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ein eigentümliches
MeinM auf einen Hase» geschofle», der Ibnnt« aber trotzdem tocf) besser laufen als ich," gestand ich aufrichtig. Ter Jagd- Wrr nickte. „Da hat doch einer die Wahrheit geredet und der Unterschied zwischen den Schüssen und den Treffern vermindert sich em wenig," bemerkte der Gastgeber.
Er die Melle. Wird sie Ihm verweigert, so rrchl Er dmr »toten jene d-rer Worte zu und dann mache Er sich fcMeuniaS aus dem Staube."
„Ich ,vage es und Wenn eß den Kopf kostet," «rüvorleüt der Kandidat.
-MichE! nichts! es kostet feiiieu Kops! Irisch gewagt ist Mlv getvvnnen! Aber pünktlich must Er sein, verstanden?"
,^er Kandidat war wirklich pünktlich zur Stelle; er Eil den Herrn tm grauen Anzug von toettem henmkommet».
Älopfenden Herzens steigt er die Treppe hinauf nach deut Berattrngsztmmer. Der Karrzleidiener ivill ihnr den Eintritt Mrlvtzhren, wird aber von beut Kandidaten beiseite geschoben. Der Pmsrdent mch die Rate erheben sich sobald sie den Eindringling! erblicken, sie zittern vor Erregung und Wut. „Wie kann Er sich erfrechen hier einzudringen?" ruft der Präsident.
. '-Äch frage zum letzten Wale, ob ich die Pfarrei erhalte« KLrde? schreit der Kandidat entgegen.
.. »Nw und ninrmer!" ruft das ganze Kolleg. Ter Präsident verstt die Klmgelschnur entzioei.
schreit ihnen der Kandidat den GStzschen Ausruf entgegen, recht dte Maltüre auf, rennt den Kanzleidiener übern Haufe», sprmgt dte Treppe hinab, gelangt ins Freie und sieht den Herrn im grauen Anzuge kaum zwanzig Schritte vor der Türe stehen.
„Sie wmMen!" ruft der Kandidat dem Herrn zu und beutet nach dem ersten Stock. „Ich habe Euren Auftrag ausgerichtet, mm seist, wie Ihr mit den Herren fertig werdet!"
Kaum w»r der Flüchtling hundert Schritte lveiter gerannf, so ^schien ein hohes Kolleg im Portal des Hanfes, mit feuern roten Köpfen, als hätten sie die Hölle angeblasen, schnaufend, pustend, schtveißtriefend, bebend vor Zorn und Wut!
Der graue Herr ging einige Schritte vorwärts, dann blieb et steyen. Es war Landgraf Subtuig VIII.
Mit liefen Bücklingen und ehrerbietigen Kratzfüsten nahten die Herren dem Regeltien. Der Kandidat sah das Herankommen und dre ehrerbietigen Gebärden. „Jetzt gehts zu.bösen Häusern, eÄ cht der Landgraf!" rief der Alteiltäter und warf seine langen Beine durcheiumtder. -
,,WaS gibts? Was ist vorgesallen?" fragte Luistvig VIII.. die schnaufenden und pusteudett Herren.
„Durchlaucht »vollen «Kergnädigst verstatten! Dieser abschen- liche Mensch, dieser Satan in Menschengestalt sagte — sagt« —" stotterte der Präsident, dann blieb er stecken.
„Heraus mit der Sprache! was sagt« der Flüchtling?" fahl der Fürst.
„Man kann es nicht wiederholen, Tnrchlancht, halte» zu Gnaden--" keuchte der Präsident.
„Na! na! was ein solcher Mensch behauptet, können Ei« Mstandslvs tviederhvlen, also heraus damit!" befahl der Landgraf.
„Er sagte — sagte — Durchlaucht Wien allergnädigs» ver- zeihen — wir sollten ihn — ---,!"
„Svoo!" antwortete der .Landgraf; „eilt das so?!" SprackO, liest, die Herren stehen und ging weg.
Eine Sßodje spiter trat der Kvtrsistorialbote bei den» Kandb- datrn ein und überreichte ihnr ein Sck>reiben mit takergnostem Siegel.
Es war das Dekret für die gewünschte Pfarrei.
Gg. Schäfer.'
Bilöer vom Ausbruch des Aetna.
