Vonnerstag den L April
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Ihres Vaters Tochter.
Ronran von Sulu von Strauß und Torney.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
29. August.
Ich habe wieder in Bernardis Briefen gesucht, unt nßcub welche Anhaltepunkte für diese nächsten Jahre in Baters Leben zu finden. 'Nachher fiel mit ein, daß das xa von vornherein vergebliches Suchen sein mußte. Vater war ja damals eben zu Bernardi nach München gegangen, •bw zwei hausten, hungerten und hofften zusammen. KZater schlug sich durch mit elend bezahlten Zeitungsartikeln. Er erzählte mir, tote er bisweilen morgens den andern geweckt hat: „Du, wieviel hast du noch? Ich bin ganz blank. Wovon werden wir heute satt?" Bernardi hat sich gähnend E.,,Bett umgedreht: „Geh wieder schlafen, Junge. Wer schläft, spart das Essen. Wir wollen uns heute besinnen."
Ms dann plötzlich der Tag des großen, ersten Erfolges kam, den die Kameraden aus der Boheme mit Sekt begossen! Und der Morgen darauf,, an dem der erste Kritiker der: Mann des Tags in dem ungeheizten Atelier suchte, wo er eben für Bernardi und sich den dünnen Tee zum Frühstück braute!
. Das ist das einzige, was ich durch Vater selbst davon weiß. Irgend etwas Schriftliches aus der Zeit habe ich nicht gefunden. Bernardis Briefe setzten erst später wieder 'ein, als Vater in Göttingen und später in Berlin war.
Wer etwas anderes fand ich, was ich nicht gesucht hatte : eine liebe, traurige, kleine Geschichte in ganz wenig Worten, durch die mir vieles klar geworden ist. Zwei Briefe, bald nach Vaters Fortgang von München, etwa ein halbes Jahr auseinander.
.Den ersten verstehe ich nicht ganz, er hat mich zum Teck peinlich berührt. Bernardi hat oft einen sonderbaren Ton in seinen Briefen, den sich Vater wohl nur nm der alten Freundschaft willen gefallen ließ. Er fängt immer abrupt an, ohne Einleitung und Horrede:
„Die L. M. >var heute bei mir. Mensch, was hast Dar mit der denn wieder vorgehabt? Das arme Mädel dauert mich. Wann wirst Du endlich vernünftig werden? Bist sonst so ein netter Kerl, wenn die verd— Schürzen nicht wären.
„Der Goethe? Laßt's mi aus ! Wann Du leistest, was der Goethe geleistet hat, kannst Dn's auch machen wie er. Mer erst beweisen.
„Du wirst. Dich noch mälverrennen, das seh ich schon. Und ich hab nicht Lust, immer Deine Dummheiten in Ordnung zu bringen!
„Eigentlich , sollte ich froh sein über diese neue. Da brauche ick) ^D-eine Konkurrenz auf einem gewissen Punkt
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„Wenn Du zu Dibelins' gehst, erzähl der kleinen Ann« von mir. Und paß ans, was für ein Gesicht sie daz«. macht. Hörst Du?"
Die kleine Anna Dibelins war meine Mutter. Dieses! feine, kinderinnge Köpfchen, das der Bernardi, dieser derb« Mensch, mit so ehrfürchtig zarten Silberstiftstrichen auf das weiße Blatt gestellt hat.
Der zweite Brief ist nur ganz kurz, Jin Frühjahr 1874 geschrieben:
„Daß ich Dir und ihr alles Güte wünsche, weißt Duf Daß ich zur Hochzeit komme, wirst Du Glicht verlangen. Ich! packe diese Woche auf und fahre nach Paris. Ein alteR Plan. Mensch — Dr. Peter Florenz Weddigen — Div gönne ich sie am ersten. Aber der Teufel soll Dich lebendig holen, wenn Du d> ihr nicht so gut rmrchst, Ivie solch eh£ feines, gläsernes Seelchen es nötig hat!"
Ich weiß jetzt, was zwischen den beiden standj!
Vater hatte damals fernen Doktor gemacht und wälz als Professor nach Bonn berufen. Erstand fest auf eigenen Füßerr. Er konnte seiner Fran eine Eristenz und ein Heim bieten.
Mer ich weiß, ohne daß er es mir gesagt hat, daß es ihm weh genug getan, so über den Kameraden wegschreiten zu müssen. Ich liebe diese Feinfühligkeit an ihm, die ihm verboten hat, mir je davon zu sprechen.
Aber auch dem andern muß ich gut sein mit seinem tapferen, wortkargen Verzichten. Er tut mir leid.
Ob er wohl noch lebt? Und wo? Ich möchte ihn kennen. Vielleicht würde er jetzt gern von ihnen sprechen und erzählen, da sie beide mit uns hier unten und unsevrl unruhigen Wünschen nichts mehr zu schaffen haben!
„v. 31. August,
Mittlers Brautbriese! i
Ich habe fast ängstlich vor denk dünnem Päketchen mit der fernen Schnlmädchenschrift gestanden und mich nicht getraut, sie anznfassen.
Durfte ich sie lesen? Profanierte ich da nicht etwas, das nur diesen beiden Menschen allein gehörte und kenrem Trrtten?
Fremde, unberufene Neugier ibäre Prosanation, ja. Mer ich bin ja ihr And! Ich habe ein Recht, darcrus, ihnen so nahe zu kommen, wie es nur möglich ist ohne ihre lebendige, persönliche Gegemoart. Etwas anderes können sie mir janicht nrehr gckbm als dieses!
1. September.
Kleine, steife, schüchterne Mädcherrbriefe auf ordentlich in der Mitte geknickten feinen Bogen. Zuerst „geehrten Herr Doktor" uitb natürlich „Sie". Darrn fortschreitend M der Anrede „lieber Herr Doktor". Und endlich :
,Meber Peter Florenz, weil Du willst, daß ich beul Vornamen und Du sagen soll, nmst ich es rvohl tun, wenn es mir mich noch sehr sonderbar vorkommt."


