Ausgabe 
7.7.1910
 
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Ferrit.

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:fe Furchen und legte den ße Nase; wenn der Freli-

Erlebnisie eines heW im spanischen Aldzug.

Ein Freund unseres Blattes hat uns das Tagebuch seines! , Oheims, der den spanischen Feldzug in dem Regiment Große i und Erbprinz mitgemacht hat, zur Verfügung gestellt.

Regiment u ar auf französische Anordnung aus der Brigade Groß- und Erbprinz vor dem Uehergang über den Rheni s gebildet worden, uttd zwar mit 23. August 1808 auf dem

Felde bei Groß-Gerau. Die Führung des Regiments, das! [' über 40 Offiziere und 1630 .Unteroffiziere und Mannschaften

den schlechten Zeiten!

Er seufzte und sah bekümmert in die lviutergraue Weite. Gar keine Aussichten mehr! Bor zwanzig Jahren war's anders hier gewesen und vor fünfzig erst, recht. Ta waren dieFaktors" gefahren von Gut zu Gut, und man hatte sie in die Stube geführt und hatte sie auch wieder hinausbegleitet und hatte ihnen die Hand gereicht. Kein Kaudelchen war gemacht worden ohne einen jüdischen Mann, kein großes und auch .kein kleines. Jetzt besorgten sie's alle alleine!

Ei weih!" Ta Ivar die Madatne Kestner auf Przy- Korowo, eine reiche Dame, eine vornehme Dame, aber handeln konnte die Gott soll hüten! Die redete mit1 einen Groschen und um ein Biertelpsündchen, was am Ge­wicht fehlte nein, um zehn Gramm stritt sie, als ging's mit einen Ochsen!

Löb Scheftel seufzte tief und fuhr sich mit dem Aermel des Flanschrocks unter der schnüffelnden Nase her: es war ein Elend mit der Konkurrenz! Und daß dem Leiser Hirsch, seinem Schwiegersohn, dem einzigen Warenhaus- Inhaber im Städtchen, sich jetzt auch noch einer aus den Hals aeseßt, der eine große Spiegelscheibe int Ladenfenster hatte und Nepomuk mit Bornamen hieß, wie der Heilige, zu dem sie hier beteten, das war gär nicht zu verwinden. Ehe der seinen Laden eröffnet hätte, war der Herr Propst um den Ladentisch geschritten und hatte feinen Segen gesprochen und mit dem Weihwedel die Wände angc- spritzt. Wer konnte da noch tonturrieren?! Und war auch her Kleiderstoff bei Leiser Hirsch drei Groschen billiger, der Kaffee das Pfund fünf Pfennige billiger, der Sirup süßer, das Petroleum heller, der Schnaps stärker, der Hering salziger, kostete die Hose auch nur einen .Spott-

Ein schlimmer Tag war es heute für die Hasen von Chwaliborczyce. Löb Scheftel- der in respektvoller Ent­fernung von der Schußlinie mit seinem Wägelchen hielt, sagte zu Isidor, seinem Sohn:Gott soll hüten,'ich rechne gn die zweihundert! Was rechnest du?"

Bin ich allwissend?!" Der Sohn zog die Schultern hoch.Wer' ich der schon sagen wieviel, wenn ich wer' gezählt haben de Fellcher!" .

Löb Scheftel hatte sich eingefundcn, lveil er ein Ge- fchäft zu machen hoffte. So viel wußte er, hätte er vorher um die Ehre ersucht, von den zu erlegenden Hasen welche erhandeln zu dürfen, wäre er rundweg abschlägig beschieden Wörden: der Herr von Chwaliborczyce machte keine Ge­schäfte mit Juden. Aber sein Förster nahm's nicht so genau. Nun, und was wußte denn der gnädige Herr davon, ob fünfzig Hasen mehr oder weniger an den Wildhändler Jauis- zewSki nach Posen abgingen?!

Scheftel zog die Stirn in tiefe Furchen und legte den Zeigefinger bedenklich an die große Nase; wenn der Freli- kowski nur nicht gar so teuer mit seiner Ware wäre! Wer konnte dann an einem Hasen noch etwas verdienen bei

preis, verloren buch die Kessel nicht gleich die Böden und, die Kärtoffelhacken nicht gleich die Stiele, sie liefen doch! alle zum Nepomuk Wisniewski, denn der Herr Propst hatte gesprochen:Kauft bei dem!" .

Isidor," sagte Löb Scheftel und kraute sich nachdenk­lich den spitz zugeschnittenen, von den Ohrläppchen in! schmalen Streifen nach dem Kinn ziehenden Bart,wirste sehen, wird er mir nich verkaufen die Hasen, nich einen! einzigen. Wird er mer nehmen so hoch, daß es geht über meine Kraft. Nix mehr zu wollen, nix mehr zu handeln! Seit der Herr Probst hat's Geschäft eingeweiht, können! wir gehen mechulle." vv, .

