Ausgabe 
9.2.1910
 
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Streichholz nach bem andere u an: abtoMelud rot und grün, Wi« Mr Vie HKtzer in sie Kinger kamen.

Ich vertrug mich mit dem Direktor M»z gut. Er erzählte mir irid von den Tranten, bte er geschrieben hat. Im vorigen Jahve fiott in T. bte Uranfführnng seinerSalome" mit »ait ErWge Mttgchntden haben.Eine wirklich klassische Sprache/' febte er hinzu, der Darsteller desKönigs" Wtto dies bestätigt, er Witte seine Rolle nickt in den Kopf bekommen. Daan zeigte er mir beit Theaterzettel dieser Uraufführung. Oben in .fetten. Lettern:Nickt zu verwechseln mir der einaktig«» OperSalome" von Rickard Strauß!" Ich fragte: Wanbeit Herr, Direktor, daß das MlMkitm von T. etwas über diese Oper weiß?Das ist ja ganz nebensächlich, ich Will nur darauf Hinweisen, daß meine Sa'Lome 8 Bilder Hai, in einen Einakter wie die Straußsche Oper geht hier kein Mensch." Ich las weiter:Salome, bfe Tochter der Hewdias, echt biblischer Stoff, bsarbeitet in 8 Bildern von Direktor X. Y," Darunter:Auch für Leute, die Trauer haben." Da hat er recht- wenn in T. jemand stirbt, hat gleich , dis halbe Eini- wohnerschast Trauer. Später erfuhr ich, daß dieser Zettel im Briefkasten desKladderadatsch" abgedruckt worden ist. Mein DireÄor hat wohl keine Ahnung davon gehabt, sonst hätte er mir den Zettel sicher nicht gezeigt.

Uebrigeus hat wohl schon jeder Schmierenführer Komödien geschrieben. Wenn nichts mehr zieht, dann holt er aus seinem SchreibpM sent bestes Werk: Die Geheimnisse des Klosters Von . . . hier wird ein in der Mhe des Ortes gelegenes Kloster genannt nach alten Chroniken, die ihm von einer hochwohllöblichen Behörde zur Verfügung gestellt wurden, bearbeitet von Direktor 'Soundso. Da stürmen die Leute das Theater.

Rach wenigen Tagen erhielt ich einen Kontrakt an das Ute» Si eröffnende Sommer-Theater in E., einer Stadt von 25 000 (!) inwÄhnern. Ich wußte, daß es Usus ist, in solchen Fällen nachts «uszirrücken. Das tat ich Nicht, sondern suchte in dieser Angelegenheit meinen Direktor auf, den ich beim dlngeln traf.Morgen müssen Sie mir noch spielen, dann können Sie fahren." Ich spielte denn am folgenden Tage in derWilden Katze" im ersten Akte die drei Liebhaber und in den übrigen denJim-bo". Dann erhielt! ich meine Gage das Wenige, das ich noch- zu verlangen hatte, tont ich hatte in 11 Tagen dreimal Vorschuß erhalten, wies dem Direktor auf sein Verlangen nach, daß ich keine Schulden in T: hinterließ und reiste ab.

In E. war alles da. Die Bühne sah ganz nett aus, ein Megan des Personal, gute Soufflierverhältnisse, genügende Protor ach, was soll ich noch alle weiteren Vorzüge aufzählen sie haben ja nichts genützt einem Mangel gegenüber, dem Mangel an Publikum. Der Direktor hatte zwar des öfteren erklärt, er wolle 2000 Mark anwenden, um sich hier durrhzusetzen. Da er aber die 2000 Mark nicht hatte, löste er nach 4 Vorstellungen das Ensemble entfach auf. Der Direktor rief:Ich finde in E. Mn Entgegenkommen, kann mir jemand erklären, wie so etwas in einem. Kulturstaate tote Deutschland möglich ist?" Das ifomtte ihm niemand erklären.

