Ausgabe 
6.8.1910
 
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-ent Reiz, den die Försterstube auf ihn ausübte, die, einsam im Milden Wald gelegen, voll war von Gewehren und aus- gestopften Vögeln und allerlei Gehörn, und in der das hübscheste Mädchen fast, das er je gesehen hätte.

Lange hatte der junge Bursche die Försterei umkreist und sich nicht hineingetraut. Recht erbärmlich war das Häuschen von außen anzusehen, ziemlich verwahrlost; ein 'großes Einkommen niußte die Stelle nicht abwerfen. Also doppelt war's anzuerkennen, daß die Stafia immer so sauber ging!

Acht Tage waren verstrichen seit jenem Abschied von ihr beim Dornbusch am Moorrand, und Valentin hatte sie immer nod) nicht wiedergesehen. Wer die Erinnerung an sie hatte ihn nicht verlassen; die neckte ihn, verfolgte ihn, zerrte ihn immer wieder zum Moorrand, daß er dastand und hinüber- gurfte, wo hinter den Kusseln der dünne Rauch der Försterei ich kräuselte. Endlich hatte er sie wieder getroffen ob ourch Zufall, ob durch Absicht? Jedenfalls hatte sie sich ge- 'reut, ihn zu sehen. Sie hatte gelächelt, daß die Grübchen in ihren Wangen tief wurden. Als sie lange miteinander geständert, hatte sic ihm beim endlichen Lebewohl fest die Hand gedrückt:Komme doch zu uns, wenn du magst! Ich werde meinen Eltern von dir sagen!"

Und er war gekommen.

*

Wenn ich nur müßt', wie ich dich zur Frau kriegen könnt'," sprach Valentin zu Stafia, als sie miteinander von der Ostermesse zurückkehrten. Es wär sehr schlechtes Wetter. Sie hatte einen Schleier um' ihren Hut gebunden und duckte sich unter ihrem Regenschirm dicht an ihn. Er ließ das Pferd gehen, wie es wollte. Tief aufseufzeud schlang pr den Arm um ihre Schulter:Wie krieg ich dich nur!"

Bist du noch nicht mündig?" sagte sie und lächelte.

Dat wohl gerad' eben! Aber" er schob den Hut, den er keck auf ein Ohr gesetzt hatte, nach hinten und ließ den Wind die erhitzte Stirn kühlenmer will doch nit Uneins mit ihnen werden! Wat sollt' ich auch machen, wann der Vater die Hand von mir abzieht?!"

Sie, die sich eben noch so innig an ihn geschmiegt hätte, zog sich langsanMurück.Da müßt' ich auch danken," sprach sie kühl.Ich schwöre dir, ich werde nichw eher unter dein Dach eingehen, als bis dein Vater mich will- rom'Meu heißt! So müssen wir eben warten."

Aber ich kann nit warten!" Trunken vor Liebe riß er sie an sich und küßte sich satt und wurde doch nicht satt. Er war ganz unglücklich, all sein Frohmut hatte ihn verlassen.Ich muß dich zur Frau kriegen," stöhnte er, un dat bald, sonst och, sonst lauf' ich weg von hier, weit weg!"

Da bekam sie bod} einen kleinen Schreck nein, fort durfte er nicht, hier bleiben mußte er, ein solch hübscher Freier war so bald nicht wieder bei der Hand! Pan Szulc war wohl ebenso hübsch ach nein, der war doch noch hübscher! Stafia fühlte ihr Herz klopfen, wenn sie an den gedachte, an all die lustigen Stunden, die sie mit ihm verlebt, und schloß die Augen, ganz schwach, in einer ihr sonst nicht eignen Willenlosigkeit. Aber sie bekam den Inspektor ja jetzt gar nicht mehr zu sehen, seit sie beide Ehwaliborczyce verlassen hatten, und heiraten, nein, Heiraten wollte der sie nicht!

So klang ihre Stimme jetzt sehr betrübt:Wenn du fortgehst, so gehe auch ick). Was werde ick) beginnen ohne dich?! O, Walek, bleibe dock) bei mir!" Sie schmiegte sich an ihn, so fest, daß er bei Gott und allen Heiligen gelobte, es durchzusetzen, daß sie zusammen kämen.

Aber nicht böse werden mit deinem Vater, o, nick)t böse!" bat sie wieder.

Rein, da könnte sie ruhig fei», er würde Nicht böse werden mit seinem Baier, dazu hatte ihn der viel zu lieb! Und der junge Mann verfiel in ein Nachdenken, in dem er immer wieder nnd hin und her überlegte, wie es anzustellen sei, den Vater für Stasia zu gewinnen.

Auch sie dachte nach. Wenn sie es nur fertig kriegte, daß der große Ansiedler sich mit ihrem Vater aussöhnte! Wenn es erst so weit war, daun war halb gewonnen, denn der Vater mit seinem langen Bart konnte viel ausrichten. Uber wie eine freundliche Begegnung zuwege bringen? Da konnte niemand helfen, als der Herrgott und der geist­liche Herr zu Pociecha. Morgen schon würde sie beichten gehen!

Als sie an das Heiligenhäuschen hinterm Dorf kamen, lenkten sie ab, denn burd) die Ansiedlung wollten sie lieber

jetzt noch nicht zusammen fahren, des wären sie überein- gekömmeu. So kutsdjierten sie seitlings über Ehwaliborczyce nach der Försterei.

Seit ihrer Entlassung war Stasia nid)t mehr in Chwali- borczyce gewesen; sie hatte es vermieden, denn schadenfrohe Augen hatten ihr nachgeschant, als sie damals betrauten Gesichtes abgezogen war. Nun fuhr sie stolz, wieder ein.

Aus den Hütten der Komorniks guckten neugierige Weiber, als das Wägelchen vorbeirasselte.Fahre lang­sauter, fahre langsamer," bat Stasia ihren Liebsten. Sie wollte den Moment des Triumphs ganz auskosten.

An der letzten Hütte stand Schäfer Dudek aus der Schwelle, seinen Urenkel aus dem Arm. Er war barhaupt und sah nach dem Wetter: drüben übernt Lysa Gora stand ein lichter Streif, es würde fick) hellen, morgen schon schien die Sonne, daß er die Schafe treiben konnte! Noch peitschte der Regen; der Wind zerwühlte sein langes Haar und warf es mit den wehenden Härchen des Kindes unter­einander.

Als er Stasia auf dem Wagen bemerkte, hielt er die Hand über die Augen, damit ihm der Wind nicht das Wasser hineintrieb und so den Blick trübte: he, wo ferne denn die her und mit ween?!

Stasia nickte ihm zu, übermütig lachend:He, weiser Dudek, guten Tag! Erlaube, daß ich dir meinen Liebsten zeige! Ich werde ihm keinen Erbsenkranz geben, wenn die Druschbas*) ihn mir zuführen!"

Der Alte trat näher zum Gefährt; sie hatten gngc- halien. Mit bedeutsamem Kopfnicken sprach er:

Ackerers Leben ist allezeit,

Wie der Biene Leben, voll Emsigkeit,

Und der Ehestand ist insonderheit,

Wie der Biene Honig, voll Süßigkeit!

Wer ist der Bursche, den im dir erkoren hast? Laß mich sehen!"

Ehe Valentin wußte, wie ihm geschah, hätte des Alten hagerer Arm ihm den Hut vorn Kopf gezogen. Musternd sah ihm Dudek ins Gesicht; starr, fast drerchbohrend wurde der Blick. Mit einem unzufriedenen Murren schüttelte der Schäfer den Kopf:Ich kenne ihn, er ist ein Niemiec, einer von denen, die da wohnen auf gestohlenenr Acker. Schäme dich, daß du daran denkest, diesen zu freien!"

Aber Stasia luchte leichtfertig:Aergere dich nicht, Väterchen!" Schmeichelnd klopfte sie dann bent Burschen, der kein Wort verstanden hatte, die Wange:Walek, mein Lieber, sage, werden wir nicht ein schönes Pärchen abgeben? Hihi, hihi, er gefällt mir nun einmal! Hihi!"

Zornig sprühten des Alten Augen.Lache nur, lache du nur! Ich sage dir ich, Kuba Dudek, der vieles sieht, was andre Augen nicht sehen nicht lange wirst du lachen!" Sprach's urtb1 ging, das Köpfchen des Kindes an sich pressend, als wolle er das bergen vor nähendem Unheil, in seine Hütte zurück.

Was der immer faselte! Ein rechter Wichtigmacher! Stasia schrie ihm nach:Alter Esel!" und dann noch eine ganze Menge wenig schmeichelhafter BemeriUngen.

Da öffnete fick)! das niedrige Fensterchen, hinter dem der Rosmarin stand, und ein brauner Mädchenkopf guckte über den Blumentopf weg:Wer schilt das Großväterchen?"

He, Michalina!" Stasia winkte.

Stasia, du bist es!" Die Braune guckte ganz ver­blüfft und wurde dann brennend rot, als sie auch den Burschen erkannte. Fragend glitten ihre Blicke von der einstigen Schulgenossin zu dem deutschen Ansiedlerssohn.

(Fortsetzung svlgt.)

velasqusz an seinem 250. Todestage.

(Gestorben am 6. August 1660.)

Bon Dr. Panl Landau.

Ein Vierteljahrtausend ist im Zeitenstrome dahingerollt seit jenem Freitag, dem 6. August, im Jahre natl; der Geburt des' Heilands 1660, da der Palastmarschall seiner katholischen Majestät, König Philipp IV. von Spanien, der Ritter des hohen Santiago- Ordens, Diego de Silva Velasquez,nach Empfang der heiligen Sakramente, um zwei Uhr nachmittags, int 61. Lebensjahre, seine Seele dem gab, der sie zu solcher Bewunderung der Welt geschaffen hatte, alle in großer Trauer zurücklassend, und nicht am wenigsten Seine Majestät, die, als das Leben in Gefahr sck)webte, zu ver­stehen gegeben hatte, wie sehr sie ihn lieb nnd wert hielt", Der

*) Brautwerber,