Ausgabe 
8.10.1910
 
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Hopkins tziwenj guten Wink gegeben, tvetttt erchn nun Nicht aus- zunützen versteht, kann ich ihm weiter nicht helfen. Nun, Herr Kapitän, um der Form des Gesetzes zu genügen, wollen totr folgendes tun. Sie sind der Angeklagte. Watson, du Ht ent britischer Geschworener, und ich kann mir übrigens kerne passendere Persönlichkeit zu dieser Würde vorstellen. Ich selbst werde ben Richter spielen. Nun, Herr Geschworener, Sw kennen dre Be­weisaufnahme. Halten Sie den Angeklagten sirr schuldig oder

-hren Sie in einem Jahre zu dieser Dame zr Und möge uns Ihre beiderseitige Zukunft beweisen, da» heute abend ein gutes und wahres urteil gefallt .haben.

Nichtschuldrg?" ,

Nicht schuldig!" lautete mern Wahrspruch .

Des Volkes Stimme, Gottes Stimme! Sie sind frelge- sprochen, Kapitän Croker. So lange das Gesetz ttt der Sache kein unschuldiges Opfer verurteilt, haben Sie von mir aus nichts zu befürchten. Kehren Sie in einem Jahre zu dieser Dame zuruck,

vevmrschtsS.

» Die Frauenarbeit in Post- und Telegraphen- ä in t e r n war in denBerliner Neuesten Nachrichten" in einem hier auszugsweise mitgeteilten Aufsatz recht gering geschätzt worden. In Nr. 153 haben wir bereits die günstigen Erfahrungen des Telegraphendirektors Dr. Hagemann veröffentlicht und erwähnen heule noch, daß dieBerliner Neuesten Nachrichten" selbst neben zu­stimmenden auch lebhaft widersprechende Zuschriften be­kommen haben. Dagegen spricht sich ein Telegraphendirektor, der ein großes Fernsprechamt mit 400 weiblichen Beamten leitet, durch­aus zufrieden mit seinen Erfahrungen der Frauenarbeit aus:Ich kann nur aus voller Ueberzeugung sagen, daß ich unter keinen Umständen an deren Stelle 400 männliche Beamte haben mochte. In gleicher Weise verteidigt ein Postdirektor aufs wärmste die weiblichen Beamten. Er führt aus: Die angehenden Be­amtinnen treten fast niemals wie die männlichen Beamten un­mittelbar von der Schule in den Dienst. Oft sind sie jahrelang ohne regelmäßige Beschäftigung im Elternhause gewesen und haben alle Freiheiten genießen können. Das muß man berücksichtigen und bedenken, daß deshalb die Dienstanfängerinnen zum Dienst meist erst erzogen werden müssen. Solche Erziehung fällt aller­dings manchem Vorgesetzten schwer. Auch die männlichen Be­amten, die mit den weiblichen zusammen arbeiten müssen, sind manchmal schwer an solch Zusammenwirken zu gewöhnen. Aus viele Beamte, das will ich nebenbei erwähnen, übt aber die Mitarbeit von Beamtinnen einen sehr günstigen Einfluß aus: die Beamten werden oft ruhiger, höflicher, sorgsamer in Aeußer- lichkeiten (Kleidung usw.) und auch sorgfältiger in ihren Arbeiten, da sie sich von den weiblichen Amtsgenossen nicht überflügeln lassen wollen. Zugegeben wird ohne weiteres, daß nicht jedes Mädchen, auch wenn sie diehöhere Töchterschule" dnrchgemacht hat, sich zur Beamtin eignet. Aber wenn Elemente, die den Anforderungen nicht genügen, oder der Dsiziplin, die für den Beamtenstand nun einmal unerläßlich ist, sich nicht fügen wollen, rücksichtslos und bei­zeiten entfernt werden, dann kann wohl ein weibliches Beamten­personal herangebildet werden, das den Vergleich mit m ä n n- l i ch e m Personal natürlich in gewissen Grenzen wohl aus hält. In dem mir unterstellten Amte müssen, namentlich während der Urlaubszeit, vielfach rechnerische Arbeiten von männ­lichen und von weiblichen Kräften ausgesührt werden. Dabei haben die Beamtinnen den besten Beweis erbracht, daß sie, was Ge­nauigkeit, Schnelligkeit und Sauberkeit im Arbeiten betrifft, Mindestens das leisten können, was viele männliche Beamte leisten. Im Gegensatz M dem Herrn Verfasser des Artikels stelle ich aber auch bat, Beamtinnen; das Zeugnis aus, daß sie es an Interesse !und Eifer nicht fehlen lassen, und auch stets dienstfreudig und dienst­willig geblieben sind, selbst wenn sie zur Bewältigung dringendem Arbeiten weit über ihre eigentlichen Dienststunden hinaus haben arbeiten ntüssen. Mit Bureaukratismus und Schroffheit wird man allerdings bei Beamtinnen wenig erreichen; aber gerechte Anerken­nungen der Leistungen, eine freundliche, wenn auch strenge Be­handlung wird den Berufseifer und damit die Leistungsfähigkeit der Beamtinnen außerordentlich heben.

