Ausgabe 
7.7.1910
 
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Donnerstag den 7. Juli

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Biebig.

(Soi'tfebiing.) (Nachdruck verboten )

«... - ... . 7.

..r TreükKwski.Hatte cheut viel zu tun, darum war f,hJt.ntori;C!' Weib, das gegen sieben Uhr früh ihn wrcken kam, ward angeschnauzt: wie, war sie toll, mitten in der Rächt sollte er schon aufstehen?! Darin ähnelten er und seine Tochter Stasia sich, sie schliefen beide gern bis in den hellen.Tag. .

Gähnend walzte der Mann, der noch in den besten Jahren war, fernen starken Wrper und drohte seiner Jozefa, als sie zum zweiten Mal unter der Tür erschient *,ut bem Revolver, der immer geladen am Haken über dem Bette hing. Er riß ihn herunter und legte auf sie an. Mit lautem Aufkreischen entfloh die Geängstigte, er aber lachte dröhnend hinter ihr drein: das war einmal ein seiner Spaß gewesen, so gut wie lange keiner!

Verdammt, daß der Schnee auch dieses Jahr schon so früh gefallen war! Daß sie alle zusammen eine Ladung Schrot an die Beine kriegten, diese Sonntagsjäger, denen zunöb er heute so früh aus dem Bette mußte !

Hörster Zrelikowsli machte sich sein Amt nicht schwer,

J^e ift uvch ein paar Jagdbnrschen unter sich, den Feldschütz und auch noch einen Waldhüter mochten die sich doch plagen!; aber heute galt es zu repräsentieren. Seine Frau, die soiO nicht gerade die pünktlichste wag, hatte heut schon alles zurecht gelegt; sich duckend vor der schweren Hand, die an solchen Tagen immer bereit wart rnederzufalleu, half sie ihm in die beste Montur. Er sah sehr schmuck aus, fast vornehm) in fernem grünen Jäger­rock mit den Hirschhornknöpfen, auf den der noch nicht üngegraltte, rotblonde Bart laug herabhing, in der Mitte

Seine stämmige Figur aufreckend, trat er endlich Vor­dre Tür. Da harrten die Treiber, alte Männer und halb­wüchsige Buben, schon seit ein paar Stunden;beim ersten Tageslicht" war ihnen anbesohlen worden. Am Rand der Sumpfwiese, die sich vom Waldsaum gegen die Flur zog, lungerten sie in Trüppchen; es hatten sich ihrer welche, trotz der Kälte, Platt auf die Erde gesetzt. Gern hatten sie eirr Feu-erchen angemacht trockenes Reisig lag genug: herum aber sie fürchteten den Förster. So hatten sie sich nur an der.Schnapsflasche gewärmt.

Ein schneidender Wind ging. Wenn er ein paar Augen­blicke gerastet hatte, nahm er die Backen doppelt voll und pustete über die Leere der Mecker. Schnee flog, dessen Mocken hart waren tvie Eis.

He, he!" schrie Frelikowski und klatschte in die Hände: waren sie alle da? Er ließ zählen: wie viel Stück?

Ein Jägdgehsi'fe trieb sie, immer zehn und zehn, an ihm vorüber.

r Hehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig, achtzig, neunzig so! Das waren ihrer nicht zu viele, der Kessel war weit, sie würden tüchtig rennet« müssen.

Hundeblut, was lungert ihr?! Soll ich euch Mine machen? Dales, dalej! lind die Mäntel ab! Das wäre so was, Hasen drunter verstecken! Diebsgesindel, ver­fluchtes!"

Mit scheuem Blick, die Mantel abwerfend und den Kopf ztvischen die hochgezogenen Schultern duckend, passierten die Treiber. Unter ihnen war auch die Ciotka. Ihre Hütte war eiskalt, im Krug gab's keinen Schnaps umsonst, Lust­barkeiten, bei denen man der Baßgeige bedurfte, waren jetzt rar warum sollte sie sich nicht die paar Groschen veri dienen?! Sie hatte dem Förster Frelikowski wohl zehn­mal bittend und winselnd den Rockzipfel gefügt.

Run flog ihr armseliger Lumpenrock ihren Mantel hatte sie abtun müssen frei im Wind. Einen alten ^chalsetzeii hatte sie über die Haube geknüpft, darunter glühte ihr pockennarbiges Gesicht, auf dessen klobiger Rasa eine Riesenwarze hockte, in blaurotem Feuer. Mn paar Kesseldeckel batte sie mitgebracht, rasselnd schlug sie diese zusammeil: bas war Musik, die die Hasen schreckte.

Die Alte war fett, trotz ihrer Armut. Frelikowski hob den stiefel und gab ihr lachend einen Tritt gegen die breite Kehrseite.Da hast du einen Gruß, Alte, von deinem Liebsten mit dem Pferdefuß!"

Meckernd nahm sie den Spaß auf. Wenn sie trunken über die Dorfgasfe trudelte, die ganze Jugend mit Ge- ivhle hinter ihr drein, regnete es noch ganz andre Späße, ,,Sehe, der Herr Förster," griente sie,Panie Frelikowsksi ich falle zu Füßen, Hetze!" Sie schielte ihn an.Schönes Herrchen mit dem schönen Bart, Ziegenböckchen, lv-ilM du mit mir tanzen?!

Podkoziolek, schönes Herrchen,

Mußt du geben, mußt du geben" ~ begann sie mit überschnappeuder Stimme zu üräheu uB die Deckel zusammenschlagend, sich tvie ein Kreisel vor sinn herumzudrehen.

Seht, die Ciotka war am frühen Morgen schon vollk Die Manner lachten.

. , Des Försters Hunde, die hinter ihrem Herrn herliefen, fuhren ihr an die Waden, über die die blauen Strümpfe halb hernntergerntscht waren.

Apport! Faß -, «!"

Mit wütendem Gebelfer faßten die Tiere den verlumpt ten Kattun des armseligen Rockes zwischen die Zähne.

Dann wirst du das ganze Jährchen

Ohne Armut glücklich leben!"

sang die Ciotka und sprang immer toller und schlug ihrs Becken. Tie Teckel, die nicht losließen, schleifte sie mit sich im Kreise herum.

Ter Förster hielt sich die Seiten. Schon hundertnüch hätte er's erlebt, daß sie tanzte, bis sie umfiel, Mr ßg