Vvm jüngsten Ausbruch des Aetna gibt Luigi Barzini, der ausgezeichnete Korrespondent des „Corriere della Sera", der fä- fort an die Statte der großen Katastrophe geeilt ist, eine er- schöpfende Schilderung des gewaltigen Naturschauspiels. Tenn als «in großes Schauspiel wird der Ausbruch von allen Augenzeugen empfunden; nur in den ersten Stunden, «he der Laus der Lava erkennbar wurde, bemächtigte sich der Bewohner de» höchsten Dörfer Bangen und Sckjrecken. Nnn, da man die Gewißheit hat, daß Lebensgefahr nicht droht, so lange sich nicht neue Krater öffnen, genießt man wie in einem Theater daß wundervolle Schauspiel, und an allen Stätten, wo nach der Meinung! des Fernstehenden Angst und Grausen herrschen, waltet Fröhlichkeit und Freuden über die guten Einnahmen, die die Tausende von Fremden bringen, die herbeigeeilt sind, mit den Zorn des Ketnas zu sehen. Bon weitem ist der mächtige Berg in dicht« Rauchwolken eingehüllt; nur der feurige Widerschein am Himmel läßt die Stätte ahnen, aus der Feuer und Zerstörung ihren Weg neljnien. „Während Wir mrf den schmalen Bergpfaden empvr- klimmeu, haben wir fast den Eindruck, a!S ob der große Ausbruch versckKvunden und als ob alles nur eine große, furchtbare Täuschung getveseu sei. Die herrliche Landschaft unter uns, die irrt Mondlicht gebadet silbern flimmert, nimmt die ganze Aufmerlsanv- feit gefangen. . . Aber plötzlich bricht ein hohles Brausen los wie hundert TvnnersckMge, die Lust wirb erschüttert und von Hügel zu Hügel pflanzt sich das Echo fort. Taim erstirbt dies zornige, majestätische Dösen, und wir fühlen die Erde unter unsere« Füßen beben. Tas ist der grollende Aetna, der sich in feinen! Tiefen reckt. Mit dem furchtbaren Donner verschwindet die Fröhlichkeit der Bergsteiger. Wie drtrch ein Zauberwort erlischt das Gespräch, und in bangem Schweigen bringen wir weiter vorwärts. An einer WegkrüMmnng sehen wir dann die Lava, diesen gewaltigen Strom glühender Felsen, der eher an ein schreckhaftes
„Kam da emes Tages ein Manu, so etwa 38—40 Jahre alt, fchivarz angetan, lang und hager und blaß, aus dem Hause her- Mrs, worin das Konsistorium seine Sitzungen hielt und wäre um -m Haar mit einem in Gran gekleideten Herrn zusammengeftößm, •er grade vorüber gehen ivollte. „Na, hat Er keine Augen!" tief der Graue den Schmerzen an. „Verzeiht meine 'UngMick- »ichkeit, Herr!" entschuldigte der Schwarze, „aber wenn ein Mevsth solches Mißgeschick hat Wie ich, kann ihm Hören und Sehen vergehen."
„Sv, Er hat Mißgeschick!" erwiderte der Grane und schaute -en langen, hageren Menschen teilnahmsvoll an. „Was hat Er jür ein Metier? Wo seUts?"
„Ich bin der Psarramtslandidat N„ war zum fünstemnak Heim 5konsistprium, bin schon unzähligemal übergangen worden! Nnd Wbe nie eine Pfarrei erhalten, weil ich weder einen Vetter, »och «men Onkel, noch eine Base, Noch mm smcstigeu Fürsprecher habe imb muß zuletzt noch mit meiner Braut verhungern " — „Wie lauge ist Er verlobt?" — „Siebzehn Jahre und einige ©iouate,Jcertee Herr." — „Also dient Er schon länger als Jakob p.m dte Rahel." — „Und nichts zu reißen, nichts zu beißen, ich »tu dieses Janrmrrl«l>en müde und stürze mich nächstens in den! Rhein."
„Na, na, nicht so hitzig! Er muß es noch einmal probieren, MNß den Räten den Text lesen, daß es ein« Art hat/' — „Hafr F? soeben getan, da ließen sie mich hinausweisen; ich weift nicht, tot« ich es besser machen soll."
