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Geisterphotographien.
Bon Dr. A. H e l l w i g.
Geister Wegen gemeiniglich unsichtbar zu sein, uitb böse Skeptiker schließen daraus gar, daß es Geister überhaupt mcht gäbe. Daß das aber ein eitler Trugschluß ist, weiß ein jeder Spiritist — . uitb deren gibt es im kulturstolzcn Europa ititö Amerika mehrere! Millionen! Freilich sind auch nach spiritistischem Glauben die Geister meistens unsichtbar und nur durch von Geisterhand geführte, aber nichts desto weniger recht kräftige Maulschellen und — wahrscheinlich bei hübschen Spiritistinnen — durch herzhafte Küsse und ähnliche überzeugende „Teste" zu erkennen, wie uns wenigstens gesinnungstnchtige Spiritisten, die es doch wissen müssen, versichern. Mitunter aber gelingt es besonders tüchtigen und geschickten Medien, den Geist sichtbar zn machen, ihn zur „Materialisation" zu zwingen. Dann kann man an den Geistern physiog- nomische Studien machen: Der eine hat ein freundliches sympathisches Aussehen, zuweilen auch einen Lichtschein um das Haupt, und Flügel am Rücken, ein anderer dagegen ist von trotzigem, wildem und brutalem Aussehen. Wer trotzdem etwa noch daran zweifeln sollte, daß die Geister sich materialisieren können, der sei auf die unfehlbare Autorität des Professors Dr. mcd. Lapponr verwiesen, Leibarzt pes Papstes Pius X. und Leo XIII., der in, feiner „Medizin-kritischen Studie" über Hypnotismus und Spiritismus, die aber weder medizinisch tivch kritisch ist, folgendes Glaudensve- kenntnis ablegt: „Wenn die Geister eine greifbare Materialisation annehinen, erlauben sie, daß man sie berührt, umarmt, ihre Hände drückt, die jeder warm und wie lebendig sindet. Sie sengen mit lauter Stimme, setzen sich an einen Schreibtisch, geben schriftliche Antworten jedem, der sie fragt, lassen sich Stücke von . Kleidern und Büschel von Haaren abschneiden, welche die yn» schauer aufbewahren können, während sie sich inzwischen plötzlich wieder ergänzen. Zuweilen sind die Geister so artig, oatz. N« sich auch photographieren lassen, entweder beim Tageslicht, ooep beim Magnesiumlicht, oder, wenn man will, aiich NN Dnntein.
Sie.schlug die Augen nieder':.
— Ich habe dich nie ganz, allein!
— Und die andern?
— Aber wenn i ch da bin.
Er zog ihre Hände ein klein wenig gemacht an ine Lippen: t . . .
— Sie sollen nicht denken, daß du irgend ci-teit . . . - einen, — Flegel heiratest.
— Wer spricht denn davon?
— Nun, ich will mir zeigen, ihr sollt nicht, ich meine t— ich weist mich zu benehmen,
Sie svurde fast böse:
— Aber Ludlmg, >ver bezweifelt denn das?
Er sah sie scheu an, als wolle er etwas sagen, aber er meinte nur:
— Ich svill doch alles tun, was du willst!
Sie schmiegte sich an ihn:
— Bist du denn glücklich?
'-r- Sehr glücklich.
— Ist das ivahr?
i— Habe ich je die Unwahrheit gesagt?
Sie bat ihn um Verzeihung: z v. .
— Ich rede ja nur so. Du kommst nur manchmal so seltsam vor! Lieb mußt dil mich haben!
— Wer zweifelt daran?
Sie erschrak:
>— Ich nicht, aber —. — -ri.
Er sah sie scharf an:
;— Hat dir jemand was gesagt?
— Nein, nein, nie, niemals!
Er nahm ihre Hand und fragte in einem anderen Ton:
— Was sagen sie über mich?
— Was sollen sie denn sagen?
Sofort brach er ab :
— Ich meine ja nur so . . .
Dann zog er sie weiter.
In den nächsten Tage,! war es, als wiche er der Möglichkeit aus, mit seiner Brant unter vier Augen zu reden. Mber stets zeigte er die größte Aufmerksamkeit, nie hätte er es unterlassen, ihr eine Fußbank zn bringen, durch das ganze Zimmer kam er herbeigelaufen, lvenn ihr das Taschentuch entglitt.
'Gräfin Patsch sagte zu Gräfin Lindenbach :
— Etwas gefällt mir an dem Droesigl, daß er sich nicht immer mit Agathe so herumschmiert in unserer Gegenwart. Das wäre entsetzlich geschmacklos.
