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eZ seinen Lieblingett dort noch schlechter als im Zimmer ergeht. Tatsächlich sind für Balkons in Durchschnrttslagen Nur recht wenige Pflanzen wirklich geeignet!
Lnfr und Licht genießen die Balkonpflanzen freilich rn Sülle und Fülle. Dafür hapert's bei ihnen aber m anderer Beziehung, nämlich mit der Wasserversorgung. Sonne und Wind entziehen ihnen zeitweise so viel Wasser, daß aus dem «kleinen Wurzelballen nicht rasch genug Ersah kommen kann. Wie stark der Wind die Verdunstung befördert, das weiß jede Hausfrau, die int Freien ihre Wäsche trocknet. Recht eindringlich kann -auch folgender B'erfiich belehren: man stellt an einem warmen, windigen Tage einen Blumentopf mittlerer Größe mit Erde gefüllt morgens auf den Balton- rano, nachdem man ihn tüchtig gegossen hat. Schon nach wenigen Stunden kann man sich davon ttberzeugen, dag> die Erde völlig ausgerrockuet ist. Sonne und Wtnd nehmen ebett nicht nur von der Oberfläche her, sondern auch durch vte porösen Topfwände hindurch die Feuchtigkeit rasch weg, cruch wenn keine Pflanze davon zehrt! Dabei ist gerade die Austrocknung von den Seiten her die gefährlichste. Rings an der Topfwand liegen nämlich als dichter Filz die eigentlichen Saugwucheln. Es nützt also selbst smrtpfartrge Feuchtigkeit in der Mitte des Ballens der Pflanze so gut tote Nichts, wenn die Saugwurzeln trocken liegen.
Nitn wird ja nicht dilrch jedes Anstrocknett der Erde und durch jedes Welken das Leben der Pflanze,t tn Frage gestellt. Die Gewächse leiden aber dabei und werden vor altem nicht schöner dadurch! In der Dnrstnot schreiten viele von ihnen dazu, sich wie der Fuchs tn der Falle der gefährdeten Glieder selbst zu entäußern. Sie werfen nämlich von unten her die Blätter ab und stehen dann >als hochbeinige Jammergestalten mit kleinem grünem Schopf da; wahrlich nicht als Zierden des Balkons.
Wir müssen deshalb danach trachten, ein Austrockneni der Erde zn verhindern. Das ist in Einzeltöpfen schwer Möglich. Man ist also in der Praxis der -Balkongärtnerei dazu übergegangen, die Pflanzen in geräumigen Holzkästen au kultivieren. Tonkästen bringen wenig Vorteile, wert ihre Wände ebenso wie die der Blumentöpfe vom Winde durch- Aasen werden. , ,
Durch die Verwendung von Holzkästen gewtnnt unsere Balkonbepflanzung auch an Ansehen; denn die massigen Msten wirken besser als die unruhigen Topfreihen, dre bei Stürmen sogar im wahren Sinne des Wortes sehr „unruhig" werden können. Wir nutzen durch die Kästen ferner den Raum gut cuts, können z. B. die Bepflanzung in doppelter Reihe vornehmen, nach außen zu mit hängenden, nach innen zu mit aufrechten Pflanzen.,
Selbst in den geräumigsten Kästen und bei bester Pflege lassen sich aber, wie schort gesagt, durchaus nicht alle Pflanzen .auf Balkons ziehen! Mele werden durch den Wind mechanisch beschädigt; er dreht ihnen die Blätter ab, reißt die Blätter vom Rande her ein, knickt sie in beu Mittelrippe oder bringt jd-as Laub durch das fortgesetzte Schütteln und Zausen zum Absterben. Bei vielen Pflanzen tritt noch etwas anderes hinzu: sie sterben auf den Balkons an Selbstvergistmtg! Das geht so zu: mit dem Wasser werde,t durch die Wurzeln fortgesetzt salzartige Stoffe, die sogenannten Nährsalze, in den Pflanzenkörper gebracht. Mrd nun durch Sonne und Wind die Wasserverdunstung sehr gefördert, so werden mehr -Salze ausgenommen, als durch das Wachstum verbraucht werden können. Es kommt zu Anhäufungen von Salzen im Pflanzensaft und zu richtigen Pergiftnngserscheinungen.
Die Hauptsache bleibt deshalb eine geeignete Auswahl der Pflanzen. Es kommen vor allem Gewächse in Betracht, die mit Schutzmitteln gegen übermäßige Verdunstung ans- gestaiiet sind.' Dabei ist es ganz gleichgültig, ob die Anpassungen in dicken, fleischigen oder tn lederartig derben -Blättern liegen, ob Haarüberzüge oder lackartige, fettige oder flüchtige Ausscheidungen die Pflanze schützen. Wir haben im speziellen Teil die Art der Anpassung bei den einzelnen Pflanzen stets kurz gekennzeichnet.
