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nicht! Was soll ich! denn gegen Sie haben? Ich wäre ja wohl toll! Ihnen hab' ich doch nur zu danken. . ."
„Also gewiß nichts gegen mich?"
! „Auf mein Wort."
Ich iah ihn an. Den ganzen Weg trug er schon den Hut in der Hand. Mir fiel jetzt in der grellen Sonne plötzlich auf, daß sein Gesicht blaß Ivar und wie -erarbeitet von Sorgen und Gedanken.
Eine heiße Angst um ihn schoß mir durch den Kopf. Ihn mußte irgend etwas drücken. Andere Gründe?
„Was fehlt Ihnen, Georg? Können Sie es mir nicht sagen?"
Er schüttelte den Kops.
„Nein, Agnes, Sie würden es nicht verstehen. Gott sei Dank nicht!"
„Also doch noch kein Vertrauen?"
„Wollen Sie mich quälen, Agnes? Wenn ich es erneut Menschen sagte, wären Sie der erste. Wer ich kann nicht!"
Mes Schlag auf Schlag, in kürzen, hastigen Sätzen. .Und nun auf einmal Tillas Stimme in kürzer Entfernung.
Er streckte mir die .Hand hin.
„Also gut Freund wie früher!"
Ich nickte, wir sahen uns an, eine Sekunde nur. . .
Tie Sonne hatte schon den ganzen Tag geschienett, Über mir war's, als ob sie in der Sekunde erst aufging. Ich hatte ihn wieder, in dem einen Blick wußte ich's! Meinen Freund, meinen Kameraden, den alten, lieben von diesem Winter!
Hinter den Tannen kam Tilla mit Lotte, hochrot und .etwas geärgert.
„Wo bleibt ihr denn? Wir haben euch gesucht! Komm, Schatz, ich bin müde."
Sie hängte sich an ihres Mannes Arm. Lotte und id) gingen voran.
Ich war auf einmal nicht mehr blind und taub.
Ich sah, daß die Buchen dicke, braune Knospen hatten, blank in der Sonne. Daß der Boden unter den Büschen blau rind blaßgelb war von Hepatikasternchen und Himmelsschlüsseln. Dazwischen Seidelbast mit den zarten, blaßrö-t- lichen Blüten an nackten, sperrigen Zweigen und dem betäubend süßen Duft, der die ganze Luft erfüllt.
Dicht am See standeir wir dann unterhalb der iveißen Gedächtniskapelle. Vor unseren Füßen der flache Kiesstrand, hell, bläulich-grün unter den Wassern, die längst die Spuren des Kampfes weggespült haben, den königlicher Wahnsinn hier um das Recht des Sterbens gekämpft hat.
Weiterhin die Seefläche, in tausend Tönen vom tiefsten Stahlblau und dem Grün schillernder Pfauenfedern bis zu dem weißen, fließenden Silber der Ferne, über dem still Und blendend mit blauen Schueeschatten die Berge standen. Mit nadelscharfen Zinken uttb doch zart Ivie Wolken.
Ich mußte atmen aus der Diese heraus. So viel Schönheit! So viel Freude! Die Arme hätte ich ausbreiten Mägen!
^,Wie kann man sterben wollen, wo es so schön ist!"
Lotte träumte auf das Wasser hin.
„Er hat gewußt, was er tat. Ec hat in Schönheit sterben wollen, weil er nicht in Schönheit leben konnte."
„Er war eben krank," sagte Georg langsam und ernst über Tilla weg zu uns herüber, „für einen gesunden Meü- schen ist tapfer leben höher als in Schönheit sterben."
Die paar einzelnen Reden fielen wie Tropfen in die sonnige Stille herein. Keiner sagte weiter etwas.
Auch nachher kaum, als wir in das flüssige Silber herein- rüdertetr, nach Tützing hinüber. Bei jedem Ruderschlag ein kleiner Spritzer silberner Wasserfünkchen. An den seichten Stellen neben der Bootwand zarte, fieberige Wafserpflan- zen, die in metallisch blaugrünem Licht sich wie atmend bewegten.
Ich legte den Hurt auf den Schoß und ließ die Sonne über Haar und Gesicht und Hände an mir herunterflietzcn. Als ich einmal aufsah, lagert Georgs Augen auf mir.
Als wie ein Wunder oder ein Drau ne. Wir waren still, bis unser Boot mittags bei Tützing aüf beit Kies scharrte.
Am Nachmittag fuhren wir hierher in die Berge. Heute abend haben wir zwischen ein paar winterlichen Hoche touristen und Partenlirchener Honoratioren im Tahaks- «sualm der Wirtsstube gesessen.
Müde hin ich. Und bis in die Keele hinein froh !
! WabüM denn eigentlich? Kein vernünftiges Wort haben wrr miteinander geredet, auch heute nicht.
Wer ich habe meinen Freund doch wieder! Ich glaubt wieder an imsere Freundschaft, an alles Gute und Schöne aüf der Welt!
Partentirchen, 2. April.
Mitten durch die Partnachklamm geht der Weg auf halber Höhe. UNten das milchige Wassergeschäume, dröh-- nend, schreiend, kochend, daß man sein eigen Wort nicht hört. Und oben zu Hänpten, senkrecht Und kirchturmhoch!, die Wand der Klamm.
Wir sind früh weggegangen mit Rucksack und Berg-, stöcken. Das feine Gras am Wiesenweg ist weiß bereift. Unten an der Partnach, wo die Sagemühle steht, arbeiten Holzknechte an prachtvollen, mastengeraden Dannenstämmen. Sie rufen uns etwas zu, das wir nicht verstehen, halten ein mit der Arbeit und schauen uns nach.
Kellerkälte Luft in der Klamm, und kein Strahl Sonne durch den schmalen Felsenritz da oben. Statt dessen ein weißes, eisiges Licht von den hohen Schneewänden.
Zuerst gangbarer Weg, aufgeweichte zähe Erde über Felsgrund. Glatte halbgetaute Eisstrecken dazwischen, dann harter körniger Schnee. Das Gehen wird mühsam, weil man gleitet und Halt suchen muß/
Die Oberwelt, Sonne, warme Luft, ist irgendwo weit weg. Oben vom Rand der Klamm Hängt es in weißen, schweren Massen, rissig und zackig, grüngläserne Eisgeschiebe! dazwischen. Weiße, flatterige Wasserbänder schießen, rinnen und wehen über den schmalen Weg in die Tiefe. Bisweilen kommen ein paar Steine mit, die sich über uns loslösen. Sie sehen im fliegenden Fäll aus wie Sandkörner und Kiesel, aber an dem gischtenden Aufspritzen des Wassers unten sieht man, daß es schwere Blöcke sein müssen.
Ich voran, hinter mir Georg, dann Tilla und Lotte. Wir haben zu Anfang nicht bedacht, daß es besser wäre, wenn Georg als Erster in der Reihe ginge.
Ich sehe mich um. Tilla bleibt stehen und sagt etwas. Ich höre kein Wort, aber ich sehe an ihrem Gesicht, daß sie nicht weiter mag.
Ich lache laut in das Wassergebrüll hinein und höre mich selbst nicht. Ich will nicht umkehren. Das Abenteuer, die prachtvolle Gefahr ziehen mich wie mit Stricken. Dieses köstliche Kraftbewußtsein! Weiter, weiter!
Noch ein halb hundert Schritt. Ich kann nicht mehr aufsehen, weil jeder Schritt Arbeit ist.
Plötzlich ein dumcher Krach hinter mir, ein Bersten und Rollen. Ich fahre herum.
Wo ich vor zwei Sekunden ging, senkrechte Tiefe. Zwei, drei Meter Weg einfach verschwunden. Ueber den Abgrund weg sehe ich gerade in Georgs Gesicht. Es ist sonderbar weiß. Er starrt mich an, schreit mir etwas zu. Ich schüttle den Kopf, ich höre Nichts als die schreienden Wasser, unten, oben, neuen mir.
(Fortsetzung folgt.)
Die Ghmebene als Teil der „hessischen Senke".
Die erste Erdrinde, ans erstarrten vulkanischen Schmelzmassen gebildet, konnte, obgleich sie nach und nach durch die sie umgebenden Atmofphärendämpse etwas abgekühlt wurde, so daß sie von ihrer Oberfläche aus nach innen zu Gesteinsmassen erstarrte, noch kein organisches Leben entwickeln, weshalb dieses Zeitalter das azoische, d. h. kein Leben hervorbringendes, Zeitalter genannt wird. Zwischen den gegen das Ende des 'ersten Zeitalters! gebildeten Gebirgsfalten sammelte sich, das durch Abkühlung nieder? geschlagene Wasser und bildete den Urozean. Auf dein »durch? dessen äzende und zertrümmernde Ktaft gebildeten und durch Verdunstung der Wasserfluten freigelegten Boden konnte das jetzt erwachende Pflanzen- und Tierleben sein Dasein führen, daher dieses. Zeitalter das pal S »zische, d. i. Zeitalter des! alten oder ehemaligen Ticrlebens heißt. Im dritten, dem meso-, z o i s ch e n Zeitalter, findet dann Landbildung und Weiter- entwickelnng der Organismenwclt statt. Einen Ucbergang zu den noch jetzt bestehenden Tierarten, an deren Spitze der Mensch den! Schlußstein der gegenwärtigen Schöpfung bildet, erkennt man! in den im kä no-z ois che n Zeitalter zum Vorschein ge? kommenen Tieren. Perioden dieses, des letzten Zeitalters, sind die Tertiär- oder Braunkohlenformation und die Quartär- oder Torfformation. In der zweiten Hälfte der Tertiärperiode fandest großartige Faltungen der Erdrinde statt, wie in keiner der früheren! Entwicklungsperioden, hervorgerufen durch weit ausgedehnte, heftige Schwankungen und Erderschütterungen. Mit diesen ItKircn, quer durch das mittlere Europa ziehend, Ausbrüche von basaltischen und trachytischcn Gesteinen verbunden, durch die auch unser
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