Mttwsch den 6. Juli
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Das schlafende Heer.
Ronmn von Clara Vie big.
lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
.., Mit einem verdüsterten Blick sah der alte Mann um sich: da war der Acker, den er nun elf Jahre bestellt hatte, ms fei er ihin selber zu eigen. Wenn man nichts Teures KUf. der Welt hat —die Eltern längst im Grab, Frau und Ä'md nre besessen, nichts, für das man zu sorgen hat, und
Ktr bruen sorgt —, dann hängt man sein Herz, an ein Stirckchen Erde. Und es war ein dankbares Land, dieses Lana von Przyborowo. Nie hatte es ihn enttäuscht. Wo gab cs Io schweren Weizen, so zuckerhaltige Rüben? Keines der Güter, ringsum konnte konkurrieren, und wenn Herr - Kestner ewig klagte, so geschah das mehr aus Angewöhnung.
Der Inspektor bückte sich und raffte eine Handvoll Erde vom nächsten 'Acker. Tas war schwarze, gut gedüngte, schwere .Krume., Den Schweiß, der auf sie niedertrofs, zahlte sre reichlich wieder. Und hier sollte er nun nicht mehr herumwandern — wenn es auch oft mit müden Füßen geschehen, — hier diese Wintersaat sollte er nicht mehr auf- gehen, nrcht mehr fett grünen sehen unterm Schnee?!
Ein Schmerz ohnegleichen bewegte sein einsames Herz, und zugleich übermannte ihn die Bitterkeit. Er haßte den Besitzenden — wußte per denn eigentlich, was Liebe ist? Ja, wenn hineinstecken, um doppelt herauszupressen, wenn das Liebe ist, dann liebte Herr Kestner in der Tat sein Przyborowo.
Mit einem tiefem Seufzer setzte sich Hoppe auf den nächsten Grenzstein. Er fühlte sich auf einmal so müde; dre Füße waren ihm dick geworden in den schweren Schmierstiefeln. Nun merkte er's erst, daß er schon viel zu weit gegangen war; der Gutshof von Przyborowo lag ihm bereits tm Rücken. Nur Hahngekräh schrillte noch von dort bis hierher. Hier fing schon Niemczyce an.
Niemczyce — hm, auch ganz nett! Der Niemczycer plagte sich redlich, das mußte man zugeben. Die Brache War auch schon umgebrochen, — da stand eine Drill-- Maschine aber — aha, der säte jetzt erst ein! Mit liebendem Stolz vergleichend, blickten des Inspektors Augen K^"""^er und herüber: mit Przyborowo wac's nicht in einem zu nennen!
Dort, mitten im Acker, lüg ein Luch! Ja, Niemczyce mar etwas naß — schade, trotz allen Drainierens entschieden zu naß — und sieh, wie unvermittelt, gleich neben dem schweren Land wieder ein Sandstreifen! Hm, komplizierte Bestellung!
wär H oppe aufgestand en und nieder- ZeMegen zum umbuschten Tümpel. Nun stand er an dessen Man-, zwischen dem Weidengestrüpp, und guckte ins Wasser.
Schnitter und Schnitterinnen ba-eten hier am heißen K-M; es war zwar verboten — der Luch war tückisch, in per
Mitte stieg er einem ausgewachsenen Mann bis unters' Kinn, eine ungeschickte Bewegung nur, und, schwupp, chatte man den Milnd voll Wasser — aber die leichtsinnige Jugend badete doch und lag dann 'in den Büschen, wo die Störche spazierten. Jetzt waren die Störche auch schon fort, fort wie alle Freuden!
In tiefer Niedergeschlagenheit ftfaitb der müde Mann. Ach, wäre man doch auch erst fort! Mer nicht wie .jench um nächstes Jahr wiederzukommeu — nein, ganz fort!
Wohin — wohin?! Der Winter war vor'der Tür! Wie lange noch, und dieser Kopf beugte sich schneeweiß?!
Eine plötzliche Verzweiflung packte den Heimatlosen. Schweiß trat ihm auf die Stirn, sein Gesicht verzerrte sich wie im Krampf. „Siehe, ich .stehe Gor der Tür und klopfe an," hatte Herr Kestner gestern als Text der all-, abendlichen Betrachtung gelesen — wer tat ihm, ihm denn aus?! Niemand! Er hatte keine Stelle und würde auch keine mehr bekommen, er war ja alt!
Immer heftiger wurde das jähe, schreckliche Gefühl, das ihm so -am Herzen riß, daß dieses zitterte und alle Glieder mitzitterten, ohne Kraft zum Widerstand. Das Maß war voll bis zum Rand, voll wie der tiefe Luch hier, den der Herbstregen geschwellt — nur ein Schritt tat Not!
„Hoppe! Pst, Herr Hoppe.!"
Eine Stimme rief aus den Büschen, ganz leise, doch für den Zusammenschreckenden überlaut.
Hinter einer Strauchweide richtete.sich der MemezpeeU auf. Dort hatte er auf den Knieen gelegen, das Gewehv im Anschlag.
„Aber, bester Hoppe, pst — gehen Sie weg, weg da!" Er winkte. „Sie Verscheuchen mir ja alle Wildenten! Husch, — da haben wir's!" "
Ein kleines Volk der buntschillernden Vögel ivar aufgeschwirrt; der Schuß knallte zwar, aber unverletzt fielen die Enten an einer entfernten Stelle des Röhrichts wieder ein.
Mit einem unbefangenen Lachen kam der Niemczyce^ auf den Erschrockenen zu.
Ter stand da wie ein ertappter Knabe.
Doleschals Augen blieben, trotz des Lachens, ernst; sie forschten in dem zerwühlten Gesicht. „Hören Sie mal. Hoppe, meine Frau wird Ihnen sehr böse sein, wenn ich heute, ohne was geschossen zu haben, nach Hause komme; sie ,rechnet aus ein paar Enten. Gehen Sie mal hier weg, mein bester Inspektor! Zum Kuckuck, was haben Sie denn au meinem Luch zu suchen?!"
Das klang alles sehr scherzhaft.
„Herr Baron, Herr Baron," stotterte der sehr Blaßz gewordene. Weiter brachte er nichts heraus. Die Kntee knickten ihm ein. Sein Gesicht verzog sich, wie bei eineich der weinen möchte. Es war ein kläglicher Anblick.
.. „Hören Sie," sagte Doleschal und drängte den andern leicht vor sich her, die Böschung hinaus aufs Ackerlanch „hätten Sie jetzt vielleicht ein wenig Zeit für mich? IW


