Ausgabe 
7.2.1910
 
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der finanziellen Verhältnisse abznwarten, la in Prinz Hohen-» gart -an einem Samstag mit Louis Droesigl in Kölln au.

Das Schloß lag stumm, und traurig da. Im großen Bankettsaal, im Bilder-, im Spiel-, in des alten Grafen Zimmer waren die Läden geschlossen, die Möbel Ali gedeckt. Die Damen lebten in dem Flügel. in dem sich die Schlaf- tzimmer befanden.Es ist genu tlicher", sagte man, in Wirk­lichkeit aber fürchteten sie sich vor oen großen, toten Raumen, und dis kostspielige Heizung sollte gespart werden.

Gräfin Patsch langweilte sich, nach eigenem Geständnis, um auf die Bäume zu klettern".. Denn bis auf ein paar Wagenpferde, die notwendige Verbindung zur Bahn zu unterhalten, standen jetzt alle Boxen leer.

So wenig sie sich auch ans Herrn Droesigl machte, seit­dem er seine Wahl anders getroffen, als sie vielleicht einmal gedacht, so freute sie sich doch, daß Gesellschaft kam. Der Prinz freilich saß meist stumm da, denn im Winter pflegte es ihm körperlich nicht gut zu gehen. Wer Herr Droesigl war die Liebenswürdigkeit selbst. Jedesmal, wenn er von Berlin herüber kam, brachte er irgend etwas mit. Mr Ugathe meist nur Blumen und Bonbons sie wollte von ihrem Verlobten nichts anderes haben für Gräfin Patsch jedoch wundervolles Briefpapier mit Chiffre und Krone, von einem ersten Laden Unter den Linden, eine Schreibtischs» Garnitur mit Sport-Emblemen ans Bronze, oder das Aqua­rell eines berühmten Neimp-erdes. Und er schien es nicht zu beachten, daß sie trotz all seiner Aufmerksamkeiten sich nicht eben liebenswürdig gegen ihn zeigte.

Er war nicht einer jener verliebten Verlobten, die den andern läistig werden, toeit sie nur Augen haben für ihre Braut. Nach Tisch setzte er sich wohl mit Agathe üi einen! Winkel, aber bald stand er wieder auf und widmete sich der Allgemeinheit. . . .

Es war ein Mlerweltswesen in Ludwig, rote Agathe ihren Bräutigam nannte, weil man in der Familie dm französische Form des Namens zu entsetzlich gefunden. Diese unpersönliche Art, die immer darauf bedacht war, korrekt zu fein, verstimmte Agathe ein wenig. Sie zog ihn dann wohl beiseite und sagte, mit leisem! Ausdruck des Ver­langens : , ..

Ludwig, bleib einmal bei mir!

Er sprach lieb mit ihr von der Zukunft, aber tntmee als stünde jemand hinter ihm. Und er konnte es nicht lassen, mitten in der Unterhaltung mit seiner Brant einen Satz zu den andern hinüber zu werfen.

' Wenn sie nur zu zwe-t durch die verlassenen Stalle schritten, war es sogar, als sei eine gewisse Befangenheit in ihm. Als sie durch die leerstehenden Kutscherwohnungen gingen, nahm Agathe seine Hand : .

Warum sprichst du nie mit mir allem?

Er blieb erstaunt stehen, die Manschetten eben genügend herausgezogen, faßte an seine Krawatte, ob sie auch den Knopf bedeckte, und sagte mit gezwungenem Lächeln:

r: Aber Agathe, sitze ich nicht immer abends bei dir?

Droesigl.

Noman von Georg Fr ei Herrn von Omptedck.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.»

Bei den Nachbarn, die ab nnd zu erschienen, den drei Damen über die stille Zeit hinwegzuhelfen, hieß der Ver­lobte mich nie anders als:Der Droesigl". Man fand, die Familie habe sich übereilt, es sei keine Notwendigkeit ge­wesen, die junge Grästn zu verschachern. Vergeblich suchte Graf Lindenbach zu erklären, es läge wirklich Neigung des jungen Mädchens bar, man blieb bei seiner Meinung, Agathe habe sich t>erSauft Voreilig, denn man glaube nicht an den Ernst der traurigen Verhältnisse. Doch bald schwirrten Gerüchte, das Schloß käme zur Zwangsversteigerung. Einige widersprachen dem ganz erregt:

Geht nicht, Kinder! Es ist Fideikomniiß.

Es war aber nicht Jideikominiß.

Nun sagte man, die Familie müsse alles aufbieten, um den alten Besitz zu erhalten, nnd die Herren, die des Grafen Kölln Pferde geritten, seinen Sekt vertrunken, mit ihm die Karte gebogen, kurz, ihm geholfen hatten, sein Schloß z^u verjubeln, entrüsteten sich darüber, daß die Familie nicqt in die Bresche träte.

Doch die gräfliche Linie ivar mit dem alten Grafen im Mannesstamme erloschen, nnd die Herren von Kölln, die schon langsam über den Bersicherilngsagenten und Zoll­inspektor in kleinbürgerliche Verhältnisse hinübergeglitten waren, hätten es nicht vermocht, auch nur ein Vorwerk zu halten. Ja, sie würden vielleicht nicht einmal einen Finger gerührt haben, auch wenn es ihnen möglich ge­wesen wäre, denn der alte Graf hatte zeitlebens keinen Gebrauch von ihnen gemacht. Was sollten bei ihm die kleinen Leute, die vielleicht nie auf einem lebendigen Pferde gesessen hatten?

Doch das allgemeine Gerede schwieg nicht. Man fand, Prinz Hoherigart müsse das alteKölln", in dem seine grau geboren, erwerben.

Wer der hatte selbst eine schöne Herrschaft in Schles­wig, und als nachgeborener Sohn besaß er weder genug, um ein Schloß von solchem Werte zu kaufen, noch es zu er­halten. Und etwa das eine aufgeben für das andere? Er hieß Hohengart und nicht Kölln. Er hing an seinem Besitz, während die Prinzessin Haddensen haßte, weil sie dort keinen Verkehr fanden. Die Nachbargüter waren im Besitz von Leuten, die nach Dänemark hinüber neigten und da des Prinzen Vater im Kriege achtzehnhundertvierundsechzig eine preußische Division befehligt hatte, so fehlten dort aus altem Haß Verbindungen.

Ms nun die Hochzeit näher rückte, die man hinaus- geschoben der trauer wegen und um vollkommene Klärung