220
uns sodann der ÄassenWuer äks Sieb, und ä-'tohr, wie es schesikt, lass Liebeslied, insonderheit als Ständchen, bei beni der Ort der HmiWung ebenfalls die Gasse ist. Sie ist und bleibt das Wesentliche im Worte. Allein.so niedrig tote heutzutage stand der Begriff in älterer Zeit nicht. Als Hans Sachs int Jahrs 1567 den Vorrat seiner Lieder itqchfah, fand er auch Psaline und ander kirchengsäng-, auch verendert geistliche lieber, auch gassen'häwer hin und wider.
Nichts Verächtliches liegt in dein Worte, das hier lediglich das weltliche Lied int Gegensätze zu in geistlichen zn bezeichnen scheint. Ja, noch Bürger schreibt int Deutschen Museum! (1776): „Mein Ohr hat öfters in der Abenddämmerung dem! Zauberschalle der Balladeu und Gassenhauer unter den Linden der Dörfer, auf der Bleiche und in den Spinnsllüben gelauscht." Damit sind auch Nicht Gassenhauer in unsereur Sinne gemeint, wohl aber wahrscheinlich tveltlich-üppige Lieder, tote sie besonders in den Spimr- stuben beliebt waren. Dieselbe Bedeutung hat das Wort in den mancherlei alten Sammilungen bioit „Gassenhauern und Reuterliedern". Zu dritt erscheint das Wort in der dem Liede Nahe verwandten Bedentintg Tanz, der nach altertümlicher Sitte iebenfalls häufig auf der Straße (Gasse) stattfand. Sv wird im GiniplicissnuNs (1669) ein „trollichtcr Gassenhauer ausgemacht". Mllein aitch in dieser Bedeutung liegt von Hans atis noch nicht der verächtliche Siitii, den das Wort heute hat, sonst würde Pam'philus in des Herzogs Heinrich Julius Dramä von „Buhler jund Buhlerin" bei dem seiner Geliebten zu bringenden Ständchen £[. 1) den Spielleuten nicht zurufen: „O gNt Gesellen, seid stig und utacht einen hübschen Gassenhauer!" Daß cs' auch be- soudere Arten von Gassenhauern gab, bekundet Christian Reuters SchelinNffsky (1696), der sich von den Spielleuten den „Leipziger Gassenhauer anfstreichien" läßt. In dec Folgezeit überwog das 'Niedrig-Verächtliche imNker mehr in deut Worte; es wär trotz Bürger bereits allgemein herrschend, als Wieland in seinem- Aga-- Lhv» (10,7) schrieb: „Während die politischen Müßiggänger sich darüber zanken werden —-----, wird der Pöbel ein Paar Flüche
wischen den Zähnen ntnrm'eTn, seine Gassenhauer aNstimN'.en und /— bezahlen." Sohns.
* Wer Froschkeu l e n verspeist, sollte daran denken, daß sie allermeist nur in grausamster Weise gewonnen werden. So lange dies üblich ist, sollte man das Froschkeulenessen meiden. Wollte jemmtb aus einem lebenden Ochsen sich daS saftigste Stück herausschneideit und das Tier wieder laufen lassen, so würde man diesen Menschen für einen grausamen Ticrschinder erklären. Ist es aber hinsichtlich der armen Frösche anders, da ihnen bei lebendigem Leibe die Scheitkel abgeschnrtteu oder ans- Uerissen werden, nitb man die verstümmelten, zappelndeu Wesen Loh ihrem Schicksal überläßt? Wenn mehrere derartige. Unmenschen Nebeneinander „gearbeitet" haben, so erscheint der Rand des be- treffeuden Tümpels gaitz mit einer zappelitden, schleimig blutigeit Masse jämmerlich verwundeter Frösche überzogen, denen zum Teil auch die Gedärme heranshäugen. Sechs bis sieben Stunden lang wenden und drehen sich mm die Tiere oder sie kriechen verschmachtend int heißen Sonnenbrände umher. Wohl öffnet sich ihr Mund, der vor kurzem noch vergnügt sein „Quak guak" pernchmen ließ, aber er ist nunmehr nicht imstande, auch nur einen Laut von sich zu geben. Den gefühlloseic Froschfänger kümmert das wenig, sondern unermüdlich in seinem verachtungswerten Geschäfte zieht er vo>r Tümpel zu Tümpel, von Sumpf zu Sumpf, bis er sie alle ausgeplüildert und den Tagelohn ver- bteilt hat. Größtenteils sind es halberwachsene Leute, leider werden auch Kinder dazu heraugezogeu. Solche. Menschen schrecken schließlich auch vor der Marter größerer, höher entwickelter Tiere nicht mehr zurück und vom Tierguälcr zum Verbrecher am Menschen ist nur ein Schritt. Staat und Elternhaus, Kirche und Schule müssen diesem gräßlichen Mißbrauch der Frösche scharf entgegen» treten. Und jeder einzelne Verbraucher kann es gleichfalls tun, indem er keine Froschkeulen kauft. Die Frösche sind für uns sehr nützliche Tiere, genau so nützlich wie die Vögel, weil sie ebenso wie jene eine große Menge von Larven und Insekten verzehren. Vertilgt man recht viel Frösche, so gibt es z. B. zahllose Mücken mehr. Von Staats wegen sollte eine Schonzeit für Frösche von 1. (Februar bis 1. Juli eingeführt und jedes Abschneiden der Froschkeulen vor Tötung des Tieres streng bestraft werden.
