Ausgabe 
7.3.1910
 
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Andruck nicht los, als wolle er zeigen, mit wem er, Louis Droestgl, an einem Tisch gesessen. Es fehlte Farbe, MegenMndlichkeit, ja an geordnetem Gang. Der Mann, der den Herren bei der Jagd ganz hübsch seine Erlebnisse W berichten wußte, der ben Damen in leicht fließendem Geplauder nach Tisch allerlei zu sagen hatte, konnte nicht erzählen. Einen Bogen nach dem andern legte er zur Serie, indenr er dazwischen warfes würbe noch viel interessanter^. Doch es blieb das gleiche Wortgeprassel, bei den, immer ein selbstgefälliges Antlitz hinter den Leuten stand, die all diese Seiten beleben sollten Ludwig Droestgl.

(Fortsetzung folgt.)

ein.

tr kommen

tote ein

toö auf der Galerie : Rnhelager des Al-

Altzmnbra.

Bon Hans von Kahlenberg.

Tie Alhambra wirbt toie eine orientalische Geliebte, «ine der zärtlickM», sanften und stummen Sklavinnen, die blonder, nordischer Eroberer, ein Graf von Gleichen oder ..... Ritter des Löwenherzigen Richard, sich als Beutestück mitgenommen hätte. Wenn man ans dem Norden kommt, von Kastiliens Katlse- dralen unb von Belasqnez' gedankenvoller und geistreicher Kunst, überwältigt sie zunächst nicht. Mail begreift die Verachtung der kastilischen MöuchsriUer, die den Mauren Sinnenlust, weibische Trägheit und Ueppigkeit vorwarfen. Dort in der Hall« der Ge- fankten, vor König Boabdil im bunten Seidenkleid des Orientalen, inmitten seiner betirrbanten Großen, in der Pracht der azurblauen, roten und goldenen Wände, der kassettierten Cedernholzdecke, des überreichen Trvpfsteinspitzenbehangs der Wölbungen, während draußen weiße Marutorsprmgbrmmen Silberperlen m goldne und vvalne Sonnenflut ivarfen, stand eisengepanzert won ^uan de Vera, der die Herausforderung seines Fürsten iiberbrachte , Nach höfischer Sitte ivird ihm ein Geschenk, ein Eunatar aus fernstem! Damaskusstahl gereicht, der Schmier erwidert nut schneidender itttb eisiger Courtoisie, daß er Äetegeilhelt zu finden stosst, em so königliches Geschenk auch würdig anzuwenden. Emer der, huma­nistisch geschulten, tute ivürden heut sagen der modern gebildeten Abeneerragen, fordert beit Abgesandten der Katholischen Könige zu einer Disputation über das Wunder der Unbefleckten Empfängnis heraus; dem tapferen Ton gewährte dis Jungfrau, daß er jujt diesem Frechen in der nachfolgenden Schlacht dre Lästerung Mit seinem guten Schwert in den Schlund zurückstoßen durfte.

Uiid tote er geschworen, Kern um Kern, einen nach dem andern und einzeln, zerpflückt König Ferdinand diesen Granatapfel, Granada! Boabdil, in Tränen, muß fliehen, seine Mutter A'ischa höhnt den Flüchtenden: Wenn du Nicht wie em Mann beut Sclrwert führen konntest, weine jetzt nicht tote ein Weib!

Noch immer sind wir auf Seiten der stolzen, alten Sultan« mtb gegen Boabdil, den Besiegten, den Chico. Wir selost haben den Schritt des Eroberers, indem wir die zertrumnrerten Hallen durchstreifen. Wir gehören zur anderen Rasse, zu den Taten- und Willensmenschien. Dies hier wehrt sich nicht und lampst nicht, es ist wassenlose Schönheit, verwüstete, zerbrochene und geschaitdete, die SckÄnheit der Witwe und der Gefangenen. Wir möchten manche der Verzierungen kleinlich finden. Ist dies großer Stil »ber Ist «Z Spielerei? Tie Löwen des berühmten Brunnen», haben wir hundertmal gehört, gleichen dickköpfigen Hunden. &te Farben­pracht der Wände ist verblichen, vielleicht noch zwanzig ^ahre, höchstens noch stinfzig, stcht der ganze Zauber. Alles Material war ja unedel, war auf Täuschung berechnet, GM aus Gnßsorinen!

