Ausgabe 
7.11.1910
 
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Montag den 7. November

LLL2-.

ß u iguiüiir.

Friedel halb-süß.

Roman von Fedor von Zobeltltz.

^Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Daß der Water nicht mit nach Uttenhooven kommen wollte, war Fritz ganz lieb. Es war zwecklos, vielleicht auch störend. Fritz hatte mit Feßler (der in Wiesbaden wohnte) verabredet, daß er ihn am zwölften mit dem Ein- uhrzuge auf dem Schrattsteiner Bahnhofe erwarten wollte. In Koblenz wollte man den Schnellzug nehmen und war dann gegen sechs Uhr in Uttenhooven.

Wer am Zwölften früh fand Fritz unter der Briefschaft auf seinem Arbeitstische ein Schreiben, das alte Pläne und Verabredungen ins Schwanken brachte. Es war ein kleiner mattgelber Bogen englischen Papiers, der in ein gewöhn­liches Hanfknvert gesteckt war. Auf der Adresse schien die Handschrift verstellt zu sein; auf dem Briefbogen zeigte sie große, steile und energische Schriftzüge in dem unver­kennbaren Duktus, der der englischen und amerikanischen Frauenhand eigen ist.

Und Fritz las:

Ich muß Sie morgen, Donnerstag abend, sprechen. Bitte seien Sie punkt zehn Uhr an der rückwärtigen Garten­pforte meiner Weinbergsvilla, wo meine unbedingt zu­verlässige 'Zofe Sie erwartet und führen wird. Schon diese Zeilen altern sind Beweis dafür, daß die Rücksprache dringend ist rmd unverschicbbar. Es handelt sich um meine ganze Zukunft und nicht weniger um die Ihre. Ich bitte Sie herzlich: lassen Sie mich nicht im Stich. Maud."

As Fritz das Briefchen gelesen hatte, erblaßte er. Er hätte nicht erwartet, daß Maud noch nach neuer Anknüpfung suchen wurde. Auch die Fassung ihres Briefes beunruhigte ihn. Sie schrieb, um ihre ganze Zukunft handle es sich und Um die seine. Was sollte das heißen?.

Er kannte sie. Hinter der stolzen und amazonenhaften Herbheit ihres Sichgebeus verbarg sich eine starke Leiden­schaftlichkeit. Gegen die fühlte Fritz sich gewappnet. Er fürchtete weder ihre sengenden Blicke, noch den Reiz ihrer schönen Stimme, noch das Lächeln ihrer roten Lippen: zwischen ihr und ihm lag als unübcrsteigbare Scheidemauer das Grab ihres Mannes. Auch ihr Jähzorn, der, sie einst­mals vor die Richter getrieben hatte, schreckte ihn Nicht. Wer etwas anderes fürchtete er: die Möglichkeit einejs neuen Skandals, der gerade jetzt unter allen Umständen vermieden werden mußte.

Er überlegte lange und reiflich. Die Brieswendüng, daß es sich bei der Unterredung nicht nur um ihre, sondern! auch um seine Zukunft handeln solle, machte ihn stutzig. Abenteuerliche Vermutungen stiegen in ihm auf. Schon damals im Helldorfschen Parke hattesie ihm Mgeflüstert: »-Es gilt uns beiden. ., Mas wollte sie?,

Er stützte den Kopf in die Hand und sann nach. WaÄ wollte sie? Sie schrieb von dringender und unverschiew» barer Rücksprache; es eilte ihr also. Es mußte so sein; sie hatte recht: ihre Zeilen allein waren Beweis dafür.

In seiner quälenden "Sorge beschloß Fritz, der Auf« forderung Folge zu leisten. Er sorgte sich mehr um sie als um sich selbst. In seiner Erregung fürchtete er alle« Ernstes, sie könne sich mit Selbstmordgedanken tragen.

Der Besuch in Uttenhooven mußte olfo fortfallen.

war das ja mich nur eine Formsache, die der Vater ebensogut erledigen konnte. Wer eine Notlüge mußte ersonnen wer» den. Sie war nicht schwer zu finden. Er ging zu seinem Vater und bat ihn, an feiner Stelle nach Uttenhooven gat fahren, da ihn ein Telegramm in seine Garnison berufe« habe: die Möglichkeit liege vor, daß er jetzt schon sein« Festungsstrafe antreten solle, und sei dies der Fall, so wolle er persönlich um Verschiebung bitten, die ihm zweifel­los gewährt werde.

Wer dem Kommerzienrat paßte diese unvermutet« Reise ins Holländische gar nicht. Er schimpfte. WaS solle er denn in Uttenhooven!? Für die Aeronautik interessiere er sich herzlich wenig, und im übrigen sei ja alles ixt schönster Ordnung. Außerdem ja, mein Gott, der Feßler vertrete doch die Firma! Ob es nicht vornehmer und dis­kreter sei, wenn man nicht in ganzer Kompagnie erschein ob es nicht richtiger sei, jedes .Bordrängen ängstlich zu vermeiden?

Fritz sah sofort: der Bater wollte nicht. Ein bittere» Empfinden stieg in ihm auf. Der einst so arbeitsfreudige Mann Ivar wirflich nur noch eine Null im Hause. Aber eS war nicht zu ändern: Feßler mußte allein fahren. Jeden­falls konnte man sich auf ihn verlassen.

Zum Einuhrzuge war Fritz auf dem Bahnhof. Feßler winkte ihm schon aus dem Küpeefenster.

Kommen Sie, kommen Sie," rief er,es ist gerade noch ein Eckplatz frei!"

Fritz gab ihm die Hand.!Passen Sie auf, lieber Freund," sagte er,wir haben nur drei Minuten Zeit. Ich bin telegraphisch in die Garnison beordert worden und kann nicht mit. Entschuldigen Sie mich bei dem Herzog und vertreten Sie bte Firma würdig. Haben Sie Ihre« Kodak zur Hand?"

Ales da. Herrjeh, das ist aber schade, daß Sie mcht mitkommen!" .....

Es ist leider unmöglich ' und schließlich auch unnötige Je weniger Trara wir machen, um so besser. Der Trara soll Nachkommen, wenn der Herzog gesiegt hat. Depeschie­ren Sie uns über den Erfolg. Hauptsache für Sre ist bei Anblick des Gesamtbildes verstehen Sie, Feßler für die Reklamezeichnung. Vielleicht benützen wir sie dann auch für eins unsrer Plakate. Nun addio und all Heil!"

Der Zug fuhr weiter und Fritz ging langsam nach Haus«., Es hatte stark geregnet, nun aber schien wieder die Sonn«. Die Erde dampfte förmlich, es war drückend schwill. Fritz