Ausgabe 
7.1.1910
 
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Verleihen Sie wenn Sie wüßten. Wissen Sie, Laß Dausende von jungen Sger^eii jetzt in ganz Deutschland hingerissen sind, daß mau nicht ein und aus weiß unter der Jugend vor Begeisterung? Unten in Weimar hörte ich, daß es schon Jünglinge gäbe, die sich ganz so kleideten, tote in diesem Buche der junge Werther es tut. Ja, so etwas geschah noch nicht. Heute nacht hab 'ich gelcfeit und gelesen und gelesen- uild wenn es die Schicklichkeit erlaubt hätte, wär' ich da schon herübergelaufen und hätte vor dem Fettster im Mondenschein das Wundervolle Ihnen allen vorgelesen/' .

Run, so beginnen Sie doch!" meinte Ulrikcyen.

Ich habe immer gedacht," sagte Alma ruhig und sinnend,es müßte einmal etwas Wundervolles geschehen. Ein Tag ist wie der andere, und cs muß doch einmal etwas geschehen, daß man vor Wonne sterben könnte."

Du mein Gott, Kind," sagte die Pfarrerin,versündige dich nicht! Danken muß man Gott, verlaust ein Tag tote der andere. Gutes kommt selten, und vor dem Bösen möge der Herr uns behüten."

Ich meine," sagte Alma,ein jeder Mensch mußte <«iiimal blühen wie ein Rosenstrattch oder wie unsere Lindett- bäume."

Ulrilchett lachte.Und die Bienen müßten einem dann um den Kopf sumnrcn ivie hier."

Nein," erwiderte Alma ernst/die. müßten einem int Herzen summen, in der Seele, es müßte alles Hingen und schwirren vor Seligkeit. Ich weiß getviß," sagte Alma ganz feierlich,ich Ivar einmal ein Rosenstrauch, ehe ich der Mutter Tochter wurde, der hat ungezählte Rosen getragen, Ungezählte ist ganz zu lauter Rosen geworden und

ist so selig gewesen. Und der Duft aller Rosen war die große, große Freude seines Herzens."

Ach, Alma," meinte Ulrikcheu,so red' nicht so dumm Und stör' nicht!"

Jungfer Ulrikcheu," sagte Uerle erbleichend,Sie müssen die Schwester reden lassen! Ja, um Gotteswillen, lassen Sie sie reden! Reden Sie, Jungfer Alma, das wird Ihnen wohltun! Es ist eine heilige Stunde jetzt, und das, was Sie sagen, weiß ich ja, weiß ich ja längst."

Run hört sich aber alles auf!" rief Ulrikcheu.

Ja, was ist Ihnen denn?" fragte die Frühlingsliebe, die blutjunge Witwe.

Nein nichts nichts!" sagte Uerle verwirrt.Ich erschrak nur, daß sie es auch weiß."

Aber was weiß?" meinte die Pfarrerin.Träumt ihr beim?"

Nein, nein," sagte Uerle,es ist auch gar nichts Gott möge die liebe Jungfer Alma behüten!"

Na, der Wunsch wäre am Platz gewesen, damals, als sie gar so ein schöner Rosenstrauch gewesen ist, da hätte man einen Stadtsoldaten davor stellen müssen, denn ich hätte mir auch einen Arm voll gelangt," sagte Ulrikcheu.

Uerle kam aber nicht leicht aus seiner Verwirrung, denn Alma hatte ausgesprochen, was er dunkel gefühlt. Sie empfand wie er selbst, daß sie gar eng und geheimnis­voll mit dem Sommer zusammenhing. Es überschauerte ihn! Er suhlte sich ihr nah.

9(111 vierten Mail Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen!" begann er zu lesen und las weiter.

Und zuviel hatte er nicht gesagt. Sie waren, als er für dieses Mal das Buch schloß, jedes in seiner Art davon benommen. Sogar Ulrikcheu, die einen losen Schnabel der Literatur gegenüber hatte, gab sich drein, es sehr, sehr reizend zu finden.

Alma war ganz still.

Nun, und Sie, Jungfer Alma, was sagen Sie?"

Cis sah ihn bittend au.Man bringt ihn ins Gered' mit dem Sprechen darüber. Er hat sich das nicht gedacht, als cr's schrieb, daß so viel fremde Leute es lesen würden."

Uerle sagte etwas lächelnd:O nein, Jungfer Alma, -er hat ein großer Dichter damit werden wollen."

Nein, gewiß nicht!" sagte sie hastig.

Aber nein, so eine Idee! Meinen Sie, die Dichter schreiben und dichten nicht für die Menschen und für den Ruhm?"

Ja, die anderen; aber das sind ja doch dann wohl auch keine Dichter, das sind Krämer."

Ich bin müde," sagte sie, stand langsam auf, nickte

allen eine Gute Nächt zu, küßte die Mütter auf die Stirn und trat ins Haust

Sonderbares Frauenzimmer," meinte Ulrikcheu und gähnte. Uerle verabschiedete sich auch. Als sie unter sich waren, meinte die junge Witwe:Der Uerle. scheint sich in unsere Alma verliebt zu haben."

Nee, das hat ec. nicht," antwortete Ulrikcheu,der Uerle liebt uns alle ein für allemal miteinander und damit basta!"

(Fortsetzung folgt.)

Ehemalige AdelZgeschlechter in nächste? Umgebung vsn Sichen.

(Schluß.)

Die Familien v. Lesch und v. Wrede standen durch Hei­raten in verwandschaftlicher Beziehung. Herren v. Lesch heirateten Fräulein v. Wrede, Herren von Wrede Fräulein v. Lesch. 1719 wird bei der Taufe der Tochter von Friedrich Lesch v. Mühlheim als Pate erwähnt:Juncker Wrede von Gießen. Dieser Friedrich Lesch, der spätere Waldeckische Hauptmann, hatte eine geborene v. Wrede zur Frau. Sie stirbt 1749 und wurdevor des Herrn Rennthmeister Me­dicus Kirchenstuhl in der Kirchen zu Croffdors begraben". Töchter des Friedrich Lesch hatten Herren v. Wrede zu Ehemännern. Bei der Taufe eines Sohnes von demWohl- geborenen Her: > Ludwig v. Wrede, Leutnant" stand 1736 Taufpatefein Schlviegervatter, der Wohlgeb. Herr Friedrich Lesch v,. Mühlheim". Dabei war . auch Patindie Frau Obristin v. Wrede aus Linnes". Diese wird ebenfalls schon 1735 genannt, als Philipp Lesch ein Sohn getauft wird. Die älteste Tochter von Friedrich Lesch, Fräulein Wilhelm i n a v. Lesch wird 1 736 zu Krofdorf mit dem Wohlgeborneu Herrn C h r isto p h W i l h e l m von Wrede getraut. Dieser Wrede muß wahrscheinlich später in Krofdorf gewohnt haben; beim daselbst wird ihm 1743 eine Tochter getauft; Pate war sein Bruder, der oben er­wähnte Ludwig v. Wrede,Hess.-Darmstädtischer Leutnant zu Gießen". Ehr. Will), v. Wrede, der ebenfalls Leut­nant war, wird in Krofdorf einFräulein" getauft; Pate war Frau Sophia v. Wrede von Lindes. Diesem ward 1746 ein Sohn getauft; Pate war: Frl. Christiane Friederica v. Wrede, ohne Angabe, woher sie war. Hieraus sowohl, wie auch daraus, daß schon vorher 1744 bei der Taufe eines Sohnes von Philipp Lesch als Patin Fr a u von Wrede zu Crofdorf genannt wird, folgt, daß einige Wrede nicht bloß in Klein-Linden und Gießen, sondern auch in Krofdorf gewohnt haben. Unter den:Confirmati Crofdorfienses" wird genannt 1757:Fräulein von Wrede, des Herrn Hauptmann v. Wrede Tochter", ebenso 1758:Wilhelmina Carolina Loisa", des Herrn .Hauptmanns, v. Wre b e Tochter, 17 61: Fri.edrich Wil- h eint, dessen Sohn.

Patenstellen bei Kindern derer v. Lesch vertraten An­gehörige der Familie Wolfskehl von Vetzberg. 1659 waren bei Junker Balthasar Loschen Sohn Paten:Frau Elisabeth Leschiu v. Mühlheim, geb. v. Wolfskeliu, Frau Felicitas Agnes Wolfskeliu, geb. Leschiu v. Mühlheim. 1662 wirddie Adeliche Frau Felicitas, Juncker Wolsskel sel. Wtwe." in der. Krofdorfer Kirche beigesetzt. Auch später werden die Wolfskehl bei der Leschischen Familie erwähnt. Ten Namen v. Wolfskehl führte die Familie nach ihrem Stammschlosse bei Darmstadt. Dort tritt heute noch der Name auf, zum Teil ohne Adelsprädikat. Den Beinamen v. V o i tz b c r g (Vetzberg) führten die Wolfskehle nach der Burg bei Gleiberg. Sie hatten in Vetzberg Lehen von Nassau-Saarbrücken und gehörten zu den Gauerben dieser Burg. Neben den v. Wolfskehl werden auch die vonHolz - appel genannt. Sie waren ebenfalls Ganerben von Betz­berg, von welcher Burg sie auch den Beinamen angenommen hatten.

Bei des Leutnants v. Wrede Sohn stand 1 7 3 8 Patin die Wohlgeborene Frau von Dernbach zu Rodheim". Schon früher, 1646 bei der Taufe eines Bürgerlichen, des Sohnes von dem Oberförster Lißberg, wird ein Junker Hans Jörg v. Dernbach erwähnt. Die Familie von Dernbach benannte sich nach einem bei Wetzlar, in der Gegend von Altenberg, gelegenen ausgegangenen Orte Dern­bach. Sie war reich begütert und hatte Besitzungen im Nassauischen, im Kreise Wetzlar, in Aßlar, LützeUiudcu, in