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GegKüMri Wut woch das Fest derer, did tirt harten Kampf um das Ttasein Laune tritt* fwheir Humor M bewahren konntw. Viele der alten Bräuche, denen einst ganze Städte, ganze Landstrichs in fröhlicher Treue folgte», sind geschwunden: wo sie noch fort« wirren, da ist es meist bei der LlMdbevMenmg, die zäher an den allen Sitten hängt als der wandelbare Großstädter; aber auch abseits der großen Städte macht eine neue Zeit ihr Recht gek- tend. Einer der tvlmdevkichsten und lustigsten Karnevalsbräuche ist die „WeibersastnaM", die ini südlichen Elsaß und,.im wikttcm- dergischeu Zabergau alljährlich jung lind alt im frohen Faschings- taumcl mit sich fortriß. Ini elsäßischen Sundgau führte der Fastrmchtsmoutag den Namen Hirztag, von „Hirzen", zechen. T«S war der Tag der Frauen und Jungsrauen, denn sie Meist hatten daun das Recht, die Wirtshäuser zu besuchen. Die Männer mußten zu Hause Weiden) ja, durften sich nicht einmal an den Frnstsm zeigen. Wagte es einer, diesem Verbots zu trotzen, so fiele» die Angehörigen des weiblichen Geschlechts über ihn her und pfändeten ihm Hut oder Mutze, die,er nur gegen einige Schoppen Wein räflssen konnte. Die Weiber kamen, zum größten Teile maskiert, mlf dem Marktplatz zusammen und brachten Lebensmittel wie Braten, Kuchen usw. mit. Ans dem Gemeinde- fttter erhielten sie- daun zwei Faß Wern, luden diese auf rät! drollig ausgeputztes und mit Schellen behangenes Pferd, welches ein vermummtes Weib führte. Jeder Wirt und Bäcker mußte ihnen einen Laib Brot liefern und die Gemeindekasse spendete ihnen 12 Schillinge, die zum Ankauf eines Bockes Verwandt tourtet, der ebenfalls aufgePntzt wurde. Das Pferd mit dem Wein und den Bock in der Mitte zogen mut die Weiblein die Dorfstraße entlang. Jeder, der des Weges 'tat, wurde gezwungen, Um ter Bock zu tanzen. Ein solennes' Zechgelage schloß die Feier. Im Münstertale, itto die Sitte ebenfalls bestanden hatte, wurde sie bereits im Jahre 1681 abgeschafft. Auch in anderen Teilen des Elsaß scheint eine ähnliche „Weiberherrschaft" am Fastnachts- montag üblich gewesen zu sein, wie aus' einer Stelle aus Mosche- nos,chs „Philander von Sittelvald" hervorzugeheu scheint, die lautet: „Bor Zeiten, als die Weiber Meister waren, trug man krumme Hörner an den Schuhen, vornen zu mit Knöpfen geziert, dräen uns das liebliche Küchenliedchen noch jährlich erinnert: „Sp'tze Schuh und Knöpflein dran, die Frau ist Meister und Nicht der Mann!" Diese elsäßischen „Weibertage" hatten ein Gegenstück in der Weiberzeche des Zabergaus im Württembcrgischen. Bald nach Neujahr 'wurden in jeder Gemeinde einige Frauen gewählt, Ivelche von dem Ortsschulzen die Erlaubnis erbaten, zur Fastnacht die „Weiberzeche" abhalten zu dürfen. Diese Erlaubnis Wurde erteilt. Und so kanten die Frauen schott früh morgens an Fastnacht auf dem Rathause zusammen und hielteit.— und das War das Erfreulich: au der Sache — Gericht über sich selbst und ihre Tätigkeit im verflossenen Jahre, wobei dann alle vor- gekommenen Ordnungswidrigleiten in Küche und Haus zur Verhandlung gebracht und die schuldig befundenen Frauen entsprechend verurteilt wurden. Die Urteile waren manchmal recht hart. Wer %• B. der Unsauberkeit bezichtigt tvurde, mußte Kinder oder Mchengeschirr vor den Richterinnen im! Rathaus reinigen. Widersetzlichkeiten gab -es nicht, da sie die Uebeltäterin aus der Ortst- gememschaft würden ausgeschlossen haben. Nach der ernsten Sitzung aber, begann der Festschmaus. Bürgermeister und Schultheiß fungierten als Kellner. 