kniehohen Moos so schmal Nnd so viele sind, daß man irre gehen muß! Wo die Felsblöcke den Ausblick versperren und der: Stimmenschall fangen, daß man ruft und sucht und ruft und niemals findet!
Ich vergeß das nie. Die Dannen mit den langen grauen Bärten, und oben die abendrote Luft, und die rdte Heide unten. Wir standen und horchten auf die paar warmen, sausenden Föhustöße in den Dannen nnd sahen Nus an.
Ich hab deine Augen auch da noch nicht verstanden, Liebster. Und meine eigene Seele auch nicht. Ich dachte nur laut: „Ich wollte, wir fänden die andern nicht. Wir sind Brüderchen und Schwesterchen, im Wald verirrt."
Du rührtest dich nickt.
„Brüderchen und Schwesterchen?" fragtest du nur.
Dein Ton war so sonderbar.
Er ärgerte mich, ich weiß nicht, warum.
„Mögen Sie keine Märchen?" fragte ich etivas scharf. Dü lachtest kurz.
„Vielleicht bin ich für diese Rolle nicht geeignet."
„Georg! Soll das Scherz sein oder Ernst?"
Du kehrtest dich schroff weg und knicktest heftig den iZweig in Stücke, den du in der Hand hieltest.
„Kommen Sie, Agnes. Wir können uns jetzt nicht Mt kindischen Wortklaubereien abgeben. Ich bin nicht in der Stimmung dazu. Und es wird spät, die andern ängstigen sich."
Hatt ich das verdient, Georg? Den harten Ton?
Mich würgten auf einmal die Tränen in der Kehle. Ich blieb stehen: „Wenn Sie heute wieder sein wollen, warum haben Sie mich dann gestern nicht in der Partnach gelassen? Das wäre mir tausendmal lieber —"
Was ich in meiner Not sonst noch gesagt habe, weiß ich nicht. IN der nächsten Sekunde: „Herrgott, ich kann Nicht mehr! Ach kann nicht! Agnes! Du weißt ja nicht, was du tust! Liebling! Liebste!"
Deine Arme um mich, deine Lippen auf meinen, deine Seele bei meiner, ganz nahe, eins!
Liebster! Geliebter! Ich küsse meine Hände, die du geküßt hast!
Hast du auch den Buchfinken gehört, der da über uns in der Daune einmal schlug? Mit geschlossenen Augen hört ich ihn, mitten in unsere stumme Seligkeit hinein. Es war, als ob die eine Stimme bekomme:: hätte und in die Sonne jubelte.
Ich hör ihn noch !
Lachst du mich aus, daß ich! dir alles erzähle, was du schon weißt? Wer kann mau denn etwas so Süßes, Heiliges zu oft hören? Tausendmal kann ich mir's vorsagen!
Was wir nachher für liebes, sinnloses Zeug gesprochen haben, weiß ich nicht mehr. Nur noch eins oder das Ändere —
Also das war's, was dich drückte? Gewehrt hast, du dich gegen mich diese ganzen Monate? Darum die unpersönlichen Briefe! Ach Gott, warum sich wehren gegen das Schicksal — gegen das Stärkste, Beste, Twsitc in unserer Eigenen Seele?
Wie ich den Doktor segne! Weil dir's durch ihn erst
klar geworden ist, daß bit zu mir mußtest, daß tvir M sammeugehörten!
„Erwürgen hätt ich ihn können! So ein hergelaufener impertinenter Mensch darf es wagen, die Hände nach dir auszustrecken. Und ich, ich durfte dich nicht für mich nehmen und festhalten!"
Liebster! Meiner! Wie ich dich lieb habe, Imin du mir solche Dinge sagst! Mich so ansiehst mit deinen lieben Augen! Ich sehe sie vor mir, jetzt, in der Nacht!
Aus dem offenen Fenster sehe ich in die Dunkelheit und horche aus den Föhn, der jetzt stark und warm um das Dach geht. Vorn Kirchturm im Ort schlägt es zwei. Ich kann nicht schlafen.
Wer jetzt dichten könnte, irgend ein großes Hohelied der Liebe! Ich sage deinen Namen laut vor mich hin. Ter ist mir ein Hohelied!
Die Bergwand zackt sich schwarz und riesig in den Nachthimmel und die Sterne herein. Irgendwo nah höre ich ein Brunnenrohr gehen, unaufhörlich.
