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RrkgslqriL von MO.

- Nu« nahen wieder die Tage heran, in denen der 40 Jahren in die gewitterschwüle, unruhig erregte Stimmung der Blitzstrahl der Kriegserklärung einschlug und die ruhmreiche Zeit des deutschen Ringens mit Frankreich begann. Einer der bedeutendsten Sänger dieser großen Zeit, Ferdinand Freiligrath, ist gerade jetzt wieder aus Anlaß, seines 100. Geburtstages von ganz Deutschland einmütig gefeiert worden. Aber der Poet desHurrah, Germania!" stand damals nicht allein, sondern unzählig war die Schar begeisterter Persmacher, die im Liede ihren Gefühlen der Freude und des Stolzes Ausdruck gaben. Damals dichtete Julius Sturmr . . , .

^anz Deutschland zählt kaum so viel Bajonette In diesem Krieg als Kampf- und Siegeslieder/ Und jeder neue Tag bringt neue wieder;

Und immer länger wird die länge Kette/."-

Den dichterischen Ertrag dieses strophenreichcn Jahres Untersucht nun Victor Klemperer in einem eingehenden Aufsatz der Grenzboten und! tritt der verbreiteten Meinung entgegen, nach der der sieb­ziger Krieg nur wenige dichterische Früchte getragen habe. Zwar läßt sich die aus den deutschen Siegen ent*, spryßene Liederblüte nicht mit den gewältigen Klängen der Befreiungskriege vergleichen, in. denen eine viel reicher«! Skala der Empfindun.gcn, von Verzweiflung und Haß bis zu wilder Kamvfesgier und triumphierendem Jubel, anklang: denn die Lyrik von 1870 ist der Ausdruck eines einzigen Gefühls, der Freude über die gewaltigen Erfolge, neben der die Trauer um die Gefallenen nur leise und gedämpft ertönt. Ein Unrecht ist es aber, daß diese Lyrik zum großen Teil der Vergessenheit anheimfiel; der Grund dafür war wohl, daß nach 1871 eine ganz neue Zeit begann, sich auch in der Literatur ganz andere Stimmen zu regen anfingen und die politische Dichtung aufgcgeben wurde, nachdem nun die große nationale Sehnsucht, die ihr so lange mäch­tige Flügel verliehen hatte, erfüllt wär. Freude ist der Grundton her Lyrik von 1870. Nur wie dunklere Unter­töne hallen in hie hellen Fanfaren jene leisen Klagen, wie.ihnen z'. B. Freiligrath Ausdruck verliehen;

Vieltausend Männer und Knaben, Picltauseud Schar bei Schär, Begraben, begraben, begraben An Mosel, Maas nud Saar.

L> der Witwen und der Waisen/ Ö der armen Eltern nun!

Und immer noch darf das Eisen/ Das blutige, nicht ruhü."-

'Jst den Chorus der deutschen 'Sänger wischen sich auch die Dciitsch-Oesterreicher hinein, die an dem Kampf der Brüder heißen Anteil nehmen und die neutrale Stellung ihrer Regierung mit Bitterkeit empfinden. Die beiden Deutschböhmen Alfr e d.M ei ß n e r und Al­fred Klaar sprechen .dies Gefühl in leidenschaftlichen! Versen, aus, und der Tiroler Ad o lf Pich ler ruft: .

Te Deuni laudamüs.! doch leider mW Beim Jubel ich heimlich grollen:

Nicht darf. Tirol, beit Brüdern zinst Wüst/ Die Falstie Hofers entrollen."

- In Tcutschtauds Gäuen selbst vereinest sich Dichter jeden Alters und! jeder politischen Gesinnung MM begeisterten Preise der deutschen Siege. Als' A'eltester. tritt Karl von .Holtet ans den Plast, der 72jährige, der als Kiiabe die Schmach von 1806 miterlebte und als Freiwilliger 1815 gegen den ersten Napo­leon gefochten. Sein RufSeid einig!" wird! mächtig ge­tragen durch diese Resonanz der Erinnerung:.

Vor 'vierundsechzig Jahren, Von kindischer Wut durchbebt'.- Hab' ich schon mit erfahrest,- > Hab' ich schon miterlebt, Im teuren Heimatlands Die Schmach, den tückischen Hohst,- Die nie vergessene Schände, Die uns Napoleon

i Voll,W eltbezwi itge r-Wahn

,Tyrannisch angetan

Das künstlerisch Bedeutendste der siebziger Lyrik Naben -dich Söhne der auf Holtet folgenden Gene? ration, die schon 1848 ihre Stimme hätten erschallen lassen, geschäfsen. Herwegtz freilich verschloß sich

als einziger deutscher Dichter in gänzlicher Vev- blendung gegen die großen Ereignisse; aber Fr eili graths wurde zum Herold des deutschen Ruhmes, den er in herr­lichen Strophen feierte. Auch andere demokratische Dichter, ivie Rudolf Gottschall und Julius Grosse, würden durch Napoleons III. despotische Herrschaft zu pathetischen Ge­dichten gegen denZwingherrn"begeistert. Den höchsten Aus-» druck jedoch fand die Kriegslyrii neben Freiligraths Strophest vor allem in den herrlichen Liedern Geibels, der als ein würdiger Jünger Ernst Moritz Arndts das Herannäh'est einer neuen Leipziger Völkerschlacht vorausverkündet hätte/ SeineHeroldsrufe" sind erfüllt von heißestem Dank ast das Schicksal, das so wunderbar gewaltet und allen sehn-» süchtigen Hoffnungen Erfüllung gespendet:

Preis dem Herrn, dem starken Retter/ Der nach wunderbar em Mat Aus dem Staub' uns hob im Wetter' lind uns heut im Säuseln naht."