Nu, mer hofft doch!" Der junge Mann blickte seinen Pater verweisend au.Wenn du tust deinen Mund immer zum Bösen auf! Ich zieh nach Posen, ich wer' mer nich! ärgern hier alle Tag!" ,

Gott soll hüten, in die große Stadt?!' Aengstlichs sah der Alte seinen Sohn an, als wollte er ihn mit den! Augen festhalten. , m ,

Mer Isidor lachte.Bin ich 'n Schlennehl?! Werden! se mer anfesscu, de Posener?! Wer versteht's Geschäfts, kann d!a machen auch seins. Ich bin nich meschugge, es, fällt mir nich ein, zu warten, bis der Propst! auch wirii weihen 'nen Fleischer. Daun werden se dem verkaufen, 's Rindvieh, und du kannst wieder laufen nach Hasenfcllcher!"

Tu du deinen Mund nicht MM Bösen auf!" Ganz, erschrocken duckte Löb Scheftel den Kopf zwischen die Schultern und hob abwehrend beide Hände:Gott der Gerechte wird's nicht leiden, daß er mer ruiniert auch mein Geschäft! Soll mer jedes Pfund Fleisch auf die Seele brennen, was ich je hab' zu spitz gewogen!"

Nu nu!" Isidor fing leise au zu pfeifen, und danU machte er eine weite Handbewcguug:Ich wer' der sagen', Vater, mir is es miet) in Posen zu eng. Ich wer' lieber gleich ziehen nach Berlin. Da kann mer inachen noch e besseres Geschäft. Und wenn ich heirate 'ne Frau nnb Mesummes, wer' ich der lassen kommen nach. Nn meine Söhne wer' ich lassen .studieren Rechtsanwalt!"

Wie heißt?!" Der Vater sah ganz! verdutzt drein.Du wirst heiraten 'ne Frau mit Mesummes?! Tu, dem LM Schestel sein Sohn aus Miasteczko?! Tu wirst.studieren lassen de Herren Söhne Rechtsanwalt?!"

INu, mer hofft doch! Nu, un waruiu nich?!

Der junge Mensch mit dem intelligenten Gesicht lächelte siegesgcwiß.Was ich jetzt noch nich kann, werk ich schon lernen nach und nach. Was meinste, bin ich der erste, der zieht nach Berlin? Der Naphtalt Cohen, mit dem ich hab'' aus der Schulbank gesessen, und mit dem ich hab' Makkes gekriegt von den andern Jungens der soll schon gehen an de Börse für eigne Rechnung^ Und der Salomon Jtzig, der gewohnt hat zuerst In der Straße, die se heißen Rosental, die aber teius is, der jvvhnt jetzt im Tiergarten, soll fahren auf Gummi und hat I 'ne Frau ausn er seinen Meschboche. Bin ich n Ehanrmer- I daß ich soll bleiben noch länger in Miasteczko?!" ; 1 "

, Isidor" der Alte sah ihn an mit. einer gewissen! Bewunderung -du bist 'n Chochnm! Tu hast recht, j 's Geschäft ist zu mies!" Er gähnte mit) horchte danm Gott der Gerechte, se knallen noch immer! Was I nieiiiste, ob er mer wird lassen de Hasen zu zivilem Preis?!"

Nu, mer hofft doch!" sprach Isidor. _ .

Dann schwiegen sie beide und harrten fröstelnd.

Es war sehr rauh geworden. Den ganzeii Tag halte I sich keine Sonne vorgewagt, jetzt mit Nachmittag kam die I Dämmerung noch früher geschlichen als sonst. Wie ent I Rauch stand die Luft über den Feldern. Ter Atem der Kälte legte sich über den Waid in zuckrigem Guß; das!

I struppige Kieferngebüsch am Rand zeigte jede Nadel besetzt I von weißen flimmernden Härchen.

(Fortsetzung folgt.

komisch luie heute mit den rasselnden Deckeln und den Hunden, die ihr am Rock baumelten, hätte sich's noch nie Ungesehen!

Haha, hoho ho!" Er feuerte sie noch an:He, Ciotlä, dälcj! Tanze, mein Täubchen, tanze! Faß, mein Hünd­chen! Ei, schönes Hündchen faß,,,!"

Und die Hunde belferten und verbissen sich von neuem, schäumend vor Wut, in die flatternden Röcke. Tie Fetzen flogen, die Ciotlä quirlte herum, immer toller, immer wilder, wie behext, wie besessen.

Podkoziolek muht du geben mußt du geben "

Ter Atem war ihr ausgegangen, keuchend lallte ne nur noch abgerissene Worte. Pardauz, jetzt lag sie da, die Breite Kehrseite in die Höhe gereckt. Tas Lachen .der Männer stieg wie ein Brüllen zum winterlichen Himmel, Will sie wohl aufstehen, psia krew!" Ein Tritt und ein Zerren brachten das Tantchen wieder auf die Beine.

Bon fernher war jetzt ein Rollen gekommen, ein Dröh­nen über holprigen Sturzacker. Aha, da waren schon die ersten Jagdwagen!

Wollt ihr wohl das verdammte Lachen las,en, chr Hunde! Schweine! Achtung, aufgepaßt!"

Mit abgezogeitent Hut, respektvoll zur Seite stehend, die Brust, auf der die Kriegsmedaille und das eiserne Kreuz von 1870 prangten, vom langen Bart überwallt, begrüßte Förster Frelikowsli die Gäste seines gnädigen