* Die Bedeutung des WortesBauer".- Das WortBauer", das uns heute als Standesbezeichnung für den selbständigen Landmann so selbstverständlich erscheint, gehört den­noch zu jenen zahlreichen Wörtern, über deren ursprüngliche Be­deutung sich die Gelehrten noch keineswegs einig sind. Das deutsche Wörterbuch der Gebrüder GriMM saßt es gleichbedeutend Mit ,,Landmann" auf, was indessen zweisellos keine genügende Er­klärung bietet; andere wollen es alsDorfgenosse, Mitbürger, Genossenschafter einer Ansiedlung" U. s. f. deuten, ohne indessen ihre Deutungen näher und zwingend begründen zu können. Im letzten Heft der bei Karl Winter in Heidelberg erscheinenden Zeit­schriftWörter und Sachen" hat nun Professor Friedrich Kauf­mann in Kiel in einer größeren Abhandlung überAltdeutsche Genossenschaften" eine Erklärung des Wortes gegeben, die ver­mutlich die endgültige Lösung dieser Frage darstellt und darum in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. Auch Kauffmann faßt das WortBauer" als Genossenschaftsbezeichnung auf, leitet les aber mit dem gleichbedeutenden WortGebauer" von dem

altdeutschen Worts bür Haus äb, das auch wir im Bogel« bauer noch besitzen, unb deutet demzufolge die WörterBauer" undGebauer" alsHausgenosse" in dem Sinne, daß damit jene Insassen einer Hausherrschaft gezeichnet wurden, die nicht zur Familie, sondern zum weiteren Ingesinde des Hausherrn! gehörten und dessen Hufe zu bewirtschaften hätten. Diese gesell­schaftliche Rangstellung derBauern" würde genau derjenigen ent­sprechen, die nach Tacitus im Haushalt der deutschen Hofbesitzer! die coloni einnahmen, und tatsächlich wird in den althochdeutschen Glossen das Wort coloni durchGebauern" (gabüro oder kapüro) wiedergegeben. In der späteren Entwicklung hat sich dann der hausherrschaftliche Verband mehr Und mehr zersetzt und dw Kolonen" wurden nun aus unfreien Hausgenossen zu mehr oder minder unabhängigen Landleuten, die mit ihren ehemaligen Herren und deren Nachkommen neue Verbände gründeten, ist denen sich nicht mehr Herren und Hörige, sondern mir noch gleichberechtigte Genossen gegenüberstanden. Diese Verband« waren dieNachbarschaften", die ursprünglich nichts anderes als diese freien oder doch nur von einem größeren Grundherrn, abhängigen Bauerschaften oder Dorfschaften bezeichneten. Di« WörterNachbar" undBauer" sind daher nicht nur verwandt, sondern im Grunde gleichbedeutend; entstanden aber ist,diese Bezeichnung wahrscheinlich während der Bölkerwanderungszeit int vormals römischen Gebiet, wo solche zum alten Sippendorf iN Gegensatz stehendeBauerndörfer" in großer Zahl angelegt wurden.