Andere Dichter der Zeit um 1848, die 1870 freudig in den Jubel einstimmten, sind der schlichte, manchmal derb humoristische Karl Sim rock, der pathe­tische Wilhelm Jordan, George Ludwig Hesekiel, der seins KriegsliederGegen die Franzosen" betitelte. Den frommest Weiheton des Propheten, den Geibel angeschlagen hatte/ nimmt Friedrich Karl Gerok in seinemDeutschen! Ostern" auf. Er hat schöne Beschreibungen einzelner Kriegs- szenen geliefert und auch die Heldentat derFahne dest Einundsechziger" geschildert, die I u l i u s W o l f f in seinem bekanntesten "Gedichte preist. Wolff zeichnet sich in seinem VersbandAus dem Felde" durch frische, lustige Beobacht tungen aus, die die Stimmung der Soldaten wiederspiegeln.' Volkstümlich humoristische Lieder sind auch aus dem Kreise der Kämpfer selbst hervorgegangen, so das berühmte! Kutschke-Lied" oder andere spaßhafte Verse, wie:

Gambetta, halt' das große Maul!

Inwendig ist der Appel faul."

Mit lustigen Gedichten wartete auch der Kladdera­datsch auf, in dem Johannes Trojan und Julius Lohmeyev künstlerisch gelungene Merkchen veröffentlichten. So schil­dert z. B. Löhmeyer in denlyrischen Patronenhülsen eines gefühlvollen Landwehrmannes",lvie wir Metz, erobern".?

Es is eine schöne J'ejend Um diese Festung hier Und wenn's manchmal nich rejeuk,- Dvnn sieht mau was von ihr - , ä Im Halse bin ich heiser Hoch seit verwichne Nacht;

So wird der Deutsche Kaiser Im einzelnen jemacht."

Eine der schönsten poetischen Gaben hat Wilhelm J'ensest in seinen tief empfundenenLiedern aus Frankreich" oev Lyrik von 1870 geschenkt. An seine Gedichte könnte man die wuchtigen Kriegsepen Wildenbruchs und die anschaulichen! Schlachtenbilder Lilicncrons anschließen; doch sind-die Leidest letzten Werke nicht unmittelbar, während des Krieges/ sondern erst später entstanden.

Der Mund der Rauchers.

Einen energischen Fürsprecher hat der Tabak und das Rauchest .jüngst in dem italienischen. Professor Dr. Giuseppe Cavallaro! gesunden, der im königlichen Institut für TabaksuntersnchunA in Seafati an Menschen und Tieren Untersuchungen über die Wirkung des Tabaks auf die Mundhöhle ausgesührt hat. Seine; Ergebnisse veröffentlicht die italienische Tabaksregie in einem' kleinen Buche unter dem TitelDer Tabak, in der Prophylaxe! des Mundes". Sehr bemerkenswert sind die Wirkungen des! Rauchens auf den Bakteriengehalt des Speichels, die Cavallaro! kestgcstellt haben ivill. Seine Untersuchungen beziehen sich auf 18 verschiedene Bakterienarten, die in der Mundhöhle häufig sind« Es wurde die Wirkung des Tabaks in verschiedener Form era probt, nämlich die Wirkung des Rauches von Zigaretten und! Zigarren, sowie die einer dreiprozentigen Nikotinlösuiig. Zst allen drei' Versuchsreihen wurden die Bakterien im Speichel! durch die Produkte des Tabaks völlig abgetötet. Cavallaro zielst hieraus den Schluß, daß das Tabakrauchen ein Vorzügliches Mittel zur Keimfreimachung der. Mundhöhle ist. Weiter beziehen Nch Cavallaros Untersuchungen auf die Wirkung beim Tabakrauch oder Nikotinlösung aus die Schleimhaut und auf tue Speicheldrüsen,. Hierbei sind die Ergebnisse nicht ganz so günsttg. Cavallarä muß zugeben, daß die Schleimhaut sowie die Speicheldrüsen euteä Gewohnheitsrauchers sich dauernd in einem Zustande der Reizung! befinden. Das Rauchen befördert gewöhnlich, die Absonderung, des Speichels, in manchen Fällen aber geht die Mittung weiter! -und es tritt die entgegengesetzte Wirkung ein, nämlich Bei liegen