„Nacht ist es, Nacht. Nun reden lauter alle springenden Brunnen. Auch meine Seele ist ein springender Brunnen. Nacht ist es. Nun werden lauter die Lieder der Liebenden. Auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden —"
Mas eigentlich nachher war? Ich weiß nicht mehr.. Scheltende Stimmen, Vorwürfe, Dillas verstimmtes Gesicht, ein schweigsamer Rückweg. Ach, was geht's mich an?
Ich sah nur die paar Zweige Bergheide an deinem Hut, die ich dir daran gesteckt hatte!
Liebster, ich weiß, es ist kindisch: aber ich will dir diesen Brief morgen heimlich geben. Du sollst wissen, daß ich an dich gedacht habe diese ganze lange, süßeste Nacht meines Lebens! Daß ich gewartet habe, brennend gewartet auf den Morgen und dein liebes Gesicht! Daß ich nur lebe, wenn ich bei dir bin!
Du, du, du! Mein Liebster! Mein alles! Dem ich mehr danke als mein Leben!
Ich hab dich lieb! Meine ganze Seele ist in -einen Händen!
(Fortsetzung folgt.)
Vie vadenbrirg bei Eichen und ihre ehemaligen Besitzer.
Von einer bewaldeten Anhöhe am linken Ufer der Lahn unweit des Ortes Lollar lugen ins Land die Trümmer der Baden-, bürg, des einstigen Edelsitzes der Herren von Weitolshausen, genannt Schrautenbach. Auf dieser Höhe, den einstigen stolzen Ritterburgen Gleiberg und Vetzberg gegenüber, erbaute sich int Jahre 1359 Ritter Johann von Weitolshausen einen Herrensitz. Dieser war mit einer festen Mauer umgeben/ die heute noch zu sehen ist. Die vorhandenen Ueberreste -er Badenburg weisen aber nicht auf die Anlage einer Burg, wie man gewöhnlich annimmt. Innerhalb der Mauer befand sich ein berr- lichcr Park, der noch in einer alten Kürte von 1832 als Lustgarten bezeichnet wird, und der heute von dem Schicneugeleise der Main-Weserbahn durchschnitten ist. Ritter Johann v< Weitolshausen muß sich besondere Verdienste, mutmaßlich wahrend der Fehde mit dem „Sternerbund", um das landgräfliche Haus erworben haben; denn im Jahre 1385 befreitet ihm Landgraf Hermann der Gelehrte (und nicht wie angenommen! wird, Heinrich III.) sein Haus und belehnte ihn mit 5 Hnfenj Landes (150—200 Morgen). Die Geschichte der Badenburg und ihrer ersten Besitzer läßt sich aus Mangel an urkundlichen Nachrichten während der ersten 300 Jahren nicht näher verfolgen.? Erst vom Jahre 1673 gibt uns das älteste Kirchenbuch von! Wißmar Nachricht über das Adelsgeschlecht v. Weitols- h aus en auf der Badenburg.
Die Herren v. Weitolshausen besaßen Ländereienl diesseits und jenseits der Lahn, gegen Süden und Südosten, nach Wieseck und Wißmar hin. Sie hatten besondere Berechtigungen! in dem Lollarer und Wißmarer Wald. Bis zum 30 jährigen Kriege war der Pfarrer von Wißmar „Burg-Caplan" zN Badcnburg: er hatte jeden zweiten Sonntag in der dortigen Kapelle zu predigen und die pfarramtlicheu Geschäfte daselbst zu! verrichten. Diese Verpflichtung trat außer Kraft, als die Kapelle vom Feinde zumteil zerstört wurde, und die Familie v.Schran- tenbach nach Darmstadt und Pirmasens flüchtete. Nach der Rückkehr der Familie auf die Bndenburg mußte immer erst besonders der Pfarrer von Wißmar oder auch der von Staufenberg (bezw. Kirchberg) zum Badenburger Hausgcistlichen berufen werden. Pfarrer Stumpf von Wißmar, ein geborener Gießener/ berichtet im Kirchenbuch: „Am 3. Juli 1673 bin ich'von Jhra H o ch a d l. Strengheit Ludwig Balthasar v. Wcr - tolsHausen, gen. Schrautenbach zu einem Haußpredigev in seinem Erbhanß Badcnburg vvcirt vndt zu einem Beichtvater


