Ausgabe 
9.3.1910
 
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Droesigl.

Roman von Georg Freiherrn von Ompteba.

(Nachdruck verboten.) tFottietzung.) /

Es Ivar spät geworden und Agathe mübe. Als er nun fertig war imb fragte, sagte sie, nur um ihr Mitgehen zu geigen, indem sic an ihren Schwiegervater dachte :

" Wäre es nicht ganz -interessant, wenn die großen Industriellen, die Erfinder, die Professoren, . . . ich raun uiich nicht so ausdrücken, die Geistesmenschen, wenn ote auch drin wären?

Er schlug die Hände zusammen: .

Aber darin hast du's ja gar nicht begriffen! Krud­es soll ja ein ganz bestimmter Gesellschaftsarsschurtt fern.

Er lief auf und ab. Als er nun gar sagte, sie sei ge­rade so wie der Herr von Jstrow, der hätte ihrn ähnliche Dummheiten eingeworfen, erstarb ihr die Antwort tut Munde. Und nun entlud sich sein ganzer Zorn auf den nnglticklichen Hauslehrer. Er sei ein taitloser Mensch, er, Ludwig, habe ihn überhaupt nicht nm seine Meinung ge­fragt, "sondern hätte ihn nur bei den Ucbersetzungen ins Englische nrid Französische zu Rate gezogen. Ins Fran- zösrsche und Englische würde es nämlich riberchht! In brct Sprachen zugleich müßte es erscheinen:

Siehst du, ich bin auch nicht der erste beste und der Kerl sagt immer nurHerr Droesigl!",Herr Droesigl" hinten undHerr Droesigl" vorn. Du hast recht, ich habe ja keinen Titel. Ich stehe da in meinem nackten, schwarzen Frack, der vielleicht immer noch besser gemacht ist, wie der manches Menschen, dervon und zu" heißt; aber immerHerr Droesigl, Herr Droesigl" muß uh mich eben nennen lassen. Nur seine Kritik verbitte ich mir! Ein taktloser Bengel ist das.

Als er sich ansgctobt hatte, sah er, wie Agathe das Taschentuch an die Äugen Mt. Im ersten MgenvNck wurde

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Was, du weinst? Darf ich dir mein Herz nicht ausschütten über diesen Kerl, der mir in meinem eigenen Hanse unverschämte Kritiken sagt. Unverschämt, zawohl. Aber liebes Kind, was hast du denn?

Er suchte ihren Kopf aufzuheben. Agathe antwortete fast beschämt:

Ludwig, du bist so hart.

Er riß sic Plötzlich stürmisch an sich:

Ich hart gegen mein liebes Kind? bch habe doch nur dich! Du weißt ja gar nicht, was du wrr alles bist. lind darum schmerzt mich's, wenn du mich nicht l erstehst.

Und wenn du mir nichts sagst? ,

Wieder kam sein seltsamer Blich, doch der Sturm schien Verweht. Ludwig nahm seine Papiere mit und schloß sie in den Schreibtisch. Sie blieben verschwunden. Nie wieder

sprach er davon. Aenßerlicb war er gegen Herrn von Jstrow höflich, aber jeder nähere Verkehr hörte auf

Da fragte Agathe den Lehrer, ob er nicht bald sein Examen machen wollte. Ein Wort gab das andere: es kam heraus, er hätte gern den Doktor gemacht, muffe daM aber noch sparen, denn was er besäße, reiche nicht ans. Agathe meinte freundlich:

-- Dafür lassen Sie mich nur sorgen. Ich werde mit meinem Mann sprechen. , . ,

Als Ludwig das Geld Herrn von Jirow gab, der-dan­kend versprach, es zurückzuzahlen, sobald er in der Lage

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sagen schien:Wien, Herr von 'Zstr-ow, sehen Sie, so istHerr Droesigl",Herr Droesigl"!"

*

Allmählich war das Andenken an den alten Grafen Kölln geschwunden, hauptsächlich unter den jüngeren Herren. Ja, int Laufe der Jahre hätte sich alles dermaßen vem wischt, daß sogar einige meinten, der Reichtum, mindestens aber das Schloß, stamme von Agathe.

Immer mehr Herren fanden sich zu den Jagden ein. Immer vornehmere Leute u .ireit darunter. Eine Einladung nach Kölln zu erhalten war für einen Prinzen leichter als für einen kleinen adeligen ober gar bürgerlichen Ossw zier Dann fragte wohl manchmal nach Tisch, wenn die große Gesellschaft sich in die Räume verteilte, ein Prinz einen Grafen, dessen Gesicht er noch nie hier gesehen, wie er hergekommen sei, und sie gestanden sich, daß sie es kaum wussten. Die Frau des Hauses sanden alle äußerst vor­nehm und immer wurde dazu gesetzt:Sie ist ja eine Kölln." Man redete auch nur Günstiges über den Hans- Iictrn.

Immerhin zwinkerte man sich zu:Droesigl hat beit FürUeuvogel"! Ob sie das nur nicht merkt?" Doch man mußte sich in acht nehmen mit solchen Gedanken vor beil Getreuen des Hauses. Bei einem, der einen Prinzen zum Schwager hatte, aalt es vorsichtig sein. Und nun war auch e-stnual der Fürst gekommen und hatte ein paar Jaaden mitgeritten.Er ist sozusagen verwandt," hieß es. Dann gehörten zn den Getreuen des Hauses, noch Oberst von Herruwcrth, -der einstige Kommandeur der Liebstätter Ulanen, jetzt mit der Führung einer Kavallerie-Brigade be­auftragt, und der große Graf Tiefenau. Auch der kleine, freche,"blonde Leutnant, nun längst Oberleutnant, hatte sich seit der dummen Tischkartengeschichte die er spater ehrlich seinem Kommandeur gestanden, zu ihnen geschlagen. Sein loses Maulwerk im Dienst, der Sache Droesigl war nicht zu verachten , _ . ,

Graf Sczvgonh inzwischen ein paar Jahre tu Peters­burg, nun als Botschaftsrat wieder in Berlin Halle sich 'damit versöhnt, daß nicht gespielt wurde. Seine Fran mochte die Stadt nicht. Auf dem Lande erzogen, f^ste sie sich immer in Kölln zu sein, denn, hier konnte er nicht zu den Karten greifen, der einzige Miß ton in dieser glacm