Mein nächstes Engagement toar G. in Posen. Ich suchte den Direktor auf. Dieser sagte mir in ausgesprochen österreichischem Dialekt:Ihre Gage ist bei mir natürlich goldsicher." Herr Direktor, ich bitte um 15 Mark Vorschuß. Er sah mich groß an, zog sein Portemonnaie heraus, nahm ein 2-Markstück warf noch einen musternden Blick auf mich, holte noch 1 Mark hervor und überreichte mir dann' die 3 Mark. Am folgenden Tage sprach ich ihn wieder wegen Vorschuß an.Ja, ich kann Ihnen wirklich Nichts geben, ich habe nichts wir essen daher heute im Theater- Lokal, da brauche ich erst nach der Vorstellung zu bezahlen." Ich sah, daß ich ein nach den. Worten des Direktorsgoldsicheres" Engagement hatte. Dabei waren Direktor und Direktorin sehr von oben herab: er brüstete sich, der besteWurzelsepp" zu sein und auch sie befaßte sich mit künstlichen Erzeugnissen: sie war die Fabrikanttn des heften Haarwassers. Der Direktor war ein alter Don Juan, keinen Pfennig in der Tasche, aber immer den Zylinderhut auf dem Kopfe und ttotz seiner Jahre furchtbar spiel- wütend. Das Repertoire bestand aus' alten österreichischen Komödien, die einem norddeutschen Publikum nicht gefallen. Das kümmerte meinen Direktor nicht, ihm war Hauptsache, daß er seine LiebkingK- Mten spielen konnte.

Ich hatte in G. mit 70 Mark monatlich die höchste Gage int Ensemble, sogar Bonvivant und Soubrette hatten zusammen nur 100 Mark. Die Direktoren lieben die Doppel-Engagements, da sie diesen--weniger zu zahlen brauchen. Daher kommest die vielen Verhältnisse unter den Mitgliedern der kleinen Bühnen. Roch schlechter stehen sich bisweilen die Darsteller der sogenanntest Tei'kungsschmieren, da kommen Manchm-al nur wenige Pfennigs auf einen Teil.

Der Theaterbesuch in G. war sehr schlecht und so ntußte ich für die Sicherheit meiner Bombengage fürchten. Da erhielt ich auch schon einett Brief vom Direktor mit der Anfrage, ob ich Kün­digung oder 50 Mk. Gage vorzöge, 70 Mk. könne er nicht zahlen. Ich wühlte die Küitdigung. Da 4 Mitglieder sich nacheinander! aus dem -staube machten, mußte der Direktor schließen. Er zahlte uns die ganze 'Gage aus, tvas hier als eine völlig un­erwartete Ueberraschung! erwähnt werden muß.

Mein jihtfte» Sominter-EngWeUtent WaV M. in Schlesien. Gin ängstlicher, abergläubischer Direktor. Ich setzte mich während der ersten Pwbe in die vorderste Wiße des Pahketts, Sogleich unterbrach der Direktor den .Diachg auf der Bühne und bat mich dringend, doch in einer anderen Reihe Watz zu .nehmen. Durch meine Unwissenheit soll ich ihm das Geschäft in M. verdorben haben und mußte daher vor der' Vorstellung den Vorhang herunterlässM, was eine Besänftigung der bösen Geister bewirken sollte.

lieber schlechte Beschäftigung tonnte ich mich hier nicht to tagen. Ich mußte mich als Schnelllerner oder richtiger als .Improvisator produzieren. Nach.Schluß der Vorstellung erhielt sch umfangveichr Rollen, die ich. am folgenden Abend spielen mußte. Und wenn ich 'fernen wollte, da kam ein Kollege, der verbummelte Sohn von reichen Eltern, mir auf die Bude gewückt und begann, mir sein Leid zu klagen. Der Unglückliche war verliebt! Er hatte der Frau Direktor seines vorigen Engagements W tief in die Singen gesehen und mit ihr die Flucht beschlossen. Beide nähmest in M. ent Doppdl-Enga-gement an, er war vorgereist, schickte, seiner Liebsten nochmals das Reisegeld aber sie kam nicht. Er sandte eine 'letzte Dapeschp ab sie geriet unglücklicherweise in die Hände des Gatten. Nun fürchtete mein .Kollege, wegen Ehü° brucl)s verfolgt zu werden, er wollte sich dttrchaus erschießen und was ich am Unangenehmsten empfaitd er mußte sich! gerade mir anvertrauen und mich beim Lernen stören! Er hat sich schließlich! nicht erschossen, ist nicht wegen Ehebruchs angeklagr worden und ich habe von meiner großen Rolle nichts gewußt.