* Sie kennt ihn. Schwiegersohn (zur Schwiegermutterik Mein innigster Geburtstagswunsch für Sie, teuere Mama,, ist« der Himmel möge Sieerhalten"!" x,Danke bestens; vorläufig möchte ich aber noch 'n bißchen auf Erden weilen!

Logogrlph.

Es ist mite" aus Fleisch und Haut Gar zart und künstlich aufgebaut. Glückselig, wem Metall drin wohnt, Als Münze, die das Prägen lohnt! Doch hüte dich, trifft dich's mitü", So ist umsonst des Lernens Müh'; Meist kommt er her vom rauhen Norden Und krank ist mancher dran geworden. Schnell mußt du's dann mito" entzünden, Das wärmt, du wirst Genesung finden.

Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Ein ungestörtes Glück verlangen, Heißt Mondeslicht mit Netzen fangen, Den Sonnenstrahl mit Ketten fesseln, > Und Rosen fordern von den Nesseln.

vüchertisch.

Die Frauen-Nummer derIllustrierten Zeitung"^ Verlag von I. I. Weber, Leipzig, ist eins der trefflichsten Son­derhefte dieser vornehmen Zeitschrift! Geschmückt mit der tech­nisch meisterhaften Wiedergabe eines eigens für diese Nummer geschaffenen Porträts der Kronprinzessin von Prof. Julius Kraut, ist das Heft ein mit sorgfältigster Auswahl zusammen- qestellter und mit zahlreichen hochinteressanten Bildern ausge­statteter Ueberblick über das Wesen, die Entwicklung und die Tätigkeit der modernen Frau, sowie über die ganze Frauenbe­wegung. In kurzen Artikeln, hie von genauen Kennern der einzelnen Gebiete, Meist von Frauen, geschrieben find, werden die verschiedenen Themata gleichwohl erschöpfend behandelt und vermitteln so das Wissenwerteste über »Die historische Entwick­lung der Frauenbewegung in Deutschland (Dr. Elis Altmanu- Gottheiner),Die ethische Seite der Frauenbewegung (Dr. Kat« Schirmacher), überDen Einfluß der Frauenbewegung auf bte gesamte Kultur" (Bertha von Suttner), überDie Pau als Hausfrau und Helferin ihres Gatten (Llsbeth Dill), .Stellung und Beruf der Frau" (Dr. Käthe Wmdscheid),,Die Pau als Künstlerin" (A. Hirsch),Die Frau als Gattin und- Mutter (Dr. Jenny Springer),Mutterschutz" (Dr. Helene Stöcker, Die Frau in der Weltgeschichte" (Prof. Dr. Theo Sommerlach, Die Schönheit des Weibes im Spiegel der Antike" (Dr. G. Biermann),Die soziale Lage der Schauspielerin" (Rosa Bertens), Das Schaffen der Frau in der modernen Literatur (Dr Ella Mensch),Die Bedeutung der Frau m der WohlfahrtsPflege (Mervarid) undDie deutsche Frau m der Karikatur" (Ed. Fuchs), um nur die wichtigsten dieser reich illustrierten Artikel heraus­zugreifen. Novellen, Gedichte und Aphorismen unserer nam­haftesten Dichterinnen mit deren Bildern zeigen die deutsche Frauenlfteratur im Hellen Spiegel. Außer erner ganzen Porträtgalerie berühmter Frauen aus alter und neuer Zeck bringt das Heft eine große Anzahl von Farbendrucken und sonstiger .Reproduktionen von Kunstwerken in technischer Boll-, endung. ___________

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.