Ausgabe 
7.5.1910
 
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Ihres Vaters Tochter.

Roman von Lulu von Strauß und Torney.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

29. März.

Heute waren wir bei Bornheimer. D::la konnte kein Ende findeir in beit glänzenden, mit Möbeln und Kostbar­keiten vollgestopften Zimmerfluchten und Gängen, verhan­delte hier Wer ein Tischchen, da über eine Bronze- oder eine Wouleuhr. Es stand da ein Haufen klotziger Prunksessel mit goldenen Löwenköpfen. Vor denen blieb sie stehen:Wer in aller Welt kauft denn solche Dinger?"

Der Verkäufer wabf sich in die Brust.

Es muß doch ein Geschäft geben, wo die Majestäten kaufen."

Sie sah den hochmütigen jungen Mann noch etwas hoch­mütiger an.

Die Majestäten haben nicht viel Geschmack, wenn sie das kaufei:."

Ich versuchte ein paarmal zurückzubleiben, um mit Georg ins Gespräch zu kommen. Wer er war ganz ver­tieft in Barock und Empire, die ihn doch meines Wissens früher nie interessierten.

Als wir hinausgingen, kam ein Herr vorbei, der mich grüßte. Der Doktor. Ich hatte ihn seit meinem Bries noch nicht gesehen, er hat sich an Damianis Mittagstisch nicht blicken lassen.

Tilla sah inich plötzlich scharf an.

Aga, was hast du? Warum wirst du rot? Wer war der Herr eben?"

Ach haßte sie beinah in dem Augenblick.

Eine zufällige Pensionsbekanntschaft."

Sie lachte leicht auf.

Kindchen, verstell dich nicht. Sei ruhig, die Sache macht mir ja nur Spaß. Und wir sind diskret, nicht wahr, Georg?"

Sie ging an ihres Mannes Arm. Ach versuchte, sein Gesicht zu sehen, aiber er hatte es zur Seit« gewandt. Er antwortete auch nicht.

Bitte, laß dergleichen taktlose Neckereien, Dilla!" sagte ich kurz und deutlich.

30. März.

Sollte das wirklich der Grund sein? Der Doktor?

Es steht irgend etwas zwischen uns, das sehe ich ja klar. Wenn er gewollt hätte, wir hatten uns längst gesprochen Und wären wieder int alten, lieben Gleis unserer Freund­schaft, Und wenn er nicht will, so hat er seine Gründe.

Die muß ich erfahren. Ach muß ihn fragen. Ach halte es mcht länger aius.

Sieht er de:::: nicht, iv-ie er Mich quält?

31. Niärz.

Wir fahren morgen für ein paar Tage in die Berge- Es ist warm wie im Juni, ein reingefegter Himmel. Lott« fährt mit, Bernhardt schickte sie fast zwangsweise von Staffe­lei und Reißbrett weg, weil sie zu sehr mit Dainpf arbeitet.

Bisweilen packt mich der Trotz. Wenn ihn: so wenig an mir liegt, wozu soll ich denn mitgehen? Er wird ohne mich fertig. Als Staffage oder Bärenführer bin ich mir zu gut.

Ach bleibe hier! Ich lasse mich nicht so behandeln!

Wer ich kann ihn doch nicht verloren geben, wenn vielleicht ein Wort der Aufklärung alles wieder gut machen könnte! Ich kann nicht!

Partenkirchen, 1. Aprih

Es ist wieder Sonnenschein!

Er ist nicht böse auf mich! Es ist alles wieder Kar zwischen uns! Ich hab meinen Freund »nieder!

Bei dem' unruhig flackernden, kümmerlichen Kerzen­stumpf kritzle ich dies noch mit Bleistift hin, in der kahlen Gaststube beim Kainzenfranz. Es war Lottes Idee, daß ivir so ländlich stilvoll wie möglich wohnen sollten.

Ich wollte ja eigentlich nicht mitgehen, aber ich tat es schließlich doch Ich war wie unter einem Druck. Ich lief durch Sonne und warmen Wind, als ob ich blind unv taub wäre.

Wir waren nach Schloß Berg gegangen, von Starn­berg aus um den See herum. Die andern lachend und guter Laune. Georg hatte mich ein paarmal angeredet/ gezwungen höflich wie jetzt immer, daß es in mir siedete.

Wie es eigentlich kam, weiß ich nicht, aber im Schloß­garten von Berg waren wir plötzlich ein Stück hinter den andern zurückgeblieben, er und ich. Georg fing cm, lange Schritte zu machen.

Wir müssen zusammenbleiben, meine Frau verirrt sich sonst noch," sagte er mit kurzem Lachen. Es war, als ob es, :hn drückte, nnt mir allein zu gehen.

Da blieb ich stehen.Georg!"

Er konnte nicht anders, als sich umsehen. Und dann stand er auch still.,

Was ist Ihnen, Agnes?"

Was mir ist?" Ich stampfte mit den: Friß auf vor plötzlichem Zorn;es ist nicht recht von'Ihnen, Georg, daß Sie so gegen inich, sind! Ich ivill wissen, was Sie gegen! mich haben! Hören Sie? Ach will!"

Gegen Sie? Ach gegen Sie?"

Ja. Meinen Sie, ich wäre blind, daß ich' das nicht! merkte? Sie machen es mir, weiß Gott, deutlich genug! Wenn ich Ihnen etwas getan habe, sagen Sie es mir offen, aber nicht dies"

Verzeihen Sie mir, Agnes!"

Seine Stimme war sonderbar leise und ohne Don, Wenn ich nicht bin )me sonst, so hat das andere Gründe. Sie habe ich nicht kränken wollen, Agnes, Sie vor allem