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heit bewahrt uitb bififert Enklaven für sich, tragen dadurch zu dein verwirrendeii Bilde der Riesenstadt bei.
Won Newhork als dem „neuen Babel" entwirft G. von Taube in Ueber Land und Meer farbige Bilder. Zwar „Kleinfrankreich" und „Kleindeutschland" sind allmählich verschwunden, verschlungen worden von der gleichmachenden Uniformität des modernen Lebens, aber die Chinesenstadt besteht noch für sich mit ihren Opiumhöhlen, Spielhäusern und Restaurants. Nicht weit davon sind die Italiener zu Hause mit ihren unzähligen Lottobanken und ihrem malerischen Straßenleben. Hier begegnet man noch dem echten Tvvus der Abruzzenbriganten mit den feurigen Augen und der theatralisch affektierten Haltung, die die Kühnheit und den Abenteuersinn der alten Bergheimat noch nicht verlernt haben und mit denen die amerikanischen Polizisten sich ungern einlassen. Eine Welt für sich ist auch das Ghetto, das Judenviertel, in dem sich das ungarische Element scharf von dem russisch-polnischen sondert. Geschäftlich geht es hier hoch her. Jeder Handelszweig ist vertreten, kleine Industrien entstehen, Advokaten und Aerzte vernlischen ihre Tätigkeit mit Politik; Literatur und Künste sind auch vorhanden, die von Baron Hirsch begründeten Gewerbeschulen und die „Hebrew Technical School" sorgen für tätige und gediegene Erziehungsarbeit. Auch Bankinstitute gibt es, denn das Klcinkreditsystem, seit einigen Jahrzehnten von wirklich phi- lanthrophischen, reichen Ju,den eingeführt, steht hier in voller Blüte. Etwas weiter hinauf beginnt dann „Kleinungarn", !vo man Paprikafleisch, ungarischen Wein und pseudoungarische Kapellen in Fülle in den Restaurants findet. Das eigentliche nationale Leben entfaltet sich aber immer in den Vierteln, wo das niedere Volk sich angesiedelt hat und die armen Leute leben; das vov- nelnne Judenviertel und das vornehme italienische Viertel unterscheiden sich nicht viel von den acht amerikanischen Stadtteilen, Nach der Statistik von Newhork kommen auf über 4 Millionen! Einwohner 750 000 eingeborene Amerikaner, gegen 800 000 Juden, etwa 1 Million Irländer, eine halbe Million Italiener und andere Nationalitäten und über eine Million Deutsche. Der Einwandernngsstrom dauert noch immer unvermindert fort. Und während sich etwa 60 v. H. der Neuangekommenen allmählich vollständig einleben, bleiben doch immer etwa 40 V. H. Übrig, die das Leben ihrer Heimat auf amerikanischem Boden fortsehen und Newhork den Eindruck des „neuen Babel" erhalte»!. Für diese Elemente ist natürlich der Kampf ums Dasein am schwersten, denn die Erwerbsverhältnisse sind von den europäischen sehr verschieden. Das wird ans einigen Beispielen deutlich: Ein Pianoforteträger z. B. erhält fünf Dollar für den Tag; der elegant gekleidete Kommis, der viel mehr Stunden arbeiten Muß, hat höchstens 10 Dollar die Woche. Der Portier in einem größeren Geschäft bezieht einen Wachenlohn von 25 Dollar; architektonisch und technisch gut geschulte Zeichner, die also ein Technikum besucht haben müssen, haben 20 Dollar die Woche. Maurer, Eisendreher, Schreiner bekommen 4—6 Dollar den Tag, bin Musik- oder Sprachlehrer erhält höchstens einen halben Dollar für die.Stunde. Diesen durchschnittlichen Löhnen gewöhnlicher Eriverbsleute stehen aber die ungeheuersten Honorare gegenüber, die für außergewöhnliche Leistungen gezahlt werden. Da gibt es Advokaten, die bis zu 50000 Dollar im Jahr verdienen, Musiklehrer, die kaum für 10 Dollar die Stunde zu haben sind, Geschäftsreisende, um die sich die ersten Firmen reißen, Prokuristen, deren Leistungen mit Gold ausgewogen werden; nur dem besten Mann zeigt sich Amerika von seiner einträglichen ©eite.
eins Verdreifachung bewirkt, die Möglichkeit zn geben, daß eiffl einzelner Mann mit sich selbst Skat spielt. Der Mann könnte Millionen dabei verdienen. . .
* Der Sultan von Sulu in Newyork. Ende lich haben die Newyorker seine erhabene Hoheit HadscW Mohankmed Jvhmafai Kiram, den Sultan von Sulu, einer kleinen Inselgruppe der Philippinen, persönlich kennen gs-i lernt. Denn ehe der Sultan amerikanischen Boden betrat/ war er als Titelheld der populärsten amerikanischen Operette „Der Sultan von Sulu" allen Kindern Onkel Sams vertraut. Aber noch ein anderer Umstand hat ihm in Amerika Berühmtheit verschafft: als Roosevelts berühmte Tochter als „Princeß Alice" vor fünf Jahren die Philippinen besuchte, soll ihr der Sultan von Gul einen! Heiratsantrag gemacht haben. Damals gab der braune Herr an seinem Hofe ein großes Fest, und beim Empfange zog er einen kostbaren Rinst, der mehr als 60000 Mark wert ist, von seinem Fürstensinger und überreichte ihn Alice Roosevelt. Taft veranlaßte sie, das Geschenk nicht abzuweisen, und die amerikanischen Blätter widmeten dieser denkwürdigen Ehrung der Präsidententochter lange Spalten. Der Sultan reist mit großem Gefolge und hat im Astor-Hotel Wohnung genommen. Er spricht kein Wort Englisch, aber bis jetzt gefallen ihm die Newyorker ganz gut.