* Gläserne Häuser. In Pitts'burg wird mim in kurzer Zeit voraussichtlich den Bau eines seltsamen Hauses verfolgen! können, das nach der Meinung des Bauherrn berufen sein soll, die moderne Hausarchitektur vol'lkonimen zu ändern: denn dies peue lHaus wird ganz und gar aus Mas gebaut. „In zehn Jahren," sv versichert Roger S. Peäse, der einer der ältesten Glasfabrikanten Amerikas ist, „werden viele' Leute in Amerika gläserne' Häuser bauen, die au Dauerhaftigkeit, Schönheit und in hygienischer Beziehung die Steinhäuser bei weitem übertreffen und zugleich viel geringere Erhaltungskost«» 'verursachen wie die Häuser, die jetzt gebaut werden." Vom Keller bis jutit Dache soll das Haus des Mr. Paas« jaus Glas gebaut fein. Ti« Glasindustrie
ist imstande, Glas in allein Stärken tritt» in äklest FarbschattieruNgÄst zu liefern; die Arbeit des Malers und des Däpezrers wird über- flüssig, selbst die Dachziegel sind ans Glas gearbeitet und bieteii gegen Hitze einen wirksameren Schütz als jede andere Dachvev, kleidung. Zugleich sind die! neuen Glashäuser feuersicher, Vor Feuchtigkeit gefeit. Für die Mauern wird selbstverständlich im- durchsichtiges Glas verwendet, das in jeder Farbtönung hergestellt werden kann. Das Wichtig« an dem neuen Wan aber ist der Umstand, daß Pease versichert, daß sein Haus ihn auf diese Weise bedeutend weniger kosten würde tote ein Steinhaus, von) den Nachteilen der Steinarchitektur ganz abgesehen. Denn das Glas zu Bauten kann anßxryrdöntlich billig hergestellt werden und darin liegt zrach Ansicht des neuen Glasbauherru auch die Gewähr dafür, daß die gläsernen Häuser schnell populär werden müssen.
* Abgewinkt. „Dürfen wir Ihnen morgen abend ein Ständchen bringen, liebes Fräulein?" — „Morgen abend soll es mir recht fein — da bin ich nicht zu Haus."
Ans dem Nachlaß Wilhelm Holzamers.
Bei Egon Fleische! in Berlin erscheinen unter dem Titel „In hellen Halten" Gedichte ans dem Nachlasse Wilheliu Holz-- amers, denen weitere Veröffenttichmigen auS dem Nachlaß — u. a. der Lebensroman in drei Büchern: „Der Entaleiste" — folgen sollen. — Wir entnehmen daraus das folgende Gedicht:
Des lieben Herrgotts heilige Hand.
Des lieben Herrgotts heilige Hand
Streicht über die schlafende Erde, Zn neuem Morgen ruft das Land Sein wundertätiges Werde!
Sein feiner Finger zärtlich weckt
Tas leise nickende Gräschen —
■ Die Hangenden Ohren lanichenb reckt Im grünen Klee ein Häschen.
Weit über die Berge fährt seine Hand
Und über des Waldes Kronen
Und folgt des Flusses gewundenem Band, Au dem die Menschen wohnen.
Und leise, wie sie sich senkt und hebt,
Schafft sie dem Tage das Leben,
Und ordnet, wie sie steigt und schwebt, Der Dämmer verworrenes Weben.
In Licht und Sonne dann träumt daS Land
Jus Zeiten- und Grenzenlose.
Des lieben Herrgotts gewaltige Hand Ruht beglänzt ihm im Schoße.
Vüchertlsch.
— Fr au en-Zukunft, ein« Monatsschrift, hera'us- g eg eben von Gabriel von Lieber, Meta Hammerschlag, .Haus Dorn (Frauenverlag München und Leipzig). Aus dem Inhalt des ersten Heftes verdient besondere Beachtung ein Aufsatz von! Ta. Oskar Eivüld (Wien) über „Tas Weib in Kunst und Weltanschauung", in dem dse gegensätzliche Stellung der Künstlet und Philosophen zum Weib« dargelegt tollt b. Dr. Leon Zeitlin fordert in einem Aufsätze „Die soziale Frage — eine Frauenfrage", daß die Frauen, die als Käuferinnen dm Haupteinfluß auf den Verbrauch ausüben, zweckentsprechend erzogen und ausgebildet werben. Gleichzeitig begsimt ein Roman Bernhard Keller- Mmcns, „Das Meer". Die Zeitschrift bringt u. a. noch Aufsätze von Professor Dr. Ludwig Stein, Professor Dr. Robert Michels (Turin), Dr. Max Kemmerich, Minna Cauvr, Samuel Lublinski.
— Das Eigenheim des Mittelstandes. Ratgeber für Bau loder Kauf eines eigenen Hauses mit Garten. Mit übev 350 Ansichten und Grundrissen von Einsam ilieu- und Doppelhäusern uebsh Angabe der Baukosten. Westdeutsche Verlagsgeftll- schaft m. b. H. in Wiesbaden 35. Wer bauen lassen oder selbst Plärre entwerfen will, fall sich an Hand guter Musterbeispiels ein Baupvogram'nr aufsts'llen. Eine Gelegenheit dazu bietet dieses Buch, das Ansichten und Pläne für Eigenhäuser in allen Größm und Preislagen enthält. Der Tert ist lehrreich und praktisch, die Hausbeispiele gut gewählt.
Geographisches Berschiebräisel.
Hamburg — Leipzig — Berlin — Bnbadest — Wien — Detmold — Eisleben — Breslau — Preßburg — Riga.
Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werben, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen einer deutschen Universitätsstadt ergiebt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Lvgogriphs in voriger Nummer: Sense, Senf.
Redaktion: K. Ne ur a th. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießem


