TraumbiN» als an die Wirklichkeit gÄnlahnt. Unb dann sehen Wir dir Krater, dicht nebeneinander liegen sie, aus allen strömen die Flammenmasscn und rereinigen sich zu einens einzigen, riesigen Feuermeer. Ganz hell ist es unb weithin durch die Nacht liegt die Gegend im Feuerschein erleuchtet. Die .Höhe, von der die Lava hevabströmt, mag gegen drei englische Meilen betragen. Eine Weite, formlose Masse in rotleuchtendem, einfarbigem Licht. Wenn man daim das Ganze überblickt, hat m'ffn den Eindruck eines ganzen, sich bewegenden Berges. Kleine Nebenflüsse zweigen sich Wnt Hauptstrom ab, kreuzen einander; bisweilen schiebt sich ein Hindernis ihnen entgegen: daun bilden sie große weite Feuerseen. " Hin und wieder schließen seltsame, durchsichtige Farbengarben Lmipor wie Massen rotglühenden Eisens; plötzlich werden sie von dein HauptstMin ausgestoßen; unwillkürlich mtsteht der Eindruck, Als sähe Man große Ströme von Blut. Und man denkt sich den Aetna üertomtbet, man sieht ihn sein Blut verlieren und hört ihn in Zorn und Wut grollen. Ue'ber den feuerspeienden Kratern liegt ein einzelner, einsamer Krater, der Bomben und Rauchwolken Koßwtzise «NporMeudert. Jede Entladung bringt einen Blitz Und einen Donnerschlag, als ob gewaltige Geschütze abgefeuert Würden." Aber man kennt jetzt die Richtung und die Schnelligkeit der Lava und alle Angst ist gewichen. Ter Pfad i$imf LavastrvM ist von Menschen erfüllt. Bauern tragen lange Störte, "bte hie in bat Feuerfluß tauchen; später zeigen sie die verbrannten Buden Mit dem gleichen Stolze, mit dem etwa ein heinikchrender; Krieg er ferne blutige Lauzenspitze vvrweifen Mag. Man tauscht seine Eindrücke, man verfolgt Mit Interesse den Lauf der Lava, diskutiert feine Schnelligkeit. Am ersten Tage hat sie 7 ;Kilometer zurückgelegt, am zweiten 3 und am dritten kaum ein Drittel. Es ist fast sicher, daß der Ausbruch sich nicht verstärken wird. Kein Dorf ist in Gefahr, nur einige Felder sind zerstört. Die Bauern kennen ihren Feind und nehmen seine Feindseligkeiten nicht allzu lernff. Es scheint, daß die Ausbrnchssphären des Aetna immer höher 'emporsteigen und sich den Gipfeln nähern. 1883 öffnete sich der Krater bei 3000 Fuß Höhe, 1886 bei 4600, 1892 bei 6000, und die jehiceil Krater liegen bei 7200 Fuß Höhe bereits int Reiche des ewigen Schnees. Ueberall sieht man Neugierige, die den Ausbruch beobachten wollen, aber das Interesse ist bereits im Abnahmen und jdde dramatische Gpamtung geschwunden. Der Ausbruch ist dem Bolle nur noch eine seltene freie Ausstellung, jein riesiges Felrerwerk, das jeder sehen will. Seit dem -letzten ywßen Jahrmarkt hat Nicolwfi nicht so viel Gasts gesehen.. Alles ist vergnügt und gWcklich und fast alle Sprachen der 'SBeft kann Mau in dem Keinen Dorfe hören. „'Der grollende Aetna, der Uns ^erschrecken wollte, ist diesmal gedemütigt. 60 000 Schaulustige find heute morgen gekommen, um den Lavastrom zu besich- tigen. Am Mend hallen die Täler und Dorfstraßen wieder von dem fröhlichen Gelächter der Menge, und ans der Eben« hevmtf tönen die Gesäuge der Bauern. Auf den Hügeln gehen die Ausflügler spazieren, in der Nacht trugen sie kleine Laternen, die wie Glühwürmer funkeln, so das; der Berg im Blau der Nacht wie ein sternbesäter Himmel aussieht. Am Morgen aber sieht man aus den Hügdlkanteu die Silhouetten der Besucher gegen die Margendämmermrg sich abhsben. In Rievlosi herrscht Feiertags- stimMnng. Alle Wirtshäuser sind belagert, die Huppen ankommender iAutomobfle klingen zusammen mit dem Geschrei der Esel, mit knallenden Korken und fröhlichen Rundgefängeu. Maultiertreiber bieten den Fremden ihre malerisch aufgeschirrten Tiere zu Aus- f (rügen zum Lava ström an. Wie dieser gewaltige Ausbruch so kurzerhand zu einem Schauspiel und zu einend einfachen Geschäft für die Gastwirte umgewandelt wird, das Muß wirklich ein schmerzlicher Anblick sein für einen alten imd geivissenhaften Vulkan."