* (Sin neues chinesisches Kaisergrab. Dem Andenken de? jüngst verstorbenen Sohnes des Himmels, des Kaisers Kwang-Sü, sott ein prachtvolles Mausoleum errichtet tuetbeit, das die Macht und den Glanz des chinesischen Kaisertums ividerspiegeln wird. Man hat lange die Wälder Ostasieus nach dem besten und dauerhastesteu Holze durchforscht; schließlich sand mau bei einer Holzgesellschaft in Manila das vorzüglichste Material, für das eilt märchenhafter Preis vereinbart worden ist. Der Lieieruugsvertrag ist soeben zum Abschluß gekommen, zwei chinesische Prinzen haben ihn unterzeichnet. Sofort nach Eintreffen der ersten Schiffsladung von 50 000 Fuß wird unter den Gräbern der Mingdynastie in der Nähe von Peking mit dem Bau des groß angelegten Werkes begonnen. ____________
Bilchertlsch.
— Eine Festgabe z u m Berlinerllniversitäts« j u b i l ä u m. Die bekannte Halbmonatsschrift für Literatursreuude „D a s I i t e r a r i s ch e E ch o" hat ihr erstes Oktoberhest in der Hauptsache dem Jubiläum der Berliner Universität gewidmet. Wir finden u. a. hier fesselnde Erinnerungen des 83jährigen Karl Frenzel („Aus meiner Studienzeit"), eine fein uniriffene Silhouette August Böckhs, des Jubiläumsrektors von vor fünfzig Jahren, von dessen Lehrstuhlnachfolger Ulrich v. Wilamowitz- M o e l l e n d o r f f gezeichnet, ferner eine Charakteristik der machtvollen Persönlichkeit Erich Schmidts aus der Feder des Wiener Literarhistorikers Pros. Dr. I. Minor und einen geistvollen Leitaufsatz „Universität und Literatur" von Pros. Rich. M. Al e y e r. Julius Roden berg teilt aus dem Schatze seiner Erinnerungen einiges über seine Bekanntschaft mit den Brüdern Grimm mit; Reinhold Steig, der beste Kenner jener Zeit, stellt die Beziehungen zwischen den literarischen Wortführern des Jahres 1810 zu der Universitätsgrüudung nach ungedruckten Quellen dar, und eine Anzahl Porträts und Abbildungen vervollständigen das im Hinblick auf die bevorstehenden Festlichkeiten besonders wertvolle Heft.
vermischtes.
* Wie man allein zu Fünfen bei Tisch sitzt. Der Trick, mehrfache Photographien von einer Person gleichzeitig aufzunehmen, hat eine scherzhafte Erweiterung erfahren. Es ist dadurch die Möglichkeit gegeben, mit sich selbst eine Versammlung abzuhalten, denn ein solches Bild zeigt, lote dieselbe Person in fünf verschiedenen Aufnahmen und Ansichten um einen runden Tusch herumsitzt. Der Erfinder dieses Ulks, ein Amerikaner, heißt Ramedell. Die ganze Aufnahme geschieht auf einen Ruck !uud erklärt such aus einer verhältnismäßig einfachen Anordnung. Die Person, dte sich versammeln will, wird mit dem Rücken gegen bte photographische Kammer gesetzt und erscheint auch einmal in dieser Stellung auf dem Bilde. Außerdem aber werden durch 8wer im rechten Winkel zueinander aufgestellte Spiegel vier andere Bilder erzeugt, ein en face, das zweite im Halbprofil von vorn, das dritte tm Profil von der linken Seite und das vierte in einem Vrertelprofil von der rechten Seite. Die ganze Versammlung chacht also einen außerordentlich lebendigen Eindruck und gibt volle Gelegenheit, die betreffende Person gleichzeitig von allen Seiten zu betrachten. Der Gang der Lichtstrahlen und das Zustandekommen des Gesamtbildes können durch eine einfache Wsikalische Zeichnung veranschaulicht werden: vielleicht kann die Erfindung auch noch sonst Zwecke der Menschenfreundlichkeit erfüllen, «idem die richtige Kombination der Spiegel einem einsiedlerisch oder hypochondrisch veranlagten Manne das Gefühl der Vereinsamung benehmen könnte. Uebrigens empfehlen wir dem amerikanischen Erfinder, durch eine andere Kombination, die
Uonigspromenade.
Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König ans dem Schachbrett — stets von einem Feld ans auf ein benachbartes übergeht.
Auflösung in nächster Nummer.
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mit
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zen
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Rybinsk — Ubier — Düna — Dpium — Liter — Fanfare — Farini — Athene — Lauchart — BurgaS;
R ii d o l f F a l b, Steiermark.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und SteindruckSrei, R. Lange, Gießen.


