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Roman von Georg Freiherrn von Ompted«. (Nachdruck verboten.)
Fortsetzung. >
Ludwig stieß . wütend den Ranch feinet’ Zigarre von sich: . . ,
— Es sollen nur alle wissen: ich stecke nichts em! Ich schicke so einem Herrn sofort den dritten Mann.
Der Oberstleutnant sah ihn eine Sekunde mit leisem Lächeln an. Dann steckte er den Kneifer wieder zwischen die Knöpfe seines Ueberrockes und sagte, Ludwig die Karte Mrückrerchend: „
— Es freut mich, daß Sie sich nichts gefallen lassen, aber ich denke, die Sache ist wohl erledigt. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Ich stehe Ihnen in jedem Falt zur Berfügimg. .Haben Sie meinen neuen Wallach schon
Sie gingen in den Stall. Der Oberstleutnant ließ das Pferd Herausstellen, während auf der Straße der Droe- siglfche Wagen im Schritt auf und nieder fuhr. Als die beiden Herren vor das Tor traten, kam er tm Trabe, hielt, und der Kutscher salutierte. Ludwig meinte leise, da sie nur ein paar Schritte vom Wagen standen:
— Herr von Herrnwerth, Sie meinen, die Sache t)t wirklich erledigt?
— Durchaus! .
Ludwig zögerte, dann sagte er ein wenig gewunden:
— Herr von Herrnwerth, es wäre mir ein großer Freundschaftsdienst, wenn Sie ein Wort fallen ließen, daß die tieitte nicht denken sollen, ich steckte so etwas ent . . .
— Gewiß, sehr gern!
Die beiden reichten sich die Hände. ..
Auf der Fahrt mit den schnellen Juckern klarte sich Ludwigs Miene immer mehr auf. Er atmete erleichtert, nahm'die Tischkarte heraus, zerriß sie in die ivinzigsteu Stücke, und auf der ganzen Straße bis Kölln ließ er einzelne Schnitzel in großen Abständen auf die Straße fallen. Aber nur bis zum Tor, denn feine eigenen Wege waren tadellos gehalten.
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Agathe war nach dem zweiteu Kinde etwas magerer geworden, hatte eine engere Taille bekommen uni> sah besser aus als je vorher. Das wurde von allen Seiten gesagt und sie nahm es auch erfreut entgegen. Aber nur darin regte sich die kleine, weibliche Eitelkeit, sonst toeL sie die treue, gute Frau, wenn auch das Hau unutterchen sich allmählich gewandelt, denn immer mehr hatte sie in Ludwigs Schule gelernt dem Schlosse vorzustehen.
Sie besaß nicht seine Kenntnis der Stile, aber dafür den besseren, einfacheren Geschmack. Er nahm s>e jetzt vfteis>
zu kleinen Reisen mit nach Paris, Wien, München, und nie kehrten sie zurück ohne Ankäufe au Bildern, Möbeln, Statuen, die irgendwo ihren Platz fanden. Ludwig liebte es, zu häufen. Dann schmeichelte sie ihm dieses oder lenes Stück, das ihr zu viel dünkte, ab, und es wurde anderswo hingeistellt. Sie hatte einen sicheren Geschmack für das, was vornehm war. Wenn er etwas zu Prächtiges, äuf- fallendes kaufen wollte, so sprach sie dagegen. Einmal^ gebrauchte sie den Ausdruck, etwas sei protzig. Ludwig blickte sie von der Seite au. Ein leises Mißtrauen war in ihm, etwas von der Liebe dieser Frau noch nicht überwundenes. Doch allmählich führte er das Wort selbst im Munde, und' bei einem zu wilden Barockrahmen, einer zu frischen Vergoldung gebrauchte, er bald mit Vorliebe diesen Aus-
Agathe drängte sich nie auf, und doch verstand sie es, mit der Zeit immer mehr Einfluß auf ihren Manu zu ge- winuen. Sie war klug genug, gegen Dinge nicht anzu- kämpfen, die ihn glücklich machten, ohne ihm zu schaden. So redete sie ihm Oskar als ständigen Begleiter auch auf der kleinsten Reise nicht aus, ja die Jungfer, die sie immer Mitnahmen, erschien ihr selbst schon eine Notwendigkeit.
Agathe genoß, was ihr Man» i# bot, nahm es aber nie als etwas Yin, das ihr gebühre. Jedesmal, wenn sie aus dem Theater kamen, gab sic ihm einen Kuß:
— Du hast mir solche Freude gemacht!
In Museen und Konzerten ging ihr eine Welt aus, von der die Tochter des wilden Jägers von Kölln nichts geahnt. Ludwig kannte Ursprünge und Anfänge eines jeden Künstlers! gerade sein Emporkommen interessierte ihn am meisten. Agathe begriff nicht, wo ihr Manu die Zeit hernahm, sich, zu unterrichten. Sie fand, er habe alles gelesen, wenn sie auch nicht beurteilen konnte, wie weit er vielleicht nur blätterte in all den Neuerscheinungen, die sich in feiner Bibliothek häuften. Manchmal hörte sie ihm zu, wenn sie Gäste hatten, indem sie ihrem Herrn, der ihr Tagesplattheiten erzählte, nur scheinbar lauschte. Sie selbst behielt ihre einfache Unterhaltung, jetzt vor allem über das Gedeihen ihrer Kinder, die größer und größer wurden und schon in ihren englischen Matrosen-Anzügen nach risch den Gästen eine Verbeugung machen mußten. Es waren hübsche Jungen mit großen Augen und dem vornehm ge- chnittenen Gesicht ihres Vaters, viel vornehmer als das der geborenen Gräfin Kölln, das trotz der etwas scharfer gewordenen Züge immer noch nichts Aristokratisches hatte. Nach den Kinderfrauen waren Nurses und Goveruesses und Mademoiselles da gewesen. Jetzt saß schon der erste Hauslehrer mit am Tisch. , .
Er war Ludwig von Graf Regnier empfohlen worben. Als die alte Gräfin Lindenbach, die merklich alternd nur nocli selten die. lange Wagenfahrt nach Kölln herüberwagie, davon hörte, hatte sie abgeraten, den Lehrer zu nehmen. Sie sagte: ,
— Entweder er ist ivie „Seine Exzellenz" selbst, dann