Vevmr-chtes.
"■ Der Schwimmlehrer des Kapitän Webbs, des berühmten einzigen Ueberichivimmers des Aermelkanals, ist in London im Alter von 84 Jahren gestorben. „Marquis" Bibbero — so nannte er sich — war ein hervorragender Schwimmer und einer der ersten Berufsschwimmer in England. Er ivar, selbst noch in hohem Alter, Instruktor an einem großen Institut, dessen Zöglinge er in die Kunst des Schivimntens einweihte. Außerdem trainierte er verschiedene Kanalschwimmer, wie Weidman und BnrgeS, und es ivar erstaunlich, zu sehen, wie Bibbero im Jahre 1901, 75 Jahre alt, beim Training der Kaualschwimmer in Dover selbst noch eine englische Meile in der See schwamm. Als Weid- man int Jahre 1904 seinen Kanalschwimm-Versuch unternahm, begleitete ihn der Greis, dem ein langer iveißer Bart ein ehrwürdiges Ansehen verlieh, in einem Boot auf das Meer. Es ivar muten in der Nacht, und der Regen kam in Strömen vom Himmel herab; trotzdem hielt Bibbero fünf Stunden unentwegt bei [einem Schützling aus, bis diesen die schwere See zum Aufgeben zwang. Jetzt hat eine Lungenentzündung den betagten Sportsmaun dahin- gerafft.
ch Geschäftsreklame vor 200 Jahren. Einen Einblick in die Geschäftsverhältnisse und das Reklameweseit Berlins gewährt eine Anzeige, die aus dem Jahre 1717 stammt und die jetzt vom „B. B.-C." veröffentlicht wird. Sie führt die Heber- l'chE „Speeiflcation derjenigen Euriofitäten, so bey Herrn Johann
Michael Döbler, Hoff-Optico in Berlin nuff dem neuen Marks' dicht bei den Duo Episeovo an wohnhaftig, vermittelst der Cplte verfertigt worden." Die Anzeige fuhrt auf: 1. Eine optische Nacht- Ubr, so alle Stunden eine König!. Fürst!, oder sonst hohe Staudes- Persohn vom Hanse Brandenburg präsentiert, woben man die ganze Nacht sehen kann, ivas die tthre ist. 2. Eine Optische Nacht-Uhre, so aufs ein weißes Leder an der Wand präsentieret, ivenn matt aufwacht, daß man sehen kann, was die Klocke ist. 3. Ein großer höltzerner Breniüpiegel, damit mnn durch die Sonnenstrahlen alles schmelzen kätui. 4. Tubus opticus, dadurch man in den Mond und Sternen vieles genau erkennen kann. 5. Mieroscopium, dadurch man, wenn der Mensch Blut gelassen, sehen kann, ob Würmer drein feyn. 6. Vexier- oder Bergrößerungsspiegel, dadriiinen eines Menschen Angesicht 2 Schuhe lang sich präsentieret. 7. Windbüchsen, damit aceurat zu schießen. 8. Vergrößerungsgläser, das man in ein Fenster setzet, dadurch man einen auf 5000 Schritte erkennen kann. 9. Sprach-Rohre, dadurch man auf eine Viertel-Meile rufen kann. 10. Porspektivische Stöcke, damit man spazieren gehet. 11. Varesol und dabei Sprütz-Stücke. 12. Nachtlaternen, die matt an den Stiefel schnallen kann. Nachtlampen, auch dabei eine Nacht-Uhre, die man des Nachts gebrauchet, wenn man nicht schlafen kann, daß man im Bette lesen und schreiben kann, auch zugleich sehen, was die Klocke ist. 13. Ferngläser, vor Versöhne^ die die Weite keinen erkennen können, 14, Stahrgläser, welchem der Stahr gestochen. — Eine für damalige Verhältnisse recht nette Auswahl von optischen Dingen, die auf einen g -wissen hohen Stand der Mechanik und Optik in Berlin schließen lagt.
