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Rodheim lind in Krofddrf. Dis Familie Mr weit verzweigt und zählte 22 Glieder. Ritter v. Dernbach sollen im Kahre 1255 den Ketzer meister und Beichtvater der h. Elisabeth, Konrad von Marburg, totgeschlagen haben. — 17 4 9 wird bei der Taufe des Ludwig Helmuth Friedrich von Wrede als Patin erwähnt: „Die Wohlgeborene altrste Fräulein v. Der sch zu Salzböden". Adelige Herren von Salzböden gab es schon im 13. Jahrhundert. Die bekanntesten waren die Herren v. Rolsh ausen von Salzböden, die mit denen von Buseck verwandt waren. Sie haben in der Kirche zu Salzböden schöne Epitaphien. Die Dersche von Salzböden stammen aus jüngerer Zett. 1732 lebte eine geborene v. Ratshausen, die mit einem Christian von Der sch von Viermünden verheiratet war.
Auch die Familie von Bus eck stand der Leschischen Familie nahe; Glieder derselben kommen bei den Leschen als Taufpaten vor. 1660 wird bei der Taufe der Tochter des Oberstwachtmeister Steinhoff zu Gleiberg eine Frau Anna Sophie Münch v. Bus eck erwähnt. Die Herren v. Bnseck waren Burgmänner von Kalsmunt bei Wetzlar. Tas Adelsgeschlecht der v. Buseck wird schon 1152 genannt. Sie hatten Besitzungen in Atzbach, Dorlar, int Hüttenberg Und im ,,Busecker Tal". Später teilte sich die Familie in die Linien: Buseck-Buseck, Bufeck-Rüscher oder Rässer, Buseck-Miinch und Buseck-Brant. Sie ernannten vier Vorsteher aus ihrer Mitte und nannten sich Vierer oder Gan- er'ben des Busecker Tals. Die Familien Rässer und Münch sind jetzt ausgestorben; es bestehen nur noch: Buseck-Buseck Hub Buseck-Brant. Die Herren v. Buseck gehörten gleichfalls zu den Ganerben von Vetzberg.
Weiter vertraten Patenstellen in der Familie Lesch 'Glieder der Familie Nord eck zu Rabenau, so 1.6 5 9 bei Junker Joh. Balthasar Leschen Sohn Jünker Reinhard v. Rabenau, 16 66 „bei Junker Leschen Sohn" Knicker Philipp v. Nordeck zu Raben an, Jungfer Marie v. Nord eck zu Rabenau, 1698 bei Gott- sried Leschen Sohn Frau Sabina v. Rabenau. Die Herren von Rabenau waren ein altes hessisches (kurhessisches) Ildelsgeschlecht. Ihre Stammburg.Nordeck stand bei Marburg. Sie waren in Salzböden begütert, von wo sie auch den Zehnten bezogen, und waren auch Ganerben von Vetzberg.
17 38 stand als Patin bei der Taufe der Tochter des Fähndrich v. Lesch „in der Bürgerwehr zu Gießen" Frau v. Schwalbach, 1 7 44 bei Junker Philipp Leschen Sohn war Pate Kapitän v. Schmalbach zu Gießen; 1752 wird bei der Taufe eines Sohnes von dem Waldeckischen Hauptmann Friedrich v. Lesch als,Patin erwähnt die Großmutter des Kindes, Frau Sophia v. Schmalbach, geb. v. Bnseck. 1759 wird wieder diesem Herrn Hauptmann Diedrich v. Lesch ein Sohn getauft; dabei war Pate „Frau Carolina de Schmalbach, nee de Lesch". Das Geschlecht v. Schwalbach benannte sich ■ nach einem Dorfe Schmalbach im Solms-Braunfelsischen oder nach der Burg Schwalbach bei Dietz. Sie waren Bu.rgmanuen in. Gießen lind Ganerben zu Vetzberg.
1736 war Patin neben Herrn von Corff, wohnhaft zu .Wieseck, Fräulein von Reitz e nstei n „aus der Wißmarer- bach". In dem Wißmartal, unweit des Dorfes Wißmar, lag ehedem der „Wißmarbacher- oder Reitzenfteiner Hof", den dis Gemeinde nach dem Tode des letzten Herrn v. Reitzenstein erwarb. Ein Teil des Wißmarer Gemeindetvaldes heißt noch der „Reitzenfteiner" Wald.
Nur vereinzelt treten in dem Krofdorfer Kirchenbuch auf die Herren v. Craß zu Staufenberg, die Herren v. Corff zu Wiesest, die Herren von Weitershausen und von Hill zu Badenburg, die Herren v. Schenk zu Schweinsberg zu Gießen. Die Herren v. Weitershausen waren ein altes hessisches Adelsgeschlecht, das über 17 Glieder aufwies. Johann v. Weitershausen wird 1358 vom Landgrafen Heinrich II., dem Eisernen, von Hessen mit der Badenburg bei Gießen belehnt. Der in dem Kirchenbuch erwähnte v. Hill wird der spätere Besitzer der Badenburg gewesen sein. Er wird 1719 genannt. Ein Herr v. Schenk zu Schwein s b e r g, „Obrist zu Gießen", war 17 30 Pate bei einem Sohne von Friedrich v. Lesch.
Den Namen v. Schenk trug das Geschlecht, Weil seine Glieder bei den Kaisern und den Landgrafen von Thüringen das Amt der Schenke verwalteten. Die Herren von Schenk hatten von Solms Lehen in Hessen. Ritter vou Scheu? zu Schweinsberg gehörten um 1300 neben den Herren von
Schwalbach, Btünch von Buseck, von Dernbach, von Rols- hausen, von Weitershausen zu den Burgmannen Von Gießen. Sie hatten ihre Häuser in der Schloßgasse und hinter dev Kirche am Burggraben. Die Schenke waren auch Ganerben von Vetzberg.