„Ta scheint Er ja ein zartsinniger Prediger zu sein! K?nnt Er nulst das Schreiben, das Tr. Luther an den Herzog Einich von Braunschweig gerichtet hat? .Tort fommen kräftige Worte vor, he?"
„Herr, teer Sic auch sein mögen, Sie wlssen mehr als znancher Konsistorialrat, ich gewinne Vertrauen: zu Ihnen. Heute «n ackst Tagen wage ich es noch einmal. Werfen sie mich hinaus, so gehe ich zum Kaiser oder zum alten Fritz, lasse mich »mverben mtb werde Soldat, da können sie mich---!" (Hier
«ebrauck'te der Kandidat drei Worte, die Götz von Berlichingüm hem Trompeter zurief, der ihn aussvrderte, fich zu ergeben.)
Der graue Herr brach in schallendes Gelächter aus und ant- «vrtete: „Gut! gut! Das kann helfen! Kimme Er heut in W Tagen Wieder um dieselbe Stunde; gehe Er zum Konsistorium
Ausdruck für Angst und Schrecken.
IV.
Im November begannen die Treibjagden; Raitte-iibustH sorgte MS für einen guten Stand. Zuweilen brachte ich viel zur Strecke, dann aber auch wieder nichts. Tas hatte seinen Grund daß ich mich nicht ruhig genug verhielt oder das Wild verpaßt«, weil ich in Gedanken mit anderen Dingen beschäftigt war. Im Gebirg gehen die Böcke leicht zurück; deshalb stellte Mich Rantenbusch beim letzten Jagen — es war in der vierten Jannarn.Dche — auf den Rückwechsel, wo ich einen starken Bock zur Strecke brachte. Das Treiben fand im Felsberg statt. Beim zweiten Trieb kam ich nnmittellmr über den Weg zu stehen, per dicht am großen Felsenmeer« Von West »rach Ost hinzieht, „Heer wurmt sicher ein Fuchs!" ermutigte Rautenbusch; „ruhig! »erhallen, scharf zielen!" — Das Treiben begann; eine Viertel- Munde mochte ich gestanden haben, da er! ' " . ’ / /, :
von Osten her; es wurde stärker, der Erdboden zitterte, gk Wipfel her, hohen Buchen kamen in Bsvegimg, die mächtigen! Blocke des Felsenmeeres rieben sich aneinander, daß es knirschte, tote es geschieht, wenn eine schwere Steinwalze ilber eine frisch- »eschotterte Straße fährt. Unter dem Erdboden schien sich eine Ungeheuere Schlange hinzuwälzen, die mit ihrem Schwanz beim VerickW-inüen noch einen fürchlerlicheat Schlag gegen die Ober- Wiche tat. Ein Fuchs schoß zwischen zwei Felsen heraus und v» eme andere Felsspalte hinein. Ihn hatte das Erdbeben — das w, das damals den Odenwald, die Rheinebene und besonders »as Ried mehrere Monate in Aufregung erhielt — aus dem Dan getrieben. Ter Trieb während des Erdbebens ivar völlig »rsoighs: Schützen und Treiber hatten das .Gefühl von UeblicK leit, von einer Art Seekrankheit, von Hilflosigkeit. Aehnlich war rs mc einem Eisenbahnzusammenstvß in der letzten Augustwvchie
Nvtschen St. Ahold und Fanlancnwnt nachts gegen elf Uhr. Bei Erdbeben und Eisenbahnzusammenstößen verlieren die meisten Menschen ihre Kaltblütigkeit.
Abenirs saßen wir beim „Rieseiilampert", der auch von ‘bet J agd Partie war. „Mir ist mein Weißgeng beiqefalleu *), als der Schlag imter meinen Füßen Losging," meinte der eifrig« Nimrod.
„Vielleicht ähnlich wie jenem Pfarrkandidaten, der Ernt Konsistorium im Auftrag des Landgrafen eine unartige Antwort leben mußte," fiel Rautenbusch ein, der ziemlich aufgeräumt Mw deshalb zu Mitteilungen geneigt war. „Dann heraus mit »er Geschichte," hieß es von allen Seiten, „ivenns auch kein Kagdstückchen ist," Rautenbusch zwirbelte den Schnurrbart und »eganu:


