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mein Manneswort: es ist ein unglücklicher Zufall gewesen. . . 1 .
Der Kommerzienrat sagte nichts; er zuckte mit den Schultern und knetete seine Finger. Grade jetzt diese dumme Geschichte ■— gräßlich! — Aber der Alte erhob sich. Er schritt aus und ab, den rechten Fuß, der in einem Tuchschuh steckte, ein wenig nachziehend, und blieb- wieder stehen. „Dem Spannuth keine Träne," sagte er hart. „Wäre es nach ihm gegangen, e-t hätte uns kaltblütig vernichtet. Seit fünf Jahren habe ich seinen seindlichen Einfluß gespürt. Seit fünf Jahren weiß ich, wer unsere Marken verlästert und die wahnsinnigsten Gerüchte über uns aussprengen läßt. Seine Agenten sind seine Trabanten: eine Horde von Verleumdern, die unfern ehrlichen Namen durch den Kot schleifen, wo sie nur können. Diese Iganze Wühlerei, der heimliche Widerstand, auf den wir zuweilen gestoßen sind, die plötzliche Unlust der Großhändler, die versteckten Angriffe der kleinen Klatschpresse: all da;s ging von Spannuth aus. Er war der einzige im Rhein- -gau, der uns unsre Erfolge nicht gönnte — der einzige Schuft. Ich beweine ihn nicht."
(Fortsetzung folgt.)
Das neue Babel.
Gelangt man im Newyorker Hafen bis zu den weitläufigen Gebäuden der Einwanderungskonimission, die sichglcichfamimer dem Schatten der riesenhaften Freiheitsstatue erheben, so glaubt man sich in die Welt des alten Babels versetzt. Alle Sprachen der Welt, alle Idiome und Dialekte find hier vertreteii. Germanische und lateinische, stavische und orientalische ..lundarten schwirren wüst durcheinander und bilden nut dem Chinesisch und Japanisch, dem vorlauten „Jiddisch" und dem mcht Minder lauten keltischen „Broguc" der Irländer ein Chaos. Und dieser Eindruck der Bereinigung verschiedenartigster Rassen und Sprachen wird- verstärkt, je weiter man in der vielgestaltigen Welt Newyorks vordringt. Die Angehörigen der vielen< Völker und- Rationen, die hier zusammengeströmt find, haben ihre charakteristische Cig
„Es freut mich, wenn ich Ihnen geholfen habe."
„Aber Sie haben inir damit nicht geholfen. Sie haben die Sache nur viel schwieriger gemacht. Was müssen das stir sonderbare Einbrecher sein, die Silber stehlen und es dann in den nächsten Deich werfen?"
„Das ist allerdings ziemlich merkwürdig. Ich hatte nur den Gedanken, daß, falls solche Leute das Silberzeug weggenommen hätten, die es nicht brauchten, die es nur zum Schein gestohlen! hätten, fie's natürlich möglichst schnell wieder los sein möchten.
„Aber wie kamen Sie auf einen solchen Gedanken.?"
„Nun, ich hielt es nicht für ausgeschlossen. Als sie durch das französische Fenster wieder ins Freie traten, lag ihnen der zugefrorene .Teich mit der einzigen eisfreien Stelle ja gerade vor der Nase. Konnten sie sich, einen besseren Platz zum Verstecken der Beute- wünschen?"
„Aha, ein Versteck — das klingt schon glaubwürdiger!" rief Hopkins. „Ja, 'ja, jetzt begreife ich die Sache vollkommen Es war noch ftüh, es waren noch Leute auf den Wegen, sie fürchteten, mit dem Silber gesehen zu werden und beabsichtigten, es abzuholen, wenn's sicherer wäre. Großartig! Das ist ne bestes Idee, Herr Holmes, als die, daß sie's nur auf 'ne Irreführung, der Polizei abgesehen hätten."
Ganz recht so; Sie haben eine wunderbare Theorie. Zweifelsohne hatte ich nur ganz verschwommene Vorstellungen, aber immer- ! hin müssen Sie zugeben, daß sie zur Entdeckung des Silberzeugs geführt haben." cm .»
„Gewiß, Herr Holmes, natürlich. Es war nur ^hr Werk.
Aber ich habe einen gehörigen Dämpfer bekommen."
„Einen Dämpfer?" , ,
„Jawohl, Herr Holmes. Die Randalls find heute morgen in
New'Bork festgenommen worden." .
„Teufel auch, Hopkins! Das spricht allerdings ziemlich deutlich gegen Ihre Aimahme, daß sie vergangene Nacht in Kent einen' Mord begangen haben sollen " ,
„Das ist fatal, Herr Holmes, sehr fatal, ^-och es gibt auver den Randalls auch noch andere Diebesbanden von drei Mann, vielleicht ist es auch eine neue Bande, von der die Polizei noch
I 9Ör bal ist leicht möglich. Was gedenken Sic nun
I ÄU '"Ja, Herr Holmes; ich werde nicht eher ruhen, bis ich dieser Sache auf den Grund gekommen bin. Sie können mir wohl
I keinen Wink geben?"
„Ich habe Ihnen ja einen gegeben.
„Was denn für einen?"
„Nun, ich spielte auf eine Täuschung an."
„Aber wieso, Herr Holmes, wozu?"
Ja, das ist natürlich die ..Frage. Aber ich kann ^hneN nur empfehlen, auf diese Anregung näher einzugehen Vielleicht
I finden Sie doch-, daß fie nicht so ganz ohne ist. Wollen Sie nicht zum Essen hier bleiben? Nein? Dann Guten Abend, und lassen Sie uns Nachricht zukommen, wie's weiter geht.