Heute liegt die ehemalige BUrg Vetzberg in Trümmern; die Ganerbschaft ist schon seit dem 18. Jahrhundert aufgelöst. Außer den Herren v. Buseck und Nordeck zu Rabenau kennt und nennt nran in unserer Gegend kaum noch die Namen der einstigen Vetzberger Ganerben. Nachkommen der Herren von Lesch von Mühlheim gibt es in Rodheim, Königsberg und Krofdorf nicht mehr. Nur in einigen Bezeichnungen lebt die Erinnerung an ihre Anwesenheit in Krofdorf noch fort. Die Wiesen an der Kinzenbacher Straße werde:: noch die „Leschischen" Wiesen genannt. Ein Teil des Krofdorfer Gemeindewaldes sowie des Staatswaldes heißt heute noch der „Leschen"-Walö. Der ehemalige Herrensitz der Familie Losch, jetzt Eigentum des Herrn Landwirts und Maurermeisters Schneider in Krofdorf, wird noch als „Leschen"-Hof bezeichnet. Wie Herr Schneider mitteilte, hätte sein Großvater mütterlicherseits, Herr Euler, von Karl Eduard Lesch in Krofdorf vor etwa 68 Jahren den Hof auf 3 Jahre gepachtet und dann für 1265 Taler käuflich erworben. Das Leschische Haus ist noch gut erhalten und zählt 12 Wohnräume.
Nach Mitteilungen Gießener Bürger soll hier, Käiser- Allee 30, beim „alten Schützenhaus" vor mehr als 50 Jahren! noch ein H er r vo n L esch gewohnt haben, der ein Sonderling gewesen wäre. Ein Nachkomme eines Herrn von Lesch ist der Taglöhner Wilhelnt Lesch> hier wohnhaft in der Erlengasse. Er ist der Sohn des Johann, genannt Jörg von Lesch, der aber 1862 sein Adelsprädikat „verschleudert" habe. Jörg v. Lesch war Gepäckträger am hiesigen Bahnhof und ist vor etwa 7 Fahren verstorben. Er wird noch manchem Gießener Einwohner in Erinnerung sein.
Das ist her Wechsel der Zeiten; Geschlechter kommen und gehen -6-
Vermischtes.
* Das W interleb eu der Schnecken. Die Uebcr- winterungl derjenigen Tiere, deren eigne Körperwärme nicht beit WärmeverlUst wett machen kann, der durch die Erniedrigung den Temperatur eintritt, geht in verschiedener Weise vor sich. Höhere Tiere verfallen in einen Winterschlaf, niedrige, deren Lebensdauer sich auf eine Wachstiimperiode beschränkt, überwintern im Eier- oder Larvenstadium. Zn den'Tieren, die sich in keiner Weisei vom Winter beeinfknssttl' lassen,, gehören die Muscheln, sie leben! Und wandern fort, wie imi Sommer, ja die Gattung Cykläs hat das ganze Jahr hindurch Brat. Anders verhalten sich nach beit Beobachtungen T.r. Seligers über das Wassertierleben im Winter die Schnecken. Mit den Resten der Vegetation sinken sie int Herbste ans den Ufergrund hinab, suchen dann aber mit Vorliebe Wasserst rö-nnmg ans, so die Zuflüsse und Abflüsse der Seen oder größere Seebecken mitt reichlichem Pflanzenwuchs. Lier findet man namentlich die kleineren Arten der Schlammschnecken in größerer Zahl hernmkriechend. Wie diese, bleiben die kleineren Tellerschnecken und Btasenschnecken beweglich, Tie große Tellerschnecke hält dagegen unzweifelhaft einen Winterschlaf. Man findet sie stets weit in das Gehäuse zurückgezogen, so daß nur etwa eine Viertc'üvindung gefüllt ist. Vor deut Tiere liegt dann ein starker Schlammpfropfen in dein Gehäuse. Ter Herzschlag, der bei gewöhnlicher Zimmertemperatur 25 bis 30 mal in der Minute beobachtet worden ist, ist bis auf 3- bis 4 mal in der Minute! gesunken. Im schmelzenden Schnee rühren sich die Tiere nicht; erst bei StnLcntcmperatur kommen sie hervor. Noch tiefer ist der Winterschlaf der Bithtznicn. Sie liegen inv Grundschlamin vergraben mit selbstverschlvssenem Teckel und kommen auch bei Stnbentemperatur nicht hervor.
* Bon Ex Sultan Abdul Hamids Leben in der Gefangenschaft berichtet ein Korrespondent des Piccolo aus Saloniki einige merkwürdige Einzelheiten. Abdul Hamid lebt in der Billa Allatini nicht allein; bei ihm sind seine beiden Söhne Abdul Rahim Effendi und Abid Effendi, drei Töchter, elf Frauen seines Harems und 14 Bedienstete und Eunuchen, im ganzen 31 Personen. Eine Kompagnie Infanterie, die von 100 Mann gebildet wird, gegen 50 Polizeibeamte, 3 Polizeikommissare und 12 Offiziere bewachen den Gefangenen. Rings innerhalb der Billa zieht sich ein Cor- don von Schildwachen hin, die je 15 Meter voll einander entfernt stehen. Abdul Hamid ist also gut überwacht, aber trotzdem verdroß es ihn, daß. er bei seinen Spaziergängen int Garten gesehen werden konnte, und er forderte, daß um die Billa eine Mauer von 3 Meter Höhe aufgeführt wurde — ein Wunsch, der mit besonderer Freude erfüllt wurde. Der Ex-Sultan hat während seiner Gefangenschaft