'Die übrigen „Mannsbilder" waren fhsatg ausgeschlossen. Es war jedermann streng untersagt, über das, was der diesen Zusammeukünst-M geschah, rävas zu verraten. Wenn Uran trotzdem der Veranstaltung den Namen „Weibrrzeche" bei- legte, so scheint das Verbot nicht gettart befolgt wvrden zu sein. Grmge Ehrontsten behaupten sogar ganz bestimmt, daß man sich nach der Gerrchtsvechandlung fleißig einsckenken ließ und das; Manche Frauen gar weidlich gezecht hätten. Unter dem Rathmtse sanden ftch Muntaten ein, die musizierten rach dafür bewirtet tourtet. _ Das Geschrei und Gekreisch soll oft nicht gering gewesen fern und sogar die Musik übertönt haben. Bor Anbruch der Nacht nach Hause zu gehen war streng verboten, aber Nm den gvoklendeu Ehemann ztt besänftigen, erhielt jede der Teil- uchm-ermncn noch ritten Klug Wein, den sie mit nach Hause nahm. Ttese „Wetberfastnachten" sind offenbar römischen Ursprungs und stehen zu den Mysterien der Geres in Beziehung. Bet den in Mm M Ehren der GrreS veranstalteten Festlichsten durste uäm- Irch ebenfalls kerir Mann zugegen sein, und in dem württem- bergrschen Orte Ochsenbach bei Gug'lingeti nannte man die Weiber- fastnacht das H-est der „Bonnett Deen", was offenbar von dem Ehrennamen der GereS ,,'bona dea" hergeleitet ist
Verin??Ä>Les.
, „ i,! Berechtigung und Wert des Souffleurs. Ter eiSchau,pteler , Friedrich Kahßler, der auch mit Beruf bEUleräch-tteg rft, gibt demnächst im Verlage von Erich Mö/Berltn-Westeud) em Buch heraus, das den Titel „Schau- spteler-Noitzett h'.fnt. Ennge Skizzen dieses Buches liegen uns ?s7'^llrunter eine „Ter Souffleur", die in eigenartiger Weise fes ^^butuug des Einsagers oder der Einsagerin und das Reckt .p^lers auf die unterirdische Hilfe motiviert. Kahßler geht ton der Voraussetzung aus, daß der Schauspieler, der ganz
ui feutct Rolle ausgeht, die Bühne am Mend der Vorstellung als em „zum zweften Male Nubefangener" betritt, der das' Stück neu zu erleben imstande ist. Wer das tut, sagt er, dem wird es ost begegnet sein, daß ihn sein anssetzendes Gedächtnis (das bet starker Erregung durch Anämie des Gehirns hervor- gerufen werden kann) oder ein Fehler des Bühnenavparate« aus der Konzentratton heransriß. „War ein guter Souffleur zur Stellender „rnttzugehen" imstande war und ihm das fehlende Wort schon im Augenblick, wo er erst Unsicherheit ahnte, ins Ohr schnellte, so kam es gar nicht zur Stromunterbrechuiig. Weiß der Schauspieler von vornherein, daß für solche Fälle der Souffleur nut absoluter Sicherheit einsteht, so fällt auch das monientane Erschrecken fort und die Konzentration bleibt vollkontmett und lückenlos erhalten. Ich kann mir selbstverständlich sehr gut vorstellen, daß auch wir deutschen Schauspieler es dttrch Uebung und viele Proben dazu bringen könnten, ohne Souffleur ztt spielen, ohne Unruhe — denn sowohl Gedächtnis wie Nerven lassen sich schulen bet guter Erziehung — aber wo bliebe dann die völlige Uttbe- sangenheit, dieses gleichsam wieder „Vergessenhaben" der Rolle vor der Vorstellung, um jedes Wort auf der Bühne gewissermaßen aus der Situation heraus im Gehirn neu zu bildest und „zum ersten Male" sprechen zu können? Jeder Schauspieler, der ohne Souffleur spielt — und wäre er vom erste» Tage feiner Ausbildung daran gewöhnt worden — muß, wenn er die Bühne betritt, in seinem Nervensystem eine beträchtliche Anzahl zu hellster Wachsamkeit angespannter