Und daun werden wir nach und nach stiller, wir Horen auf zu kritteln und zu vergleichen, unser Fuß heot sich Wverer, stockt gebannt in der durchsonnten Emsamteit eines schweigenden .j^angehoss, vor dem Echo im leerenBad, im die Lautenspielerinnen verstummt sind,, vom Ruch Sovens kein zärtlicher oder gestrenger Gebieter lauscht. ieben Tag wieder und trennen ims zögernd. Euie Betäubung!, ein heißer, schwerer Mantel von Träumen ans Sehnsucht und kam^nM'n^er fort von Uer!" sagte ein Engländer, der die ganze Welt befahren hatte, mut im Muten Jahre ui einem verwunschenen Carmen zwischen Lorbeer- und ZhPressenhcckcii hauste.

Ter Alhambrahügel ist der wirkliche. Horselberg Man be- areiit daß die Sage hier das Paradies hmlegen konnte und hm- N nmsste Tm Ring der Schamberge umschließt einen immer­grünen Garten, lvo beständig die Wasser "«neu niib riesesti , neben Uns den Berg hinunter hüpft es schneller als wir, schaut ans tiefen Brunnen und sstüveustauten Becken chrimf, sprüht ur zauber- hasten zitternd seinen Bogen durch die Lust. Jin 6 "'Rings bewegt diesen lllmenhain der Liebesgesang von tausend -<acch tigallen, Ke Rosen welken im Winter nickst, und wer durch die zerbrochenen Turmfenster im Mira dar der Königin hinabschaute, SÄn Smbetanvefc an Willenslähmmtg, wie er, den Elfen oder Nixen ans die Brust geschlagen

Es gab einmiül eine Kultur, WissensckNst un» Kunn eme» ganzen Volkes, die der Lust diente, und nur der Lust, so anK- ähAeßlich unbefangen und kindlich gläubig Htie je-ne_®t£nuiimen, die bloß fingen, tanzen und schön fein Sonnten, «ne smd ge-

Wrlich, diese Stummen, mit Spezereien gesalbt, in Würzen tiiiS Tüften gebadet. Ein ganzes Bataillon von Susftagetten würde nickt soviel Manneskrast zerbrechen, soviel Tatendrang dämmen. Und wer ihnen doch entflieht, wer den Rückweg sand, den locken! die weichen, umflechtenden Arme, er sieht in der Nacht di« werbenden, stummen Augen. Unerträglicher Schmerz wie di« Traurigkeit des Mhrteuhoses bannt ihn, als ob er der Welt Seligkeit unb Allertraurigstes erblickt. Tein Prsfauen MS ei« Hof mit einem trüben, grünen Wasserbecken, worin gelbe, nnp tadelige Bögen sich spiegeln, durchschnitten von zwei Rethen tief* dunkler Hecken. n

Es ist der Hof, wo Häuflet fernen Monolog von der .Zecke« Spott und Geißel, von des Stolzen Mißhandlungen und be? Rechtes Aufschub, sprechen müßte. Tie. großen Katzen recken sich, wenn die bÄnsteinfarbne Sonne die weißen Schäfte der in «taub- fädenanmut emporgeschossenen Säulen badet,.wenn StemgebildZ »n festlichen Blumenkränzen, zu Strahlengespinnsten werden, als singende Klange entschweben, und der Marnwrsupboden tn.ocker- itnb rostroter Inbrunst ausglüht. Tann tanzt sie dort, schleierlos, Salome, Sulamith des hohen Lied's, deren Brüste ime Rehzimlüng« findTeilte Lippen sind wie eilte scharlachfarbne Schnur.. wem Hals ist eilt elfenbeinerner Turm. Wie ztvei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat, flehen Deine Lenden gegeneinander