'Ein Gedicht ohne R. lieber die bekarntte Spielerei, ganze Atifsätze oder Erzählungen ohne den Btichstaben R zu schreiben, hatte kürzlich ein Aufsatz der „Zeitschrift für Bücherfreunde" zusammenfaffend berichtet.' Als Nachtrag dazu macht jetzt Prof. Dr. Robert F. Arnold in Wien darauf aufmerksam, daß die deutsche Literatur aucl) ein Gedicht ohne N, besitzt, und zwar in den Gedichten der bekannten unfreiwilligen Humonstm Friederike Kempner seligen Angedenkens. Es umfaßt nicht weniger als 66 Verse und tritt, wie so viele „Poesien" der trefflicheii Friederike, für bessere Behandlung der Tiere ein. Als Probe sei der Anfang im Wortlaut nutgetetlt:
Wie viel Licht int Sonnenball, Wie viel Statlb im Weltenall, Wie viel Staub und wie viel Sand Gibt's nicht schon tm Heimatland t Wie viel hohes, schönes Licht Hat's tm deutschen Lande nicht t Wie viel Angst in Blitzes Scheich Wie viel Lust im Glase Wem l Doch ganz komisch ging man um, Alles schaffend meistens stumm; — Bloß den Menschen ausgenommen, Lebt sonst alles still beklommen. Dem Menschen adern die Kunst man gab, Zu zählen all sein Gut und Hab', Zn sagen, wie's unb was ihm tut, Uni) ivie ihm jetzt unb je zu Mut: Wenn ihn die Habsucht vollgefüllt, Und ivenn die heiße Sucht gestillt l Wie ivonneatmend das Gefühl, Wenn nah man einem hohen Ziel.
Vnchertisch.
— Di e n eu« Bau We lt. Das zweite Heft der int Bebla'gh Ullstein u. Eo., Berlin, erscheinenden Zeitschrift „Tie Bau- Welt" beweist, ivie gvoß das Bedürfnis ist, das durch die-Schaffung eines Nachrichteub'tattcs für alle Zweige des Bailivesens befriedigt wird. Tas zweite Heft enthält eine Fülle interessanter Mitteilungen! aus den verschiedensten Städten des deutschen Reiches; namentlich aber auch ans dem weiten Umkreise Grwß-Berllns. Ter erM Einheits-Bebauungsplan Mr eine Weltstadt, der durch das Prers- ausschireiben für Groß-Bmliu geschaffen w-orden ist, wird in betl Bauwelt ausführlich bespvockM. Das Heft bringt auch die Bildnisse der hauptsächlichsten Preisträger. Die illustrierte Beilag«! zeigt vorbildliche Bauten wn Mietshäusern und Villen unb ge- währt in einem reich illustrierten Aufsatz über Garten- und Parkanlagen einen interessanten Einblick in die moderne Gartenbaumust.
Logogriph.
Kennst du das scharfe Gerät mit s und mit e an dem Ende? Tausche s e gegen f, ist es nur scharf als Gewürz.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer;
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Redaktion: kl. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität?. Buch- und Steindntckeret, R. Lange, Gieße».