Nerven tragen, d. h. den Souffleur in sich haben, einen zweiten, der aufpaßt; er ist also nicht ganz außer sich, er ist eltvas Zwiespältiges, er ist nicht mehr das unbefangene, in sich fließende, allgemeingültige, tausend Möglichkeiten in sich bergende und doch völlig geschlossene Wesen, das er sein mttß, wenn er heraustritt, um eine ihm fremde Gestalt darzustellcn. Ich möchte hier nicht mißverstanden werden : Es gibt selbst in dem seiner Rolle hingegebensten Schauspieler über der völligsten Konzentration immer noch ein winziges, tvaches Auge im Gehirn, einen auf der Grenze zwischen Bewußtem und Unbewußtem mit souveräner Sicherheit balancierenden eisern angespanntsu kleinen Willen, in den der spielendes Künstler selbst sich verwandelt hat, der jedes' Wort, jede Bewegung des in der Rolle befangenen, gleichsam schlafwandelnden Menschen peinlich überwacht, der das Maß des Ausdrucks bestimmt, das StrMmaterial ökonomisch verteilt, kurz einen Beherrscher der Situation. Es ist also etwas da, was nicht miispiel, was nicht aufgegangen ist in der sstolle, ein Rest wachen Gehirns. Soll dieses Etwas, das sowieso schon alle Mühe hat, seine tausendfältigen Funktionen an der Grenze des Bewußtseins zu erfüllen, ohne den somnambulen Zustand des Spielenden zu stören, soll diese winzige, bereits zum Zerspringen angefüllte Gehirnzelle noch überlastet werden mit einer Kontrolle des Textes? Nein, dann würden die Grenzen des Bewußten und Unbewußten ver- wischt und das zerstört werden, was mir die Grundlage aller reinen und ehrlicher Schauspielkunst zu fehl scheint, das völlige! Vergessen seiner selbst, das von allen persönlichen Zusammenhängen Losgcrissenseiu und Freischwebenkönnen int unendlichen! Raume des Kunstwerks. Oder sollten wir im Notfälle improvisieren ? Ich glaube, das läge weder in der Aufgabe des Schauspielers noch im Interesse des Dichters. Noch eine Kleinigkeit möchte ich nicht unerwähnt lassen. Jeder Schauspieler weiß, wie hinderlich für die Konzentration es ist, eine Rolle „zu gut" zu können. Für den Laien klingt es seltsam, aber es gibt in der Tat einen Punkt, wo der geübte und erfahrene Schauspieler auf- hört zu lernen, um sich de!« Text gegenüber jenes Maß. von Distanz zu wahren, das nötig ist, um auswendig gelernte Worts scheinbar zum erstenmal sprechen zu können." Das Ergebnis seiner Betrachtungen faßt Kahßler in folgendem originellen Gleichnis zusammen: „Der Akrobat kann sich aus feine Arme und Beine verlassen, und wenn er sehltrilt, lacht ihn die rohe MassÄ aus. Ter darstellende Künstler hat keinen Tropfen Blut übrig, um sich sein Gedächtnis als unfehlbare Maschine zu sichern. Er hat Edleres und mehr mit feiner Seele zu tun, was ihm ein Recht darauf gibt, Gedächtnissehler zu machen, ohne, wie der Akrobat, ausgelacht zu werden."
Zitateu-Rätsel,
Aus jedem der tolgenben Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Wer allen alles traut, bem kann man wenig trauen,
2. Das ist des Landes nicht der Brauch.
3. Ich gebe nichts verloren denn die Toten.
4. Nur der verdient sich Freiheit wie da? Leben, Der täglich sie erobern uuiß.
5. Lust und Liebe sind die Fittiche gu großen Taten.
6. WaS ist das Leben, wenn die Ehre fehlt ?
7. Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken. Was nicht die Vorivelt schon gedacht.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:
Das Glück i st eine leichte D i r n e.
Aktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerek, R. Lanae. Gießet