Tu bist allein mit ihr auf dem Berge Iah fallt der rohs Fels zum Tarrv ab, der deut $enit Blut statt Wasser zifliihrte. Bon der anderen Seite glänzt silbern und unerreichbar der scheitel t*8 graste, Lindaraja und Isabel del Sol! Ein Dichter Euch ein Haus gebaut, ein seiner, freier und königlicher Dichter Aber die Riesen, aus Rebel geboren, in Hohlen hausend, haßten! das Werk des Lichts, sie erschlugen beit Dichter und zertrümmerten

Nun schürften ihre Enkel zwischen Schutt und nrümmern, sie stückten die zauberhaften Bögen wieder zusammen unb zünden oie silbernen, hängenden Lampen an, worin Harz und Weih­rauch duftete, breiten unter Eure Miße die. bunten, upmgen Ge­dichte der Teppiche. Mir Glieder, unsterblich tote Verse, die sie besungen, locken zarte Seidengesprnnstx, Stickereien der Tempel, die feurige und geschmeidige Liebkosung edler Metalle und Sterne.

Tie Lauten, die zerbrochen find, MngM Eine überreif« Orange löst sich aus verschwiegnem Laub und fällt mit trägem Aufschlag zu Boden Am Eomarestnrm zückt eine armdicke Spalte gleich einer züngelnden Schlange aufwärts. Tie Sonne brütet über dem Mhrtengehege.

Jin Sommer findet in München eine große Ausstellung, von Meisterwerken innhammedanischer Kunst statt, die auch die phantastische Kulttir der Alhambra-Perwde umtaßt.. Dre An­sage der Ausstellung, die geradezu die. Entdeckung enter bisher nur wenig bekannten herrlichen Welt höchster Kunst mch Kultur verheißt, hat den Verfasser, der in der literarischen Welt entert geachteten Namen erworben hat (Hans von Kableitberg ist der Teckname für Helene von Motibart) zu der vorstehenden Betrach­tung angeregt.

Zoldütenlleö Volkrüed.

Es war auf einer Strecke der sächsischen Eisenbahn Nachts. Das Licht hatte ich abgeblendet und versuchte zu schlafen. Bremsen, Halten, Weitersahren in schläfriger Folge. Da, an einem Halte- punkte Stimmengewirr. Die Tür fliegt auf, Stteselgepolter, et« blitzendes Seitengewehr blank gezogen über mtr und cm mich lachend weckendes Soldatengesicht. Dichtgedrängt von helmkehrenden Reservisten der ganze Wagen voll. Erne laute Stimme beginnt ein Lied Der ganze Chor fällt krafttg em. Es ist etne Ballade, nicht aus dem Tingeltagel, sonderii aus dem Volk, nut modernem Stoff. Bon den vielen Versen einer etwa:

In Hamburg.. . . . . . leben, In Samt und m Seide gehüllt, Zur Mutter kann ich nicht gehen. Ich bin ja ein Mädchen fürs Geld. Ach Mutter, liebe Mutter . . ."

Das andre hab ich nicht behalten. Ein Sieb folgt dem an- dem, der Vorsänger wechselt, Bekanntes und Unbekaimtes. Da beginnt einerIch statt' einen Kameraden". Schon bet der dritten Zeile ändert sich die Melodie wesenttich. Einen Schulmeister hätte es geärgert. Kaurn ist die erste Strophe gesungen, da WW8: ' *i«l W!

Gib Herz und Hand

Fürs Vaterland!

Wie Vöglein im Walde, Die sangen gar so schön, . In der Heimat, in der Heimat, Da gibt's ein Wiejdersehn."

R<.,t singen sie die zweite Strophe:Eine Kugel kam ge­flogen." DasGloria Viktoria!" stampft über ine Geflillenen hinweg, wieder singen die Vögeleiii, unbekümmert um Blut und Leichen, wieder dieser Schluß mit der Heimat. Die letzte sttopher Will mir die Haiib noch neben, Dieweil ich eben lad.