Ausgabe 
7.12.1910
 
Einzelbild herunterladen

764<

wagen, aber hier ist int! Fahrt besonders anstrengend, da er sich hüten must, in einem unbewachtem Moment zwischen die Dach- uänder zu sinken, die bei Kurven und im Fahren sich oft gegerv- einauderschiebeu und den blinden Passagier zerquetschen würden. Das Merkwürdige 'jedoch bleibt, daß diese verwegenen Gesellen, in solcher anstrengenden und gefährlichen Stellung bisweilen ftiedlich schlummern und dann im Schlafe von den wachthabenden .Beamten entdeckt und festgenommen werden.

geubürg geborene Prin-

,. 'Die Halb!-, !. April 1860

Vermischter.

* Eine Erinnerung an Großherzogin Ulic« NNd Großherzog Ludwig IV. von Hessen. Ms antl 25. April 1860 Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland den 17. Geburtstag beging, war der geheime Wunsch ihrer Mutter, der Königin Viktoria, einen guten, freundlichen Mann für das Geburtstagskind zu finden. Dem Könige der Belgier, Leopold I., ihrem Onkel, offenbarte die Königin ihren Herzenswunsch und meinte:Alice ist ein gutes, liebes, liebenswürdiges Kind und sieht gerade jetzt sehr hübsch aus. Ihre Zukunft liegt noch int

Dunkeln, sie ist ganz frei, und alles, was wir wünschen, ist ein guter, freundlicher Mann, keine glänzende Stellung, aber eins ruhige, gemächliche." Und der berühmteEuropäische Ehestifder" hielt Umschau unter den Prinzen des Kontinents, schwester der Königin Viktoria, die seit den: 12. verwitwete Fürstin Ernst zu Hohenlohe-Lang /'... .. .. Hessin Feodore zu Leiningen lenkte des Königs Blick auf den Enkel des Prinzen Wilhelm von Preußen und der Prinzessin

Marianne geborene Prinzessin von Hessen-Homburg, den Prinzen Ludwig von Hessen, den Präsumtiv-Thronfolger auf dem Throne der jüngeren Linie des hessischen Fürstenhauses. Auf Veranlassung der Fürstin Feodore stattete Prinz Ludwig im Juli 1860 einen Besuch in Osborn ab. Hier lernte er die Prinzessin Mice keimen. Der Erfolg des Besuches war derart, daß die Königin ein Recht hatte, zu hoffen, daß eine Verbindung ihrer Tochter mft diesem Sprossen des Hauses Brabant sich in kurzer Zeit, bei eurem! vbermaligen Zusammentreffen, wahrscheinlich im Spätsommer des Jahres, das aber nicht in Deutschland stattfinden sollte, verwirk­lichen werde. Im November 1860 traf Prinz Ludwig abermals Mur Besuch der englischen Königsfamrlie in Windsor-Castle ein. Am 1. Dezember 1860 konnte Königin Viktoria an König Leopold folgendes freudige Schreiben richten:Ich beeile Mich, Dir anzuzeigeu, daß unser junges Paar sich gestern hier! verlobt hat und wir alle sehr glücklich sind. Albert (das ist der! Prinz-Gemahl) sprach gestern bei unserer Rückkehr von Aldershot htit Ludwig und sagte ihm, ev werde Gelegenheit haben, mit Alice Ku sprechen, mtb diese Gelegenheit nahm er gestern abend nach dem Dürer wahr, als e|r mit ihr allein am Kamin stand 'und jedermann in Unterhaltung begriffen war. Sie flüsterte es mir! «u, und dann, als wir den Drawing-room verlassen hatten, ließen wir die gute Luise (das ist die jüngere Schwester der Prinzessin Alice) holen und das junge Volk kam zusammen und bestätigte in führender Weise, was sie nur im Flüsterton sich hatten vorher fagtoni können. Er 'war ganz von Freude übermannt. Er ist ein lieber, Suter, liebendwürdiger junger Mann von Grundsätzen, der, wie Ito sicher bin, unsere liebe Alice sehr glücklich machen wird und sch wird ihm ein ergebenes, liebes Wech sein. Sie ist sehr, sehr glücklich wnd es ist ein Vergnügen, ihre jungen, glücklichen Gesichter vor Liebe strahlen zu sehen. Mice ist außerordentlich verständig und Whig. Erzähle es bitte dem guten Philipp (das ist der jüngere Sohn des Königs) und auch Leopold und Marie (das sind der spätere König Leopold II. und seine Gemahlin)." Am 1. Juli 1862 fand die feierliche Vermählung des jungen. Brautpaares! (patt. In diesen Tagen kehrte zum fünfzigsten Male der Ver- lvbungstag dieses hessischen Fürstenpaares wieder. Es war ihm' Wicht vergönnt, bie goldene Feier zu erleben. Großherzogin Butte Und Großherzog Ludwig ruhen schon lange in hessischer Erde.. .^WiederHumpelrockerfundenwurde. ggenn Parts er Modeschöpfer nach langer, grüblerischer Arbeit etwas Neues ersonnen hat, bann schweifen seine Gedanken zuerst zu der! Frage: Wird es gelingen, die Sorel zu veranlassen, diese neuer, Gebinden zu tragen? Denn der berühmte Star der Comediei frangaise ist in Pariser Modefragen tonangebend, ihr Beispiel 'entscheidet über den Erfolg .einer SchiöpfuNg der Mode. Sie War es auch, so erfahren wir nun aus einer Unterredung, Lie Catharine Groth in einer Newyorker Zeitschrift veröffentlicht, dte der Welt den HUmpelrock geschenkt hat.Ja, ich habe den .Humpelrock emgefüh-rt," erzählt Mme. Sorel mit einem leisen, etn wenig spöttischen Lächeln.Den Humpelrock, aber nicht die Art, tote andere Frauen ihn tragen und verwenden. Das beileibe Wicht. Und ich will Ihnen auch erzählen, tote ich auf den Einfall %n. Ich hatte yt der vorigen Spielzeit einen Austritt in einem Stuck zu sptelerr, bei dem ich nur zwei Schritte zu gehen hatte. Bet allen übrigen Augenblicken mußte ich stehen oder Men. Bet meinen Wanderungen durch den Louvre stieß ich ernes Tages auf ein Standbild, das mit eme prächtige Stlhvuettei Azugebm schien, vor allem dadurch daß die weichfließenden Kletder den unteren Teil des Körpers eng umschlossen. Sofort