Die alte Gräfin antwortete.nur:
— Ich dächte, er hieße Ludwig?
Gräfin Patsch zog die Achseln in die Höhe und die Mundwinkel herab, genaii wie es die Prinzessin zu machen pflegte: .
— Bis er wirklich mein Schwager wird, ist ja noch Zeit. Uebrigens heißt er ja auch dann immer noch Droesigl.
Der Prinz machte am Donnerstag Anspielungen auf die Hochzeit. Mer es blieb bei allgemeinen 'Redensarten. Endlich schien er am Samstag soweit, zu erklären, weshalb' er acht Tage vorher erschienen sei. Doch er kam nicht zu Worte, weil die Prinzessin, von der Riviera, zurückgekehrt, erzählte, mit toetn sie in Monte-Carlo verkehrt, und wo sie gewesen wäre.
Ta sowohl Gräfin Patsch wie Agathe die Riviera nicht kannten, so wendete die Prinzessin sich hauptsächlich an Herrn Droesigl.
Gräfin Patsch sagte zu Leutriant Graf Regnier, der seinen Sonntagsurlaub benutzt hatte, unt die Prinzessin von Berlin her zu begleiten:
— Kommen Sie, Graf, das ist zu ledern. Wir wollen Ecartö spielen.
Und sie nahm vom Tisch eines jener kleinen Kartenspiele, von denen es int Schranke ihres verstorbenen Vaters eine förmliche Bibliothek gab, mehr als Bücher im Haus. Damit zogen sie sich in das Nebenzimmer zurück, dessen Tür offen blieb.
Endlich, als die Prinzessin gähnend sich die Hand vor den Mund hielt, faßte der Prinz Mut, sprang aus und begann mit einer bei ihm ungewohnten Entschiedenheit:
— Liebe Tante, ich weiß nicht, ob Ihr Euch schon überlegt habt, wie es mit der Hochzeit werden soll?
Agathe rief:
— Ach, nur einfach,. möglichst einfach! Schon wegen tzejv Trauer. Nicht wahr, Ludwig?
Der schien nun mit der Einfachheit nicht so ganz einver- standen zrr sein. Aber er kam nicht zu Wort, Denn der Prinz fuhr fort:
— Bitte, ich muß nämlich morgen abreisen. Wir fahren wohl alle morgen, Sonntag abend, nicht wahr?
Tie Prinzessin schien beizüstimmen, Herr Droesigl sagte etwas voti „dringend notwendig", nnb die alte Gräfin erhob! die» Stimme und rief zum Nebenzimmer:
— Graf Regnier, Sie müssen wohl auch morgen abend *?
Niemand antwortete. Ter Prinz reckte seine kleine Gestalt:
— Ich bitte, mich einen Moment anzuhören !
Tie Prinzessin sah ihn erstaunt an:
— Wir hören ja zu.
• Aber der kleine Prinz wurde plötzlich nervös:
— Ta sei doch nur ruhig,'jetzt will ich endlich mal sprechen!
Sie wollte ihm den Standpunkt klar macheri, doch fein' Ton klang so entschiedeii, daß sie erstaunt schwieg.
— Die Hochzeit muß bestimmt werden. Sie hier abzuhalten, ist wohl unter den obwaltenden Umständen nicht am Platz.
Gräfin Lindenbach meinte ruhig:
— Daran hat auch kein Mensch gedacht.
Doch der Prinz kiest sich von niemandem mehr unterbrechen :
— Bitte, liebe Taute, gestatte, daß ich weiterspreche. Jetzt sah auch die Gräfin ihn an:
— O, o, bitte!
Sie empfing einen Blick des Herrn Droesigl, der zu sagest schien: „wie kann nur jemand gegen eine Dame so wenig artig sein!" Aber der Prinz fand, er habe noch kein genügettdes Publikum und rief in das Nebenzimmer:
— Pauline, wir besprechen hier eine Familienangelegenheit. ‘
Doch sein Appell an die Familienzugehörigkett sattd drüben kein Echo, und er rief gereizt:
— Ich bin der einzige Mann in der Familie. Nun, dann denke ich, habe ich hier doch etwas. . . was seht iHv mich denn so an? Einmal will ich auch was bestimmen. Ich sage hierdurch... ich sage hierdurch, ich werde die Hochzeit ausrichten. Die Hochzeit ist in Haddeitsen.
Agathes Kopf war tief niedergesunken, und Herr Droesigl blickte zu Boden als eitler*, der nicht mitzureden hat. Die Prinzessin aber sah ihren Mann, den sie nicht wieder erkannte, beinahe erschrocken an.
(Fortsetzung folgt.)