Wir waren mit der Abendmahlzeit fertig, und der Tisch i war abgeräumt, bevor Holmes wieder auf die Angelegenheit zr svrecken kam Er hatte feine Pfeise angezundet, die Schuhe aus- gezogen und erfreute sich an dem prasselnden Feuer im Kamm. Plötzlich sah er -nach der Uhr. „
„Ich erwarte Enthüllungen, Watson.
"Nun'— innerhalb der .nächsten Minuten. Ich glaube, du dachtest, ich handelte eben nicht schön an Hopkins?"
„Ich vertraue deinem Urteil." . . ,
Tas ist sehr verständig, Watson. Du mußt solgciides brachten: was ich weiß, ist nicht amtlich; was er weiß, ist amtlich.
I Ich kann tun und lassen, lvas ich will; er nicht. -Er muß alles I anzeigen, oder er vergeht sich gegen seine Stellung. Jn dies-eM!
Falle wollte ich ihn nicht in Verlegenheit bringen deshalb behalte ich mein Wissen für mich Md- warte, bis ich selbst ganz.
I im klaren bin." c
„Aber wann wird das sein? ~
^Tie Zeit ist schon da. Du wirst «etzt der letzten Szene, I dieses kleinen Dramas beiwohnen."
(Schluß folgt.)
Kapitän Croker.
Ein Detektivabenteuer von Conan Doyle.
(Fortsetzung.)
„Es mag nun zum Guten oder zum Bösen ausschlagen," I sagte Holmes dann zu mir, „aber einen Wink müssen wir unserem Freunde Hopkins schon geben, wir müssen unseren
zweiten Besuch, wenigstens rechtfertigen. Ich will ihn nicht I
ganz ins Vertrauen ziehen. Ich glaube, zunächst muffen wir uns nun nach dem Bureau der Adelaide - L>out- I
hampton - Linie begeben, das sich, wenn ich mich recht I
erinnere, am Ende der Pall Mall - Straße befindet. Es I
gibt noch eine zweite Dampferverbindung zwischen Südaustralien 1 und England, aber wir wollen erst zu der größeren gehen." I
Als Holmes seine Karte abgegeben hatte, stellte sich uns der 1 Geschäftsführer sofort zur Verfügung und gab uns bereitwilligst die verlangte Auskunft. Im Jahre 1895 war nur ein einziger Dampfer, der Gesellschaft in London angekommen, der „Gibraltar", ihr größtes und bestes Schiff. Tie Passagierliste ergab, daß Fräulein Fraser aus Adelaide und ihre Dienerin die Reise darauf gemacht hatten. Das Schiff war jetzt auf der Ausreise nach Australien, südlich von Suez. Die Offiziere waren die nämlichen rote 1895, nur der erste Offizier, Herr Jack Croker, roar zum Kapitän befördert worden und sollte einen neuen Dampfer, den „Baß Rock", übernehmen, der in zwei Tagen von Southampton abfahren sollte. Der Kapitän Croker wohne in Sydenham, würde aber ] wahrscheinlich heute vormittag hierher kommen, um seine Aw- ' Weisungen für die Reise in Empfang zu nehmen; wenn wir wollten, könnten wir auf ihn warten.
Nein; Herr Holmes brauchte ihn nicht zu sprechen, er Würde nur gerne etwas über seine .Vergangenheit und seinen Charakter- Hören. , „ .
Die Gesellschaft stellte ihm ein glänzendes Zeugnis aus. In der ganzen Handelsflotte reiche kein zweiter Offizier an ihn heran. Als Mensch sei er sehr pflichtgetreu, an Bord ein! strenger, energischer Mann, hitzig und leicht erregbar, aber im übrigen ein ehrenwerter nnd gutmütiger Charakter Mit dieser Information verließ Holmes das Bureau der Adelaide-Lout- hampton-Compagnie. Von hier aus fuhr er nach Scotland Yard, aber er ging nicht hinein, sondern blieb mit gefalteter Stirne! und tief in Gedanken versunken im Wagen sitzen. Schließlich fuhr er nach dem Telegraphenamt in Charing Croß, gab' eine Depesche auf, und danach begaben wir uns wieder nach der Bakerstraße. . ,, ,,
.Nein, ich konnte es nicht über mich gewinnen, Watson," sagte er, als wir in unser Zimmer getreten waren. „Benn der Befehl einmal ergangen war, konnte ihn kein Mensch auf der Welt mehr retten. Ich fühle, daß ich ein- oder zweimal m meiner Laufbahn durch meine Entdeckung mehr Nnglnck gestiftet habe, ' als der Verbrecher durch sein Verbrechen angerichtet hatte Ich bin daher vorsichtig geworden, und ich will lieber den englischen Gesetzen ein Schnippchen schlagen als mein Gewissen beunruhigen. Wir wollen noch etwas mehr in Erfahrung zu bringen suchen, ehe wir handeln." „ „ _
Vor Eintritt der Nacht besuchte uns Inspektor Hopkins.
Die Dinge nahmen keinen sehr günstigen Verlaus für ihn. _
„Ich glaube, Sie sind ein Hexenmeister, Herr Holmes ^'ch denke zuweilen wirklich, daß Sie übermenschliche Kräfte besitzen. Wie in aller Welt konnten Sie jetzt wieder wissen, daß die gej- stohlenen Silbersachen dort in jenem Teich lagen?"
„Ich wußte es nicht." . '
„Aber Sie rieten mir, einmal dort nachzusehen.
„Haben Sie sie denn gefunden?"
„AKrhings waren sie dprt."