kam mit der Gedanke, diese Wahrnehmung äüf irgend eine Weiss für die Gegenwart auszunützen. In dem Stück kam es, wie gesagt aus Bewegungsfreiheit der Füße nicht an. Und so entstand für diese Ausführung aus der Draperie jenes Standbildes der Humpele Nock. Er war entzückeitd, denn er erfüllte seinen Zweck: er ver­schaffte mir eine gute Silhouette in einer Rolle, die keine Be- wegungsmöglichkeiten bot, Aber andere Frauen schleppten diesen Einfall auf die Straße. Es war grauenvoll. Ich schauder« noch heute, wenn ich daran denke, bis zu welchen lächerlichen! Extremen die Frauen damit gegangen sind." Und dann, nach einer kurzen Pause, erklärte die Sorel ihrer Besucherin:Nein, ich glaube nicht an die Mode und an ihre Herrschaft. Jede Franz die sich kennt und Geschmack hat, kann der Mode entraten und wird keiner Strömung unterliegen, die von andersgearteten Indi­vidualitäten ihren Ausgang genommen hat. Jede Frau, die sich kennt Und Geschmack hat, bedarf weder der Gesetze noch der Rat- »i der Mode: sie folgt ihrem Gefühl und ihrem Jnsttnkt imH dadurch vielleicht eineMode", aber nur dadurch, daß andere, unselbständige Frauen sie nachahmen."

* E t n sprechender deutscher Hund. Kein geringerer als der große Philosoph Leibniz war wohl der erste, der uns eine einwandfreie Nachricht über einen redenden Hund gegeben hat. In bet Geschichte der Pariser Akademie der Wissenschasteii wird int Jahre 1715 von Leibniz zum ersten Male über dieses merkwürdige Tier geredet. Der Hund hielt sich mit seinem Herrn 1712 zu Schau­stellungszwecken in Leipzig aui. Der Wortschatz des Tieres, das aus Zeitz stammte, betrug einige dreißig Worte. Ein Bauern­junge hatte ihn dressiert, und am besten lunren die Worte Tee, Kaffee, Affemble, Schokolade zu verstehen. Jedes Wort mußte der Lehrer seinem vierbeinigen Schüler vorsagen, dann wiederholte er es. Denselben Hund sah man vielleicht schon 1710 zu Regensburg und zehn Jahre später zu Berlin. Im Jahre 1736 erschien über ihn auch in der großen deutschen Gelehrtenzeitschriit eine Abhand­lung. Der erste Hund machte damals Schule, denn schon 1818 kam ein Oesterreicher nach Holland und zeigte einen Hund, der alle Buchstaben außer L. M. und N. sprechen konnte.

* V er schnappt. Gast:Wenn ich nur wüßte, was ich vorgestern hier gegessen habe und was mir so gut geschmeckt hat?" Kellner:Bestellen Sie mal ein Gulasch . . . vielleicht fälft es Ihnen da wieder ein!"

Glossen.

Von Dagobert von G e r h a r b t - A m y n t o r.

Der Knauser entschuldigt sich nicht selten mit der Rebeusarki Ich konnte ihm doch nicht Geld anbieten". Warum denn nicht? Es kommt nur auf die Größe der Summe an. Auch Fürsten nehmen Geld von den Völkern.

*

Weihnachtsgaben ton Arme solltest du nur durch deine Kinder! spenden lassen. Du ersparst so dem Empfänger jede Demütigung und bildest das kleine selbstsüchtige Kinderherz zum opferfreudigen Menschenherzen.

*

Gemeine Naturen werden nur durch Massenelend zum Spenden angetrieben; der Edle erbarmt sich auch des Einzelnen, der ich stillen darbt und leidet.

*

Der. Zweck muß oft genug bie Mittel Heiligen, selbst daA Mittel der Wohltätigkeits-Bazare und Festlichkeiten, sonst wären bie Unkosten solcher Veranstaltungen ein schmählicher Raub ast dem fiir die Armen bestimmten Ertrage,

Die gedankenlose Spende ist oft nut das wertlose Produkt der Unlustscheu. Willst du wirksam spenden, so mußt du zu helfciß suchen; dazu braucht es aber des Nachdenkens.

(Aus dem Türm er.A

Silbenrätsel.

ang, ar, ba, ch, ho, ho, m, mo, nd, nen, ni, o, ro, rot, to, s, sp, te, teu.

Aus vorstehenden Silben und Buckfftaben sollen sechs Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­uchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines Erfinders ergeben. Es bs» deuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Germanische Völkerschaft.

2. Strom in Asien.

3. Nützliches Haustier.

4. Italienischen Maler.

5. Einen Schmnckgegenstand.

6, Schmackhaften Fisch.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer.

Weiß.

1. T d 3 n. d 6{ L ä 7 n. ä 6. Am besten.

2. e 7 e 8 L K d 6 e 6.

3. T o 2 - c 6 f und Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»