In M. blieb ich 14 Tage, bis ich an ein gutes Sommer-Theater kam. Dies war mein sechstes Engagement.

6 Engagements in einem Sommer: ich glaube, das genügt!

Vexm??ehLes.

* Wie Napoleon getraut wurde. Interessante M Einzelheiten über die Form, in der sich dir erste Eheschließung Napoleons vollzog, bringt ein lmveröffeutlichtes Manuskript, mit denr sich Gabrielli in einem fesselnden Aufsatz imMäomento" beschäftigt. Bei der Trauung des Generals Boitaparte mit Jose­ph ine Beautzarnais würben sowohl Won den beiden Brautleuten, wie von einem der Zeugen falsche Angaben gemacht. Um seine rasch? Ernennung zum General zu rechtfertigen, gab Napoleon sein Alter 18 Monate höher an, als es Wirklich war, wlkhrend Jvso» phine ein Geburtszeugnis vvrtegte, das sie vier Jahre jüngep machte. Zugleich schwor Napoleons Adjutant Leptarois einen Meineid, indem er sich entgegen der Wahrheit für großjährig em klärte, da er sonst als Trauzeuge nicht hätte fungieren können. Am Abend des 9. März 1796 wartete die Braut zusammen mit Barras und Ta'llieu im Saale des Rathauses auf Napoleon. Zvsephitte saß schweigend in einem Winkel des Zimmers. Durch die Stille hörte man, tote die Uhren die neunte Abendstundse schlugen. Die Braut wurde unruhig, sie sprang auf, schritt dann zum Fenster, schaute hinaus und murmelte:Bonaparte ver­spätet sich." Dann, zu tot Zeugen gewandt, blickte sie auf Barras, der sie lächelnd fragte:Fürchten Sie, daß er nicht kommt?" Josephine antwortete:Dieser Mensch ist die wert* körperte Ueberraschung." Dabei wandte sie sich ab und setzte sich wieder auf den Sessel. Kurz nach zehn wird die Tür hastig aufgerissen und in Begleitung seines Adjutanten Lentarois eilt Napoleon ins Zimmer. Er kommt voller Hast, grüßt niemand und eilt sofort auf den Standesbeamten zu, der in der langen! Wartezeit, von langer Weile und Müdigkeit übernumnt, sanft eingeschlummert war. Napoleon packt ihn an .beiden Schulterst, schüttelt ihn und mit kurzem, befehlshabertschein Tone fährt er ihn an:Auf, Herr Standesbeamter, trauen Sie uns, aber schnell." Nachdem die Trauung vollzogen war, gingen alle Teil­nehmer für sich allein nach Hause. Bonaparte fuhr mit -seiner Braut in ein elegant ausgestattetes kleines Haus', das Josephine! eingerichtet hatte. Als Napoleon die Schwelle überschritt, war er von dem Luxus' überrascht.Du beurteilst mich falsch," sagte er zu seiner jungen Frau,zu viel Luxus und zu viel Begüemi- kichkeit! Ich bin daran nicht gewöhnt und darf mich daran nicht gewöhnen. Ich bin ein Mann des Krieges und der Schlechten." Und in der Tat, er hat sich, nicht daran gewöhnt. Zwei Tagd später, am 11. März, eilte Napoleon bereits auf tot italienischen Kriegsschauplatz und ließ seine junge Frau in Tränen zurück.

Charade.

Wer sich als Ems erblicken läßt, Den pflegt man bestens zu empfangen. Das Zweite liegt am Hause dicht, Mit Leichtigkeit kann man's erlangen.

Wer müh und hungrig wird vom Wandern, Der eilt vergänglich in das Ganze.

Und wer ein Freund von Scherz und Spiel, Kann dort sich fiöhlich dreh'n int Tanze.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Zitaten-Rätsels in voriger Nummer: Alle? i st verloren, nur die Ehre tt t d) t.

und Steindruckerei, R. Lange, Gietzew

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-