Hier mögen dem Neuling für die Auswahl einige Fingerzeige gegeben werden:
Wir empfehlen ä. für die laub enartig e G est al- tung eines Balkons: von holzigen Kletterpflanzen: 1, den wilden Wein, 2. den Efeu; von krautigen Kletter- Manzen: 1. den japanischen Hopfen, 2. die Feuerbohne,
3. die kanarische Kapuziner-Kresse, 4. die kletternde Glocke, 5. die Trichterwinde. B. für die Bekleidung eines! h a l b h o h e n S p a l ie r s: die wohlriechende Wicke. Oats Behang für die Balkonbrüstuug: 1. die Efen- wlargonie, 2. die große Kapuziner-Kresse und Lobb's Kapu-i zinerkresse, 3. die Petunie. D. als stehende Rand-, b e p f l a n z u n g: vor allem die Gürtel-Pelargonie,
* Geschichten vo n W b i st l e r. Der seltsame Zauber, der von der Persönlichkeit des grostett amerikanischen: Malers auf alle ansging, die mit ihm in Berührung kamen, klingt retwoll wieder in einem fesselnden Aufsatz, in dem der bekannte englpchö Maler Williatn M. Chase seine Erinnermtgen an Whistler zu- fanuuengefdßt und der int „Century Magazine" veröffentlicht lmrd, Whistler malte ein Bild von Chase; als Maler war er em unerbittlicher Tyrann, Rücksicht auf das Modell kannte er tn feinem Amtseifer nicht, und wenn nach stundenlangem Sitzen Elmse unwillkürlich eine Bewegung machte, bamt klang stets von der Staffelei das befehlende: „Nicht bewegen! Nicht bewegen!" Nur wenigen ist es vergönnt gewesen, den ganzen Whistler kennen zu lernen, denn für die Anßenivelt trug er stets eine Pofe zur Schau, die sorgsam vorbereitet war; ja die meisten seiner schlagenden Apercus und die treffendsten, bissigen Epigramme wärest vorher znrechtgelegt und wurden mit unnachahmlicher Lässigkeit wie zufällig ins Gespräch geworfen und wirkten dann oft geradezu tote Bomben. Er wusste, daß sein exzentrisches Wesen Nußehen machte, er freute sich darüber und sann stets auf neue verblüffende Einfälle. Aber im Atelier, da ivar Whistler ein anderer. Er, der stundenlang vor dem Spiegel stehen konnte, um die Locken zu brennen, wenn er in Gesellschaft ging, kannte im Atelier nur ein Evangelium: die Kunst und die Arbeit. Bor der «tanelet wich jeder Gedanke an Aeusterlichkeiten, die ZeUvorsteltungM waren ausgefchaltei, er tonnte zehn Stunden lang arbeiten, ohne an Nahrung zn denken, und wunderte sich, wenn es andern anders ging. Als Chase nach langer Sitzung Whistler dann an die Euw ladnng erinnerte, die er vorher angenommen hatte, dann kant stets dieselbe Antwort: „Was? Man sollte das Vollbringen cmev schönen Sache unterbrechen wegen eines ordinären Diners l Einmal kam er zu einer Gesellschaft zwei Stunden zu spat. „Wie merkwürdig," ruft er kopfschüttelnd und blickt mtt blitzenden Augen auf Wirt und Gäste, „weist Gott, ein wenig hätten eie doch noch warten können. Ihr seid genau wie eine Herde -schwetne tmt eurer Esserei." Eines Abends ist er mit Chase bei einem Diner. Nach Tisch hört Whistlers Nachbar plötzlich, wie der Maler neben ihm schnarcht. Chase gibt ihm einen Puft: „Whistler, sagt er eindringlich, „Sie müssen hier nicht schlafen." „Lassen Ste mich in Ruhe, ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte. Was Sie und Ihre Freunde sagen, interessiert mich absolut mcht. In seinem Atelier verkehrte damals auch Oskar Wilde. Whtstler fand, daß Wilde viele der glänzenden Whistlerfcknn Epigramme, die er hier hörte, später in seinen Werken benutzte. Die beiden! sitzen eines Tages zusammen, und plötzlich sagt Whistler ein geist- svrühendes Paradoxon. „Ach Whistler," sagt der Dichter traurig, „warum habe ich das nicht gesagt?" Whistler siebt ihn kurz an und sagt nur trocken: „Trösten Sie sich, Sie werden es sagen."' Er hatte damals wirtschaftlich schwer zu kämpfen, und alle Augenblicke klopftett Gläubiger an die Tür. Eines Morgens ertönt ein Pochen. „Pscht," flüstert Whistler Chase zu, „das ist eins und zehn." Eine halbe Stunde spater klopft es wieder, diesmal leiser. „Zwei und sechs," sagt Whistler, „pscht!" „Was zum Teufel memen Sie denn mit diesen Zahlen?" fragt Chche schließlich. „Ein Psnnd zehn Schilling: zwei Pfund sechs Schilling. Gemeine Kaufleute mit ihren Reckntungen, Oberst. (Er pflegte Chase! „Oberst" zu nennen!) Sie wollen Geld" und dabei,wandte ev sich wieder der Staffelei zu. Bald darauf klopfte es wieder, diesmal ganz zart nlnd vorsichtig. „Weist Gott," flüstert Whistler, „das ist zivanzig. Armer Kerl, ich muß wirklich etwas für ihn tun. Es tut mir wahrhaftig leid, daß ich iticht zu Hanse bin." Eine Schülerin begrüßt ihn eines Morgens mit der Rede: „O, Mr. Whistler, heute morgen der Zug in der Landschaft; alles in einem zarten, herrlichen Nebel, wohin ich blickte, ba_ war es mir, als sähe ich eines Ihrer herrlichen Bilder." Whistler blickt sie spöttisch an; dann sagt er mit komisch übertriebenem Aplomh.- „Ja, ja, die Natur macht sich, so kommt langsam nach,"-
Ldgogriph.
Nimm ein Getreide zur Hand, sein „a" mußt in „o" du verwandeln; Siehe, nun wird es ein Held, der für die Freiheit einst starb.
Auflösung in nächster Nummer,
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: lieber ein Kleines, o zürnender Freund, Scheidet der Tod, die noch heute vereint.
Gib mir die Hand, eh' der Abend vergeht,
Neber ein Kleines — so ist es zu spät. Gero?,
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UuiversttäiS-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießest.


